PfWB Schlauch III das Wort ist allg., doch ist die nhd. Bed. (1) erst in jüngerer Zeit aufgenommen, weshalb auch im Berg. n. der Benr.-L. dafür -ǫux, Pl. -yχ gilt; sonst Rhfrk -aux, –ǫu-, Pl. -aiχ, –ęi- [Birkf-Idar -ōx, Pl. -ēχ]; Mosfrk -ǫux, –ou-, Pl. -ęiχ, –ei-; Siegld, OAltk, OBerg -ux, Pl. -iχə, -y-; Gummb-Schwarzenbergisch für Bed. 2. -uk, Pl. -ykə, –ǫux, –ou-, Pl. -ęiχ, –ei-; Rip -ux [Malm, Monsch, Eup -ū-], Pl. -yχ [-ȳ-]; Sol-Wald -ox, Pl. -øχ; SNfrk -ūk, Pl. -ȳk [am östl. Ende der Benr.-L. ausweichend über Neuss-Scherfhsn bis Glehn Neusserweyhe mit -ux]; Klevld -uk, Pl. -y- m. [f., Pl. -xən uSaar]: 1.a. wie nhd., Schl. zum Abfüllen des Weines (früher meist Saugheber u. Kranen), in der Saugflasche, zum Bewässern, Wasser-, Spritzen-, Gummischl. RA.: Jung Schleich, junge Wein, al Schl., ale W. Mos. — b. der aus Spiraldraht, mit Zwirn umsponnene mittlere Teil des Tabakpfeifenrohres Rhfrk, Mosfrk; s. Glaster, Laster. — 2.a. Sg. t. α. Sg. t. Mark im Holz, bes. im Holunder, u. in Knochen, hier bes. im Tierhorn [Bd. 7, Sp. 1259]
(während Knochenmark meist Mark heisst) Simm-Crastel, Bernk-Berglicht, May, Neuw-Jungeroth, OAltk, Siegld, OBerg, Sieg, MülhRh, Dür-Gey, Aach-Walh, Grevbr-Kapellen, Eup, Heinsb, Kemp Rees; de Koh hat de Schl. gebroche das Horn Siegld-Kromb. RA.: De Kält geht bes an de Schl. bis ins Mark Sieg-ODollend. — β. Stumpf, fleischiger Knubbel des abgestossenen Hornes der Kuh Malm, Gummb-Berghsn; der St., auf dem die Hörner der Kuh sitzen Heinsb-Lümb. — γ. Geschlechtsglied männlicher Tiere, bes. des Stieres Kreuzn-Weiler, Saarbr-Völkl, MüEif, Dür-Pier, Aach-Merkst Walh, Eup; des Wallachs Heinsb-Erpen; Schlund Aach-Alsd. — δ. Umhüllung des Wickelkindes Eup. — ε. in der Wend.: Die Butter es (äne) Schl.; es hot Schl. gen die Butter ist käseartig weich Kreuzn, Simm. — ζ. Knöterich, polygonum bist. Aden-Spessart. — b. mit Pl. α. Aufhängeschlinge Kreuzn-Burgsponh. — β. kernlose Zwetsche, Tasche Saarbg-Weiten. — γ. Hornschuh des Rindes Bernk-Rapperath, Kemp. — δ. Köcher, bes. der Wetzsteinbehälter (der meist ein Kuhhorn ist) Schleid-Dreiborn, Monsch-Kesternich. — ε. Eiterpfropfen u. hartes Blut auf einem Blutgeschwür MGladb-Rheydt Viersen. — ζ. Zipfel beim wollenen Sack Heinsb-Höngen. — η. Spule gesponnener Wolle Bitb-Dudeld (veralt.). — θ. Tuchsack für die Bettfeder, Kaff, das Inlett, Bettschl. MGladb, Kref, Kemp; der mit Kāb oder Häcksel gefüllte Sack im Bett, welcher als Onnərpēl auf den Schdrēsack gelegt wurde; dat es əm Schluch schdächə blēwə (stecken geblieben) nicht zur Ausführung gekommen, nicht erledigt worden, auch: das ging verloren; dä hät alləs əm Schluch gəlosə alles fahren lassen, verloren Siegld. — ι. in Fadenform abgehende verdickte Milch, bes. von einer kurz vor dem Kalben stehenden Kuh; wenn die Kouh leəg (leer) gemelk wörd, donn komme doə son Schlük ut MGladb-Viersen u. so Siegld (-iχə), Gummb, Dür-Birkesd. — κ. -iχə Weisskraut, das sich nicht zu Köpfen schliessen will, sondern flatschich bleibt und infolgedessen auch seine grüne Farbe beibehält Siegld. — λ. persönl. αα. verächtl. lang aufgeschossener Mensch Wippf-Thier. — ββ. lyχ Pl.: Neckname für die Bewohner von Eusk-Derkum u. Dürscheven (kann auch zu Schlauch bei schlauchen II gehören). | | PfWB ElsWB LothWB Rute III das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk rūt, –ōu-, Pl. -rə; Mosfrk in Saarl rū:t, –o·u., –ōu-; sonst im grössern Teil der uSaar -o·u.-; sonst Mosfrk -ū:-, –ō:- [in Bernk in einem Bezirk -o·u.-], Pl. -də(n); SNeuw, Altk rō:t, Pl. -rə, –lə; Siegld rō, Pl. -ə; Rip rō:t, Pl. -də; Berg rō:t, –ō-, Pl. -dən [doch Gummb rū(ə) am ORande rou(ə); Lennep rū, rō, Pl. -ən]; Eup ro, Pl. -ə; Aach ro·u., Pl. -ə; SNfrk rō:, rū:, ro·u., Pl. -ə [Kemp ruγə]; Geld, Mörs rū, Pl. -ə; Klevld ru, Pl. -iə; Demin. rīdχə, –ei-, –ēi-, ī:-, –e·i.-, –:- usf. mit Umlaut; NBerg, SNfrk røtə; Klevld rytjə f.: 1.a. Gerte, die man etwa von der Haselnussstaude, der Birke, Weide abschneidet; en schwunke R. biegsam; eine R. (Rietchen) schneidet man sich im Frühjahr beim Ausflug in den Wald; Wünschelrute; mit einer R. treibt man die Tiere; eine Birkenrute bringt der hl. Mann den unartigen Kindern auf Nikolausabend, u. so dient die R. als Züchtigungswerkzeug; de Kender han de R. krege; mach, dann hollen ech de R.; enen met der R. strofe Rip, Allg. RA.: De R. mät (macht) de Kenger got Bergh, Köln. Och en schlechte R. m. kodde (böse) Kinder got Köln-Stdt. De Kannern dorf mer de R. net sporen Bitb-Dudeld. Je liewer et Kend, je schärfer de R. Mos (o. O.). Deə bengt (bindet), schneidet, macht, flöch (‘flechtet’) sich en R. för singe eige Arsch (Hinnern, Fott) einer, der seine Kinder [Bd. 7, Sp. 643]
schlecht erzieht, der durch eigne Schuld in eine leidvolle Lage gerät, sich selbst schadet Aach, Allg.; die trecke sich en R. for ehre ege Arsch wenn die Eltern die Kinder verziehen Düss; den hat sich selwer en R. hannewieder geschlohn sich selbst geschadet Trier-Mehring; er hot sich e R. uf de Buckel gebunn dass. Simm-Schlierschd; er hat sich mit der R. im (um) den Ärsch gehan (gehauen) dass. Saarl-Berus. Fruher Senn un gode Mot spart dem Kend of de R. Neuw-Unkel. Der Kenger ihre Welle stich en der R. Rip. Peərd ohne Tung (Zaum), Kengk o. R. deht se Leəvendag net got MGladb-Korschenbr, Bernk-Bruchw. — b. zu besondern (technischen) Zwecken. α. Pfropfreis Wend, Ottw, Trier-Schweich, Bitb-Ehlenz, Bo-Brenig. — β. Stange über dem Ofen, zum Trocknen der Windeln u. a. Wäsche Berg, MGladb, Kemp, Mörs. — γ. Stange am Dreschflegel, Allg., an der Peitsche May, LRip, am Rechen Bernk-Malborn, Aden-Kaltenborn. — δ. zwei R.ə dicke Balken, auf denen die Kelter ruht Trier, Siebengeb. — ε. sehr lange Stange, etwa zum Aufsetzen des hölzernen Vogels, beim Vogelschiessen, Vugelsr. Allg., Gardinenstange Barm, zum Halten des Bettvorhanges Sieg (veralt.). — ζ. Messlatte Allg. — R. zum Messen des Weines im Fasse, Wingr.; man steckt sie durch das Spundloch des Fassbauches einmal nach links schräg bis zum Ansatz des l. Bodens, einmal nach rechts zum Ansatz der r. B. u. einmal senkrecht durch das Fass hinein u. beobachtet jedesmal, wie weit der Wein an den R. reicht. — η. Schliessrute beim Samtweben Kref. — θ. meisselförmig auslaufende Eisenstange, mit der bei einem Abstich des im Hochofen gewonnenen Roheisens das Stichloch aufgestossen wird, in der Spr. der Hüttenarbeiter Siegld, Altk. — ι. ausgeschmiedete Stahlstange Remschd. — κ. Eisenschiene unter den alten Holzschlittenkufen Barm. — λ. Flügel der Windmühle, im bes. die äussern Enden der Fl. aus Holz Geld, Mörs, Klev, Rees. — μ. Obertenne, mit Ruten belegt; of der R. (s. Geräte) Wend-Pfeffelb Werschw. — 2. übertr. a.α. Geschlechtsteil des Stieres, Ebers Dür, Aach. — b. Schwanzknochen des Pferdes Bernk-Gräfendhron, Dür-Grey. — c. Masse. α. en R. Iser Bündel Eisenstäbe Remschd, Mettm-Cronenbg. — β. Längenmass Allg.; 1 R. = 12 Fuss (Schuh) zu 12 Zoll zu 12 Linien; en kölsche R. = 3,77 m; eine Aachener R. = 4,5135 m; in Kobl = 16 Fuss, 1 F. = 12 Zoll, 1 Z. = 12 Linien. — γ. Flächenmass, de Quadratr. Allg.; 1 R. = 14½ qm; (24 R. = 1 Viertelscheid Gummb); 160 ertliche (örtl.) R.ən = 1 alter Morgen, 120 R.ən = en preissischer Morgen Hunsr; 180 R.ən = 1 M. Daun, Mörs. — Ein R. Gut = 1 Landlor Saarl-Hüttersd 1800. — 1 Fass Soot (Saat, Land) = 60 R.ən, soweit als man mit 36 Pfd. säen kann Bernk-Dhron, Zell-Enkirch. | | Schlauch m.: 1.a. 'biegsame Röhre (aus Gummi, Gewebe)', bes. Schlauch zum Umfüllen von Wein, Schlauch an der Feuerspritze, Schlauch (laux) [verbr. (außer lothr. SWPf), Christmann Kaulb 20, 74 Müller Dietschw 65 Krämer Gal 186], Schluch (lux) [ IB-Bebh]; Pl. Schleich, Schleisch [mancherorts]; Zs.: PfWB Feuer-, Feuerwehr-, PfWB Weinschlauch. De Sch. an de Feierspretz werd gefiehrt [ WD-Niedkch]. RA.: uf em Sch. stieh 'nicht weiter wissen' [Thielen So rerre mer 109]. — b. 'luftgefüllter Schlauch in gummibereiften Fahrzeugen' [verbr.]. — c. 'Lederschlaufe am Rückriemen des Zugtiergeschirrs, durch die der Zugstrang führt' [ HB-Schwarzack]. — 2.a. 'Geschlechtsteil des Ochsen, des Stiers' [verbr.]; Syn. s. PfWB Rute1 2 d. — b. 'Geschlechtsteil [Bd. 5, Sp. 1046] des Hengstes' [mancherorts, Lambert Penns 134]. — 3. 'nasse Stelle einer Wiese, eines Ackers' [ GH-Sondh]; vgl. PfWB Schleich 1 d; Syn. s. PfWB Wassergalle. — Südhess. V 392; RhWB Rhein. VII 1258/59. |