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 RhWB Ross VII (Bd. 7, Sp. 516)   PfWB Purzel (Bd. 1, Sp. 1382)   PfWB Roß (Bd. 5, Sp. 594) 
  NRhWB  PfWB  ElsWB  LothWB Ross VII das Wort ist der MA. im allg. Gebrauch fremd; nur in zwei RA., in Kniereiteliedern u. in übertr. Bed. als Sg. t. bezeugt; in Zs. ist es in geschlossenen Geb. verbr. n.: 1.a. in RA.: Der Appel (Rossapfel) fällt net wick (weit) vam R. Kinder arten nach den Eltern Sieg, Bo, Köln, Jül. He kömmp von R. (--) op Eəsel er kommt wirtschaftl., sittl. herunter Kemp-Dülken. — b. in rhfrk., mosfrk. Kniereiteliedern. Reiter, R., Räss-che, druwe steht e Schläss-che usf. Rhfrk. Ross, R., rill, de Bauer hat en Fill; Fillen wollt net lafen (laufen) usf. Koch, Kobl. Ri, ra, Räss-che, et Perdche staht eam Schläss-che, et Fillche st. eam Stall on frisst de Hawer all May-Trimbs. (Rossa, Rossa, Rüllche Altk-Willr). Jä, jä, R., Perdchen steht am Schloss, morge, m. Hawer dreschen, kret dat P. Spitzen fressen Merz-Büschf. — 2. übertr. a. Ross Bęiə(r)t (eigentl. das Ross Bayard der vier Haimonskinder) ungeschlachte, ungestüme, waghalsige Person, bes. grosses, gesetztes Weib, kleiner lebhafter, wilder Junge (halb scherzh., h. tadelnd) Köln-Stdt, Bergh-Heppend, Kemp-Stdt (rs); Beiə(r)t Eusk-Lechenich; Bęiər Kobl-Stdt (n. verächtl. schlechtes Pferd), Bergh, Dür, Jül, Aach, Heinsb (auch rus), Grevbr-Wickr, Kemp-Amern (lästiger Schwätzer); rǫs Bęiər u. ras B. m. u. rǫs Bęi f.; rǫs bęikə u. has Bęiər m. Eup; rǫs bajas Bitb-Wiersd (starkes Pferd; starkes Weib); dat es et püərschte (reinste) Rass Beike kräftiges Mädchen Eup. — b. ręsχən n. das an den zwei Enden zugespitzte Holz, finger- bis handlang, auf einem Steine liegend, das durch einen Schlag mit der Plätsch in die Höhe geschnellt wird, worauf es die Mitspieler (der anderen Partei) auffangen müssen; et Ross· (Rass-)spiel; Räss-chen spielen; Ross-ches (Räss-ches) sp.; et R. offänken Wend, Ottw, Saar, Trier-Hochw (Rässelche); s. Gimme I, Leikse, Gischt, Pinke IV. — c. ręsχən n. das Holz in dem Aufbau des Vorderpfluges, auf dem der Grindel, der Pflugbaum, ruht Merz, Saarbg.

 

   Purzel m., f., n.:
1. 'kleines Kind', vgl. PfWB Purzeler. Du kläner Borzel [Schandein Sprachsch. 7]. 'Kosename für ein kleines Mädchen', die Borzel [ LU-Altr]. Vun 's Kellerfenschters (Familienname) waren aa schun drei kleene Borzel do [Hartmann Unkel 93]. —
2. Spitzname für einen kleinen, breiten Mann, Borzel [ KL-Katzw Hirschhn]; 'untersetzte, dicke weibliche Person', e dicki B. [ NW-Dürkh]. —
3. 'Mädchen, das sich zuviel mit Männern und Burschen abgibt' [ NW-Gimmdg]; vgl. PfWB Bubenrolze 1. —
4. auch von kleinen Tieren: Reblaus heeßt des kleene Borzel, wo am Rebstock sein're Worzel als Schmarotzer hin sich duckelt un mit sein're Saugborscht zuckelt [H. Glückstein, Wurstmarkt 1926].

 

   Roß n.: 'Pferd', Roß [PS-Gersb LA-Impfl], s. F., Dim. Reßche, Reßje, s. KR.; RA.: sich uf's hoh R. setze 'hochmütig tun' [ FR-Bockh]; Var.: uf em hohe R. sitze [ NW-Hardbg]. SprW.: E R. un e Mann, die gehere immer vorne dran [Hebel 46]. E R. mit vier Fieß stolpert aa [ Don-Sekitsch]. KR.: Reide, reide, Reßje, / do owe steht e Schleßje; / do owe steht e Glockehaus, / gucke zwoo Madame eraus. / Die eend, die spinnt Seide, / die anner wickelt Weire, / die anner geht ans Brinnche / un fischt e goldisch Kindche. / Wie soll das Kindche hääße, / Beckelche orer Gäßje? [ KU-Kaulb]; Var.: ... die anner wickelt Weide, / die dritt macht e goldne Rock, / for de liewe Herrgott [Kaislt], ... die aan wickelt Weire, / die anner spinnt Seire, / die anner macht e rore Rock / for mein Brurer Jakob [ KB-Kriegsf]; ... dart owe steht e Herrehaus, / gucken die kleene Buwe raus. / Wann se greßer were, / reire se uf Pere (Pferde). / Wann se greßer wachse, / reire se in die Sachse [ KU-Hinzw]. Reile, reile, Reßche, / drowe steht e Schleßche, / drowe steht e Kukkuckshaus, / gucken drei schäne Mädcher eraus. / Eens spinnt Seile, / 's anner spinnt Weile, / 's anner geht ans Brinnche / helt e goldig Kindche [ KU-Bedb]. Forts. des KR. bei Kuckuckshaus: die ään spinnt Seire, / die ään wickelt Weire, / die änner strickt e rore Rock / for de stinkzich Gäänsebock [ KU-Roßb]; Var.: for de alde Zoddelbock [ Gal-Dornf]. Reide, reide, Reßche, / 's Gailche steht im Schleßche. / Morje wolle mer Hawer dresche, muß des Gailche Spitze fresse. / Plumps, leit's drunne [ KU-Bedb]. Weitere Kniereiterreime s. PfWB Purzelbock, Johan-Jakob 1, PfWB Kuckuckshaus, PfWB Madam 1 a, PfWB reiten 1 a, PfWB rosenrot, PfWB Schloß. Quackvers: Der Pingschdequack hat Aajer g'fresse un hat sein R. im Stall vegesse, Quack, quack [ PS-Hirschth]. a. 1310: igelicher mit eim grossen rosse [SpeyUrk. 202]. a. 1391: auch sollent dieselben Biewälder siczen in den selben hofen mit iren roßen vnd pferden [PfWeist. 111 (Bienwald)].

[Bd. 5, Sp. 595]
a. 1563: zu dienen vnd zu fronen mit Roß vnd mit handen [SSp, Lgb. FR-Dirmst Bl. 352 (KB-Otth)]. — F.: Die zwei Belegorte der SPf sind Ausläufer des großräumigen Verbreitungsgebietes für Roß im Obd.; zur Verbr. der Syn. für Pferd im dt. Sprachraum s. DSA, K. 8. Sonst gilt für die Pf Gaul bzw. Pferd, s. K. 39. Da das Wort in idiomatischen Wend. u. Zs. sowie in Abl. häufig bezeugt ist, kann angenommen werden, daß es als Gattungsbegriff und in verengter Bed. (als Streitroß oder Reitpferd) auch in der Pf verbreitet war. — Südhess. IV 1464/65; RhWB Rhein. VII 516; LothWB Lothr. 418; ElsWB Els. II 290/91, ALA II 44.