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 RhWB Keim (Bd. 4, Sp. 395)   DWB kieme (Bd. 11, Sp. 682) 
  PfWB Keim kaim, –ęi-, –ei-, –ī- [Köln-Stdt -ī- u. -ei-]; Pl. -mə(n) m.; doch haben geschlossene Geb. abweichende Formen: kīm, –ī:- f. Simm-Ebschd, Goar-Weiler, Neuw-Heimb Weis (m.); ki·m. f. Zell-Briedel, MüEif, Sol; kim Siegld; Pl. -mə; kī:m f., Pl. kīmən, Demin. ki·m.kə Erk-Elmpt; dasselbe Wort mit n-Suffix erstreckt sich über grosse Teile des WRandes, u. zwar kę·i.n f., Pl. -nən Saarbg (Moselorte), Trier, Wittl, SDaun; kę·ŋ. f. Bitb; -e-, –i-, Pl. -·ŋ.ən Prüm, Malm; kī:n f., Pl. -nən Bernk-Wintrich; ki·n. f., Pl. -nə Daun-Strohn, Koch-Lutzerath, May-Kehrig, Aden-Rieden Weibern [doch ist dieses geschlossene Geb. mit seinen Restbelegen nach O. hin nicht frei von keim, z. B. Bitb-Mettend Rittersd, Trier-Stdt]; ein zweites n-Geb. erfüllt das NBerg mit kīn, –ī:- f., Pl. -nən; dann Teile des SNfrk, u. zwar kī:n, -ī·ə.- f., Pl. kīənə Heinsb, MGladb, Kemp, Kref; -ē- Mörs, Geld; kin f., Pl. -nə(n) Klevld [dies nfrk. Wort geht freilich auf kine zurück, das auch ‘Spalt, Riss, Schrunde’, bedeutet]: 1. Pflanzenkeim, bes. das Keimauge der Kartoffel u. der K.schössling im Frühjahr, wie er sich im Keller entwickelt, Grumbere-, Erdäppelsk.; de Grombern hu Keine gedrief WMosfrk, Allg.; de Erdäppel hant Kime an; de K.ə afbreəke MGladb, Allg.; mach de K.ə (ausgeschnittene K. zum Pflanzen) parat, für ze setze; de K.ə schnegge Rip. — 2. übertr. a. kī:mχə frische Tannensprosse MGladb-Rheind. — b. kīmə Pl. Bartflaum Simm-Ebschd. — c. kīm Rotzfaden Bo-Küdinghv. — d. -ī- Geschlechtsorgan des Mutterschweines Sieg-Fussh. — e. -ī- Federkeil Sieg-ODollend. — f. ebbes öm Keim erstöcken nach dem Nhd. Trier-Stdt.

[Bd. 4, Sp. 396]

 

 kieme, f. fischkiefer, md. und nd. (kîm Danneil 100b).
1) es ist gegenwärtig unter den verschiedenen namen, kiefe, kiefer, früher auch kiefel, kiff, kibe, kiwe (kywen, kewen auch Henisch 1111, ahd. chela, chiwa) der gebräuchlichste; Adelung empfahl ihn, weil kiefer zweideutig sei, auch die wissenschaft hat ihn angenommen und weiter gebildet (afterkieme, halskieme, mundkieme, kammkieme u. s. w., s. auch DWB kiemer, kiemig); auch krebse, muscheln haben kiemen. heimisch in md. lande ist es z. b. bei Leipzig. von wbb. gibt es schon im 17. jh. B. Faber, während es noch bei Steinbach, Frisch fehlt.
2) nebenformen, die hier das wort aufklären helfen, sind kimme Schottel 1344, im gebrauch der Leipz. fischer, bei E. M. Arndt:

drum, ihr fische, mögt ihr schwimmen
übern Lech und übern Rhein,
einem müssen doch die kimmen
fest an unsern angeln sein. ged. 391 (1860 378), 'Beilings tod';

diesen schlag ich durch die kimmen. das.

und sehr merkwürdig kin, das sich zeigt in 'kinlein im fisch, brantia' voc. th. Nürnb. 1482 q 4a, obwol auch kinnlein, kinn gemeint sein kann; s. auch kienwurm. dieser kurze vocal wird nach folg. der ursprüngliche sein, kieme aus kime geworden.
3) der name stammt, wie die vorhin genannten, aus einer zeit wo man die kiemen als die kauenden kinnbacken der thiere ansah (man nannte sie selbst kinnbacken, s. d. 3), und wie kiefer, kiefe, kiefel eigentlich den kinnbacken bezeichnen, findet sich kieme, genauer kimme im fernsten norden wieder, in isl. kiammi m. kinnbacken (dazu kiamsa die kiefern bewegen, u. a., ia aus kurzem i), das md. nd. wort musz vor alters diese bed. auch gehabt haben. es heiszt isl. altnorw. auch kianni (während schon schwed. beide worte fehlen), und das stimmt ebenso zu dem kin u. 1, genauer zu kinn (s. d.), das selbst auch 'gena' bedeutete und seinerseits eine merkwürdige nebenform kimmel hat. auch kiefe, eig. kife hat so sein seitenstück in altn. kiaptr kinnbacken (sp. 666). zwischen kife und kimme aber vermittelnd im auslaut erscheint kampf fischohr.