Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 RhWB abfallen (Bd. 2, Sp. 267)   PfWB ab-fallen (Bd. 1, Sp. 27)   PfWB ab-gehen (Bd. 1, Sp. 34) 
  NRhWB  PfWB ab- fallen : 1. intrans. a. herabfallen, mit sachl. u. persönl. Subj.; doch meist dafür herab-, herunterf.; nur das NBerg u. die Ma. n. Ruhr bewahrt allg. Verwendung, z. B. dat Glas es mer (aus Versehen) afgefalle; sing Flente wor öm afgefalle; affalles  Mettm-Cronenbg, affallester  Zuruf beim Klickersp., der dem Rufer erlaubt, den ihm entfallenden Kl. wieder aufzunehmen und den Wurf noch einmal zu versuchen Sol, Düss-Hilden. — In RA. aber noch allg. verwandt. Et as ke Broden eso gut un schen, et fällt immer e Steck dervun of Trier-Mehring; dat os e schlechte Brot, van dem neist affällt Prüm-Ihren. Et geiht de Dernes wie de Beren (Birnen); wenn se rip sind, dann f. se af, on wen et ersch dobei es, den krieg se Mörs. Mek falle alle Nöte (Nüsse) af der Mut sinkt mir Elbf. De es su bang wie ne Esel, dem der Sack affällt; der schött sich ens en dann geht er al weər Aach-Warden (s. Esel). Dem Missgünstigen fällt neischt ab Ottw. Ech hauen dech, dat der de Lappen a.! Rip. Die Ben f. mir bal af vor Müdigkeit Rip, Allg.; es Herz fällt em bal ab vor Begierde Saarbr; dem Gierigen fällt de klen Zeh ab Ottw-Landsw, — fällt de Hinner ab Saarl-Fraulautern; ek men, dat min den Buk affiel van Lache Klevld. — Mit persönl. Subj. Ein grober Mensch es vam groven Eng (Ende) afgefalle Sol; de es an em rauh E. afgefalle Jül-Krauthsn. Im bes. vom Glauben a. Allg.; von dem Verlöbnis zurücktreten Merz-Bergen. — b. abnehmen, verloren gehen. α. dem Gedächtnis entfallen; dat es mer afgefalle Rip, Nfrk. — β. schmelzen, vom Schnee Koch-Laub. — γ. minderwertiger erscheinen; der Rescht Grombere (Kartoffeln) fällt emol ärg ob gent de irschten Merz, Allg. — ζ. die Farbe verlieren, beim Tuche Sol. — η. abmagern, von Menschen und Tieren; en afgefalle Sau Allg. RA.: He fällt af wie Schnej inne Sonn Nfrk, — Schum op der Bäch Sol, Ruhr, — Sch. op et Water Mörs, Rees. Den es afgefalle in't Gesecht Nfrk; he sieht ärg afgefalle us Rip, Allg. — θ. zurückbleiben

[Bd. 2, Sp. 268]
im Lernen Nfrk. — c. übrig bleiben; van dem Stoff fällt noch genog für Flecklappen af Rip, Allg. — Im bes. vom Erträgnis eines Unternehmens udgl.; es jet afgefalle? hast du ein Trinkgeld bekommen; do sall für dech och wahl noch jet a. Rip, Allg.; für den es ach noch ebbes abgefall er hat bei der Schlägerei etwas mitbekommen Simm-Schlierschd, Verbr. — d. Gefälle haben, z. B. dat Feld fällt sticks (jäh) af Nfrk, Allg. — 2. durch Fallen ein Glied abbrechen; do hät sech ene Mann der Kneck (Genick) afgefalle Rip, Allg.

 

   ab-fallen st.:
1. gegenst. 'sich lösen und herabfallen', bes. von Früchten, vom Verputz an der Wand u. dgl., abfalle [allg.]; vgl. PfWB abgehen I 2 b. Aweil fallt 'm (dem Kind) 's Zäppche (oder: 's Keimche) 'das Gaumensegel' ab, scherzhaft, wenn das Kind ein großes Verlangen nach etwas hat [verbr.]. Er määnt, er wär 'm Kaiser am Aarsch abgefall(e), von einem Eingebildeten [verbr. Gal Buch Don]. —
2. übertr.
a. Es fallt (fällt) eppes 'etwas' ab
α. 'Es gibt Schläge' [verbr.], nach Abfall 2. Syn. s. PfWB verhauen. —
β. 'ein Geschenk, ein Trinkgeld ist zu erwarten' [verbr.]. RA.: Bei dem fällt neicht ab, als was er henne falle läßt, von einem Geizigen [ WD-Niedkch]. —
b. die Strooß 'Straße' fallt ab 'senkt sich zu Tal' [allg.]. —
c. vum Flääsch (Flaasch) 'Fleisch' a. 'abmagern' [verbr.]; vgl. PfWB abmagern,
d. Vum Glaawe 'Glauben' a. 'das Bekenntnis wechseln' [allg.]. — RhWB Rhein. II 267; Bad. I 7.

 

   ab-gehen st.:
I. intrans.
1. mit persönl. Subj. 'weggehen'.
a. gegenst.
α. 'sich entfernen'. Du kannscht abgehe! Heftiger Geh ab! [verbr.]. 14. Jh.: vnd wer es, das einer leszen wolt vszwenig des leszes (der Weinlese), den sol der hern knecht zu drien maln heiszen abgen [PfWeist. I 237 (NW-Deidh)]. Vgl.abhauen 2. Syn. s. PfWB weggehen. —
β. 'davonlaufen, entwischen'. Die Geil sin schei worr un abgang(e) [ HB-Bexb PS-Burgalb Schmalbg]; de Spitzbu isch abgange [ LA-Wollmh]; vgl. PfWB durchgehen. —
b. übertr.
α. 'von der Schule abgehen', wie schd. [verbr.]. —
β. 'aus dem Dienst scheiden'. Der geht ball ab [verbr.]; vgl. PfWB Abgang 2. a. 1579: Derselb schütz soll, wen er ... abgeht [PfWeist. I 224 (NW-Dackh)]. —
γ. 'sterben'. Der kann abgehe, der is alt genung [verbr.]; auch: abgehe mit Dod [verbr.]. Syn. s. PfWB sterben. a. 1338: Und wer iz, daz er sturbe vnd abeginge [OttbgUrkb. 402]. a. 1421: Wer es sach, dieselbe fraw oder mann abgingentt ohne leibserben [PfWeist. I 132 (IB-Bliesk)]. a. 1469 (1565): Item, wan ein huber, so noch minderjerig, todts obging [PfWeist. I 108 (KU-Berzw)]. a. 1543: wem viehe abgehet ..., der soll es ver vom dorf verschaffen [Grimm Weist. V 645 (RO-H'stätt)]. —
δ. von Entschlüssen, Grundsätzen abgehen, wie schd. Das han ich mer vorgenumm(e) un vun dem geh ich net (nit) ab [allg.]. —
2. mit sachl. Subj.
a. 'abfahren'. De(r) Zug, 's Schiff geht ab [allg.]; vgl. PfWB abfahren I 1 a. —
b. 'abbröckeln, abfallen, sich lösen'. De Ve(r)butz 'Verputz' geht ab [allg.]; vgl. PfWB abblättern, PfWB -bröckeln, PfWB -fallen. 's geht nix vunnem ab 'Er hat keinen Stuhlgang' [verbr.]. Auch von unzeitiger Geburt: 's Kind isser abgange [ NW-Frankeck]. —
c. vom Absatz der Ware. Die War geht gut (schlecht) ab [allg.]; vgl. PfWB Abgang 4. Übertr.: Die junge Mäd 'Mädchen' gehn ab wie die warme Weck [verbr.], ... wie die Weck uffem Lare 'Laden' [ ZW-Ernstw]. —
d. Vom Abzug, der von einer Summe gemacht wird. Vun meim Lohn geht die Hälft fors Esse ab [allg.]. —
e. +'rückgängig werden, wegfallen'. a. 1482: Item die Herbst bethe ist auch kheyne stende bethe sonder sie gett abe vnd zu nach setzunge vnd iglichen jars [LandsbgZb. Bl. 3]. —
f. 'zu Grunde gehen, unbrauchbar werden'. Der Bääm 'Baum' esch am Abgäin [ BZ-Dernb]. De Aanzug do geht schun ab [ KU-Hefw]; vgl. PfWB abgängig 2. a. 1563: Elen, maß, gewicht und eich. Was inen daran abgeht, des lassen sie alles wiederum zu Freinsum als iren oberhof ufrichten und gerecht machen [PfWeist. I 88 (FR-Beindh)]. —
g. 'fehlen, mangeln'. Dem geht nix ab [verbr.]. RA.: Er loßt seim Maul nix

[Bd. 1, Sp. 35]
abgeh 'versagt sich nichts, ißt und trinkt gut' [verbr.]. —
h. vom Verlauf und Erfolg einer Sache: Das is noch gut abgang(e) [allg.]. Awwer net immer isch sou e Rockeschdubb 'Spinnstube' sou glatt abgange [Kunnrädel 119]. —
II. trans. eine Strecke, ein Grundstück kontrollierend oder messend abgehen, wie schd.; de Acker abgehe [allg.]; vgl. PfWB abschritten. —
III. in Verb. mit andern Adverbien.
1. auf und ab; ufenabgehe, wie schd. [allg.]. Übertr.: De Wääze (Waaze) 'Weizen' geht uf un ab 'schwankt im Preis' [verbr.]. a. 1553: thut zu gemeinen jahren, geht uff und ab, anderthalb oder 2 malter [ABlieskst 57 (Ingb)]. —
2. ab und zu; abunzugehe 'behilflich sein' [ ZW-Ernstw Kaislt]. Übertr. +'schwanken (in der Quantität)'. a. 1553: tragt ungefehr jahrs 6 fuß, gehet ab und zu [ABlieskst 34 (IB-Lautzkch)]. — RhWB Rhein. II 1119/20; LothWB Lothr. 1; ElsWB Els. I 188 Bad. I 98.