Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 RhWB Bürste (Bd. 1, Sp. 1145)   PfWB Bürste (Bd. 1, Sp. 1379)   PfWB bürsten (Bd. 1, Sp. 1380) 
  NRhWB  PfWB Bürste Rhfrk uNahe bęăt, Pl. -də; Mosfrk -īă-, –ēă-; Rip bȳə, Pl. -tə [Köln --] f.; Monsch, Dür bȳətəl; NBergh, Jül, bȳəəl m.; SNfrk br(t)əl, -ə-, –ȳə-; um Heinsb-Waldfeucht btel; Klevld brsəl m.; ö. der Ürd-L. Elbf bătə; Wippf -ȳə-; Siegld -īə- f.: 1. Bürste, Klere-, Anschmer-, Kratz-, Stab-, Dreck-, Wichs-, Peərds-, Geilsb. Rhfrk, Allg. En Kopp wie en B. Aach. Grad gent de B. genau das Gegenteil Ahrw-Rech. De B. geəve schelten; B. krige ausgezankt werden Eup. — 2. Borste, meist Pl. Allg., auch im Geb., wo Buscht gilt neben diesem; Seibirschten Mosfrk, Allg. Hor wie B.ən so straff Allg. Ke B. es stehn blieb so genau wurde das Gras gemäht Saarbr. Mer hot ken B. meh devun gesehn es war spurlos verschwunden Trier-Mehring. — 3. verächtl. Haar, bes. straffes, struppiges H. Enen an (met) de B.ə krigen; se han sech met de B.ə; sech en de B.ə lige zanken Rip, Allg. En hot B.ə wie e Spessegel Bitb-Mettend. En hot rut B.ə; dem stohn de B ən richt aus Mosfrk. Dem sein bescht B.ə sen neischt wert Merz-Saarhölzb. Eich gen der en, dat der de B.ən ausgehn! Merz-Wadern. Mach, dats de es de rut B.ən opgeduhn kres! Bitb-Dudeld. — Et hat böschtele Hor Aach. — 4. Kolben des Schilfrohrs Prüm (wohl verbr.). — 5. bīt (nur Sg.) [-ō- Simm-Ebschd] Krankheit beim Schwein, dem die Borsten durch die Schlundröhre wachsen; Borstenfäule, wobei eine einzelne B. oder Zwickelb. sich zur Wurzel senkt, so dass Blutstockung u. Entzündung eintreten; beim Rindvieh, wobei auf dem hintern Ende der Zunge eine Anzahl Haare wächst, die das Tier am Fressen hindern; das Schwein muss ‘geschnitten’ werden, dem Rind wird die B. ausgebrannt; et krit de B. geschniden, auch übertr. er wird scharf hergenommen WMosfrk. Den hot de B. er ist total bezecht Bitb-Badem. — 6. übertr. persönl. Stiftekopf Heinsb; widerhaariger, ungefälliger Mensch Rheinb, Eusk; Mann mit aussergewöhnlichen Kräften Bo-Witterschlick; rauh auftretendes

[Bd. 1, Sp. 1146]
Frauenzimmer Hunsr, Zell; rot B. rothaariges Fr. ebd. — 7. vulva Saarbr-Sulzb.

 

   Bürste f.:
1.
a. 'Haarborste des Schweines und anderer Tiere', Berscht, gew. im Pl. Berschde [fast allg.]; de Sau (beim Schlachten) die Berschde rausroppe 'herausreißen' [ KB-Kriegsf, allg.]. Die Berscht (Bürste) do hot arich (arg, sehr) harte Berschde (Borsten) [verbr.]; vgl. PfWB Borste 1. Zs. PfWB Saubürste. —
b. 'struppiges, ungeordnetes Haar des Menschen', verächtlich vom Haar überhaupt, vgl. PfWB Borste 2. Zs. Naupen-, PfWB Widerbürste. Der mit seine rode Berschde! [KU-Wolfst, verbr.]. Du hoscht awwer Berschde in deim Schnorres (Schnurrbart)! [ GH-Zeisk, allg.]. —
c. 'kurzes, trockenes Gras'. Die Wiß hat lauder Berschde [KL-Weilb, verbr.]. —
2. 'das aus Borsten hergestellte Reinigungswerkzeug', Berscht, Birscht usw., s. F. [allg.]. Die Art der Verwendung der B. zeigen die Zs. PfWB Auftrags-, PfWB Bart-, PfWB Pferds-, PfWB Einschmier-, PfWB Gauls-, PfWB Glänz-, PfWB Haar-, PfWB Kehr-, PfWB Kleider-, Küh-, PfWB Schlicht-, PfWB Schmier-, PfWB Schmutz-, PfWB Schnurres-, PfWB Schuh-, PfWB Stall-, PfWB Wichsbürste.

[Bd. 1, Sp. 1380]
Das für die Herstellung der B. verwandte Material s. in den Zs. PfWB Draht-, Reis-, PfWB Wurzelbürste. Die hausierenden Bürstenhändler rufen: Berschte kaaft! Berschte kaaft! [Kühn Schnitze II 56]. —
3. eine Distelart in der Zs. PfWB Gläserbürste. —
4. Gastwirtschaft, deren Schild eine B. zeigte. Wann ich emol widder in die Berscht kumm [Firmenich 15 (Frankth)]. —
5. 'weibliche Scham', Berscht [ GH-Zeisk]. Syn. s. PfWB Bunz. —
6.
a. rodi Berscht 'rothaarige Frau' [ Gal-Obl]. —
b. 'widerborstiges, zanksüchtiges Weib', Berscht [ GH-Zeisk]; gew. in der Zs. PfWB Kratzbürste. —
7. keine B. 'nichts'. Es geht dich käin Berscht on 'Das geht dich gar nichts an' [ KU-Schmittw/O, FR-Bockh]. Do hocken jo so Drache, wo vum Geschäft keen Berscht verstehe [Müller Butterbärwel 24]. — Aus mhd. burst m. (der Nebenform zu borst, s. PfWB Borste). Die mhd. Pluralform bürste könnte eine Doppelentwicklung durchlaufen haben: 1) Sie wurde als Sammelbegriff zu Bürste f. (Werkzeug); 2) Es wurde aus ihr die feminine Singularform burst (mda. rd usw., s. F.) gebildet (vgl. auch Südhess. I 1243, RhWB Rhein. I 1145; Bad. I 378). — F.: fast allg. rd, vielerorts mit teilweiser oder vollständiger Vokalisierung des r-Lautes: bäÄrd u. bäÄd; bäd in KU-Eisb RO-Münstapp Winnw KL-Bann BZ-Hofstätt; bÄrd in KU-Albess Ehw Dennw/Frohnb Herchw Körbn WD-Hoof Marth Saal Niedkch RO-Rehborn Odh KL-Niedkch LA-Venn Nußd GH-Neubg; bad u. bād verbr. NWPf PS-Merzalb LU-Fußgh NW-Deidh; bird u. biÄrd in KU-Rathskch Hefw Seel verbr. HB u. IB KL-U'sulzb verbr. südl. VPf (LA u. BZ) GH-Bellh; rd in LA-Leinsw. Im Pl. tritt zu diesen Formen der Murmellaut — ə hinzu. — Südhess. I 1243; RhWB Rhein. I 1145; Saarbr. 28; LothWB Lothr. 45; ElsWB Els. II 91; Bad. I 378.

 

   bürsten schw.:
1. 'mit der Bürste bearbeiten (reinigen, glätten)', berschde, birschde, s. F. [allg.]; vgl. PfWB ab-, PfWB ausbürsten; die Kläärer (Kleider) berschde [Ingb, allg.]; 's Faß (das Weinfaß) b. [VPf]. Berschd schnell dein Hoor än bissel hinnere (nach hinten) [ LU-Alsh]; de Bart b. [ LU-Neuhf, ZW-Bechhf]; de Schnorres (Schnurrbart) b. [Pirmas, verbr.]; die Gail (Gäule) b. [NPf, allg.]. Er is geschniggelt un geberscht 'hat sich fein herausgeputzt' [ LU-Alsh]; gestrichelt un geberscht, dass. [Kaislt, GH-Zeisk]. Gebb'm finf Mark (für seine Dienstleistung), dann bische (bist du) gestrichelt un gebärscht 'dann hast du deine Pflicht getan' [Kaislt]. SprW.: Korze Hoor sin ball geberscht 'Mit wenig Arbeit ist man bald fertig' [KL-Katzw, verbr., auch Don Gal Buch]. —
2. 'trinken, zechen'; enne berschde [BZ-Sarnstall, verbr. VPf, seltener WPf, Don-Schowe

[Bd. 1, Sp. 1381]
Torscha]. Syn. s. PfWB trinken. Jetzert werd awer emol geberscht! [Heeger Kerwe 46]. Un was hemmer (haben wir) den (diesen Wein des Jahrgangs 1911) geberscht! [Hartmann Teemaschin 111]. Die Kloschderherrn (Klosterherren), die hen (haben) geberscht als wie die Ritter un die Ferscht (Fürsten) [Räder 89]. —
3.
a. einen b. 'verprügeln', berschde [ IB-Ballw]. Syn. s. PfWB verhauen. —
b. Er hot se geberscht 'hat geschlechtlich mit ihr verkehrt' [Kaislt, verbr.]. —
4. sich b. 'sich wichtig machen, sich etwas herausnehmen'. Der dut sich do mol wirrer b.! [KU-Kaulb KL-Gimsb u. Umg. Hirschhn PS-Geisbg]; vgl. PfWB brüsten. Syn. s. PfWB prahlen. — F.: rdə, bērdə, birdə, vgl. die Angaben zu PfWB Bürste. — Bei Bed. 2 denkt man heute an ein Bürsten der Kehle; der Wortgebrauch geht aber urspr. von Burse 'Zechgesellschaft' aus; vgl. Kluge-Mitzka19 113. Zur Bed. 3 b vgl. auch PfWB burschig, PfWB burscheln, PfWB burschen. — Südhess. I 1244; RhWB Rhein. I 1146; Saarbr. 28; LothWB Lothr. 45; ElsWB Els. II 92; Bad. I 378.