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 PfWB Zottel (Bd. 6, Sp. 1645)   PfWB Bock (Bd. 1, Sp. 1057)   PfWB Sechser-bock (Bd. 6, Sp. 4) 
   Zottel f., m.:
1.
a. '(herabhängender) Fetzen, Faser, Franse (an zerissenen Kleidern), Lumpen', Zoddel (dsodəl, dsǫdəl) [verbr. VPf SWPf mancherorts übrige Pf, PfId. 156 Lambert Penns 184], Zorr(e)l (dsorəl, dsǫrəl, dsǫrl, dsǫÄl) [mancherorts WPf vereinzelt VPf, Christmann Kaulb 79 Höh 78 Müller Dietschw 74], Zoll (dsol) [vereinzelt], Zurrl (dsurl) [ KU-Gangl Körbn Rathskch RO-Cölln], Zerrl [ KB-Dannfs Gauh], de Zorrle m. [vereinzelt westl. WPf FR-Kindh]; Pl.: Zodd(e)le, Zorr(e)le, Zoll(e)le, Verbr. wie Sg. [verbr.]; Dim. Sg. rrlche [KL-Landstl Lind]. Die Zoddele henn vum Rock runnergehanke [ NW-Weish/S]. RA.: de Puddel fer e Z. 'vom Regen in die Traufe' [ Don-Schowe]. Ich verschlaan dich, daß die Zoddele wechflie'e 'Ich schlage dich, daß die Fetzen fliegen', Drohung [ IB-Herbh]. Volksgl.: Wammer'n neie Kuh krigt, soll mer ... die Zottle vumme Spiellumpe verschneide un des no all in re Pann mixe un's die Kuh aus der Pann fresse losse, no krigt sie ken Heemweh [Fogel Beliefs Penns Nr. 821]. —
b. 'herabhängende Haarsträhne; unordentliche, strähnige Frisur' [mancherorts]. De Gepäckträger am Bah(n)hof hot die Zottle iwwer die Halsankel 'Nacken' nunnerhenke ghatt [Hartmann Unkel 14]. Der käm mer nimmi dorch die Deer mit deene lange Zolle [Burgey Keschte 20]. —
c. 'Haarbüschel am Schwanz der Kuh', die Zoddel [ NW-Geinsh]. —
d. 'kleine grüne Kiefernäste', nur Pl. Zoddele [Wilde 123]. —
2. '(schlechte, verschlissene) Kleidung', abschätzig, meist im Pl. verwendet [verbr.]. Was die anzieht sinn Zottle [ LA-Gommh]. Er kummt in Zoddele doher [ LU-Alsh]. Pack dein paar Zorrle un geh!, Aufforderung an den faulen Knecht, den unfolgsamen Sohn [ FR-Carlsbg]. Hat das e Zorrl an! [ KU-Krottb]. Er hat käi Zorrl for anzeziehe [ WD-Niedkch]. Was han dann ihr eierem Kind far Zoddele ongeduun? 'angezogen' [ IB-Ommh]. Geb mer dapper mei Zorrle [ HB-Kirrbg]. Der versaift alles, darrer käin Zorrle of de Arsch kritt 'Er versäuft alles, so daß er keine Kleider kaufen kann' [ WD-Niedkch]. —
3. 'Hund mit langen Haaren' [ RO-Ebbg BZ-Dierb]; vgl. PfWB Zottelarsch 2, PfWB -bär 2, PfWB -bock 2 b, PfWB Zotteles.
4.
a. 'unordentliche, schlampige, zerlumpte Person' [verbr., Glass Klutzkopp 134], bei Bezug auf Frauen Gen. f., bei Männern (seltener gebr.) Gen. m.; Zs.: PfWB Heidenzottel; Syn. s. PfWB Schlampes 2. Schlabb heeßt's un Schlamb un dummi Zoddel [Glückstein 41]. —
b. 'weibliche Person mit liederlichem, sittlich anstößigem Lebenswandel' [vereinzelt, Klein Prov. 249]; Syn. s. PfWB Hure 1 a. — RhWB Rhein. IX 833/34; LothWB Lothr. 560; ElsWB Els. II 920.

 

   Bock m.:
1. männliches Tier.
a. 'Ziegenbock', seltener 'Schafbock', Bock (bǫg) [allg.]. Zs. PfWB Geiß-, Hammel-, Kapitals-, PfWB Regiments-, PfWB Schafbock. a. 1354: einem apt uf den ostermontag zu bringen ein bock und hundert eier [Grimm Weist. V 685 (ZW-Hornb)]. — RA.: Der kann de B. zwische de Herner kisse, von einem Hohlwangigen [LU-Altr, verbr.]. Er sieht aus wie e B. am Michelsdaa, von einem Abgemagerten [ KL-Fischb], vgl. Hebel 13. Er is so steif wie e B., von einem Ungelenkigen [ NW-Freinsh, allg.]. Er stinkt wie e B. [PS-Erfw, verbr.]. Er geht als ins Eckelche un stinkt wie e Beckelche [ Gal-Dornf]. Er springt uf die Arwet wie e Bock ins Messer, von einem Faulen [Hebel 16]. Der laaft (wild) erum wie e g'stochener B. [ NW-Hardbg KL-Fischb]. Der macht Aache wie e g'stochener B., von großen, starren Augen [NW-Niedkch, verbr.]. Er macht Ää wie e B., wo uf'm Schrane 'auf der Schlachtbank' leit, dass. [RO-Als, verbr. NPf Hebel 14]. Der guckt wie e B., wann's blitzt 'Er ist sprachlos, verblüfft' [ KU-Hundh]. Alleweil kimmt's ehm wie 'm B. die Milch, iron. von einem, der etwas schließlich doch begriffen hat [KL-Alsbn, verbr.]. Dem kummt's stoßweis wie 'm B. die Milch, von einem, der zusammenhanglos und mit Unterbrechungen erzählt [ KL-Wörsb, PS-Geisbg NW-Niedkch Frankeck]; de B. zum Gärtner mache, wie schd. [allg.]; de B. bei de Herner fasse 'entschlossen und fest zugreifen' [KU-Schmittw/O, verbr.]. SprW.: Je älder de B., desto härter es Horn 'Je älter der Mensch, desto starrsinniger ist er' [Krieger 19 Fogel Prov. Penns Nr. 166 Don-Bulkes Alexandershs Gal-Sap Buch-Illisch]. Wann's Glick will, gibt de B. Milch [Sunndag 18/1956]. Hot de Deiwel d' Gäß ghoult, so kann er ach de B. houle 'Wenn ein Teil fort ist, kann auch das Ganze zum Teufel gehen' [BZ-Dierb, verbr.]. VR.: Willewillewitt, was macht de Schneider? Willewillewitt, was macht de Bock? Willewillewitt, er hängt am Galje, willewillewitt, er zappelt noch [Feierowend 5/1950]. Katrienche mer'm Zelariekopp (Selleriekopf) geht en de Stall on melkt de Bock; de Bock der schmeißt de Eemer om, Katrienche fallt en de Knorrle rom [ HB-Kirrbg]; Var. hierzu s. PfWB Jakob, Kazuf. — Scherzh. Neujahrswunsch: Proscht Neijohr, ich winsch eich 'n Bock mit Hoor, daß ehr allzeit mit dem Bock uf Landaach (Landau) reit [ LA-Mörlh].

[Bd. 1, Sp. 1058]
Fasnacht, die Pann kracht, schlacht mei Mutter e Bock; un wann mei Mutter kee Bock schlacht, peif ich uf die Fasnacht [ NW-Hardbg]. Weitere VR s. PfWB Kind, PfWB Regenwetter, PfWB Schneider, PfWB strüpfen. Kinderspiel: Ein Kind trommelt mit den Fäusten auf den Rücken des anderen, das sich niedergebeugt hat. Dabei singt das erste: Bumbele, bumbele, Hollerstock, wieviel Herner hot de Bock? Wieviel Finger stiehn? Das zweite muß erraten, wieviel Finger das erste ausgestreckt hat. Errät es die Zahl der ausgestreckten Finger, dann werden die Rollen getauscht. Andernfalls trommelt das erste weiter und singt: Häschde ... Finger gerot, häschde net dei Bumbes kriet [KU-Kaulb, verbr.]. Ein anderes Spiel s. bei PfWB Backofen. Die turnerische Übung De Bock abziehe s. bei PfWB abstrüpfen; vgl. auch PfWB Purzel-, Stutzebock. —
b. von anderen Tieren.
α. wild lebende Tiere in den Zs. PfWB Gabel-, Gems-, PfWB Reh-, PfWB Sechser-, PfWB Spieß-, PfWB Stein-, PfWB Viererbock. —
β. 'verschnittenes Schwein', Beckelche [ RO-Gonb]; vgl. PfWB Barg. —
γ. 'Rassepferd' in der Zs. PfWB Rassebock; 'altes abgetriebenes Pferd', alder Bock [verbr.]. —
δ. 'störrisches Tier', im Scheuchruf auf das Rindvieh: Gehschde fort, du Bock! [KU-Sand RO-Sippf]; vgl. auch die Zs. PfWB Stallbock. —
ε. 'Käfer mit langen Fühlern' [ PS-Geisbg Rockhs KB-Kriegsf]. —
ζ. 'Zecke' in den Zs. PfWB Hecken- PfWB Wald-, PfWB Zeckenbock. —
η. 'Hirschkäfer' in den Zs. PfWB Hirsch-, PfWB Reb-, PfWB Schröterbock. —
θ. 'Made, Larve im Obst' [ KU-Bedb Relsbg]. —
2. vom Menschen.
a. 'alter Junggeselle'; alder B. [ KB-Stett FR-Flomh Gerolsh]. —
b. 'geiler älterer Mann'. Das esch e B. (auch: e alder B.) [LA-Wollmh, verbr.]; vgl. PfWB Bocker. —
c. Spottname für den Schneider [ KB-Kriegsf]; auch in den Zs. PfWB Geiß-, PfWB Schneiders-, PfWB Ziegenbock. —
d. 'Knabe'. Neun Kinner hot erlauter Böck [Müller Butterbärwel 13]. —
e. 'Junge, der fleißig lernt' [ LA-Ilbh]; vgl. PfWB bocken 4. —
f. Uzname für die Bewohner von KL-Mölschb: Melschbacher Beck; dass. für ZW-Riedbg Marthh Buch-A'fratautz. —
g. andere Uz- und Schimpfnamen in den Zs. PfWB Bettel-, Heide-, Hof-, PfWB Hörner-, PfWB Nadel-, PfWB Oster-, PfWB Rassel-, PfWB Rolz-, PfWB Sau-, Sozen-, PfWB Stink-, PfWB Wellen-, Zassel-, PfWB Zottel-, PfWB Zwiebelbock. —
3. von Pflanzen.
a. 'Kiefernzapfen' in der Zs. Kuhnenböcklein. —
b. 'taube Steckzwiebel' [»allg.« (Wilde 280)]. —
4. von Gestellen und Geräten und deren Teilen.
a. jedes Untergestell mit drei oder vier (zumeist gespreizten) Beinen in den Zs. PfWB Tisch-, PfWB Drei-, PfWB Gerüst-, PfWB Reif-, PfWB Schmier-, PfWB Schneid-, Schnitzel-, PfWB Waben-, Wäschebock. —
b. = PfWB Sägebock. Rätsel: Weller B. hat kee Haut? [ ZW-Marthh]. Eich hun e B., der stoßt net un schmeißt net un scheißt net [ KU-Reiffb]. —
c. 'dreifüßiger Stuhl des Schusters'

[Bd. 1, Sp. 1059]
[verbr.]; vgl. PfWB Schemel. Zs. PfWB Schusterbock. —
d. das Turngerät 'Pferd' [verbr.]. Zs. Voltischierbock. —
e. 'altes Fahrrad', spöttisch, alder B. [ NW-Frankeck]. —
f. 'aufrecht stehendes Spinnrad mit Spule über dem Rad', im Gegensatz zur Geiß, Beckl [ NW-Lach/Speyd]; dafür auch Schleifsteinchen. —
g. 'hoher Schlitten mit eisernem Untergestell und rundem Sitz', Beckel [ BZ-Gossw]; 'kurzer Kinderschlitten', Beckelche [ FR-Kirchh]. —
h. 'Heureuter', zum Aufsetzen des Heues im Felde [ KU-Bedb Rockhs KB-Zell LA-Altd]. Zs. PfWB Heubock. —
i. 'Lager für den Schleifstein', manchmal nur zwei Blöcke oder Steine, auf denen die Achse des Schleifsteins ruht, Bock [verbr.], Pl. Beck [ NW-Geinsh], Beckl [ LA-Maik]. Zs. PfWB Schleifsteinbock. —
j. 'der über das Rad vorgewölbte Teil des Schubkarrens' [verbr. VPf RO-Dielkch Sippf Semb]. Zs. PfWB Schubkarchbock. —
k. 'Kutschersitz auf dem Wagen' [allg.]. Zs. PfWB Kutscher-, PfWB Schäsenbock. —
l. am Holzpflug das hintere Verbindungsstück zwischen oberem und unterem Pflugbalken [RO-Lohnsf, verbr. WPf Klein Wag. 117]. Syn. s. PfWB Hintersäule. —
m. das dreibeinige Gestell in dem Spiel Bocksmutter.
n. andere Geräte und Geräteteile in den Zs. PfWB Prell-, Hünkel-, PfWB Sattel-, PfWB Mist-, PfWB Stiefelbock. —
5. oberster Klicker im Klickerspiel Böckelns.
6.
a. 'der letzte, nicht mehr vollständige Kornkasten auf dem Feld' [ZW-Mörsb RO-Als Münstapp]; 'die letzte, nicht mehr volle Garbe', Beckelche [KU-Kaulb Eschau RO-Münstapp Als]; vgl. PfWB Bodemgarbe. Hierzu: Christmann Vk. 45, L. Stoll, Der brauchtümliche Wortschatz, S. 180 f. —
b. im Kornkasten die mittlere Garbe, an die die anderen Garben angelehnt werden [ WD-Niedkch HB-Rohrb]. —
c. 'kleiner, nicht gerodeter Rest des Kartoffelackers [ KU-Jettb]. —
rend=>+7." level="3" value="11059.39"> in den B. spannen, eine Strafart. a. 1568: Wegen unerlaubten Fischfanges wurde ein Jakob Ransweiler in den Bock gespannt und außerdem für drei Tage in den Turm gesperrt. Der Bock stand (ebenso wie das Halseisen) vor dem Rathaus. Der Verurteilte wurde auf den Bock gesetzt und unten mit den Füßen festgebunden [Kaislt (Küchler 23)]. a. 1750: Dem Amt Deidesheim wird durch Erlaß der fürstbischöflichen Regierung zu Bruchsal befohlen, einen Bock anzufertigen. In ihn sollten künftig die Jagdfrevler drei Tage lang gespannt werden [Seel, Chronik von Deidesheim, S. 253]. In Don Gal Buch war das Bockspannen unter Knaben noch um 1920 gebräuchlich; vielerorts, bes. in Gal, nannte man es in de bolische (polnischen) Bock spanne. Dem von den Altersgenossen zu dieser Strafe verurteilten Knaben wurden zunächst die Hände so zusammengebunden, daß die Handflächen aufeinander lagen; dann zwang man das Opfer

[Bd. 1, Sp. 1060]
in die Hockstellung, zog die Arme über die beiden Knie hinunter und steckte unter den Kniekehlen einen Stock durch. —
8. der B. im Brauchtum.
a. der bolisch (polnisch) B., 'Begleiter des Christkindes' [ ZW-Lambsbn]. In KU-Konk ging der polnische B. am Nikolaustag noch um 1900 um; es war dies eine Maske, die aus einer Schüttgabel und einem darübergezogenen Tuch hergestellt war. Die zwei Gabelzinken stellten die Hörner des Bockes dar. Der Träger der Maske hielt sich unter dem Tuch versteckt. Durch seine stoßenden Bewegungen wurde der Anblick des Bockes für die Kinder noch schrecklicher [Vogelsgesang 1/2]. Vgl. L. Stoll, Der brauchtümliche Wortschatz, S. 129. —
b. der B. in der Brechhochzeit, s. d. —
9. RA.: Ich han e B. geschoß, e B. gemach 'einen Fehler begangen, mich geirrt, getäuscht' [ KU-Herschw/Petth]. — Südhess. I 975 ff.; RhWB Rhein. I 820 ff.; Saarbr. 32; LothWB Lothr. 54; ElsWB Els. II 28; Bad. I 276.

 

  -bock m.: 'Rehbock mit sechsendigem Geweih', -bock [ KU-Schmittw/O RO-Obd BZ-Dernb]. Südhess. V 943.