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| PfWB Zigeuner (Bd. 6, Sp. 1612) | DWB zigeuner (Bd. 31, Sp. 1257) | |||||||||||||||||||||||||||
1. 'Angehöriger eines meist nicht seßhaften, herumfahrenden Volkes', vermutlich aus Indien kommend im 15. Jh. in Mitteleuropa eingewandert, zu Zigeunern in der Pf vgl. E. Renner: Zigeunerleben. Frankfurt/M. 1988, Zigeiner (dsiˈgainər) [mancherorts, Lambert Penns 184 Krämer Gal 247], Ziegeiner (dsīˈgainər) [ FR-Beindh], Zijeiner (dsiˈjainər) [mancherorts], Ziejeiner (dsīˈjainer) [ LU-Hochd], Zicheiner (dsiˈχainər) [mancherorts, Karch Jockgr/Nd'horb 88 Schmitt Billh. 115], Ziecheiner (dsīˈχainer) [ LA-Venn], Zischeiner (dsiˈainər) [KU-W'mohr HB-Breitft KL-Erlb LU-Altr BZ-Annw GH-Westh Hussong Kirkel 181], Zicheijner [Glass 134], Zigeuner, -j-, -ch-, -sch- [mancherorts, Bernhard 193]; Pl. meist wie Sg.; Pl. Zichei- [Bd. 6, Sp. 1613] nere (dsiˈχainərə) [ HB-Einöd]; Zs.: PfWB Flackerzigeuner; die Lautformen lassen keine nach Regionen gegordnete Verteilung erkennen; das ältere Mda.-Wort ist PfWB Heide2. RA.: e richdicher Z. 'wer herumkommt wie ein Z.' [ LA-Gommh]; so schwarz (im Gesicht) wie e Z. 'dreckig, braungebrannt' [ KU-Schmittw/O, vereinzelt]; Hoor (e Kopp) wie e Z. 'ungekämmt, ungepflegt' [ LU-Alsh, vereinzelt]; wie bei Sibbmacher un Zicheiner (Pl.) 'ungeordnete Verhältnisse' [ FR-Beindh]; erumziehe (erumlaafe, doherkumme) wie e Z. 'verwahrlost, ungepflegt sein' [mancherorts, Krieger 16]. Mer mennt, den hälle die Zijeiner verlor 'ist so verwahrlost' [ KU-Erdb]. Uff jeele Fall schdingd dersell ussem Mull wie e Z. uss de Buckslatz! [Glass II 35]. Marder unn Zijeuner halten die Howet (Hofreite) sauwer 'Sie befreien den Hof von allem, was wegzuschleppen ist' [PfMHk. H. 7/8 1925 S. 179]. AR.: Ich, du, er, sie, es / Meiner, Deiner / Du Z. [ LU-Ruchh]. — 2. a. 'wer sich gerne herumtreibt' [vereinzelt]; Syn. s. PfWB Tagedieb. Denne ihr Z. wääß aa nidd wo Huss unn Hoof schdehn! [IB-Ensh (Glass 134)]. Wärrd Zitt, daß der ald Z. ball e Minsch finne dudd, daß wo'ne onn die Kett leed! [Glass Klutzkopp 134]. — b. 'wer es nicht lange bei einer Arbeitsstelle aushält' [ ZW-Battw]. — c. 'ungepflegter, verlotterter, schmutziger Mensch' [ KU-Schmittw/O, vereinzelt]; Syn. s. PfWB Drecksack 1 a. — d. 'dunkelhaariger Mensch' [ KB-Kriegsf]. — e. 'Mensch mit dunkler, gebräunter Haut, bes. mit dunklem Gesicht', schwarzer Z. [ PS-Burgalb FR-Bockh]. — f. 'schlechter Mensch, Gesindel' [mancherorts, Höh 50 Otterstetter 256]; Syn. s. PfWB Gesindel. — g. 'Dieb, Betrüger, Spitzbube' [ KU-Schmittw/O]; Syn. s. PfWB Gauner. — 3. Neckname für die Bewohner von FR-Maxd, SP-Hanhf, BZ-Stein: Zigeuner [BZ-Stein, Seebach Neckn. 78]. — RhWB Rhein. IX 790/91; LothWB Lothr. 558 Ziginer; ElsWB Els. II 894 Zigüner; DWB DWb. XV 1257 ff.
| 1) name und geschichte: als im jahre 1417 ein trupp Zigeuner zum ersten mal deutschen boden betrat und die städte Magdeburg, Hamburg, Lübeck, Wismar, Rostock berührte, nannten sie sich angeblich de Secanen, mit einem namen, welcher dem tschech. cikán und im abstande dem ungar. tzigany, rumän. igan, poln., russ. cygan entspricht, einer namenreihe, in der sich der weg des östlichen wandervolkes abzeichnet. belege: to der sulven tiid (im jahre 1417) wanderde dorch de land en vromet hupe volkes, desse quemen uthe Tartarien (de orientalibus partibus cronica novella 127 Schwalm), se weren swart unde eyslik unde hadden myt sik wive unde kyndere. se toghen dorch de stede unde leghen in deme velde. wente me wolde se in den steden nicht liden umme dat se sere stelen; erer was by 400 unde nomeden sik de Secanen (Sechanos se nuncupantes Korner cronica novella, fassung A, 127 Schwalm; Secanos, fassung D, 409 Schwalm) (Lübeck) chron. d. dt. st. 28, 108; cum igitur ageretur a Christo annus decimus septimus post mille quadringentos, primum apparuere his nostris maritimis locis ad mare Germanicum homines nigredine informes, excocti sole, immundi veste, et usu rerum omnium foedi, furtis imprimis acres, pręsertim foeminę eius gentis: nam viris ex furto foeminarum victus est. Tartaros vulgus appellat; in Italia vocant Cianos Saxonia (1520) K 5a; als man zalt von Christ geburt 1417, hatt man zum ersten in Teutschland gesehen die Züginer cosmogr. (1550) 300. gleichzeitig oder wenig später kam in Magdeburg die namensform Zigüner vor: dar na in dem sulven jare (1417) quemen hir to Magdeborch de Thateren, de Zeguner genant, swarte eislike lude chron. d. dt. st. 7, 345. sie hielt sich nicht, wohl aber setzte sich die erstgenannte, indem ihr nach dem muster heimischer stammesnamen, wie Märker, Mecklenburger, die bildungssilbe -er angefügt wurde, was bei Zeguner bereits fertig überliefert wird, in der form Zigäner fest; diese verbreitete sich von hier strahlenförmig: tsijǟnər Mittel- und Neumark; Ziegener (Mecklenburg 1755) meckl. grundgesetz (1778) 154; schwed. Zigenare; Zigêner 2, 493a; Zijǟnder Nordharz. wb. 231a; Eichsfeld 9; spurenweise nach Westfalen (ssigäner 236b; 330a; Zijēnər Siegerl. wb. 340a) und gar ins schwäb. gebiet verschlagen: Zygener 16. jahrh., Zügäner Ulm 1613 6, 1, 1196. jenseit des Rheins begegnet 1527 im Hochwald ein umlautloses Zeganer weisth. 2, 90, das auf das franz. tsigane hinweist. umlautlosigkeit ist an der erweiterten form sonst ungewöhnlich: rheinfränk. Zygoner (1460) minnerede 927 mscr. germ. d. wiss. öff. bibl. Berlin 40 719 fol. 85a; schles. Ziganer schl. sprichw. 79a neben Zegeinar 155b. die kurzform Cigaenos gebraucht bair. chron. 3, 518 Lexer. im deutschen sprachraum kommt sie nicht auf; wo sie im osten nach ausweis der mundartlichen wörterbücher unverändert als Zi-, Zegân und mit geringer abwandlung als Zi-, Zegn und Zigûn auftritt (s. 2, 493a; d. laute d. mdaa. d. ungr. bergl. 256; Nösn. wb. 162; siebenb.-sächs. 131; dt. mdaa. 5, 507), ist sie der sprache der völkischen nachbarschaft entlehnt; der pl. lautet Ziganen, Zigunen; hierfür ein früher beleg: Zieganen (um 1500) preusz. chron. (1875) 2, 461. der boden, auf dem das kurzlebige magdeburgische Zigüner gedieh, ist das bairische sprachgebiet, ohne dasz dessen zuführung von der Mittelelbe in betracht gezogen werden müszte. nach der landschaftlichen sprechweise erleidet sein tonvokal diphthongierung, so dasz die lautgestalt des künftigen schriftsprachlichen wortes hier von [Bd. 31, Sp. 1258] anfang an gilt: eine Münchener stadtkammerrechnung von 1418 über bewirtung eines Zigeunertrupps bei 2, 1094 hat bereits die heutige namenform Zigeuner. damit stimmt überein die lautumschrift Cigäwnär des 318; 482 Leidinger. in der Schweiz belegt man die ersten horden mit namen, deren ursprung in der Romania liegt: zum jahre 1418 vermerkt eine Basler chronik: als die heiden, genant Sarraciner, dez ersten in dis lant kement 5, 180, und schon 1414 macht der Basler rat geschenke an heiden ebda fuszn. 3. die Schweiz gehört somit zu einem gebiet, in welchem die Zigeuner den Sarazenen gleichgesetzt wurden; von diesem kündet heute noch die reihe venez., friaul. sarazin, kors. saradzinu, frz. sarrasin, lothr. sarzẽ bei Meyer-Lübke rom. et. wb.3 629b. von der doppelbenennung ist der name Sarraciner aufgegeben worden (s. u.), aber heiden hat sich aus seiner einengung auf die Sarazenen, die seit den kreuzzügen üblich geworden war, in der Schweiz und längs seinem nördlichen hauptverkehrswege, dem Rheintal bis zu den Niederlanden, als name für die Zigeuner ausgebreitet, literarisch später meist mit dem zusatz Zigeuner, in der mda. und umgangssprache jedoch für sich: die Zyginger oder heyden (1528) Basler chron. 1, 61; Zigeuner, auch heiden genannt 2, 894b; ein zigeiner oder ein heid, wie man sie dan nent schimpf u. ernst 232 Öst.; fastnachtsp. 823 Keller (zit. unt. 3 c); was ein Zingyner oder heid, der ein warsager waz usz der hándt Keisersbergs passion (1514) 57b; die Ziginer oder heiden Plinius (1565) 354; die heiden oder Zeganer (1527 Tholey, Hochwald) weisth. 2, 90; Egiptenaers of Heylieden (1420) kroniek van Lier bei 3, 256; heyd-lieden 224a Hass.; ndl. heiden, f. heidin; haide, pl. haiden 89a. 1452 ändert ein bearbeiter den namen Sarraciner in der ob. erwähnten Basler chronik in Ziginer ab, und dieser name bleibt nun von bestand: in diesem 1418. jar kamen erstlich die Zyginer, so nennet man die heiden in Helvetien, gen Zürych und andere ort schweizerchron. (1606) 731a. der sprachgeschichtliche vorgang in der Schweiz enthält die überschichtung mit dem obd. *Zigüner als der vorstufe des bair. Zigeuner, wobei nur heiden sein dasein rettet, und die entrundung des -ü- zu -i- in den beiden alten entrundungsgebieten des alem. sprachraums, welcher das -i- in dem ersten namen Sarraciner vorschub leistet, zumal der wortausgang -iner an den heimischen namen von talbewohnerschaften, wie Engadiner und Veltliner, eine stütze hat; sie wird schriftgemäsz. nicht entrundende mundarten zeigen noch heute -ü-: Zigüner Aargauer wb. 309; Zigüünere Bärndütsch 6, 370. auszerhalb der Schweiz kommt für Ziginer eigenlandschaftliche entrundung in frage; noch nicht von ihr betroffen sind Ziguner (neben Zeginer und Ziegeiner) 1466 in Frankfurt bei d. berufe d. st. Frankfurt a. M. 140b und ein modernes westthür. Zùnýner Thür. 265. für Ziginer seien folgende belege mitgeteilt: Ziginer G. R. Rebmann naturae magnalia (Bern 1620) 390; Zaginer chron. Helv. (1734) 2, 116; Ziginer w. 4, 370; Ziginer fastnachtssp. 823 Keller; Ziginer Plinius (1565) 354; Suyginer Arnold v. Harff pilgerfahrt (1496-99) 67 Groote; Zeginer C. Löw meer- od. seehavenbuch (Köln 1598) 17. lautschriftliche wiedergabe weist in der Schweiz und im Elsasz auffälliges -kk-, -k- auf: tsikknər Uri 105; tsiknər, tsəknər 2, 894b; sonst gilt -g-: tsəginnər St. Gallen 90; rechtsrhein. niederalem. Ziginer 6, 1, 1196; dsigínər lothr. wb. 558a; westthür. Zaijiner Thür. 265. Schwaben diphthongiert zu Zigeiner, lautlich tsigãenər, und im bair. sprachraum erwächst Zigeiner aus späterer entrundung. sonderbildungen verzeichnet 6, 1, 1196: Cziganiter 1446 Tübingen sowie aus modernen mundarten Zigeteuner und Zigeser; der schriftsprachlichen lautform haben raum gewährt u. a. die nachstehend verzeichneten mundarten: tsigöünər Cronenberg. wb. 125b; wb. d. Elberfeld. mda. 178a; Zijinər Siegerländ. wb. 340a; [Bd. 31, Sp. 1259] sigeuner nordfries. 112 (neben tātər); tsigoindər idiot. v. Eilsdorf 102b; im übrigen herrscht weithin aie entrundete wortform: tsiΧainər Handschuhsheim 79; tsikainər wb. d. Rappenauer mda. 212a; tsiXainər 2, 705b. der tonvokal der urform Zigüner ist unerklärt. im 16. jahrh. taucht im Elsasz und in Bayern eine lautform auf, die -n- in der ersten silbe enthält: Zingyner Keisersbergs passion (1514) 57b; 4, 1, 142 Lexer; es sind ausläufer einer reihe, die mit türk. çingene beginnt, sich im ngriech. τσίγγανος, τσιγγᾶνος (neben ἀτσίγγανος, ἀθίγγανος) sowie im balkanslaw. acinganin und cinganin (neben acigani) fortsetzt und im ital. zingano, zingaro sowie im tschech. cinkán, woneben cikán häufiger ist, mündet; vgl. in sitz.-ber. d. ak. Wien 90, 3, 6; ebda 5 wird für 1386 ein feudum Acinganorum auf Korfu und für 1398 Acingani in Nauplion erwähnt. der name der Zigeuner stammt vielleicht aus griech. Ἀθίγγανοι 'name einer den rechtgläubigen verhaszten sekte in Phrygien und Lykaonien, von denen der name, dessen ursprung für griech. gilt, auf die ebenso verabscheuten Zigeuner übertragen sein mag, etwa wie man sie in Europa als heiden bezeichnet hat' (W. Schulze in einem ungedruckten vortrag). ihre sprache aber gehört nach dem bündigen nachweis von in denkschr. d. ak. Wien 23 (1874) 1 dem arisch-indischen an und zwar nach Miklosich und W. Schulze dem nordwestindischen. sie selbst gebrauchen den namen Zigeuner von sich nicht, sondern nennen sich rom mensch, mann, romñi weib, romani tschawe kinder der menschen, manusch mensch oder sinte genossen und kale oder melle schwarze. Niederdeutschland und im gefolge davon die skandinavischen länder haben der eigenwilligen fehlbenennung Tater, geboren aus dem flüchtigen eindruck äuszerer körperähnlichkeit mit den seit jahrhunderten bekannten mongolischen Tartaren, dauer verliehen; Luther gebraucht sie, und sie wird noch von Nordharz. wb. 192a, 224b, 156 und wb. d. Aach. mda. 145a vermerkt. nicht haftet auf deutschem boden eine benennung nach dem lande Böhmen, aus dem die ersten Zigeunerhorden kamen; eine solche ist in Frankreich mit bohémien und in Dänemark mit Bøhmer in gebrauch gekommen. auch an der weit verbreiteten bezeichnung Ägypter, welche der eigenen angabe der Zigeuner, dasz sie aus Klein-Ägypten (Nikomedien?) stammten, entnommen ist, hat die deutsche sprache keinen anteil; sie lebt im griech. gyphtoi (gifti), alban. evgit, ungar. Pharao nepe, ndl. Egyptiers, Egyptenaaren, Giptenaers, engl. gipsies, span. Gitanos. 2) äuszerungen zum namen Zigeuner. a) in vocabularien und wörterbüchern tritt der name Zigeuner bisweilen latinisiert auf als Zigeuni thesaur. (1668) 2326; germ.-lat. (1718) 366; (1727) 2, 2249; (1734) 2, 1090; prompt. (1753) 2728; cornu copiae (1775) 919; die meisten nennen sie nach ihrer angeblichen herkunft aus Klein-Ägypten Aegyptii, so Adam Siber gemma (1579), s. 26; prompt. (1618) Qq 6b; dict. nov. (1662) 2, 633; (1669) 435b; 2631; (1727) 2, 2249; Egyptien: se disans Egyptiens (1616) 430b; Egyptien nomencl. (1652) 158; dict. allem.-franç. (1762) 1129; an egyptian or gipsy teutsch-engl. (1716) 2594; und Bohémien: Egyptiens ou Boemiens (1662) 2, 633; (1669) 435b; bohémien dt.-franz. (1752) 730; bohémien, égyptien dict. allem.-franç. (1762) 1129; dt.-franz. (1856) 4, 1293; einige haben Cingarus, so prompt. (1618) Qq 6b; clav. germ.-lat. (1686) 360; lex. germ.-lat. (1698) 462; (1727) 2, 2249; prompt. (1753) 2728; andere Ceretanus: (1540) b 2a; (1718) 366; (1734) 2, 1090; ausführlich 5 (1786) 395; 5, 867b; 2, 1326. b) das unstete umherziehen der Zigeuner regt an, ihren namen vom deutschen verbum ziehen herzuleiten: was der herr von den Zigeunern oder Ziehe einher schreibet Fausts leb. 240 Kell.; man möchte schier denken, dasz dieser [Bd. 31, Sp. 1260] name (Sigynä) sei unser Ziehegan, mit welchem namen unsere vorfahren die landfahrer, die für und für umbherzogen, nenneten, zuvor ehe die egyptischen umbläufer bekand worden J. Curäi chron. (1607) 297; Zigeuni, alias Cingari, quasi zieh einher thes. (1710) 2647; nostrati Germani eos adpellitant Zigeuner, quasi dicas zig oder ziehe einher, h. e. vagantes et vagabundos diatribe histor.-polit. de Zygenor. origine (1660) bei gaunerth. 1, 11; Zigeuner ... erraticus a ziehen proficisci, vagari 2631; denn das wandern ist den Zigeunern als gottes fluch auferlegt, und so gab er dem volke den namen Zigeuner, indem er zu ihm sprach: zieh einher! durch tausend jahre 3, 238 Hendel; mit dem lat. bringt es Frisch zusammen: scheint vom lateinischen circulari und cingulum, umzingeln, herzukommen, weil dieses lumpengesind und landstreicher immer im land von einem ort zum andern herumlaufft (1741) 2, 477c. 3) abfällige bemerkungen, welche a) eben dies rastlose wandern von ort zu ort feststellen; in den wörterbüchern kehren solche ständig wieder, wie erro ..., verlorn volck das umbher zeugt, die leute zu betrigen Adam Siber gemma (1579), s. 26; landleuffer (1540) b 2a; circulatores (1618) Qq 6b; (1727) 2, 2249; qui courent le pais teutsch-frz.-it. (1616) 430; (1664) 2, 714; errones thes. (1710) 2647; einen Zigeuner abgeben nomadicam vitam agere germ.-lat. (1718) 366; genus vagabundum (1737) 1969; das unnütz bubenvolck, so bey unsern tagen herumzeucht (1741) 2, 477c. auch das übrige schrifttum richtet sein augenmerk vornehmlich auf die nomadische lebensweise: das sie als die zegeiner umbziehen musten chron. (1531) H 1b; Zigeuner leben greiner leben sprichw. (1541) 2, 84b; und in was land ziehen nicht die Zigeiner, kauffleut, studenten, becken, kmetfeger Garg. 32 ndr.; es zeucht hin und wider im landt ein geschlecht der landtbetrieger umb, schwarz, heszlich und ungestalt, in frembter kleidung, welche die jetzigen Griechen Attinganos, wir Teutschen Ziegeuner nennen von zäuberern, hexen (1592) 52; sie ... ziehen wie Zigeyner oder Tattern kriegsordnung (1594) 31; sahe ich von weitem einen groszen hauffen lumpen-gesindel gegen mir avanzirn, welches ich im ersten anblick vor Zigeiner erkennete Simplic. 2, 31 Keller; Zgeiner. die zerlumpte, unbestndige, betrgerische, verlogne, buntbekleidte ... wetterfarbe, abgebrunte, nirgend wohnhaffte rott, der bauren last, die sich Egypter rhmen, do sie nie sind gewesen poet. trichter 3 (1653) 501; mit den Zigeunern herumlauffen vagare, correre con i zingari teutsch-ital. 2 (1702) 1465a; er spricht: 'es kommen die vagabunde, [Bd. 31, Sp. 1261] nemen und sie umb alle ihr wolfart bringen bettel- u. garteteuffel (1586) Z 4b; es ist ein stehlen gewesen, als wan lauter Zigeuner da weren gewesen, sye haben uns unsere seszel, die wir in unseren cellen gehabt, auch genommen (1691) Alemannia 10, 215; das sind einmal, man weisz nicht von wo überall her, eingewanderte Zigeuner, die ... vom mausen und allerlei bösen künsten leben ges. br. (1858) 1, 308; Zigeuner sieben von reitern gebracht, o heid, o Ziginer, ich main, dast ein Zygeuner seist, hört ihr? sein kein Ziegeiner hinnen? mit losen fabeln thut sich flicken (der lügner), [Bd. 31, Sp. 1262] mda: ein lügner gäbe 'n schlechten Zigeiner ab, er könnte nit wahrsagen 6, 1, 1196; ich trau dir wie m besten Zigeiner ebda. d) bisweilen werden sie der schwarzen kunst verdächtigt oder doch mit zauberern und hexen zusammen genannt: ein Zigeuner het einem weyb 4) die anfängliche duldsamkeit gegen die Zigeunerhorden wich bald der abweisung; eine anzahl belege aus dem 17. und folgenden jahrh. seien als zeugnis behördlicher masznahmen gegen sie angeführt: weilen auch die Zigeüner nichts anders als lauter ungelegenheiten verursachen, sich blosz allein mit stellen unter denen unterthanen erhalten, ist ihnen also die herrschaft verbotten (17. jahrh. Eisenburger comitat) österr. weist. 7, 1024; da Zigeiner, es sei manns- oder weibspersonen, in das gericht komben, soll ihnen nit underschlaipf gegeben, sonder solches alsbalt bei obrigkeit angezaigt, damit sie mit ehistem wider ausz dem gericht gebracht werden mügen, dem ungehorsamben bei der straf (1671 Raschenberg, Bayern) weisth. 6, 159; das die Zigeiner nit zu gedulten. demnach vermüg des h. romischen reichs abschieden die Zigeiner kain sicher glait nit hoben österr. weist. 1, 136; das derlei menschen ... mit gwolt abtriben, auch alles dosz, so bei inen gfunden wird, ab und zu gericht genommen werden sol (17. jahrh. Salzburg) 1, 137; anbefolen dasz, gleich wie (es) nicht nur allein (bei) deren in den land hin und wider straifenden Ziggeinern mit selbig zusamben rotirten dieb-, raub- und mördergesindl halber aufgesetzten leib- und lebensstraff allerdings sein verbleiben habe (1724 Niederösterr.) 7, 209; ferner: ists mglich dasz dich noch ein weiser staat erduldet? 5) sie werden mit anderen miszachteten menschenklassen zusammengenannt und -gestellt: item (leute welche) mit kuffen und verkuffen listig den armen vervortheilten, wucherten, also dasz etliche rger dann Zygeuner und jden gewest pädag. principum (1595) 124; daube, unsinnige, wetterleünige leüt, kerchelzieher, ... [Bd. 31, Sp. 1263] besemstieler, schlegelflicker, steinpicker, Ziegeiner praktik 8 ndr.; weg redner und sophist, bartscheerer, segensprecher, 6) aufzug und aussehen werden beschrieben, namentlich aber zum vergleich herangezogen; redensarten übertragen einzelzüge auf menschen und zustände im eigenen volk: ring in den oren als die zyginer tragen brösaml. 1, 95b; das ebenbild eines ... verwildeten Zgeuners frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, B 8a; ein bunter maulthierzug! hier konnte man nun sehen, 7) in romantischer sicht erscheint ihre ungebundene lebensweise, ihre malerische kleidung, ihr musizieren nachahmenswert oder wenigstens unterhaltsam; ein frühes beispiel dieser Zigeunerromantik ist Lenaus gedicht die drei Zigeuner von 1838: der eine fiedelt, der andere raucht, der dritte schläft; andere zeugnisse: ich ... musz ... mit den Zigeunern mich ergötzen am Mainufer Günderode 1, 160; unten in der schloszherberg lungern Zigeuner, ein lustig gesindel lustiges komödienbüchl. (1859) 79; Bella nach art der Zigeuner in eine blaue leinwand statt des hemdes gewickelt, die von einem goldenen gürtel festgehalten wurde s. w. (1839) 1, 19. für das ungezwungene leben in künstler-, besonders malerkolonien indessen wäre der ausdruck Zigeuner zu krasz und zu plump, wohl aber zeigt sich das franz. bohémien in wendungen wie das leben eines bohemiens führen, wie ein bohemien leben als geeignet; älter ist das grundwort die boheme im sinne von künstlerleben und künstlerschaft, aus franz. la bohème; s. dt. fremdwb. 1, 90. 8) als appellativ wird der name Zigeuner gebraucht, wenn damit solche personen wegen ihrer lebensart bezeichnet [Bd. 31, Sp. 1264] werden, die nach ihrer abstammung nicht zu den Zigeunern gehören: wenn ein so starcker betteln will, da (in das Fichtelgebirge) kommen vil Ziginer hin, 9) als name für pilze: hexen-röhrling, boletus luridus im Böhmerwald wb. d. dt. pflanzennamen 1, 616, auch zigeunerpilz (s. u.); rozites caperata pflanzenwelt 1 (1913) 169; führer für pilzfreunde 1 (1939) 143.
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