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 PfWB ziehen (Bd. 6, Sp. 1602)   PfWB ver-ziehen (Bd. 2, Sp. 1324)   PfWB ver-zerren (Bd. 2, Sp. 1323) 
   ziehen st.:
1.
a. 'etwas hinter sich her oder an sich heran bewegen', von einem Wagen, einer Last usw., ziehe (dsīə) [verbr. NPf WPf, Castleman Zwbr. 54 Christmann Kaulb 27 Henn Mda.-Int. 101 Mang 198 Müller Dietschw 73 Schneckenburger 32, 37, 44 Krämer Gal 247], zieh (dsī) [ KL-Siegb], zieje (dsījə) [LU-Böhl Opp NW-Elmst Kallstdt Wachh Bertram § 215 Hussong Kirkel 181 Lambert Penns 184], ziehche (dsīχə) [verbr. SOPf, PfMHk. 1932 H. 1/2 Schmitt Billh. 168], ziehsche (dsīə) [LU-Altr NW-Neidfs GH-Freisb Weingt Zeisk (Bertram § 215)], zeihe (dsaiə) [ GH-Neubg], ziege (dsīgə) [mancherorts mittl. VPf vereinzelt übrige Pf]; Part. Perf.: gezoh (gəˈdsō) [WPf NPf nördl. VPf Nordwestsaum der mittl. VPf, Christmann Kaulb 17 Henn Mda.-Int. 101, 313/14 Mang 104, 151, 195 Müller Dietschw 73 Schneckenburger 25 Krämer Gal 247], gezoge (gəˈdsōgə) [ LU-Alsh, vereinzelt], gezohe (gəˈdsōə) [FR-Mühlh Wood Schärf. Penns 236], g(e)zoche (gəˈdsōxə, gdsōxə) [mittl. u. südl. VPf, Heeger Südostpf. 16 Karch Jockgr/Nd'horb 136 Schmitt Billh. 168], gezojje [Lambert Penns 184]; Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB bei-, PfWB be-, PfWB darüber-, PfWB tot-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB ent-, PfWB er-, PfWB ver-, PfWB fort-, PfWB vor-, PfWB groß-, PfWB heim-, PfWB herauf-, PfWB heraus-, PfWB herbei-, PfWB herein-, PfWB herüber-, PfWB herum-, PfWB herunter-, PfWB her-, PfWB hinab-, PfWB hinauf-, PfWB hinaus-, PfWB hinein-, PfWB hintere-, PfWB hinüber-, PfWB hinunter-, PfWB hin-, PfWB hoch-, PfWB lang-, PfWB los-, PfWB mit-, PfWB nach-, PfWB stramm-, PfWB über-, PfWB um-, PfWB unter-, PfWB zurück-, PfWB zusammen-, PfWB zuziehen; Wasser z. 'Wasser aus einem Brunnen ziehen' [ Gal-Dornf]; Droht z. 'Drähte einziehen in neuen Weinberg' [LU-Alsh, Scharff 193]. De Schitz muß d' Schließ z. 'das Wehr des Grabens regulieren' [ LU-Alsh]. Un hat e Hecht, ganz u'geloh / vun värrzich Pund an Land gezoh [Damm Pälzer 73]. Beim Ochsewert am Rhei / gäbt's selbschtgezoone Wei. / des is e eefach Sächelche, / der holt en mit em Wächelche / un saat dann, ungeloo, / den hab ich selbscht gezoo, Wortspiel mit den beiden Bed. 'transportieren' und 'selbst anbauen' [Wilms Land und Lewe 59]. RA.: die Angel z. 'necken' [ ZW-Bechhf]; kee Strääch z. 'nicht gut z.', vom Zugtier [ KU-Bedb]; on äim Strang (Karch) z. 'sich gegenseitig helfen' [ KU-Schmittw/O]. Es ziehe zwää net an eem Strang 'streiten sich' [ KL-Wörsb]. Wann e Fuhrmann e Gaul hot, wo net zieht, is er de ärmscht Mann uf de Welt [ KU-Schmittw/O]. Der liecht stärker wie zehn Gail

[Bd. 6, Sp. 1603]
ziehche [ LU-Friesh]. En gurer Gaul ziecht zwäämol, sagt man beim Kartenspiel, wenn man den Zehner nachbringt [ BZ-Dierb]. Der loßt sich liewer e hoorich Seel (Seil) (Hoorseel) dorch's Maul ('s Arschloch, de Arsch, de Hinnere) z., als daß er een Penning rausrickt (gibt), von einem Geizhals [mancherorts]; Var.: eem e Hoorseel z. 'weichmütiger machen' [Schandein Sprachsch. 82]. Zieh die Brick! 'Geh weg!' (wohl vom Bild der Zugbrücke abgeleitet) [ KU-Rutsw/L WD-Hoof IB-Bliesmg/Bolch Hass KL-U'sulzb Wörsb]. Die Eh is e Stick G'scherr, wo en Mann dran ze trage un en Gaul dran ze ziehe hat, Wortspiel zur identischen mda. Aussprache von Ehe und Egge [ NW-Bobh]. Der hat schun an alle Sträng gezoh un noch kääner verriß 'hat erfolglos alles probiert, ist ein Taugenichts' [Krieger 42, Kamm 87 Thielen So rerre mer 112]. Zieh Leine, dein Mudder braucht Bettwäsch! 'Geh weg!' [ LU-Oggh, Spey]. Volksgl.: So oft die Finger beim Ziehen krachen, so viel Kinder wird es in der Ehe geben [ FR-Hettldh]. 14. Jh. (Kop. 1604): Item so vns die baursleut alle vnsere järliche frucht führen werden vnd ein pferdt oder rindt, was ziehen würt, ein bein brechen [PfWeist. 643 (KU-Glmünchw)]. —
b. 'durch Ziehen entfernen, herausziehen' [mancherorts]; en Zahn (Zohn usw.) z. [verbr.]; en Dorn ausem Fuß z. [ NW-Hardbg]. Heut kriet er de Nerv gezoche [ LA-Gommh]. RA.: de Kerzere z. 'schlecht bei einer Sache abschneiden' [vereinzelt]; (so naß) wie aus der Bach gezoh [Rockhs, LA-Impfl Kunnrädel 116]; eem die Werm (Würmer) (Fäde, Stoppe) aus de Nans z. 'einen mühsam aushorchen, zum Reden bringen' [mancherorts, Krieger 13 Gal-Brig]; die Zung z., dass. [ RO-Als]. Morjens iss mei Hemd immer so naß, wie wann ma e Katz aus de Bach gezoge hädd [Westrich Kalender 1957 103]. Dem sollt mer e gesunder Zahn z. (Verwünschung) [Kaislt]. Der kann sich de Weinzahn z. losse, sagt man, wenn ein schlechtes Weinjahr ist [ GH-Zeisk]. Dänn Zaah mimm Golfblads hämmern gezoche 'Jemandem eine verrückte Sache (hier: Golfplatz) austreiben' [Braun Lääsebuuch 226]. Volksmed.: En weißi Zwiwwel ziegt Gift aus re Wund [Fogel Beliefs Penns Nr. 1502]. —
c. 'mit der Hand oder einem Werkzeug Furchen im Boden machen', beim Pflanzen [mancherorts]; Forche (Gräwelcher, Kännel, Kaude, Riefel, Rille, Ritze, Zeile) z. [mancherorts]. —
d. 'zeichnen, linieren' [vereinzelt]. Du mußt der Linje z. [ BZ-Dernb]. —
e. 'zum Schlag ausholen, schlagen', ääni z. [Spey]; Syn. s. PfWB verhauen 1; Streech z. [ KU-Bedb Diedk Hüffl KL-Kaislt Mackb Ottb Trippstdt]. Er hot Straich no mer gezoh [ KB-Dreis]. —
2.
a. 'eine Entfernung zurücklegen, sich fortbewegen' [mancherorts, Beam Penns 113]. Die Wolge ziehe [mancherorts]. Der Fusch (Fisch) zieht [ WD-Niedkch]. Das Gewitter ziecht sich ins Tal [ BZ-Dernb]. RA.: aus em Schbeck in die Riewe z. 'eine gute Stelle wegen einer schlechteren verlassen' [Beam Penns 113]. Dem is die Krankhäit in die Aue

[Bd. 6, Sp. 1604]
(an's Herz) gezoh [ KU-Schmittw/O, Gal-Dornf]. BR.: Wann die Schwalwe ziehn, werd's ball Winder [ KL-Stelzbg]. a. 1531: Wan ein herr durch dieses land zeihet oder reutt [Grimm Weist. V 671 (PS-Wallhalb)]. Anf. 16 Jh.: ... so soll derselb, der den hoff hinhat, in die birse (Pirsch) ziehen [PfWeist. 97 (SP-Berghs)]. —
b. 'die Wohnung, den Wohnort wechseln, fort-, umziehen' [vereinzelt]. Gell, ziehscht zu uns, Jettche! [Sommer Hausapothek 136]. Volksgl.: Wammer mundags ziegt, hot mer ken Glick [Fogel Beliefs Penns Nr. 703]. Wammer ziegt, soll mer die Katz net mitnemme oder mer hot ken Glick [Fogel Beliefs Penns Nr. 695]. Wann en Spiggel verbrecht iwwer'm Z. sterbt eens odder's gebt en Unglick [Fogel Beliefs Penns Nr. 538]. a. 1295: ein unsir man von vns zge [Corpus III S. 245 Nr. 2173]. a. 1469: den sol man auch wieder von dannen lassen ziehen [PfWeist. 635 (NW-Gimmdg)]. a. 1582: Wann einer auß der gemein zeugt oder stürbt, ist die almen der gemein verfallen [PfWeist. 524 (FR-Flomh)]. —
c. 'zum Militärdienst einberufen werden' [mancherorts]; gezoche worre [ GH-Kand]. Heit werd gezoh [ LU-Opp]. Er es zu de Infandrie gezoh [ KU-Kaulb]. —
3.
a. '(aus)dehnen, erstrecken, länger werden oder wirken' [mancherorts]. Er zieht die Worte beim Spreche 'spricht alles auffällig gedehnt aus' [ LU-Limbghf]. Der Weg (Acker) ziehcht sich 'scheint kein Ende zu nehmen' [ BZ-Dierb, vereinzelt]. Der Dääg ( Teig) zieht sich, von Strudel-, Hefeteig [mancherorts]. Es zieht sich in die Läng [ KU-Hundh]. Dann wie der Krieg sich no' un no' / Hat alsfort in die Läng gezo' [Münch Werke I 160]. RA.: Der Daaig zieht sich bis uf Bumees (Bumees) 'zieht sich schier endlos' [ KL-Stelzbg]. De Weg zieht sich wie die Haardt [ LU-Böhl]. Das ziecht eem's Maul bis hinnich d' Ohre, beim Genuß von herben, sauren Speisen oder Getränken [Heeger Südostpf. 28, KU-Lohnw FR-Bockh Wilde 22]. Der Wein zieht sich 'wird viskos, zähflüssig' [ NW-Kallstdt], ... wie Sääre (Saiten) [ LA-Mörzh]. 15. Jh.: vnnd zeucht ferrer die recht hant hervmb [PfWeist. 495 (RO-Falkst)]. a. 1567: vnnd ziegen gegen der pfeffinger Kirchen, von Weinbergen [SSp Lgb. Seebach II Bl. 72]. —
b. 'überstreifen, überziehen' [vereinzelt]; die Kapp ins Gesicht z. [ KU-Schmittw/O]. RA.: de Rock iwwer die Ohre z. 'nichts sehen und hören wollen' [ ZW-Bechhf]; die Haut (das Fell) iwwer de Kopp (die Ohre) z. 'den letzten Pfennig abnehmen' [PS-Erfw, vereinzelt, PfMda.-Wettstreit 290]. —
c. 'schleifen, durchziehen' [vereinzelt]. RA.: dorch de Kakau z. 'lästern' [Kaislt, PfRSch. 29. 10. 1933]. Do muß ich wirrer die Katz dorch die Bach z. 'die unangenehme Sache übernehmen' [ KL-Hirschhn]. —
4.
a. 'saugen, durch Unterdruck herausziehen; trinken' [vereinzelt]; e Prob (Wein) z. 'mit dem Heber, dem Schlauch eine Weinprobe aus dem Faß entnehmen' [ KU-Wolfst KB-Zell]; e Schoppe z. 'trinken' [ RO-Als]. Der ziegt! 'Er trinkt gierig' [ LU-Böhl]. RA.: dorch die Zähn z. 'langsam trinken'

[Bd. 6, Sp. 1605]
[ KB-Kriegsf]; z. wie e Kuh 'in langen Zügen trinken' [ KU-Bedb]. Das kann ich net aus'm kleene Fenger z. 'Ich kann keine Auskunft geben, weil ich darüber nichts weiß' [HB-Kirrbg, ZW-Stamb]. BR.: Die Sunn zieht Wasser (-strahle) 'Es wird bald regnen' [mancherorts]. —
b. 'Feuchtigkeit absondern'; Maderi 'Eiter' z. [SOPf]. En Schliwwer (Schliefer 1 a) zieht Eider [ KU-Bedb]. Jetzt fangen die Erdbeer' schun o Brieh se zieh [Damm Dreifaltichkäät 63]. —
c. 'Luftzug haben, Luft einziehen', vom Atem, vom Tabakrauch usw. [mancherorts]. 's zieht 'Es gibt einen unangenehmen (kalten) Luftstrom' [mancherorts, Karch Jockgr/Nd'horb 126 Beam Penns 113]. Am Fenschder zieht's [ LU-Limbghf]. Uff ämol war die Oma bloo / un hat kä Oochdem (Atem) mieh gezo' [Albert Bei uns 23]. Der Duwak (Peif, Owe, Schornschde) ziegt gut [ GH-Leimh, vereinzelt]. Krieht ma Rheima, wie's mol zieht [Kraus Putscheblum 44]. RA.: 's Maul ufreiße, daß's zieht 'stark gähnen' [ HB-Kirrbg]. Mach's Maul zu, 's zieht! 'Hör auf mit deiner Prahlerei' [Lu'haf]. Mach's Dierle (Türchen) zu, 's ziegt! 'Dein Hosenschlitz steht offen' [ NW-Frankeck]. Was man nicht gebrauchen kann: E Stiwwel, wo drickt, un e Sigar, wo net zieht [WPf]. —
d. 'einen Darmwind streichen lassen'; enner z. losse [Hussong Kirkel 103]. —
5.
a. 'aufziehen, großziehen', von Pflanzen, Vieh [mancherorts]. Das Kalb werd gezoh 'wird nicht als Kalb verkauft, sondern selbst großgezogen' [mancherorts]. Was fer Blume ziegscht du? [Buffington Penns Var. 246]. Ame annere, obber a recht gepoßt es un die Junkele (Junkel 3 'Pfropfreis') recht gezoh senn [Westrich (PfId. 179)]. Dehäm zicht er Fisch. Die halle nämlich es Maul [Kraus Arwed 41]. RA.: Der zieht Dischdele for die ganz Gemark 'Seine Äcker sind verunkrautet' [ KU-Schmittw/O]. Aus dem kann mer Spiellumbe 'Spültücher' z., sagt man von einem Dummen [ FR-Beindh]. —
b. 'hervorbringen'. De Woin zieht Kane 'Schimmelschicht auf der Weinoberfläche im Faß' [ NW-Bobh Dürkh Friedh]. RA.: Geh heem unn stell dein Mutter ins Wasser, daß se Worzle zieht! [Volk und Heimat 20. 8. 1926]. —
6. 'in heißem Wasser zur Aromaentfaltung usw. stehen lassen', von Kaffee, Tee; z. losse [verbr.]. Ich will en noch e bissel z. losse [ LA-Gommh]. —
7. 'reißende Schmerzen im Rücken, den Gliedmaßen usw. haben' [mancherorts]; vgl. PfWB Reißen; auch subst.: 's Z. [mancherorts]. 's zieht mer dorch die Been [ KU-Bedb]. Es zieht merr sou anmürich (andmütig 'sonderbar') en de Glirrer [ WD-Niedkch]. Ich hann's Z. im Kreiz [ KL-Matzb]. —
8. 'erziehen' [vereinzelt, Heeger Südostpf. 21]; gezohene Buwe 'gut erzogene Jungen' [ KU-Schmittw/O]. Denne ihr Kinn pariere enfach nit, die sinn nit gezoh [ IB-Ommh]. Dem sein Kinn sein gut gezoh [ KU-Schmittw/O]. RA.: Er zieht anner Leit ehr Mädel groß 'Er heiratet' [ FR-Grünstdt]. SprW.: Mer muß sein Fraa schun beim erschde Lääwel 'Laib Brot' z. [Hebel 46, Gal]. Wann die Alte die Junge net zige, zige die Junge die

[Bd. 6, Sp. 1606]
Alte [Fogel Prov. Penns Nr. 1879]. KR.: ... Hätt' mich mei' Vatter vor 100 Johr besser gezogge, wär' ich kei' lumpiger Hansel Fingerhut worre (Hansel Fingerhut 4 a Spiel) [NW-Forst (Carl Pfalz im Jahr 114)]. — F.: Ind. Präs. Sg. 1. Pers. ziehn [westl. WPf SWPf], zieh, ziech, zieg [übrige Pf (Verbr. wie Inf.)]; 2. Pers. ziehscht, ziehchst, ziegscht [verbr. (Verbr. wie Inf.)]; 3. Pers. zieht [verbr. NPf WPf vereinzelt übrige Pf], ziecht [verbr. SOPf], ziegt [mancherorts mittl. VPf]; Pl. 1.-3. Pers. zie'e, ziehe [verbr. NPf WPf vereinzelt übrige Pf], zie'en [ ZW-Bechhf], ziehn [ FR-Tiefth], zieche [LU-Altr, verbr. SOPf], ziechen [ GH-Kand], ziege [ LA-Birkw], ziegen [ LU-Alsh], zieje [ PS-Gersb], ziejen [ NW-Kallstdt]. — RhWB Rhein. IX 773 ff.; LothWB Lothr. 557; ElsWB Els. II 897, ALA I K. 170, 171; DWA 5 41; Herrgen Koronalisierung 89 K. 5.

 

   ver-ziehen st.:
1. 'in eine andere Form ziehen'.
a. das Gesicht, das Maul, die Stirn, die Miene v., ve(r)zieh(e), -zieje, -zieche, -ziege, s. PfWB ziehen [verbr.]; vgl. PfWB verzerren 2. Er verzieht die Stern 'runzelt die Stirn' [ KU-Schmittw/O]. Der (saure Wein) verzieht ääm 's Gesicht ('s Maul) bis hinner die Ohre [ FR-Bockh]. RA.: Er verzieht 's G'sicht wie e verzooner Elfder (Elfer) [ KL-Fischb]. Volksgl.: Wann de Muund uf em scheint im Bett, verziegt's em 's G'sicht [Fogel Beliefs Penns Nr. 1261]. —
b. Gummiband v., vgl. PfWB verdehnen. Verzieh doch den Gummi (den Strumpbännel) net so! [ KL-Stelzbg, PS-Hintwdth]. —
c. Riewe v. 'schwache und zu dicht stehende Rüben herausziehen' [ LU-Opp]; vgl. PfWB verrupfen 4. —
d. die Griebe v. 'den Schwanz einklemmen und davonlaufen', urspr. vom Hund. Verzieg die Grieb! [ LU-Neuhf]. —
2. 'falsch erziehen, verwöhnen'. Die äänziche Kinner werre oft verzooche [LU-Opp, verbr.]. Das es e verzooner Strick [ RO-Dielkch]. Syn. s. PfWB verhätscheln. —
3. sich v.
a. 'nachlassen, schwinden', vom Gewitter, vom Rauch, auch von Schmerzen; vgl. PfWB verteilen 2. 's Wedder verziegt sich [LU-Friesh, verbr.]. Die Wolke verziehn sich [FR-Bockh, verbr.]. 's Koppweh verziecht sich langsam [ BZ-Dernb]. —
b. 'sich verformen'. 's Holz ('s Brett) hot sich verzoche [BZ-Dierb, verbr.]; vgl. (sich) werfen.
c.
α. 'fortgehen', bes. 'heimlich eine Gesellschaft verlassen'. Syn. s. PfWB weggehen. Do geht's net gut aus, meer verziehe uns liewer [RO-Als, verbr.]. Er verzieht sich wie e Gewidderbutze [ NW-Königsb]. RA.: Schreib dich Gummi un verzieh dich, schreib dich Klicker un veroll dich! [ KB-Bischh]. —
β. = PfWB sterben. Er werd sich ball verzieje [ LU-Opp]. De Dokder sagt, sie wär am Verziehe 'sie würde bald sterben' [Beam Penns 34]. —
4. intrans.
a. 'den Wohnort, die Wohnung wechseln'; vgl. PfWB verändern 2, fort-, PfWB umziehen. Sie verziehe noh Speyer [ KB-Bubh LU-Altr GH-Schwegh]. a. 1553: Item ein Sant-Marienman 'Untertan des St.-Marien-Klosters', der im

[Bd. 2, Sp. 1325]
hoff gesessen were vnnd den hoff nit liden mocht, wie sich der verziehen soll mit recht [PfWeist. I 193 (HB-Breitft)]. —
b. 'eine Entscheidung hinauszögern'. Du noch e bissel verzieche [ LA-Mörzh GH-Schwegh]. Mer därf net lang v., wann's geht ans Steche, vom Spargelstechen [Keiler 41]. o. D.: (Mit der Abhaltung des Hubgerichts soll man) vber 4 oder 5 tage nicht verziehen [PfWeist. I 67 (FR-Assh)]. — Südhess. II 674/75; RhWB Rhein. IX 781; LothWB Lothr. 157; ElsWB Els. II 898; Bad. II 129.

 

   ver-zerren schw.:
1. ein Glied v. 'verrenken'; die Hand ('s Bään, de Arm) verzerre [verbr.]. Er hot sich e Sehn (e Flechs, e Muschkel) verzerrt [Land, PS-Erfw RO-Dielkch]. Syn. s. PfWB verstauchen 1. —
2. das Gesicht, den Mund v. 'zur Grimasse verziehen' [verbr.]; vgl. PfWB verziehen 1 a. Er hat e verzerrt Gesicht [ KU-A'glan], e v. Maul [ LA-Knöring]; vgl. PfWB Zerrmaul. Sein Gesicht war ganz v. vor Schrecke [ KL-Reichb]. —
3. das Haar v. 'zerzausen' [ KB-Kerzh]. Syn. s. PfWB verwirren 1. —
4. Grasschwaden v. 'ausbreiten zum Trocknen'; die Schlachte v. [ HB-Breitft]; vgl. PfWB verzotteln 1 b. — Südhess. II 673/74; RhWB Rhein. IX 756; ElsWB Els. II 913; Bad. II 129.