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 PfWB Zahn-schmelz (Bd. 6, Sp. 1529)   DWB schmelzglas (Bd. 15, Sp. 1026)   DWB schmelz (Bd. 15, Sp. 1010) 
 -schmelz m.: 'Außenschicht des Zahns', -schmelz [mancherorts], nach dem Schd. —

 

 schmelzglas, n. leicht schmelzbares, farbiges glas, womit die oberflächen metallener oder porzellanener gegenstände zum schmuck oder zum schutze überzogen, oder auf solchen gemälde hergestellt werden, auch schmelz (s. das.), émail Jacobsson 1, 583a. Karmarsch - Heeren3 3, 263 ff.; schmelzglas, das, encaustum, pigmentum metallicum Stieler nachschusz 25a. Frisch 2, 207b (s. DWB schmelz).

 

 schmelz, m. schmelzglas, glasartiger überzug, glanz, zu schmelzen, vgl. daselbst. ahd. smelzi electrum, liquor Graff 6, 832, mhd. nur in der zusammensetzung goltsmelz, m. electrum Lexer handwb. 1, 1049 bezeugt, mnd. smelt, n. Schiller-Lübben 4, 261b, mnl. smelt liquor, liquamen und smelte ora ferrea aut argentea balthei Kilian, auch altn. als smelt, n. emaille, dazu das adj. smeltr emailliert Fritzner2 3, 446a. aus dem german. (altfränk. *smalti) ist das wort auch ins romanische eingedrungen als mittellat. smaltum, ital. smalto, rumän. smaltz, span. port. esmalte, franz. émail, s. Diez etym. wb.4 296, so schon Wachter 1441, der schmelze schreibt, vgl. auch Weigand 2, 603. während das wort in den älteren german. dialekten überall als neutr. auftritt, ist es im nhd. masc. geworden; nur Frisch 2, 207b führt es als schmelz, n. auf, dagegen schon Steinbach 2, 468: schmeltz (der) pulvis encausticus, aliquid igne solutum.
1) in eigentlicher bedeutung: durch schmelzen gewonnenes gefärbtes metallisches glas, schmelzglas Adelung. Eggers 2, 827. das mit kobalt bereitete blaue schmelzglas heiszt auszer schmelz auch mit der durch das romanische gegangenen wortform schmalte. s. daselbst (sp. 925) und Adelung; schmelz, n., schmelz-glas encaustum. ein glas, das von allerley farben gemacht wird, zum emailliren, oder geschmelzte gemählde auf gold, silber oder kupfer zu machen. Frisch 2, 207b. es dient insbesondere:

[Bd. 15, Sp. 1011]

a) zu einem krustenartigen überzuge auf gold und silber, wobei eine mit zinn- oder bleiasche versetzte masse verwendet wird; in diesem sinne ist das fremdwort émail üblicher. Jacobsson 1, 583a, so auch mnd., z. b.: twe sulveren schalen, dar dat smelt inne steit. Livl. urk. von 1392 bei Schiller-Lübben 4, 261b; ein kästchen .. von prächtigem altem ansehn, es schien von gold zu seyn, mit schmelz geziert. Göthe 21, 60. vergl.:

sein leib wie schmelz (Or.: sîm silber), wie bihischt (frühling) sein gesicht.
Rückert Firdosi 1, 137.


b) auch, um damit auf gold, silber oder kupfer zu malen Eggers a. a. o. Frisch s. oben, vergl.:

und selbst ein goldnes herz, mit ihrer mutter nahmen
in schmelz, ... musz, weil's an gold gebricht,
zum juden gehn.
Wieland 21, 359 (Klelia 8, 191);

das oberkleid, das goldne, schlage drüber ...
auch diesem gold ist, mit geschmack und wahl,
der blumen schmelz, metallisch, aufgebrämt.
Göthe 9, 298 (nat. tochter 2, 5); vgl. 3, a.


c) kleine, glänzende, korallenähnliche röhrchen oder perlen, durchlochte körner, die aus derselben masse oder aus calciniertem zinn oder blei in verschiedenen farben hergestellt, auf einen draht gereiht und zu verschiedenen zierraten der frauenkleidung verwendet werden; auch schmelzwerk, strohschmelz, stiftchen (vgl. das.) Adelung. Jacobsson 4, 3b und 7, 246. Eggers a. a. o. öconom. lex.2 2613. Schultz alltagsleben 56: er (der architekt) machte in seiner ganz schwarzen knappen modernen civilgestalt einen wunderlichen contrast mit jenen flören, creppen, franzen, schmelzen, quasten und kronen. Göthe 17, 232 (wahlverwandtschaft 2, 4);

der mann im scharlachpelze
und mit der schweren kettenlast von schmelze
wohl sechsfach um den hals.
Wieland 18, 79;

ich sah den unzufriednen haufen
nach höfen und pallästen laufen,
wo gold und schmelz und helle pracht
gefahr und knechtschaft schimmernd macht.
Hagedorn 2, 86.


2) übertragen auf den glänzenden, glasartigen überzug, die glasur der zähne, substantia vitrea dentium Nemnich, vgl. Oken 4, 31. 137.
3) sehr häufig steht schmelz in freier, bildlicher verwendung von einem metall- oder glasähnlichen glanze, überhaupt von glänzenden, leuchtenden farben.
a) so besonders schmelz der blumen Adelung:

der bäume glänzend laub, der schmelz der blumen glüht
als ob die sonne sich in so viel spiegeln bilde.
Wieland 17, 259 (Idris 5, 8);

ihn (den blinden) erquickt nicht mehr
der matten warmes grün, der blumen schmelz.
Schiller Tell 1, 4;

wie weiszer rosen schmelz im morgentau.
Grillparzer5 2, 36 (4 1, 10).

so auch:

wenn sich ihr (der weizenhalme) bestralter schmeltz beweget.
Brockes 6, 6.

daher auch schmelz der (beblümten) wiesen u. ähnl.: oder wir versamlen uns auf dem bunten schmeltz einer auen. discourse der mahlern 2, nr. 1;

im frühling gläntzet sie (die flut) als ein polirter spiegel,
und bildet wunder-schön den schmeltz beblühmter hügel.
Brockes 4, 24;

du schmelz der bunten wiesen!
Hagedorn 3, 68;

wie Lamon so sein innerstes eröffnet,
so fällt ihr blick vom schmelz der blühnden aue ...
von ungefehr auf ihn.
Götz verm. ged. 3, 16;

der wiesen schmelz, der wälder grüne nacht.
Wieland 18, 200;

vgl. und da waren farben auf der wiese,
gold und schmelz und purpur und ein grünes.
Göthe 2, 189.

schmelz der blätter, des grases u. ähnl.:

des grases grüner schmeltz.
Brockes 6, 28;

schöner ist kein schmelz am laube.
Eschenburg Lukas u. Hannchen 34;

schmelz der blätter, glanz der blume.
Uhland ged. (1864) 50;

der flügel des schmetterlings:

wie bedaur' ich dich, o silfe,
dasz du kamst in unsern herbst,
wo am nassen welken schilfe
du den zarten schmelz entfärbst.
Rückert ged. (1840) 407 ('der schmetterling im herbste').

der menschlichen haut:

dasz ihre zarte haut den schönen schmelz verliere.
Wieland 23, 97 (Oberon 8, 45).


b) von malfarben: (sie) setzte sich vor den zeichentisch, wählte aus dem zarten gewebe der vergangenen stunde den

[Bd. 15, Sp. 1012]
herzlichsten augenblick, und bot allen zauber der kunst auf, um durch den schmelz der farben und den hauch der wahrheit das liebliche schattenbild ihrer noch frischen erinnerung zu beleben. Thümmel reise 8, 86; einige grosze bilder der Genfer schule, mächtige baum- und wolkenmassen in mir unbegreiflichem schmelze gemalt, waren die zierden der ausstellung. Keller 1, 265; es waren alles umfangreiche blätter aus Italien, auf starkes grobkörniges papier mit wasserfarben gemalt, doch ... mit unbekannten kühnen und geistreichen mitteln, so dasz sie ebenso viel schmelz und duft, als klarheit und kraft zeigten. 2, 19; denn wo der 'schlohweisze' menschenkörper (bei Böcklins triton) in den fisch übergeht, trifft ein durchbrechender sonnenstrahl die fischhaut, dasz diese im schönsten schmelze beglänzter perlmutterfarben irisirt. nachlasz 224. so von einem bilde:

der schmelz ist hin und kommt nicht wieder.
Geibel 1, 73.


c) noch freier vom blühenden aussehen eines menschen: der jugendliche schmelz Nadinens. J. Paul Kampanerthal 13; sein gesicht übergosz sich mit einem schmelz von freundlichkeit. Bettine briefe 1, 141; auf geistiges übertragen: Genuas grösten mann .. der .. alle gröszen seines geschlechts im lieblichsten schmelze verband. Schiller Fiesko 1, 1.
4) bei den falknern der mist des falken Campe, vgl. Nemnich s. v. falco communis und schmelzen IV.
5) schmelz stint, s. DWB schmelt 2.