Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Wolfs-rachen (Bd. 6, Sp. 1443)   PfWB Maul (Bd. 4, Sp. 1227)   PfWB leben (Bd. 4, Sp. 844) 
 -rachen m.: 'Lippen-, Gaumen-, Rachenspalte', eine Mißbildung, -rache [mancherorts], Wulfs- [ WD-Niedkch]; vgl. PfWB Wolfsmaul, PfWB -scharte. Der plaurert so, daß m'rsch ball net versteht, er hat e W. [ KL-Reichb].

[Bd. 6, Sp. 1444]
RhWB Rhein. IX 622. —

 

   Maul n.:
1.
a. 'Maul des Tieres, Mund des Menschen'; auch für: 'Mundöffnung, Lippen, Kiefer' als (äußere, sichtbare) Teile des Ganzen, Maul, Pl. Mailer [verbr. (außer lothr. SWPf), auch Penns Don Gal Buch, Christmann Kaulb 20 Mang 125 Müller Dietschw 50 Schneckenburger 29 Heeger Tiere I 8 Lambert Penns 103 Beam Penns 69 Krämer Gal 147], (mǫul), Pl. (męilər) [(ältere Gener.) PS-Erfw Schindhd (Heeger Nachl.)], Mull, Pl. Miller [lothr. SWPf (Keiper Nachl.) Glass II 40 PfId. 97]; Dim. Mailche [PS-Erfw, verbr.], Dim. Pl. Mailcher [Kus, verbr.]; Zs.: PfWB Affen-, PfWB Backofen-, PfWB Bäll-, PfWB Pappel- 1, PfWB Päpper-, PfWB Papp-, PfWB Pfetz-, PfWB Plapper-, PfWB Plärr-, PfWB Platsch-, PfWB Plauder-, PfWB Blau-, PfWB Brei-, PfWB Breit-, PfWB Brutz-, PfWB Dick-, PfWB Dreck-, PfWB Dürren-, PfWB Dürr-, PfWB Flaz-, PfWB Freß-, PfWB Frosch(en)- 1, PfWB Geier-, PfWB Geiß(en)- 1, PfWB Gold-, PfWB Grein-, PfWB Grieben-, PfWB Grind-, PfWB Groß-, PfWB Habichts-, PfWB Häng-, PfWB Hasen- 1, PfWB Hecht-, PfWB Hohl-, PfWB Honig-, PfWB Kaffee-, PfWB Klatsch-, PfWB Knätsch-, PfWB Knoblauch(s)-, PfWB Knochen-, PfWB Krusten-, PfWB Kuharschloch-, PfWB Kuh- 1 u. 2 a, PfWB Kuß- 2, PfWB Lang-, PfWB Lapp-, PfWB Laschen-, PfWB Laster-, PfWB Lecker-, PfWB Lipp-, PfWB Lügen-, PfWB Miet-, PfWB Muffel-, Nänger-, PfWB Nasch-, PfWB Nuß-, PfWB Ober-, PfWB Ochsen-, PfWB Quassel-, PfWB Quatsch-, PfWB Raffel-, Ruppen-, Sabber-, PfWB Saiter-, PfWB Sau-, PfWB Schand-, PfWB Scharten-, PfWB Schepp-, PfWB Scherbel-, PfWB Schlabber-, PfWB Schlaf-, PfWB Schlapp-, PfWB Schlärr-, Schlekker-, PfWB Schleck-, PfWB Schnatter-, Schnäuk-, Schnerr-, PfWB Schnuckel-, Schnuddel-, PfWB Schnuß-, PfWB Schwaddel-, PfWB Schwappel-, Schwarten-, PfWB Schwoll-, Seifer-, PfWB Speckgrieben-, PfWB Sperr-, PfWB Spitzbuben-, PfWB Spitz-, PfWB Sprach-, PfWB Stink-, PfWB Sudel-, PfWB Süß-, PfWB Unter-, Waffel-, PfWB Wälen-, PfWB Wäsch-, PfWB Wolfs-, Zukkermaul; Syn. s. PfWB Gusche 1 a. — Vergl. u. RA.: Vom Mund im allg.; uf M. un Nas leie 'auf dem Bauch liegen' [Kaislt, mancherorts, Don-Schowe Torscha]. Der hot e groß (e bräät) M., e klää M. (Mailche) [KL-Bann, verbr.]. Ein Kind, ein Mädchen hot e schää (lieb, goldig, sauwer) Mailche [SP-Harths, verbr.]. Er hot kä Zähn mehr im M. [ KB-Kriegsf]. Der verzieht 's M. (reißt 's M. uf) bis hinner die Ohre (wenn er lacht) [PS-Nd'simt, verbr., Beam Penns 69], vun ääm Ohr zum annere [ KU-W'mohr]. Der reißt 's M. uf, daß mer määnt, de Mand (Mond) geht uf, von einem großen Mund [ GH-Minf], daß

[Bd. 4, Sp. 1228]
mer'n mit de Schipp fiddere kennt [ LA-Herxh]. Wann der 's M. ufmacht (ufreißt), krien die Ohre Besuch [Kaislt, Hebel 20, Gal-Königsau], is de halb Kopp ab [ LU-Altr]. Er hot nix wie M. un Nas 'ein abgemagertes Gesicht' [ LA-Herxh]. Der spitzt 's M. wie die Kuh noo're Erbeer (Erbel) 'Er macht ein plumpes Mienenspiel und reizt dadurch zum Lachen' [Weber 125, mancherorts, NPfGV 1926 17 NSZ 4. 7. 1939]. Er macht e M. wie e Esel, wann er uf de Schleifsteen spauzt [Hebel 14 NSZ 4. 7. 1939]. Der laaft'm ins M. (wenn ein Gesuchter zufällig entgegenkommt) [ HB-Kirrbg FR-Bockh]. Wann's e M. hätt, dät's dich beiße (wenn einer etwas, was vor ihm liegt, nicht findet) [ PS-Rodalb]. — Von den Lippen. 's M. es angelaaf 'geschwollen' [ FR-Bockh]. Er hot e dick M. [ RO-Lohnsf]. Dem hängt 's M. erunner [ PS-Burgalb]. Er läßt 's M. hänke [ KU-Theisbgstg]. Frage an einen mit geschwollenen Lippen: Wo hosche dann das schien (schöne) M. her? [ KU-Kaulb]. — Ausschlag am Mund. 's M. fährt aus [ WD-Niedkch]. Er hot e bees M. [ LU-Opp], e weh M. [ FR-Bockh], e kruschdich M. [ ZW-Rieschw], Grindle am M. [ SP-Harths]. Ich sein im M. ganz uf 'wund' [ FR-Bockh]. 's esch e Speckgriebche am M. hänge bliwwe [ LA-Birkw]. Der Herr Parre hat em Speckgriewe ans M. geschmiß [ RO-Ruppeck]. Der hot met'm Parre Griewe gfreß, do horrer'm e paar ans M. geschmeß [ KU-Nerzw, mancherorts]. Zu einem Knaben, der gern rauchen möchte, sagt man: Nemm de Katz ehr Schwanz ins M.! [KU-Kaulb, verbr., NPfGV Aug. 1934]. — Gähnen. 's M. ufsperre (ufmache, ufreiße) [verbr., auch Gal]; deck 's M. ufsperre [ KB-Orb]; ufreiße bis hinner die Ohre [ RO-Semb]; ufsperre wie e Katz, wann se unner'm Owe erauskrawwelt [NPfGV 1926 18], ufsperre, daß mer mit'm Heiwage drin rumwenne kann [NW-Hardbg u. Umg.]. Zu einem Gähnenden: Mach 's M. zu, 's zieht! [ KU-W'mohr]. — Auf den Mund schlagen. Er dut em 's M. bräätschlaa'e [ PS-Rodalb], 's M. vollgebb [ PS-Claus Gersb], iwwer's M. fahre [ PS-Erfw FR-Dirmst], 's M. stoppe [ KL-Wörsb, mancherorts], met de Fauscht 's M. stoppe [ IB-Rohrb], uf's M. schlaa, daß 's Blut spritzt [ KB-Stett GH-Knitth]. Ich hau der e paar uf's M., daß die Zähn Klafier spiele [ KL-Bann]. Zu einem Kind: Wann de met de Finger net aus'm M. bleibscht, schlaa ich der druf [ KL-Fischb]. Frage an eine Frau, die wegen Zahnschmerzen den Mund verbunden hat: Hat der dei Alder 's M. verschlage? [ GH-Zeisk]. — Von der Ernährung. Er hat kalde Fieß um's M. rum 'Er hat Hunger' [ PS-Winz]. In den Kriegsjahren hot mer 's M. an de Nachel g'hänkt (weil es nichts zu essen gab) [Kaislt, verbr.]. Er halt em 's M. sauwer 'gibt ihm nichts, bezahlt für ihn nicht' [ RO-Alsbr, mancherorts, auch Gal]. Er halt'n zechfrei

[Bd. 4, Sp. 1229]
un 's M. sauwer, dass. [ KB-Kerzh]. Do dät ich mer liewer uf's M. schlaan (als so teures Essen kaufen) [Kus ZW-Marthh]. Er dut sich's am M. abspare 'am Essen sparen, um sich etwas anderes leisten zu können', auch von einem Geizhals [ FR-Bockh]. Keem M. getraue!, von einem, der vorgibt, keinen Hunger zu haben, weil ihm eine unbekannte Speise vorgesetzt wurde und dann doch gierig zupackt, wenn es ihm schmeckt [ ZW-Marthh]. Beim Füttern eines kleinen Kindes: Sperr dein Mailche uf! [ KU-Lohnw]. Butz dein Mailche hibsch ab! [ KU-Schmittw/O]. Er macht'm 's M. lang (wässerich) 'zeigt oder erzählt etwas Verlockendes' [verbr.]. Er schmeert'm Brei ums M. 'schmeichelt, übervorteilt ihn' [ GH-Kand KU-Schmittw/O]. 's Wasser laaft'm im M. zamme (angesichts eines Leckerbissens) [KU-W'mohr, verbr., auch Don Gal Buch]. 's M. wässert'm denoo, dass. [ FR-Bockh]. Er hängt alles ans M. 'ißt und trinkt gut und reichlich' [NW-Geinsh, verbr.]. Der isch seim M. aa kä Stiefkinn, dass. [ PS-Nd'simt FR-Bockh], Stiefvadder [ WD-Niedkch]. Do ware die Aue wirrer greßer wie 's M., von einem, der sich mehr in den Teller genommen hat, als er essen konnte [KU-Trahw, verbr.]. Er hot 's M. uf'm schnäkige Platz 'ist wählerisch' [ ZW-Krähbg]. Derb zu einem wählerischen Kind: Freß Hundsfotze, dann werd der aa 's M. net fedderig [Kaislt, mancherorts, auch Gal]. Er hot 's M. abgebutzt un is gang 'Er hat sich bewirten lassen und ist ohne Dank und Gegenleistung davon', von einem Schmarotzer [RO-Semb, verbr.]. 's ganz Johr muß mer for's M. 'für Nahrung' sorje (schaffe) [ KU-Schmittw/O, WD-Niedkch]. Do fliegen ääm die gebrorene Dauwe nit ins M. 'Ohne Mühe kein Ertrag' [NW-Wachh, verbr.]. — Sprechen, Zuhören, Schweigen: Dere ehr M. geht bestännich 'Sie redet viel' [KU-Schmittw/O, verbr.], geht wie geschmeert [Bergz (Kamm 33), verbr., Gal-Dornf], wie geschmeert mit Hexefett [Hebel 22], wie ge'eelt [ LU-Opp], wie e Uhrwerk [ GH-Kand], geht bestännich uf un zu wie e Endeberzel [SOPf (Heeger Nachl.), mancherorts], wie e Endeoorsch [ KU-Schmittw/O, LU-Friesh Don-Gottlob], wie e Butzmihl [ Buch-Illisch]. Dem sei M. steht net still, dass. [KU-Diedk, verbr.], steht net ameslang still [ KU-Kaulb]; vgl. PfWB amenslang. Der gebt seim M. net umsunscht se esse (wer viel redet) [verbr. Gal]. Der zieht 's M. bis hinner die Ohre 'Er schreit' [ ZW-Bechhf, mancherorts]. Du dein M. net so groß uf! 'Sprich nicht so laut!' [Kirchhbol]. Reiß dei M. net so weit uf!, dass. [ NW-Esth]. Der hot immer 's greescht M. 'ist vorlaut' [LU-Neuhf, verbr.]. Der schmeert'm Brei um's M. 'schmeichelt, übervorteilt ihn' [ KU-Schmittw/O GH-Kand]. 's M. geht noch, von einem Schwerkranken, dem das Sprechen noch leicht fällt [ LU-Alsh]. Wann der emol

[Bd. 4, Sp. 1230]
sterbt, muß mer sei M. extra dotschlaa, sehr derb von einem Dauerschwätzer [PS-Nd'simt, (so und ähnlich) verbr., Fogel Penns Var. Nr. 336]. Er kriet noch e Schipp voll uf's M. (bei seiner Beerdigung), dass. [ KU-Herschw/Petth]. Der dut met M. un Nons horche 'ist sehr aufmerksam' [ KU-Schmittw/O, W'mohr LA-Herxh], dut 's M. spitze, dass. [ NW-Geinsh], M. un Nans ufreiße (ufsperre), dass., auch: 'ist überrascht, erstaunt' [ZW-Marthh, verbr.]. Es geht (fahrt) mer als im M. rum 'Es (Das Wort) liegt mir auf der Zunge' [PS-Erfw, mancherorts, Feierowend 11/1955 2]. 's geht mer vor'm M. erum, awwer net enin, dass. [ KU-Kaulb]. Ich hun's em M. un kann's net sa'e [ RO-Alsbr Kaislt]. Du hascht mer 's Wort vum M. wegg'numme 'Was du gesagt hast, wollte ich auch sagen' [ LU-Opp, mancherorts]. Er dut'm 's M. stoppe (verbiede) 'bringt ihn zum Schweigen' [verbr.], sein frech M. stoppe [ KU-Schmittw/O]. Hall (Halt) 's M.! 'Schweig!' [verbr.]. 's M. zu!, dass. [ LU-Neuhf]. Sehr derb: Hall 's M. zum Aarsch! [KU-Bedb, verbr.]. Halt 's M. un hock dich uf dei vier Buchstawe (Gesäß)! [ KL-Reichb]. Scherzh. Erwiderung: Mei M. hot jo ken Stiel (daß ich es halten könnte) [ ZW-Gr'bundb]. Gebb mer en Strick fer's ansebinne! [ KU-W'mohr]. Er macht 's M. net uf 'ist schweigsam, schüchtern' [KL-Fischb, verbr.]. Er hot kä M., dass. [ LU-Neuhf]. Gel, du hosch kä M., hon? [ LA-Herxh]. 's (Das Kind) hot 's (sei) M. (Mailche) dehaam geloß, von einem Kind das nicht redet, nur mit dem Kopf deutet [KU-Kaulb, verbr.], (dehääm) in de Schublad leie geloß, dass. [KU-W'mohr, verbr.]. Vom Gegenteil: Das (Kind) loßt awwer sei Mailche spaziere gehe! 'ist redselig' [Pirmas (Kieffer 54)]. Ui, is dem sein Mailche heit gut geschmeert!, dass. [NPfGV Aug. 1934]. Die is so faul, daß se 's M. ufmacht 'selbst zum Sprechen zu faul' [ NW-Freinsh, KU-Erdb]. Gun Dach, mei M., weil deins is eh zu faul (wenn einer den Gruß nicht erwidert) [ Gal-Bagbg]. Jetzt stehschde do un hascht die Zung im M. 'bist sprachlos, ratlos' [ PS-Nd'simt]. Der bringt 's M. nimmi zamme (vor Lachen, Freude, Staunen) [ PS-Nd'simt, mancherorts]. Die hat e Quetsch im M. 'singt falsch' [Krieger 20]. Der Schlagfertige hot 's M. am richdige Platz [ WD-Niedkch], uf'm rechde Fleck [ SP-Harths]. Die hal (hat) ehre M. bei sich, dass. [ KU-Bedb]. Der is net uf's M. gefall, dass. [KU-Kaulb, verbr.]. Wenn Redekunst auf Mißtrauen und Abneigung stößt: Der hot e M. wie en Affegaat (Advokat) [ ZW-Battw], wie e Schereschleifer [ Buch-Illisch]. Die hot e M. wie e Bettelgääß [Kaislt, mancherorts], wie e Häädefrää (s. PfWB Heidenfrau) [ LA-Herxh GH-Rh'zab], wie e Zijeunern [ NW-Geinsh]. Die hat e M. wie e Schwert 'redet viel, hat ein scharfes, böses Mundwerk' [Bergz (Kamm 33), verbr., auch Don

[Bd. 4, Sp. 1231]
Gal Buch]. Der määnt, mit'm M. schafft er alles [ KU-Wolfst]. — Klatsch, Gerede. Der reißt de Leit die Mailer uf 'sorgt für Gesprächsstoff' [PS-Nd'simt, verbr., PfId. 92], kummt in de Leit ehre Mailer, dass. [ FR-Grünstdt], geht in de leit ehre Mailer rum, dass. [ NW-Geinsh]. Entgegnung, wenn sich der Betroffene darüber beklagt: Binn d' Leit die Mailer zu! [ NW-Geinsh]. 's M. kann ich 'ne net zubinne 'Das Gerede kann ich nicht verhindern, auch wenn es unangebracht ist' [ GH-Zeisk]. Weh dem, der dere ins M. kummt! [NW-Hardbg u. Umg.]. Du hasch in alles 's M. 'mischt dich in alles ein' [ ZW-Marthh], muscht 's M. iwwerall eninhänke, dass. [ KU-W'mohr], en alles henke [ FR-Bockh], iwwer jerem 's M. ausleere 'jeden schlechtmachen' [NPfGV 174 36]. Mich loscht aus deim M.! [NW-Hardbg u. Umg.]. Er verreißt 's M. 'ereifert sich' [ Gal-Dornf]. 's is mer aus'm M. g'fahre, von einem Versprecher [ LU-Alsh]. Ich hätt besser mei M. an e Steen gestoß, als wie een Wort dodezu gesaat [ KU-Diedk]. Das henk ich der net uf's M. 'Das verrate ich dir nicht, du würdest es weitersagen' [ KU-Kaulb]. Ich hun 's Wort im M. gehatt, ich hun awwer nix gesaat 'Ich habe es vorgezogen zu schweigen, obwohl ich die passende Antwort bereit hatte' [ KU-Schmittw/O]. Der schleet sich selbscht uf's M. 'widerspricht seinen eigenen Worten' [ KU-Schmittw/O]. Der dut eem 's Wort im M. rumdrehe [verbr., auch Gal]. Er macht sei M. zu'me Aarsch 'hält nicht Wort' [ Don-Schowe]. Wann der 's M. ufmacht, weeß mer, wer er is [ NW-Elmst]. Den (Dem sein Nome) nemm ich nimmi (net) ins M. 'Er ist mir gleichgültig, bedeutungslos' [ GH-Schwegh, KU-Schmittw/O]. — Über schroffe, ungezogene, beleidigende Antworten, Widerreden; eem e M. (e frech, e bees, e unnetzich M.) anhänke [verbr.]; eem iwwer's M. fahre 'einen abkanzeln' [verbr.], 's M. vollgewwe, dass. [ KU-Kaulb]. Mach ka M.! 'Widersprich nicht!' [ LU-Altr]. — Übertreibung, Prahlerei. Der nimmt 's M. arich voll [FR-Bockh, verbr., Otterstetter 221]. Er isch iwweral vorne dran mit seim große M. [ PS-Burgalb]. Abfertigung eines Aufschneiders: Mach 's M. zu, 's zieht! [Lu'haf]. Ich nemm dich ins M. for e Schnorres 'Ich bin dir überlegen' [ KU-Roßb]. Lern e (doch kän) alde Aff Mailer mache! 'Das kann ich besser als du!' [ FR-Bockh, KU-Schmittw/O]. Loß der emol 's M. wäsche, mer määnt, du häscht in de Dreck getret [ RO-Alsbr]. Ein Großbauer über einen ärmeren Standesgenossen: Ach dät doch der 's M. halle mit seine paar Äckerche! [ ZW-Battw]. — Weinen, schmollen, gekränkt sein; e Mailche mache, vorn. von einem Kleinkind [verbr., Beam Penns 69]; e schiefes (e schepp) M. mache [ IB-Ensh, KU-Kaulb]; 's M. henke losse [RO-Semb, verbr.]. Der macht e M. as wann er greine wollt [ FR-Kindh].

[Bd. 4, Sp. 1232]
Der macht e M. wie e Schippezehter [Kühn Palz 142]. Von einer ausweglosen Lage: Do mecht mer in die Luft scheiße un mit'm M. uffange [ NW-Kallstdt]. — SprW.: Eme geschenkde Gaul guckt mer net ins M. [KU-Diedk, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]. Ins M. noi geht kä Sind, awer zum M. raus [Bergz (Kamm 37)]. Wann 's Herz voll is, laaft 's M. iwwer [LU-Opp, Penns (Barba)]. 's esch kääm M. se traue [ BZ-Dierb]. D' Nacht hot Ohre un M. [ GH-Zeisk]. Mer muß nit bloß 's M. spitze, sondere aach peife [ebd.]. Met'm M. bringt mer alles ferdich [ KU-Schmittw/O]. Besser die Supp geblos, wie 's M. verbrennt [Pirmas]. Wer sich 's M. verbrennt, bloßt uf's Kalde [ Gal-Sap]. Halt 's M., wann de plaudere willscht [ NW-Haßl]. M. - Trotz, Bauch - Schade 'Wer das Essen verschmäht, bleibt hungrig' [ Gal-Obersd]. 's M. is e Lumpeloch, gebbt mer'm, nemmt's noch [verbr. Gal]. — Volksgl.: Eme dore Hecht därf mer net ins M. greife (weil er beißt) [ KU-Schmittw/O]. Wammer ins Feier spaut, kriggt mer 'n weh M. [Fogel Beliefs Penns Nr. 1417]. Vom Gegenteil: Fer'n wehes Maul, do schpau in's Feier; / Des helft der graad un iss net deier. / Un schpau in's Feier um so meh, / Noh werd der's Maul aa nie net weh [Birmelin Penns Gezw. 65]. — Rätsel: 's is e Gaul, uf'm Buckel hot er 's M. un hinne kummt eppes raus (Mühle) [Gal-Landestreu Buch-St. Onufry]. — VR.: Ich hab kän M., du dummer Gaul; Ich hab kän Gosch, du dummer Frosch; Ich hab e Mund, du dummer Hund [ NW-Lambr Neidfs]. Neckvers auf den Bauern: De Bauer uf de Lauer, is e Spitzbub uf die Dauer. Steckt mer'm der Finger ins M., beißt er, steckt mer em in de Arsch, scheißt er [ RO-Obd]. Weitere Neckverse s. PfWB Kotten 3, PfWB kreideweiß; vgl. auch PfWB leben 2; einen KR. s. PfWB Klee 1 a. — a. 1615: Weilen Hanß Rübel dem Geschworenen der Metzgerzunft über das Maul gefahren, denselben seines Gefallenen stumpfirt, ihn auf's Maul hauen und übel traktiren willte [Küchler 96]. —
b. 'Kuß', altmda., vorn. zu kleinen Kindern, Maul [ KU-Brück WD-Hoof IB-Heckdh RO-Imsb Schmalfhf KB-Bennhs FR-N'lein], Mailche [Kus, verbr. WPf NPf mancherorts nördl. VPf]; Zs.: PfWB Kußmaul 1; Syn. s. PfWB Kuß 1. Geb mer e Mailche (e Maul)! [ RO-Semb]. —
2.
a. in Pflanzennamen als Grundw. in den Zs.: PfWB Pappel- 2, PfWB Geißen- 2, PfWB Hasen- 2, PfWB Löwen-, PfWB Ochsenmaul.
b.
α. Die Millich macht e M. (wenn sich beim Kochen die Haut der Milch wölbt) [ KU-Bechb Kaulb]. —
β. De Schuck sperrt 's M. uf 'ist vorn durchlöchert' [ KU-Bedb GH-Zeisk]. —
γ. s. PfWB Kuhmaul 2 b. — Südhess. IV 576 ff.; RhWB Rhein. V 969 ff.; Lothr. 371/72, ALLG I 63; ElsWB Els. I 671 ff.

 

   leben schw.:
1.
a. 'am Leben, lebendig sein', lewe (lwə) [verbr., Christmann Kaulb 12 Müller Dietschw 48 Höh 52], (lēwə) [mancherorts, Mang 95, 199 Lambert Penns 99 verbr. Gal], läwe (lǟwə) [Heeger Südostpf. 13], lawe (lwə) [ PS-Fischb], lawwe (ląwə) [GH Neubg]. Er kann nimmer uhne mich l. [LU-Opp, verbr.]. Er kann nit l. un nit sterwe [ BZ-Dernb, mancherorts]. Wie gäre hätt er noch gelebt! [ KL-Reichb]. RA.: Lewe un l. losse! [KU-Schmittw/ O, verbr., Horne Penns 104]. Scherzh. Ablehnung einer Bitte: De Schenker lebt nimmi! [Bergz (Kamm 39)]. Beteuerung: So wahr ich leb! [mancherorts, Gal-Obl]. Der is soin Vadder, wie er leibt un lebt 'Er sieht seinem Vater zum Verwechseln ähnlich' [ LU-Opp]; vgl. PfWB leiben. —
b. von der Lebensdauer. E paar Jährle hot er noch se l. [ NW-Haßl]. So lang ich leb, du ich anordne [ SP-Heiligst], bleib ich Herr im Haus [ebd.]. RA.: Du bischt zu gescheit, du lebscht net lang [Kaislt PS-Saalstdt Pirmas]. SprW.: Der Dummeldich hot der Hals gebroch, der Langsam lebt noch [Don-Gottlob, verbr. Don Gal]. Mer lebt nor eemol uf der Welt [Don-Alexhs, verbr. Don Gal Buch]. Wer lang (Supp) eßt (ißt), lebt lang [ KU-Brück RO-Dielkch PS-Erfw Gersb KB-Albish NW-Elmst Wachh LA-Gommh Wollmh BZ-Albw Dierb Dernb Rußl-Katht]; dazu die Var.: Wer lang huscht (hustet) [ Don-Schowe Gert], kreckst [LA-Nd'hochstdt, verbr.]. Die, wo am mehrschde kräckse, lewe am längschde [Krieger 42]. Du lang lebscht, du alt werscht [Brandstätter in: PfMus. 1925 176].

[Bd. 4, Sp. 845]
Wer lang will l., muß am Aarsch Luft gewe [ Don-Gottlob]. Eemol gelebt un far immer g'starb [Don (Steinmetz)]. Wirtshausspruch: Sei luschtig, du Schote, / Was babblscht vun Not? / Du lebst jo so korz / Un lang bischte dot! [Palatina 30/1933]. Einen Vers der Heischegänger s. PfWB Neujahr; KR. s. PfWB Tropfen 1 a, PfWB Rabe.
c.
α. Glückwunschformeln. Leb recht lang! [ LA-Altd]. Ich winsch, daß de noch hunnert Johr lebscht! [ KL-Reichb]. Du sollscht lang l., hunnert Johr noo der Selichkeit un mit Waaschmeer hannele! [ Gal-Broczkow]. Hochruf auf den Bräutigam: Hoch soll er l., hoch soll er l., dreimal hoch; un vemehre soll er sich wie de Sand am Meere; tausend Küsse geb sie dir, das sei deine Ehre! [Krieger 23]. —
β. Grußformeln. Bei einer überraschenden Begegnung nach längerer Zeit: Lebsch dann du aa noch? [ KL-Stelzbg, mancherorts]. Gun Daach, wie geht's, lewener aa noch? [ PS-Windsbg FR-Tiefth]. Gruß des Heimkehrenden nach langer Abwesenheit: Lewener noch all? [ BZ-Annw]. Abschiedsgruß: Leb (Lebt) wohl! [ SP-Heiligst GH-Schwegh]. Dass. mit dem Zusatz: Laß der's gut gehe! [ FR-Tiefth]. KR.: Lebe wohl, lebe wohl, wie der König Salomon, der auf seinem Throne saß, Gääßeflääsch un's Schwänzl fraß [ LA-Mörlh]. —
2. von der Art und Weise der Lebensführung; gut, (schlecht, g(e)sund, flott, luschdich, ar(e)mselich) l. [verbr.]. Die lewe wie 's Veeh (in Schmutz und Unordnung) [ KU-Kaulb]. Er raacht net, trinkt net, schnuppt net un lebt ganz wie e Sau [ KU-Kaulb RO-O'mosch]. Wer schickt 'Tabak kaut', hot e Maul wie e Sau; wer schnuppt, hot e Nas wie e Sau; wer raacht, der stinkt wie e Sau un wer gar nix treibt, lebt wie e Sau (unter Soldaten im Ersten Weltkrieg) [ LA-Rhodt]. Er lebt in Saus un Braus [ KB-Kriegsf LU-Opp]. Er lebt in Floribus, dass. [ KU-Schmittw/O]. RA.: Der lebt uf'm große Fuß 'über seine Verhältnisse' [KU-Bedb, verbr.], uf große Fieß [ KB-Kriegsf]. Er lebt wie Gott in Frankreich 'sorglos, üppig' [Hebel 17, verbr.], mit dem Zusatz: wie er nix hot [ HB-Höch]. Der lebt wie de Vool im Hanfsame (Hannefsome), dass. [RO-Dielkch KU-Schmittw/O, verbr.], wie en Vogel im Salatsame [ BZ-Dernb], wie der Vool im Hersche (Hirse) [ Gal-Josbg], wie e Has im Hawerfeld [ PS-Münchw]. Der lebt wie de Hannes owwenuf 'Dem geht es gut' [ RO-Dörnb], wie e Hafteschmeckes, dass. [ PS-Münchw]. Der Sorglose lebt vun de Hand in de Mund [KL-Hütschhs, verbr.], vun de Hand zum Mund [ LU-Muttstdt], vun Hand zu Mund [ KU-Mühlb KB-Bischh], vun heit uf morje [KU-Rothsbg, verbr. WPf NPf], in de Wind [ KB-Lauth], mit der Zeit [ NW-Iggb]. Der lebt en glänzende Verhältnisse, scherzh. von einem, der abgenutzte und daher glänzende Kleider trägt [ WD-Niedkch]. Das verwahrloste

[Bd. 4, Sp. 846]
Kind geht in kä Kerch un in kä Schul, lebt wie e Wutz im Dreck un Puhl [Krieger 43]. SprW.: Wie mer lebt, so sterbt mer [ LA-Mörzh, mancherorts]. Wie gelebt, so gestorb [ NW-Frankeck]. Fröhlich gelebt unn gut g'storwe is dem Deiwel die Rechnung verdorwe [Brandstätter in: PfMus. 1925 176]; Var.: Luschdig g'lebt un selig g'storwe ... [ LU-Opp]. Besser ehrlich sterwe wie schändlich l. [ NW-Kallstdt]. —
3.
a. von etwas l. 'sich ernähren'. RA.: Der lebt vun de Luft 'ißt wenig' [BZ-Gossw, verbr.], vun Luft un Lieb, dass. [ KL-Stelzbg]. Der kann aa net vun de Luft l. [ LA-Gommh]. Awwer a die Große kenne net vom Wind l. [Westricher Kalender 1957 102]. —
b. 'seinen Lebensunterhalt bestreiten'; vgl. PfWB existieren 2. Er kann vun seim Geld l. [ KU-Schmittw/O]. Der hot ken Penning (Knopp) meh for se l. 'Er hat sein ganzes Vermögen verloren' [ NW-Weish/S]. RA.: Der lebt vun seim Fett wie de Dachs 'von seinen Ersparnissen' [ KU-Schmittw/O]. Das is zum Lewe se wenich un zum Sterwe se veel [KU-Schmittw/O, verbr., auch Don Gal Buch]. SprW.: Wer lebt vun Fische un Jage, muß v'rrissne Kleeder trage [Penns Dutch Cook Book 12]. —
4. 'in einem bestimmten Verhältnis l.', vorn. vom ehelichen Zusammenleben. Sie lewen wie die Dauwe (Daibcher) 'in zärtlicher, harmonischer Ehe' [ZW-Battw, verbr.]. Die lewen wie Hund un Katz 'in Uneinigkeit, Zwist' [LA-Gommh, verbr.], wie Katz un Hund, dass. [ KU-Kaulb PS-Erfw]. Die lewe net minanner 'sind geschieden' [ KU-Bedb]. —
5. Part. Präs.; lewender (lebender) Zaun 'Einfriedung mit Dornhecken' [vereinzelt über die gesamte Pf, von häufiger belegtem lewendicher Zaun (s. PfWB lebendig I2 a) geographisch nicht zu scheiden]; lewende Zeitung 'geschwätzige Person' [ LU-Assh], Syn. s. PfWB Quatschmaul; lewendi Därr 'eiternde Hautflechte' [ PS-Geisbg], Syn. s. PfWB Dürre 2 a. —
6. vgl. die Abl. ab-, auf-, aus-, ein-, er-, wider-, zuleidleben. Südhess. IV 209 ff.; RhWB Rhein. V 253 ff.; LothWB Lothr. 337; ElsWB Els. I 541.