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 PfWB Wisch (Bd. 6, Sp. 1413)   RhWB Wisch (Bd. 9, Sp. 582) 
   Wisch, Wischelm.:
1. was gebündelt, gebüschelt ist.
a. 'Büschel aus Stroh, Ähren, kleine Garbe', wird nicht mit Strohseil, sondern mit dem Getreide selbst gebunden, Wisch [mancherorts im Gebiet zwischen Rockhs Neustdt Lu'haf vereinzelt übrige Pf Christmann Kaulb 89 Müller Dietschw 72], Wischel (wiəl) [RO-Sippf KB-Bubh Gauhh FR-Höning Kirchh N'lein NW-Bobh Elmst Lambert Penns 179]; Dim. Wischelche (wiəlχə) [ KU-Kaulb RO-Duchr/O'hs]; vgl. K. 146 u. PfWB Garbe1, PfWB Wispel3; Zs.: PfWB Korn-, PfWB Strohwisch 1. —
b. 'gebüscheltes Stroh, Zweige o. ä., um das obere Ende eines in den Boden gesteckten Pfahles gewikkelt', als Warnungs-, Verbotszeichen, einen Acker, Wiese, Weinberg, Weg zu betreten, abzuernten, hier Schafe zu weiden u. ä., [mancherorts, WKW 71 Stoll 51, 179 Krämer Gal 243]; vgl. PfWB wischen 3, PfWB Wischer 2; s. Abb. 95; Zs.: PfWB Ab-, PfWB Sperr-, PfWB Strohwisch 2. Er hot en W. gesteckt [ LA-Gommh]. RA.: Der kriet e W. in de Hawe (Hafen) gesteckt, sagt man, wenn einer zu spät (zum Essen) kommt [ KU-Bedb Diedk Kaulb ZW-O'hs]. a. 1549: Item so ein gemeinsman ein eygert 'Brachland' hat in der mark zwuschen den wingarten ... und er begert dieselbig geheuet 'gehackt' zu haben, sol derselbigk ein wsch uff gemelt eygert stecken [MHVPf. 83/1985 (LA-Maik)]. a. 1747: Die hier eingeführte Weis zu zehnten ist folgende: Der Ackersmann fängt an zu binden, wo er den Acker mit dem Pflügen anfängt, fort zurück die Garben zu zählen und die zehnte mit einem von der Garb aufgezogenen Wisch zu zeichnen und liegen zu lassen [Kreuter Haust. 46]. a. 1768: Weisung, daß ... diese überflüsig und schädliche Weeg alsogleich abstellen, und das dis falltige Verbott durch ... gräben, auch aufstellende Wüsche ... bekannt machen [Kurpf. 1648/8 (NW-Wachh)]. —
2. was zum Wischen dient.
a. 'Putzlappen' [ FR-Bockh]; Syn. s. PfWB Aufwäschlumpen. —
b. 'abgeschnittener Vogelflügel', zum Abkehren von Mehl usw. [ FR-Bockh Lu'haf]; Zs.: PfWB Feder-, PfWB Flatter- 1 a, PfWB Flätt-, PfWB Fleder- 1 a, PfWB Gänsewisch.
3. '(unordentliche) Haare, Frisur, Haarsträhne' [ KL-Katzw PS-Erfw LU-Opp NW-Elmst]; Zs.: PfWB Hudel- 2 a, PfWB Strubbelwisch 1. Hasch än rechder W. uffem Kopp! [ PS-Erfw]. RA.: ene am W. packe (krieje) 'einen festhalten' [ RO-Schweise KL-Katzw]. Volksgl.: Wann en Gaul g'faundert is 'lahmt', nemm en Appel oder Grumbier, schneid sie in der Mitt darich, du drei Wischel Hoor nein vume verbergne Platz un fieders 'm Gaul [Fogel Beliefs Penns Nr. 728]. —
4. 'ringförmiges Kissen als Unterlage für Kopflasten' [ HB-Alth Nd'gailb Peppk Seyw Utw IB-Bebh Bliesmg Gersh Habkch Reinh Rubh Witth PS-Hilst GH-Berg Büchbg Neubg Scheibhdt]; Syn. s. PfWB Ring 1 b. —
5. 'Schreiben, Brief, Zettel', verächtlich, bes. für schlecht geschriebenes oder amtli-

[Bd. 6, Sp. 1414]
ches Schreiben [mancherorts, Klein Prov. 234 Thielen 123]. Vom Vet'rinäramt kam ein W. [Albert Oppschuhmacher 39]. Uff dene W. war se ganz besunnersch stolz [Schneider Singersepp 27]. Noht awer, wenn ma »jo« gesaht hat, / wenn ma der Wisch unnerschrieb hat [Kraus Putscheblum 42]. —
6. 'unordentliche, flatterhafte Frau' [LU-Friesh Opp SOPf (Heeger Nachl.)]; Zs.: PfWB Flatter- 2 a, PfWB Fleder- 3, PfWB Hudel- 2 b, PfWB Irr- 2 a, PfWB Strubbel- 2, PfWB Urrwisch; Syn. s. PfWB Drecksack. E iwwerzwerges weiblich Wese / Hääßt Goje, Sorle, W. und Bese [Kühn Kumödi 2]. —
7. Weitere Zs.: PfWB Abkehr-, PfWB Arsch-, PfWB Ballen-, PfWB Palmen-, Bart-, PfWB Brimmen-, PfWB Flatter-, PfWB Fleder-, PfWB Gewürz-, PfWB Heft-, PfWB Heu-, PfWB Hudel- 1, PfWB Irr-, PfWB Kehr-, PfWB Kirbe-, PfWB Laub-, PfWB Mai-, PfWB Nacht-, PfWB Strudel-, PfWB Weihwasser-, PfWB Weih-, PfWB Zottelwisch.RhWB Rhein. IX 582 ff. Wisch; 585 Wischel; VII 740 K. VII 14 Büschel aufgelesener Ähren; LothWB Lothr. 545; ElsWB Els. II 873 ff.

 

  PfWB  ElsWB  LothWB Wisch das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk -i-, –e-; Mosfrk -e- [Merz-Mettlach, WSaarbg, WTrier, WBitb auch -ø-; Saarl-Hostenb, Trier-Braunshsn -u-]; Siegld -e-, –ø-; n. der Entrundungslinie, auf Wüsch zurückgehend, wø Rip [uSieg, LRip auch wøž, wøy, –-] u. im Anschluss daran im SNfrk -- [WSelfk -y-; im Rip selten wei (< wi) Schleid-Heimb, Dür-Binsf Langerwehe Merzenich u. rechts der Ruhr NMaub Stdt, Aach-Kohlschd Würselen; -e- Altk-Birken, Schleid-Dreiborn, Jül-Barmen; im Berg, wo -ø-, aber -e- Barm, Mettm]; das Klevld dagegen hat we [-ē- NKemp, um Mörs-Neuk; -ei- Kemp, SGeld]; n. der /sLinie wes; Pl. -ə(n); Dimin. selten -əlχə(n), –kə, –skə m.: 1. Bündel. a. aus Stroh, kleinen Zweigen hergestellt; der Strühw., enen W. Strüh Handvoll Stroh, ein Band, das die Garben bindet; mit einem W. an einer Stange (Ovvew.) fegt man den Backofen aus, wischt man Töpfe, Tische, Stühle, den Estrich rein; en W. Gras, mit dem man Geschirr scheuert od. sich den dicken Schmutz von den Schuhen entfernt; zusammengedrehtes Stroh, das man samstags vor die Haustür legt, wenn geschrubbt ist, ebenso Ginster-, Tannenreiser, für de Schohn afzewöschen; Strohw. zum Ausfüllen einer Lücke in der Mauer, zum Feueranzünden Allg.; nen W. benne beim Bau eines Kohlenmeilers um den Mittelpfahl Reisig binden Siegld; die hant der W. utge steəke draussen an der Tür, zum Zeichen, dass im Hause eine Schankwirtschaft eröffnet ist Selfk; wenn der Sarg auf der Karre lag, wurde an den vier Ecken ein Wisch aus Stroh gelegt; nach der Beerdigung wurden die W.ə kreuzweise an einem bestimmten Ort gelegt SNfrk; kleines Strohbündel an einer Stange, als Verbotszeichen gegen das Betreten von Wiesen, Feldern (Wehrw.) Allg.; Warnungszeichen des Dachdeckers Allg. [ein W. auf dem Felde bedeutet, dass das F. verkauft werden soll May-Bell; Vogelscheuche Merz, Saarbg, Trier, Eittl, May]

[Bd. 9, Sp. 583]
[urkdl. dar sall man eynen Wisch upstechen (auf das Schiff), also dat aat hoeltz veyl sij Köln 1370; einen Wisch uf seinen wagen stechen Rheinb-Mutschd 1622]. — Einzelhafergarbe, auf dem Felde stehend Bitb-Mettend, Schleid-Dreiborn; Ährenbüschel Rip; Flachsbündel, etwa 12 Hampele mit einem Strohseil zu einem W. gebunden Kemp, Geld; ein gehöriger Packen Gras, Klee, Heu, Stroh Allg.; Weihwedel Saarl-Berus; Wöschelche, Bartw. Bartpinsel Altk-Neitersen. — RA.: Dau kreis de W. ant (ins) Döppe (gestoch)! zu dem, der zu spät zum Essen kommt Mosfrk, Allg. (en de Hawe Saargeb.); enem de W. en et D. dohn Eusk-Billig; wer zo spät küt, fingk (findet) der W. em D. Köln. De hät en W. Strüəh em Kopp ist sehr dumm Altk-Birken. — Häs de och ene W. en der Botz (Hose)? zum rauchenden Buben Schleid-Hellenth. — b. im bes. α. ein W. Kräuter, Krautw., Palmw. in der Kirche auf Mariä Himmelfahrt od. Palmsonntag geweiht (s. d. W.); dazu Krirerwesch, Krürerwösch, Kruttwesch Siegld; aus dem Sieglder Wörterbuch: in Netphen nimmt man dazu Ähren von Korn, Hafer, Gerste, auch Weizen, u. fügt ihnen Wermut, Pfefferminz (s. Sennesblätter) u. einige andere Kräuter hinzu; die Körner der Ähren wurden dem Saatgut beigemengt; in Hainchen setzt man den Krautwisch zusammen aus Korn u. Hafer u. 7 od. 8 der folgenden Kräuter: Gickelchesblome (Eisenhut), roat Pärdskrutt (Weidenrös'chen), gäle Gnäbb (Rainfarn), Rengelroase (Ringelblume), Gnewwelauf (Knoblauch), Biwist (Beifuss), Blut Christi, Hartheu, Liebstöckel, Minze, Hemdknöpfchen (Schafgarbe), Gamander, Fetthenne u. Wermut; nach dem Kalben u. bei blutiger Milch, auch bei anderen Vieherkrankungen, kocht man etwas davon u. gibt es dem Vieh zu trinken; vielfach wird in den Weihbund ein etwa 20—25 cm langer Stengel vom Liebstöckel eingebunden; man lässt die Kinder bei Halskrankheiten damit die Milch einsaugen. RA.: De de W. en de Hänn (Händen) hat, sent sich Kobl. Rent et dem W. en dat Maul, werd de Hawer faul Zell-Mastershsn. — Da in den Krautwisch bes. Beifuss (Artemisia vulg.) gehört, nennt man auch diesen W. Saarbg-Hentern, Bitb-Dudeld, Daun-Stdt Tettschd, May-Trimbs; Rainfarn, Tanacetum Kobl-Sayn Vallendar. — β. rundes Kissen auf dem Kopf, zum Tragen von Kopflasten Saarl-Hüttersd (aus Gras geflochten), Rip, Grevbr, MGladb, Erk, Geilk, Sol. De Schöpp on de W. on dann nom Böüsch! Deutung des Beierns der Glocken Eusk-Dirmerzh. — γ. Wöschelchen Blütenkätzchen des Haselstrauches Neuw-Windhg. — δ. Löschblatt MGladb-Rheind. — c. übertr. α. sachl. αα. en W. Hor han ech em usgeropp Büschel Haare, Schleid-Blumenth, Sieg-Scheiderhöhe; wō Handvoll; ene W. Hore, Strüh Aach-Stdt; -u- Kref-Stdt, Kemp-Dülken. — ββ. verwirrtes Haar, Strubbelhaare Koch-Lutzerath, Neuw-Dattenbg, Köln-Longerich, Jül-Linnich, Eup (f.); ene met (bei) de W. krige Zell, Koch, Eup, Aach. — γγ. verächtl. amtl. Schriftstück, Schulzeugnis Allg., Steuerzettel, Protokollbescheid Bernk-Berglicht. — δδ. verächtl. Zunge

[Bd. 9, Sp. 584]
Lennep-Hückeswg. — εε. Öse; W.ə on Krämpel Saarbr-Lauterb. — ζζ. Eier, die vom Wischtag (s. d.) an aufbewahrt werden; mer hunn schunns e goude W. beiənän Saarbg-Söst. — ηη. welle (wilder) W. Ackerminze Saarbg-Winchering; wölle Wöschbir Wildbirne, im Lauf der Zeit zu einer guten Vizbirne geworden Saarbg-Wellen. — β. persönl. verächtl. αα. ungehobelter Mensch Gummb-Nümbrecht; domme W., der sich alle Arbeit aufhalsen lässt MülhRh; Wöschken Unzuverlässiger; Wöschkeswerk Lehrlingsarbeit Kemp-Süchteln. — ββ. junges Fohlen Saarbr. — 2. Sg. t. das Wischen. a. in Wend.: En kölschen (kölnischen) W. donn (maken, haulen) oberflächlich schrubben, säubern Berg. Vam Döüsch (Tisch) op de W. vom Essen sofort zum Abort Bergh-Glessen, MGladb-Rheind, — nom W. Kref-Fischeln. E Küsske es mar e Wüschke hat nichts zu bedeuten Kref-Stdt. — b. Ohrfeige; en W. kreien, hier auch Pl. W.ə kr. Ahrw, Sieg, OBerg, Bergh-Grefr; enem en orntlijen W. mitgeəwen ihm die Meinung (durch die Blume) sagen; der hät en W. mitkriegen einen Denkzettel Gummb.