Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB um-gehen (Bd. 6, Sp. 882)   RhWB umfahren (Bd. 2, Sp. 249) 
   um-gehen st.:
1.
a. 'als Gespenst umgehen, spuken', umgehe, -gehn, -gähn, -gihn, -gäj u. a., s. PfWB gehen [verbr., Klein Prov. 205], om- [ ZW-Ernstw], häufig unpersönl.: 's geht um 'Es spukt, es ist nicht geheuer' [verbr.]. In eme alde Haus in Reichebach geht naachts um zwelf de Zinsmäänschder um (ein Mann, der vor langer Zeit seinen Knecht erschlagen hat) [ KL-Reichb]. Brauchtum: In de Nacht zum 1. Mai gihn die Hexe um, d. h. junge Burschen treiben Schabernack [ KU-Haschb/R]. Volksgl.: E Selbschtmerder (Wer e Grenzstään verrickt) muß u. [ BZ-Dernb]. a. 1720: »Am 12. Oktober klagt Witwe Schläfer, daß die Frau Fermer und deren Magd aussagen ihr Mann selig ginge um und hätten sie dessen Geist gesehen. Beide wurden zum Schweigen verurteilt« [Küchler 570]. —
b.
α. 'einen Umweg machen' [vereinzelt, Lambert Penns 159]. Wer en Omwäh geht, geht um [ HB-Kirrbg]. Ehr sein veel umgang 'Ihr habt einen großen Umweg gemacht' [ FR-Bockh]. RA.: Handwerksborsch un Bettler gehn nix um 'machen keinen Umweg' [ RO-Obd]. SprW.: Guter Weg krumm - geht nit um, d. h. gut ausgebaute Umwege sind besser als Abkürzungen; man erreicht nicht alles auf direktem Weg besser [ KU-Ulm]. —
β. 'ausweichen' [mancherorts]. Des is net se u. [ LA-Gommh]. Er will das Hinnernis u. [ KL-Stelzbg]. 's war net se u. 'Es war unausweichlich' [ KU-Diedk]. —
γ. 'eine zuständige Person, Instanz ignorieren, übergehen' [ KB-Albish LU-Alsh BZ-Klingmst]. Ich sein umgang worr [ KB-Albish]. —
c. 'umlaufen, zirkulieren' [mancherorts]; 's geht es Gericht (Gerücht) um [ KL-Stelzbg]. Im Ort geht e Kranket um [ KU-Kaulb]. Aus einem Turnspiel: Schau net um, de Fuchs geht um [ NW-Frankeck]. a. 1717: daß unter ihnen selbsten das schützenamt umgehe [PfWeist. 2 (KU-Adb)]. —
2.
a. 'ein Kartenspiel verlieren' [ KU-Bedb ZW-Battw]. —
b. 'geschäftlich zugrundegehen, Bankrott machen' [mancherorts]; vgl. PfWB ummachen 3 a. —
3.
a. 'mit jemandem verkehren, Umgang haben' [verbr.]. SprW.: Sag mer, mit wem de umgehscht, dann will ich der sage, wer de bischt [ LU-Opp]. Mer lernt die Leit erscht kenne, wann mer mit ne umgeht [ KU-Trahw, mancherorts]. —
b. 'behandeln, handhaben' [verbr.]; mem Fuhrwerk (de Gail) u. [ FR-Assh]. Muscht vorsichtich demit u.! [ ZW-Gr'bundb]. Mer muß bloß mit dene Leit e bissel ferstehe umsegehe [ PS-Lu'wink]. Der kann gut umgeh mit Kinn (Kindern) [ ZW-Battw]. RA.: Wenn jemand eine Sache oder Person grob, ungebührlich behandelt, sagt man: Er geht mit um, wie d' Sau mim (mit dem) Beddelsack [GH-Kand, verbr., auch Auslandspfälzer], wie de Hert (Hirte) mit ere Herd Vieh [ ZW-

[Bd. 6, Sp. 883]
Battw], wie e Saischnidder [vereinzelt Don Gal Rußl]. — RhWB Rhein. II 1132/22; ElsWB Els. I 190.

 

  NRhWB  PfWB um -fahren : 1. intrans. beim F. einen Umweg machen; zurückf. Allg. — 2. trans. a. ein Feld u., umpflügen Verbr. wie f. 1 a ζ. — b. einen Baum udgl. u., überhauf f. Allg.