Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB stutzen (Bd. 6, Sp. 793)   RhWB stutzen (Bd. 8, Sp. 965) 
   stutzen schw.:
1. 'etwas kürzen, kürzer schneiden', stutze (dudsə) [verbr., Albrecht 123 Krämer Gal 211]; Zs.: PfWB ab-, PfWB zustutzen; e englisch gestutzte Bart [ LU-Neuhf]; de Bart (die Hoor) st. losse [ ZW-Gr'bundb]; de Schnorres gestutzt [Kraus Naube 56]; dem Gaul de Schwanz (die Mähn) st. [mancherorts]; die Bääm ('s Holz) st. 'Bäume, Sträucher zurückschneiden' [verbr.]; Laab st. 'im Weinberg Laub schneiden, Geiztriebe entfernen' [ LA-Rhodt BZ-Heuchh Pleisw/O'hf]; vgl. WKW 72; Syn. s. PfWB geizen. De Rattefänger (Hund) krieht die Ohre gestutzt [ KU-Schmittw/O LU-Altr]. Weil er zu keem Balwierer geht, / Wo em de Vollbart stutze dät [Münch Werke I 72]. RA.: die Hoor (de Bart, Schwanz un Ohre) st. 'zurechtweisen, tadeln' [ PS-Rodalb Pirmas FR-Bockh LU-Altr NW-Weish/S]; die Ohre st. 'verhauen' [ FR-Heßh]. Dem gehere die Fliechel gestutzt 'Man sollte ihn zurechtweisen' [vereinzelt, Bernhard 158 Kamm 80]. Die hot e Zung, die gehert gestutzt 'Sie redet zuviel' [ LU-Neuhf]. Der esch vumme Schneirer gestutzt 'ist verrückt' [ GH-Zeisk]. Volksgl.: Den Mädchen soll

[Bd. 6, Sp. 794]
man bei abnehmendem Monde die Haare st. [ NW-Frankeck]. —
2.
a. 'an-, zusammenstoßen', bes. vom Bock, der mit den Hörnern stößt [mancherorts VPf vereinzelt übrige Pf Mang 108 Wilde Tiere I 20 Krämer Gal 211]; Zs.: PfWB anstutzen; met de Stern 'Stirne' st. [ KU-Schmittw/O]. De Bock stutzt 'stößt mit den Hörnern' [NW-Dürkh, Schandein Sprachsch. 70]. RA.: Ich gläb, du bischt gestutzt 'verrückt' [ BZ-Dernb]. Volksbr.: zu Ostern werden hartgekochte Eier mit der Spitze aneinandergestoßen [Stoll 56, 221]. Kinderspiel: Stutze - stutze - Hammele!, dabei stößt man mit der Stirn aneinander [ KU-Bedb, Schmittw/O]. Beim Klickerspiel: das Zusammenstoßen der Kugeln [ LU-Neuhf]; unerlaubt mit der Hand nach dem Ziel stoßen [ FR-Grünstdt]; vgl. PfWB Klickerchens. —
b. 'an den Stutzstein gestoßen werden', als Zeichen der Aufnahme in die Bürgerschaft von Weisenheim am Berg, stutze [NW-Weish/B Schandein Bav. IV,2 398/99 Stoll 76]; vgl. PfWB Martini, PfWB Stutzmänner; s. O. Gödel: Mit dem Stutzen das Bürgerrecht erwerben. In: PfRh. 4/1990 20. —
3. 'mit der Zunge beim Sprechen anstoßen, lispeln' [ LA-Nd'hochstdt GH-Schwegh]. —
4. 'geschlechtlich verkehren' [ BZ-Dernb]. Er hot sie gestutzt 'begattet' [ BZ-Dernb]. —
5. 'staunen, zögern, verblüfft sein' [NW-Hardbg Haßl Spey Lambert Penns 146]. —
6. weitere Zs.: PfWB herstutzen. — RhWB Rhein. VIII 965/66; LothWB Lothr. 511; ElsWB Els. II 621.

 

  PfWB  ElsWB  LothWB stutzen -uts-, –o- das Wort ist Rhfrk in Saarbr, Ottw, Wend, Kreuzn, Simm, Mosfrk in Saarbg, an d. Mosel von Trier-Detzem bis Kobl, Neuw, Siegld, RRip in Sieg-Ägid Honnef Leuschd, je nach Geb. in versch. Bed. schw.: 1. trans. a. etwas st., z. B. Garben auf dem Boden aufstossen, wenn man sie binden will, od. einen Sack, wenn man ihn füllt Siegld. — b. absol. anstossen mit den Gläsern; noch ämol werd gedrunk un werd gestutzt; stutz ämol met dem lo; mer hon jo noch net gestutzt un dau drinkst schunn! Kreuzn, Simm, Bernk, Koch, Kobl, Neuw, Sieg-Leuschd. — c. ich hommer de Kopp gestutzt Saarbr, Ottw. — d. absol., selten die Eier st., Ostereier kippen (s. Wk. IV 15 [kippen]) Ottw-Eppelborn, Kreuzn-Windesh, SONeuw, Siegld-Eisen. — e. absol. dem Klicker beim Schnellen durch einen Ruck Nachdruck verleihen, was verboten ist Kreuzn-Gebr, Simm; stutzches on spannches ein Klickersp.; man wirft mit einem Häuer nach einem Klicker; wer ihn getroffen hat od. ihn noch mit einmaligem Spannen der Finger erreichen kann, hat ihn gewonnen Siegld-Netphet. — f. etwas st., durch Schneiden kürzen; de Heck, dem Hunn de Ohre, de Schwanz st. Saarbr, Simm, Reben st. Saarbg, Trier-Detzem, Ahrw-Bodend; abseits kappen Eup-Stdt. — g. etwas st., mit dem Stampfer zerstossen; Doffeln st. Siegld-Eiserf NSchelden UWilden Wilnsd. — h. es hat gestutzt wenn ein Bohrloch od. Sprengschuss eine gute Wirkung erzielt hat, in der Bergmspr. Saargeb. — i. den Wein st., mit der Stutze (s. d.) vollfüllen beim Abstich Zell-Briedel; gestutztevoll voll bis zum Rande Koch-Weiler, abseits Bo-Dransd. — k. einen, sich st. α. stossen, im Spiele mit den Köpfen aneinanderstossen Wend-Berglangenb, Neuw-Leutesd; stutzches dohn Aden-Quiddelb (abseits). — β. er horr et gestutzt unsittl. angefasst, es missbraucht Hunsr. — γ. einen zerechtsst., zurechtweisen Simm, Goar, May. — δ. gestutzt aufgeputzt Kreuzn-Seesb, Bitb-Herforst (abseits). — 2. intrans. a. plötzl. einhalten,

[Bd. 8, Sp. 966]
stillstehen Saarbr, Wend, Simm, Siegld; vom Jagdhund Trier, Wittl, May. — b. hinken. durch eine Fussverletzung Goar-Weiler, Koch-Leienkaul, Neuw-Datzeroth Heimb Weiss. — c. stossend laufen Dür-Mariaw (abseits); stossend fahren, von der Schürgeskarre, schütteln, vom holperigen Wagen Sieg-Ägid Honnef. — d. zierlich gehen Klev-Kalkar (abseits). — Abl.: die Stutzerei, dat Gestutz.