Stummel, Stümmelm.: 1.a. 'Stumpf, verstümmeltes Glied (Arm, Bein, Schwanz), Rest', Stummel (duməl) [vereinzelt], Stimmel (diməl) [RO-Lettw, Klein Prov. 178]; Pl. Stimmel [vereinzelt]; Dim. Stimmelche [Kus]; vgl. PfWB Stumpfen. — b. 'ein Mensch, der einen Teil von Arm oder Bein verloren hat' [ LU-Friesh]; Zs.: PfWB Bollmehlstümmel. — 2. 'kleine oder zerbrochene Tabakspfeife', Stümmel [Klein Prov. 178]. — 3. 'Zigarettenkippe' [ HB-Schwarzack FR-Merth LU-Limbghf]; vgl. PfWB Focks, PfWB Kippen 1. — 4. 'Ast- und Baumreste'; vgl. PfWB Stümmelholz; Syn. s. PfWB Baumstorzen. a. 1520: wyden zu stymeln zu bynden vnd schnyden [GgHospR]. a. 1607: Jedoch ist den Wachenheimern auß gnaden Hiemit zugelassen, Liegend Hepenholz, wie auch ander Vnholz, vnd Stimmel ... Ligen Lossen, aufzumachen, vnd Heim zu Tragen, Wie von alters [Kurpf. 16482 (NW-Wachh)]. — 5.a. 'verbliebener Rest in einem Faß, Gefäß'; e Stimmel Millich 'Milchrest im Topf' [ KU-Kaulb Don-Schowe Torscha]; vgl. PfWB Stumpen 6; e St. Mehl 'Mehlrest in einem Mehlsack' [ KU-Kaulb]. VR.: ... un e Stimmel Lauer 'Tresterwein' [ KU-Kaulb], weiter s. PfWB hau 1. a. 1532: vff das im der stomell nit verderb ... hat dan min her noch eynnen stomell inn dem faß, so mag er denn stomell vollenn verschencken als ein ander wirtt [PfWeist. 264/65 (KB-Dreis)]. a. 1621: ist ... ahn stimmeln drub wein ... liegen plieben [WerschwSchR Bl. 384]. a. 1773: 1 Stümmelgen Mehl mit dem Sack [Kurpf. 1588-90 (KU-Rothsbg)]. — b. 'die beiden Enden eines länglichen Getreidesackes', Stimmel Pl. [RO-Sippf Mang 113]; vgl. PfWB Stumpen 5, Zwerschsack. Dieser Sack ist an beiden Enden zugenäht, in der Mitte bleibt eine Naht zum Füllen offen. Die Enden, die Stimmel, werden nur zum Teil gefüllt und nach vorne und hinten über die Schulter hängend getragen. Er faßt 50 bis 60 Pfund Getreide [RO-Sippf]. Ehr Vatter hodd e Stimmel Geld / Unn veel Gedich im Spund [Kühn Schnitze II 2]. — Mhd. stumbel 'abgeschnittenes Stück, Stummel' ( Lexer Lexer II 1264). — RhWB Rhein. VIII 927/28; LothWB Lothr. 510 Stumpe, Stump; ElsWB Els. II 595 Stummel and. Bed., 596 Stumpen, 597 Stümple; Schwäb. V 1912; DWB DWb. X, IV 403 ff. | | PfWB ElsWB ElsWB LothWB Stummel, Stümmel das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk -im- [Hunsr -ī-, Goar-Gondershsn -ē- Sg. u. Pl.]; Mosfrk -e- [in Trier, Bernk, Zell, Koch, Kobl, May auch -u-, –o-], Pl. -əln, -ələ; Siegld, OAltk -o-, Pl. -əln; Rip -ø- u. -o- [Aach -u-], Pl. -ələ; Berg meist -o-, –u- [Gummb auch -y-], Pl. -əln; Eup, WSelfk -u-, Pl. -ələ; SNfrk -o-, Pl. -ələ u. -əlts; Klevld -ø- [Rees, Ruhr auch -u-], Pl. -əlts; Demin. -iməlχə(n), –øməltə, –əlkə, –əltjə m.: 1. sachl. a. Stumpf, z. B. Arm-, Bein-, Zahnst.; noch stehender Stumpf eines Baumes; unteres Ende des Strohhalms, Bom-, Strühst. (u. Stump, das sonst allein herrscht) Rip, Nfrk, May, Kobl. — b. ein kurzes Stück, z. B. ene St. Wuərsch; ech han kene St. Brut em Hus ebd.; Schwänzchen des Schweines MülhRh-Overath; kurze, dicke Wurst Jül; Stumpfnase Wippf-NBrochhgn. — c. kl. Restchen; en St. en de Pifen (Tabakspfeife) rip. Sol; Zigarren-, Zigarettenrest; verächtl. scherzh. Zigarre Mosfrk, Allg. — d. teilweise gefüllter Sack, der aufrecht steht; ein Topf, der nicht voll Milch wird, wenn sie nach dem Melken in die Dippe gegossen wird; man unterscheidet den Morgens- u. Owendsst.; auch e St. Wein Hunsr., Zell-Trarb (dies in dem Geb. fast die einzige Anwendung, sonst Stump). — E Stimmelchen Massgefäss, ca. 25 Pfd. Kartoffeln fassend Goar. — e. Pl. die rauhen, harten, unten am Stamm sitzenden Teile der Rinde, die beim Schälen der Eichenlohe schwer zu lösen sind. Sie wurden gewöhnlich nachträglich von den Kindern losgebrochen und an den Gerber verkauft, um damit einige Groschen für den Gehansmarkt zu verdienen; in der allg. nhd. Bed. ‘Stummel’ gilt hier Stomp Siegld. — Alte abgebrochene Holzstücke, auch ful St.n, Holtst.n; en Korf (Köz) vol St.n; en dicken St. (Holtst.) alter Wurzelstock eines Baumes, an dem die Wurzeln schon abgefault sind Berg (hier die Hauptbed.), Sieg, MülhRh; Stümmels Pl. Holzabfälle Wermelsk. RA.: De hät St.n en de Küz (Kötze) ist reich Waldbr. — Geköpfte Eiche, Buche od. Weide Eike-, Büke-, Wiəst.s n. Ruhr. RA.: He kick as en Ul (Eule) üt dem St. Ress-Brünen. — f. kurze irdene Pfeife, Mutzpfeife mit etwas abgebrochenem Stiel; ene erde St. (Stemmelche) Saar, Trier, Bernk, Westerw, Rip, Waldbr, Heinsb-Karken. — g. verkrüppelter, nicht vorwärtswachsender Baum Zell. — h. Pl. Teile eines Flosses, aus abgeschnittenen Stücken gebildet Rheinschiff. — i. Pl. Nasenpopel Düss-Stdt. — 2. übertr. persönl. a. verächtl. der St., [Bd. 8, Sp. 928]
et Stömmelche kleiner Bengel, Knirps Rip, Nfrk. — b. dass. kosend für kleine Kinder; e lef Stömmelke; e söt St. Nfrk, Rip. — c. verächtl. kurzer, untersetzter Mensch Hunsr, Zell-Trarb. — d. grosse Mannsperson; dat eas emol en St., den wisst (wächst) bes ean de Wolken Merz-Zwalb. — e. verächtl. ene Burest. Bauerntölpel Klev; en Suppst. Säufer Elbf. |