Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB streichen (Bd. 6, Sp. 687)   PfWB be-streichen (Bd. 1, Sp. 737) 
   streichen st.:
1. 'eine streifende Bewegung machen, mit der Hand leicht über etwas fahren', streiche (draiχə) [verbr. (außer lothr. SWPf), Bertram § 144 Christmann Kaulb 73, 78 Lambert Penns 145 Krämer Gal 209], streische (draiə) [mancherorts, Henn Mda.-Int. 100], stroiche, stroische (drǫiχə, drǫiə) [mancherorts mittl. VPf, Bertram § 144, 216], (drÄ(i)χə) [LA-Mart (Bertram § 145)], striche (driχə) [lothr. SWPf]; Part. Perf. gestrech [mittl. u. westl. WPf NWPf NPf, Mang 98], gestresch [HB-Breitft, Henn Mda.-Int. 100], gestrich [mancherorts MPf östl. NPf, Krämer Gal 209], gestrisch [Schneckenburger 23, 53], g(e)striche [mancherorts nördl. und mittl. VPf vereinzelt SOPf], g(e)streche [mancherorts SOPf, Heeger Südostpf. 9]; Zs.: PfWB ab-, PfWB an- 5, PfWB ein-, PfWB ver- 1 c, PfWB heraus- zusammenstreichen. Sie streicht sich iwwer die Hoor [ BZ-Dernb]. Do streicht er sein Bärtche, als Geste der Zufriedenheit [ LA-Herxh]. RA.: de (um de) Bart st. 'schmeicheln, schöntun (um etwas zu erreichen)' [KU-Wolfst, verbr.]; geweit (s. PfWB quitt 2) st. 'einen Handel abschließen' [ RO-Mannw]. Der liet (lügt), so oft er sei Bart streicht [Feierowend 16/1953 2]. Ich bin gestriche un geberscht 'Ich bin fertig gerüstet, in Ordnung' [Krieger 34]. Volksgl. (Brauchformel): Was ich seh, soll abnemme, un was ich streich, soll zunemme [ LU-Friesh]. Me Gaul en Kummetbloder zu verdreiwe, waerm die Hand an deim Gemech un schtreich die Bloder no mit sellre Hand [Fogel Beliefs Penns Nr. 791]. Wammern Gewex hot saagt mer dreimol in der Karich wann der Parre der Sege schprecht: »Was ich aaguck, is e Sind, was ich schtreich, verschwind« [Fogel Beliefs Penns Nr. 1609]. —
2.
a. 'etwas (in dünner Schicht) auftragen, aufstreichen', z. B. Farbe, Butter auf das Brot usw. [verbr.]; Zs.: PfWB ab- 1 d, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB be-, PfWB darauf-, PfWB ver-, PfWB vor-, PfWB nach-, PfWB überstreichen; die Deer st. [Krämer Gal 209]; 's Brot st. 'Brot beim Backen mit Wasser bestreichen' [NW-Deidh, mancherorts VPf]. Monn, musch die Lale (Läden) nou st., de gonze Lack dudd schunn abblellere (abblättern) [Glass II 1]. RA.: Er hot mers ufs Brot gestrech 'Er hat es mir vorgehalten' [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'den überstehenden Teil abstreifen', beim Messen in Hohlmaßen, nur Part. Perf. gestrische (gestreche usw.) voll [Kaislt, mancherorts]; vgl. PfWB Streiche 1 b. a. 1479: der gibt 5 fürnsel, deren werden 2 gehaufft u. 3 gestrichen [Verzeichnis der kurpfälzischen Satzungen zum Schlosse Wolfstein fallend, beschrieben durch Ph. Münch]. a. 1587: im oberdorff funff ferntzel haber, nit gestrichen, auch nit gor gehaufft [PfWeist. 187 (KU-Bosb)]. —
c. 'zusammenstreifen, zusammenrechen'; 's Hai streiche [ GH-Hatzbühl]; Zs.: PfWB nachstreichen 1 b. —
d. 'ein Streichinstru-

[Bd. 6, Sp. 688]
ment spielen' [mancherorts]. Er streicht die Gei (Geige) [Kaislt]. —
e. 'tanzen'. Un wammer eene streiche, / Dann juchze Flöt' un Geige, un alles guckt uns zu [Müller Luscht un Lewe 74]. —
3.
a. 'Streiche verabreichen, ohrfeigen, schlagen' [mancherorts]; Zs.: PfWB ab- 2, PfWB an- 6, PfWB ausstreichen 3; Syn. s. PfWB verhauen, PfWB ohrfeigen; eem eeni (e paar) st. [ PS-Glashtt]. Er kriet e paar gestrech [ KU-A'glan]. 16. Jh.: der soll von der Oberkeit gestraft werden und wenn es seine Kinder waren, die sollen die Eltern im Beisein zweier Gerichtsmänner selbst streichen [SSp (Weistum von KL-Hoheck)]. —
b. 'betrügen' [ PS-Winz]; Syn. s. PfWB betrügen. —
4.
a. 'streifend herumziehen' [verbr.]; Zs.: PfWB aus- 2, PfWB durch- 2, PfWB herum-, PfWB land-, PfWB nachstreichen 2; ins Wertshaus st. [ KU-Schmittw/O]. Die junge Leit streiche owends dorchs Dorf [ KL-Ottb]. Er streicht 'r noo 'Er stellt ihr nach' [ LU-Opp]. De Fuchs streicht um de Hihnerstall [ BZ-Dernb]. —
b. 'sich bewegen, ziehen', von der Luft, von Wolken usw. [mancherorts]. Die Luft streicht dorchs Finschder [ FR-Bockh]. Die Wolke streichen [ PS-Heltbg]. —
5. 'einen Strich machen, Geschriebenes durchstreichen, einen Eintrag in einer Liste tilgen' [mancherorts]; Zs.: PfWB an- 4, PfWB aus-, PfWB durch-, PfWB unter-, PfWB wegstreichen. Ich hun mich st. geloß, nämlich aus einer Mitgliederliste, d. h. 'Ich bin ausgetreten' [ RO-Dielkch]. — RhWB Rhein. VIII 811 ff.; LothWB Lothr. 506; ElsWB Els. II 625/26.

 

  be-streichen st.:
1. 'die Innenseite des Inletts mit Wachs u. ä. bestreichen, um das Durchdringen von Flaumfedern zu verhindern'. a. 1597: Item 2 fl. 11 lb. hlr. für 5 Simmern weißmeel zum bestreichen; Item 4 fl. 6 lb. hlr. für wein, fleisch, fisch unndt ein ganß als man bestrichen [Rechnungen des Waisenhauses zum roten Schild in Speyer]. — Davon das Subst. Bestreiche.
2. 'glatt streichen'. Part. Perf. 'gestrichen voll'. a. 1532: vnd soll auch nit men nemen dan vonn eynem malter eynn bestrichen virlingk korns [PfWeist. I 266 (KB-Dreis)]. —
3. etwas b., mit Lehm, Farbe b., Brot b., nicht mundartlich; dafür: PfWB anstreichen, PfWB streichen, PfWB schmieren. — RhWB Rhein. VIII 815; Bad. I 165; Schwäb. I 942.