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| PfWB storrig (Bd. 6, Sp. 643) | DWB störrig (Bd. 19, Sp. 424) | |||||||
1. 'starr, steif, hart', von Stoffen, Haaren, Ackerboden usw., storrich (doriχ) [ KU-Föckbg LU-Alsh NW-Kallstdt Gal-Brig], storrisch (dori) [NW-Neidfs LA-Impfl], sturrich (duriχ) [ LU-Neuhf NW-Haßl Spey]; e storrisches Kleed [ NW-Neidfs], storrischer Besem [ NW-Kallstdt], storriche Hoor [ LU-Alsh]. Der Rock (Bode) isch st. [ NW-Haßl Spey]. Die Grumbeere werren st., wann se zu lang stehn [ Gal-Brig]. — 2. 'widerspenstig, stur, hartnäckig', storrich [BZ-Dierb Klein Prov. 174 Krämer Gal 208], stärrisch (dęri) [KU-Kaulb (Christmann Kaulb 21)]; vgl. PfWB starrig; Syn. s. PfWB halsstarrig, -störrig; e storricher Kerl [Krämer Gal 208]; storrich wie e Gääß [ BZ-Dierb]. Däs do, däs esch noch e faul sturrich Weibsbild, ich saach nix meh zuurer [ NW-Gimmdg]. [Bd. 6, Sp. 644] — RhWB Rhein. VIII 755; LothWB Lothr. 502 storrich; Hess.-Nass. III 811/812; DWB DWb. X, III 424 ff.
| 1) eigentlich und körperlich genommen: a) steif, hart, emporstarrend (Kehrein a. o.): störrige, wilde, dürre zweige schr. 6, 317; (der schneidemüller) fegte mit einem kurzen, storrigen besen den schnee ... fort I 6, 371; man pferdehackt einen zähen, storrigen boden nicht wie, noch wann man will prakt. ackerbau 481; schroffe, störrge bergesriesen ... [Bd. 19, Sp. 425] b) vom schielenden auge: störrige augen hatte er (Thersites), ein todte farb fabeln 9 neudr.; strabo, qui oculos habet distortos, flerraugen, störrige augen (1540) T 2b. c) von der körperlichen beschaffenheit einer person: der storrige hausknecht ... drängte sich an Bamme, um ihm beim aufsteigen behilflich zu sein I 2, 195. vgl.sahe er (der teufel) einen unter dem haufen stehen, störrig und knörrig wie einen bawm 8, 158a. 2) moralisch - geistig 'halsstarrig, starrsinnig, widerspenstig, eigensinnig, unlenksam, widerstrebend' u. s. w.: störrig praefractus (1540) i 1b; störricht, rauh, austerus (1591) H 8a; neben störrisch dict. 2, 986b. unser wort bei dem es ausgang und verbreitung dankt; im Basler neuen testament von 1523 durch widerspennig, streittig erklärt. nach Campe 'von einer finstern und menschenfeindlichen gemüthsart' (wodurch es sich von wörtern wie hartnäckig, halsstarrig, starrsinnig, eigensinnig unterscheide). a) Luther läszt den bildlichen grund der übertragung gern hervorscheinen: das sie fein vernunftige weiber sind, nicht storrige klotz 25, 45 Weim.; ideo regendum, qui sterrig kletz und steck sunt, terrendi minis 28, 689 Weim.; welche storrig, klötze, stein, stöcke und sewtröge sind ebenda. — in der verbindung: dann wo wir diese gerechtigkeit lernen, do ... faren sie dawider mit irer gerechtigkeit, ... die der vernunft gemes ist, darauf stehen sie so storrig und knorrig, das inen nicht kann eingehen, was man inen sagt oder singet 6, 130a; hic wil nit hindurch storrig und knorrig mit dem kopf 17, 1, 145 Weim. — dagegen die gottlosen so störrig, stöckisch, unbeweglich und hart sind 28, 689 Weim.; die yhr doch sonst ynn aller veter spruche so storrig, klug und unbeweglich seyt 23, 132 Weim. (so die hds.; die drucke haben mit starrig nicht das bessere). — neben steif: aber weil sie so störrig und steif sind, wil ich auch yhres schirmschlags (fechterhieb, in die luft geführt) brauchen 26, 475 Weim. b) rein sinnlich ist auch noch die anschauung in dem gegensatz störrig und krumm, wie sonst schlecht (gerade gewachsen) und krumm von bäumen und menschen (th. 5 sp. 2443 ff. unter II, 1, a, α und β, dazu 2, a); beug was störrig ist und krumm c) von personen. α) der grundzug des feindlichen, unfreundlichen, besonders in der älteren sprache deutlich: die selbigen storrigen, unsanfte menschen 10, 3, 405 Weim.; unheuszlich, knorrich, storrich, unfreundtlich, verwegen und alles, was widder gott ist und heyszt, ist, meyn ich, auch bösz (1541) sprüchw. 2, 199b; die grewlichen zeiten ... seind schon albereit ... vorhanden, in deme, das man gar sehr viel menschen findet, die ... gottes kraft in ihnen verleugnen, sintemal sie seind ... störrige (menschen) lauter wahrheit A 2a; der störrige und boszhaftige Saturnus hat mit seiner erhöhung gegen mitternacht den gütigen und freundlichen Jupiter nidergetruckt die weissagung Johannis Lichtenbergers C 2b; noch seyn wir lutherische so störrige kerle, verachten und vernichten die papisten mit ihren heiligen theatr. diabol. 85a; mainet aber einer, das Absolon allein ein sölcher storriger und unartiger mensch gewesen? ep. Pauli an die Römer (1566) 713; ferner auch genugsam wider etlicher frefeler, strriger, unversuchter leut mainung, die sie für bös und schädlich verschraiten, ire unschult ... an den tag gepracht podagr. trostbüchl. 63 Hauffen; die unterlassung des segens derjenigen sauertöpfe und störrigen maulfrancken, die für ihrem nächsten fürüber gehen catechismusmilch 1, 438. — meister Floh erfuhr, was er längst hätte wissen sollen, nämlich dasz mit dem störrigsten menschen etwas anzufangen ist, nur nicht mit einem verliebten 12, 58; der störrige, stolze mann Roland von Berlin 1, 125; dasz Ignatz, störriger und unbrauchbarer als je, nun wirklich seines dienstes entlassen (sei) erz. schr. 1, 59. [Bd. 19, Sp. 426] β) besonders im familienhaften verhältnisz, vgl. DWB störrig, 'die keine natürliche liebe haben gegen ihr fleisch und blut' reform. astrol. 237. — störrige eltern tischreden 321a; denn man findet viel störrige, wunderliche eheleute, die einander feind sind, raufen und schlagen 306a; vgl.: der ander, der ein weib dem alter vergleichet, der wird vieleicht ein bose weib gehabt haben, oder ist ein so storriger stoicus gewest, das er niemand umb sich hat leiden können ein dialogus dem ehestand zu ehren geschrieben (1545) C 4a; dan was für armselige ehe und haushaltungen weren dise, daraus gebannet weren zucht ..., wann keyns dem anderen nachgebe, keyns sich nach dem andern mäsigte, sondern weren wild, störrig, widerspänstig ... ungezämt irer begirden und zorns? ehzuchtbüchl. 238 Hauffen; man findet aber underweilen manchen storrischen vatter sprichw. (1534) H 1a; allwo ihr mehr guts geschahe als von ihrer störrigen schwiegermutter geschehen können polit. colica 340; es ist mein sohn, es ist mein verwandter; aber es ist ein störriger mensch, ein bösewicht oder ein narr Montaigne 2, 9; hier mein pflegesohn ist ... ein störriger bursch werke 11, 449; saht ihr ein kind so störrig je, als dies? drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich γ) in der gelehrsamkeit und weltweisheit: Aristoteles, der stürrige mann opera 1, 122; (vgl. DWB hart und störrig Montaigne 1, 388); bei gott! so ist doch nichts störriger als ein philosoph 45, 42 Weim. δ) sonst: (wenn) durch einen schiedsmann kein vergleich kan getroffen werden ... so soll man dem störrigen und widerspenstigen theil eine gewisse geldstrafe auferlegen georgica 3, 41b; er scheint ein störriger wunderlicher mann zu seyn, aber nicht grob Göthe IV 1, 10 Weim.; den kleinen hader schlichten zwischen dem störrigen Mermeros und dem sanften geliebten werke 2, 250; aber unzufriedne, störrige, hadernde geister wie Byron, kämpfen mit der welt, geben oder empfangen wunden 10, 223; (die nuntien) litten nicht, dasz ... ungehorsame und störrige mitglieder, die man anderwärts los sein wollte, nach Polen geschickt würden w. 38, 260; die störrige alte dame 2, 179; an ihrer spitze der ehrenwerte, aber störrige und kurzsichtige consul Octavius röm. geschichte 2, 311 (vgl. 3, 200); darum hast du auch dein ränzlein immer geschnürt wie ein störriger geselle, der den wanderstecken nicht aus der hand legt, weil die leute sich mit ihm nicht vertragen können erzählungen u. schriften 1, 260; ich bin der verwilderte, störrige landstreicher, der mann ohne heimat, ohne ehre Abu Telfan 2, 155; und heimlich, mit ächzend gedämpfter stimme, jedoch nicht lange zögern kann die kunde, es klirrten die becher, es jauchzten die knecht; ε) von sammelbegriffen: ein storrig und halsstarriges volk winterflucht (1678) 220; den fenstern des statthalters drohte ein steinregen, sein ansehen wurde [Bd. 19, Sp. 427] verkannt, und man sah sich genöthigt, dem störrigen volke zu betheuern, dasz seine mitbürger auszer den mauern von Mainz nicht dienen sollten schr. 6, 372; es sind Deutsche, ein störriges und widerbelliges volk, weil sie sich rühmen, von den vätern her freie leute zu sein 11, 122 ( 2, 176): denn, wenn der könig fern ist, thun die wächter ζ) ungezogene oder gar böswillige verweigerung von rede und antwort in der zusammenstellung störrig und stumm: Blifil war anfangs störrig und stumm, und erwog in seinen gedanken, ob er nicht noch alles läugnen sollte Thomas Jones 6, 455; nun kam es auch, dasz der vater begann, ihr ermahnungen über ihr störriges und stummes wesen zu geben. dann, wenn sie auch eben redete, hörte sie plötzlich auf, wurde noch stummer und noch störriger 3, 227. η) störrig sein u. s. w.: merck ich, das sie storrig sind, so mach ich mich von yhn 15, 615 Weim.; quale exemplum dedi de principe Friderico nostro, qui nicht polter, storrig sey 25, 43 Weim.: er (Luther) war nicht störrig, fuhr niemand mürrisch an J. Schütz sacramentteufel (theatr. diabol. 2, 254b); mit dem manne werden wir nicht fertig, er ist boshaft und störrig und verbissen 6, 128; wenn er störrig sein sollte, wird der aufenthalt in Gotha am besten dazu dienen, ihn zu bestimmen an herzog Ernst 54; lasz sie durch ein gesetz von ihrer pflicht belehren, denn wer im wasser steckt bis an die kehle, und auch den vortritt werde ich nur einmal 'und immer nur vom alten recht? hier steh ich, götter, und bekenne, [Bd. 19, Sp. 428] θ) störrig gegen (wider) einen: es hilft nichts wider gottes anschläge; vergebens ist man wider sie störrig synopsis (1735) 2, 129; dasz meine kinder ... sie immer weniger liebten und ... immer kälter und störriger gegen sie wurden gesch. seines lebens 4, 91; störrig gegen den schulzwang geht er (Byron) ... umher 8, 359; doch störrig war auch dieses volk d) von einem menschlichen theilbegriff, besonders vom kopf, wie sonst starrkopf (th. 10, 2 sp. 928) vgl. kriegsmanual (1616) B 3; auf dasz aber euer liebden der jungen grafen eigenschaft etlicher maszen erkennen: so hat der ältere einen etwas störrigen kopf; den wollen eure liebden so viel mildern, als möglich ges. schr. 5, 59; auch die nicht ist ein sawer topf, α) dann wieder für den ganzen menschen, wie starrkopf 2 und kurzerhand bayr. kopf, der trotzkopf (th. 5 sp. 1767): es werden eitel storrig, knorrig kopf 25, 484 Weim.; je mher ich mit der storrigen knorrigen kopfen ago 29, 489 Weim.; umb etlicher seltzamer, eigensinnigen, storrigen kopfe willen 32, 377 Weim.; die storrigen kopfe nihil curant 34, 1, 309 Weim.; (gott straft nur,) das er dadurch dem bösen wehre, und mus damit die storrigen, knörrigen köpfe, so gar on schew rauben, stelen ... ein wenig schrecken, umb der seinen willen 6, 48a; aber weil sie (die geistlichen) Bonifacio in allen seinen newrungen ... nicht recht geben wollen, hat er ihnen auch hinwider hart zugesetzt, sie falsche lehrer, stoltze, ehrgeitzige geister, störrige friedhessige köpfe gescholten Bonifacius (1603) 28a; wann aber solche störrige umbilliche saturnusköpfe mit keiner bewegnis zu erkäntnus ihres unrechts zu bringen (sind) georgica 1, 33; vgl. noch du störriger krauskopf 20, 133. β) sonst noch im umkreise des menschlichen mikrokosmus zu erwähnen: αα) ein storrig hertz 10, 3, 164 Weim.; und Mose habe solch gesetz yhm nach gelassen umb yhres harten storrigen hertzen willen 30, 3, 214 Weim.; zu sterckung der störrigen und ungehorsamen hertzen Sarepta 160a; warum soll ich mit zwang ein störrig herz erfreun? obwohl ich nicht begreife, wie mein sprödes, mein störrigs angesicht betraf nicht jederman [Bd. 19, Sp. 429] ββ) laufen, wie wol sie niemandt verfolget, allein vor iren storrigen wan 10, 3, 164 Weim.; wie viel mehr sollt yhr das toben und storrige tyranney lassen 18, 297 Weim.; verflucht sey ir zorn, das er so heftig ist, und ir grim, das er so störrig ist 1. Mos. 49, 7; eines störrigen verschweigens (beschuldigen) crit. musicus 282 anm. (vgl. dazu oben 2, b); ihre störrige unverträglichkeit öffentlich zu tage legen 7, 277; störriger eigensinn I 5, 600; nie des weichen sinnes, noch minder störriger parteisucht werk, immer der freiheit reinste that monologe 52; Anna erschwerte ihm diese aufgabe durch eine eigne störrige laune kronenwächter 1, 420; mit störrigem trotz schr. 2, 56. — auch: eine störrige antwort Adelung. γγ) personific.: von einem demüthigen retter läszt sich auch das störrige laster am liebsten retten werke 7, 70; die störrige vernunft liesz sich durch geschickte auslegung befriedigen antisymbolik 2, 426; vgl.: falschheit und freche selbstsucht, bejammernswerthe schwäche, störrige dummheit und frömmelnde hoffahrt ... auf allen seiten hungerpastor 243; e) von thieren, welche sich dem menschlichen willen nicht fügen wollen: (als er) den versuch machte, am prallstein abzusteigen, war das thier störrig hosen des herrn von Bredow 1, 127; (die) thiere sind störriger, denn du denkst werke 3, 316 ( Bojardos verliebter Roland 111); von seinem störrigen pferde 15, 117; es war eigentlich viel poesie in diesen amphibischen fuhrleuten, die in beständigem kampfe mit stromschnellen, untiefen und störrigen gäulen den tag (verbrachten) drei sommer in Tirol 1, 30; bald spornt dein zorn mich, dasz gleich störrigen (der druck hat störigen) rossen jetzt — kannst du mir sagen, α) in der scheltensprache: da nue Eva dem Adam von gott zugefret und vertrawet wird, lauft Adam nicht wie ein strriger, grober, eheloser bapstesel oder morrischer unholt frm weibe Adam und Eva (1570) G 6a; kein bericht wird je darüber sprechen, ob ein minister mit so und so viel mühe eine störrige mähre von fürsten zurecht geritten hat deutsche schr. 447. β) aus einem theilbegriff schöpft die redensart: andere haben niemand ohn einen jungen witman, der die störrigen hörner schon abgelaufen, freyen wollen Reinicke Fuchs (1650) 374, vgl. DWB horn (th. 4, 2 sp. 1816 unter 5, d). f) adverb.: das also s. Paulus mit zungen reden nicht so störrig verbeut 18, 125 Weim.; dann der kompt eigenes ubeles umb, der das lauter, umb sonst angebotene heyl storrig verwirft paraphrasis Erasmi uber das evangelium Joannes (1524) F 2a; welches (weib) zur unzeit, wann der man vileicht kurzweil suchet, ganz überzwerch sawr und störrig zur sachen pflegt zu sehen. und hinwiderumb, wann der man ernsthafte sachen vorhat, kurzweilen, lachen und mutwill treiben will ehzuchtbüchlein 137 Hauffen; störrig sprechen vgl. neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 4, 289; man siehet, wie seine freunde ihn (Spinoza) lieben, wie alle, die ihn kennen, ihn schätzen, und wie er sich dessen nie überhebt, keinen aber störrig abweiset 16, 423; was sie mir über die gröszer werdende gleichgültigkeit der Engländer gegen Shakespeare schreiben, musz also zweifel nähren, dasz dies volk, was ihm im groszen gelingt, im einzelnen störrig von sich weise im briefw. mit Gervinus (u. Dahlmann) 2, 112; [Bd. 19, Sp. 430] dann braucht man wieder und wenn sie noch so schön mit allen schertzen kan, warum du unsre heilge mutter kirche störrig knirscht in den zügel das sonnenrosz 1, 302. g) subst.: also soll man handlen mit den storigen und wider die halsstarcken 10, 3, lxi Weim.; man wis wol, wie man des bans sich geprauchen sol, nicht zu verdammen, sunder die stürrigen und widerspenstigen zu bezwingen und schamrot zu machen, dadurch yhre sünde bekennen und leid darüber tragen 23, 459 Weim.; die störrigen und unwissenden nachl. 274; der störrige fällt ins interdikt 3) die adverb. form (unter 2, f) als erstes glied einer zu sammensetzung: störrigkalt, adj., 'sehr kalt, knitterkalt', wie sonst starrkalt (th. 10, 2 sp. 928): jedoch kan man dein thun den (holdseligen) worten kaum gleich finden, mit strafen, die gott der herr gesätzt
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