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 PfWB Storch (Bd. 6, Sp. 633)   PfWB Riese1 (Bd. 5, Sp. 532) 
   Storch m.:
1. 'der Vogel Storch (Ciconia alba)', Storch (dǫrχ) [allg. WPf mancherorts VPf Karch Gimmdg/Muttstdt 245 Müller Dietschw 62], Stḁrch (dḁrχ) [Christmann Kaulb 18], Starch (darχ) [ KU-Jettb Kaulb Reipkch RO-Callb Schönbn LA-Herxh], Storich (dǫriχ) [ZW-Bottb PS-Erfw Leim LA-Birkw BZ-Dernb GH-O'lustdt Schmitt Billh. 152 Ströhm 44, 50, 55], Starich (dariχ) [HB-Kirrbg LA-Edk Mart (Bertram § 102) Lambert Penns 142], Stoarich (dōariχ) [LA-Edh Nußd (Bertram § 102)], Storsch (dor) [ KU-Herschw/Petth WD-Saal KL-Nanzdzw PS-Ruhbk], Stoarsch

[Bd. 6, Sp. 634]
(dōar, dar) [NW-Lambr Neustdt Spey Germh (Bertram § 102)], Starsch (dar) [Frankth], Stasch (da) [ KU-Elzw], Stork (dǫrg) [verbr. VPf, Bertram § 221 Krämer Gal 208 Albrecht 121], Stoark (dōark, dark) [NW-Lach/Speyd SP-Heiligst Ottstdt W'see LA-Gommh Kl'fischl GH-Lingf Schwegh (Bertram § 102)], Stark (darg) [BZ-Schweighf Spirkb Bergz (PfId. 136)], Starek (darək) [LU-Neuhf Schauh (Bertram § 102)], Storik (dorig, dḁrig) [ LU-Altr LA-Altd]; zur Verbr. s. K. 368; Pl. Sterch (dęrχ) [verbr. WPf mancherorts VPf Mang 107], Sterich (dęriχ) [LA-Birkw Schmitt Billh. 152], Stersch (dęr) [Frankth], Storke (dorgə) [FR-Heßh, mancherorts SOPf Krämer Gal 208], Sterk (dęrg) [VPf], Sterik (dęrig) [ LU-Altr], Storje (dorjə) [FR-Bockh Krämer Gal 208]; Dim. Sterchelche (dęrχəlχə) [ KU-Schmittw/O WD-Niedkch]; andere Namen für den St.: Adebar, Klapperstorch 1, PfWB Langbein 2 a, PfWB Langenbein, PfWB Storchhickelbein. De St. klappert [ KU-Schmittw/O]. Die Schleeje sin so saftlich bloo, / die Störch sin werre fortgefloh [Wilms Land und Lewe 104]. Die junge Sterch falle manchmol aus'm Nescht [ KU-Schmittw/O]. RA.: Bään wie en St. 'lange, dürre Beine' [ LU-Alsh]. Der laaft (marschiert, spaziert, geht do anne, steigt dohin, steht drin, is steif) wie en St. im Selat 'Der geht (steht) steifbeinig, stolziert, ist ein Stutzer' [mancherorts, S. Brandstätter in: PfMHk. 7/8 1925 179 Th. Geiger in: NSZ Südpfalz 4. 7. 1939 Feierowend 6/1954 H. Meyer in: Feierowend 20/1949 7 L. Hartmann in: Bayerland 1933 S. 480 Kamm 91 Krieger 20]. Er is so fett wie e St. am Knie [Hebel 13]. BR.: Fliegen Störche und Schwalben im Herbst früh weg, gibt es früh Winter [ FR-Bockh LU-Opp]. An Peter Kett (Vincula Petri 'Petri Kettenfeier' 1. August) / fliecht de St. eweg [ LA-Gommh]. An Petrus Fest (22. Februar) / sucht der St. sei Nest [ GH-Zeisk]; vgl. PfWB Peterstag. Kehrt der St. früh zurück, gibt es einen frühen Frühling [ KL-Reichb]. Kehrt der St. mit rußigem Gefieder zurück, gibt es ein regenreiches Jahr; ist sein Gefieder weißglänzend, wird der Sommer schön [Ph. Gimmel in: PfL 10. 12. 1927]. Volksgl.: In das Haus, auf dem ein St. baut, schlägt kein Blitz ein [ ZW-Gr'bundb RO-Obd NW-Haßl LA-Gommh], kehrt das Glück ein [ PS-Gersb]. Wann de St. kummt un mer hot Geld im Sack, hot mer's ganz Johr [ LA-Bornh]. »Beim Anblicke des ersten Storches fallen die Knaben auf den Boden und wälzen sich herum: das helfe gegen Kreuzweh. Sitzt der St., so bleibt man faul das ganze Jahr; fliegt er, so wird man fleißig« [Schandein Bav. IV,2 357, Carl Pfalz im Jahr 261 ff.]. Vk.: Den Kindern wird vielfach gesagt, der St. bringe die kleinen Kinder [verbr., Carl Pfalz im Jahr 222 Fogel Beliefs Penns Nr. 134], die Hebamme hilft ihm dabei [ PS-Fischb Frankth GH-Sondh]. Er holt sie (mit seinem langen Schnabel) aus der Bach, dem Brunnen, Torfloch, Hinterbrünnchen, Kellerbrunnen,

[Bd. 6, Sp. 635]

[Bd. 6, Sp. 637]
PfWB Kesselbrunnen 1, PfWB Kindchensbrunnen, PfWB Kinderteich, PfWB Saumbrunnen, PfWB Wannenpfuhl, läßt sie zum Schornstein 1 a herunter. Er legt das Neugeborene in die Wiege und dazu ein Stückchen Zucker für die älteren Kinder [ KU-Hachb]. Er bringt die Kinder zur Weed, von dort holt sie die Kindelsmutter mit den großen Stiefeln [ GH-Freisb]. Wenn in einem Dorf in einem Jahr viele Störche auftreten, erwartet man reichen Kindersegen [ LU-Friesh]. Wenn am Hochzeitstag ein St. über das Haus fliegt, wird die Ehe kinderreich [ FR-Lambsh LU-Muttstdt]. Bei Geschwisterwunsch oder bevorstehender Geburt sagt man den Kindern: Leg Zucker aufs Fenster, daß der St. bald kommt [ KB-Orb, mancherorts]. Zur Bettlägerigkeit der Wöchnerin sagt man den Kindern, der St. habe die Mutter ins Bein gebissen [ LA-Mart]. Jede Oowed hḁnnisch e Stickelsche Wäärfelzucker uff die Fenschterbḁnk geleet, well dass joo hunnertprozentisch die Stäärsch ḁḁnlockt [Hussong Kirkel 93]. Selbscht kleene Kinner, saat mer, horch, / holt aus em Brunne als de St. [Wilms Land und Lewe 90]. Do hot'r kärzlich in der Nacht / Der St. e Enkelche gebracht [Sommer Hausapothek 41]. De' Schtork war do un' hott de Schossel / En Buu gebroocht, en dicke Brossel [Keiler 131]. In's Lammwerts is nächte de Stork eigekehrt [Räder 46]. Zur Bedeutung des Storches im Pfälzischen Volksleben s. F. Heeger in: Feierowend 15/1963 Nr. 12 S. 1-2. Rätsel: Weller Vogel esch dem St. am ähnlichste? Antwort: Die Sterchin! [ BZ-Dernb]. KR., oft von Kindern gerufen, wenn sie einen St. sehen: St., St., Schniwwel Schnawwel / mit de lange Heigawwel [KU-Schmittw/O LU-Oggh Schandein Sprachsch. 70 Gal-Josbg]; ... mit den langen Beinen / wenn die Sonn tut scheinen / steht er auf dem Kirchendach, / klappert, klappert bis alles wach [Kaislt]. St., St., guter, / bring mer einen Bruder! / St., St., bester, / bring mir eine Schwester [LU-Limbghf, mancherorts, Carl Pfalz im Jahr 76, auch Gal]. St., St., Langebein / bring uns doch ein Kindelein [ RO-Obd]. St., St., Steene, / mit de lange Beene, / flieg übers Bäkkershaus / hol drei Weck eraus: / mer een, der een / unn de annere (dem Perer) aach een (gar keen)! [NW-Geinsh, mancherorts, J. Hoffmann Chronik des rheinpfälzischen Dorfes Kriegsfeld. 1897 S. 71 Kamm 100 Mang 231 Schandein Bav. IV,2 352 Wilde 259]; St., St., Fahne / mit de lange Baane ... [ LU-Friesh]; ... mit de rode Knie / kann net weit flie' / flieht bis vorm Beck sei Haus, / schaun drei scheni Boppe raus [ Gal-Neudorf)]. St., St., Stäne, / flieg iwwer Rhäne, / flieg iwwers Boppehaus (Glockehaus)! / Bring drei Boppe raus! / Meer ään, deer ään / Annere Kinner aa ään [mancherorts]; ... sitzen drei scheene Boppe haus, / Hol eine fer mich, eine fer dich / Und eine fer de Heinerich [ LU-Muttstdt]. Stork, Stork, Langbeen, / Trag mich uf'm Rücke heem, / Loß mich aber net falle, /

[Bd. 6, Sp. 638]
Schunscht ropp ich der e' Federle raus, / Mach ich mer e' Peifel draus, / Peif ich alle Morge, / Kummen die junge Storke [Heeger Tiere II 23]. Storich, Storich, Hickelbeen! / Hoscht en Stickel Holz am Been! [ BZ-Dernb]. St., St., Langbein / setz dich in dein Nescht enein! [ KU-Schmittw/O]. Weitere KR. s. PfWB Bäckerhaus, PfWB Puppe, PfWB Glockenhaus 2, PfWB Heugabel 1, PfWB Schnabel 1, PfWB Schnibelschnabel, PfWB Schnitzelmann, PfWB Schwein 1 a. VR.: E Stork hat e Schnawl, / e Sawel e Schääd. / Zwee Dag vor Martini, / do dingt mer die Määd [Feierowend 1950 Nr. 5 S. 2]. —
2. übertr. 'ein dünner, langbeiniger Mensch' [KU-Schmittw/O PS-H'mühlb FR-Albsh LU-Muttstdt NW-Elmst Gimmdg LA-Roschb Heeger Tiere II 12 Otterstetter 239]; Syn. s. PfWB Gammel 1, PfWB Riese1 1; e langer Sterch [ KU-Etschbg]. Das is emol e großer St. [ KL-Fockbg/Limb]. —
3. Name eines Gasthauses »Zum Storchen«, mda. zum Storche [ LU-Oggh]. —
4. 'ein schlanker Kreisel, Tanzknopf' [Wilms Alph. 12]; Syn. s. PfWB Driller 1 a. — RhWB Rhein. VIII 749/50; LothWB Lothr. 502 Storich; ElsWB Els. II 613/14 Stork, Storch; ALA II 177/78; Suolahti 368 ff.

 

   Riese1 m.:
1. 'die Sagengestalt R.' und in Anlehnung daran: 'außergewöhnlich großer Mann', selten auch von Frauen, Ries [verbr., auch Auslandspfälzer, Christmann Kaulb 15, 52 Mang 100 Müller Dietschw 57]; Syn. (häufig in Verb. mit den Attr. groß, lang): Bampel 2 a, PfWB Bändel 2 a, PfWB Bappes 1, PfWB Bär1 2 a, PfWB Bärenfetzen, -kerl, -mann, -mensch, PfWB Bengel 2, PfWB Bohnenstange 2, -stecken 2, PfWB Element 2, PfWB Elend 2, PfWB Eli, PfWB Engländer 2a, PfWB Felsenkerl, -mann, -mensch, PfWB Fetzen 3a, PfWB Fetzenbursche, -kerl, -mannskerl, PfWB Fladen II1a, PfWB Flappch, PfWB Flappes 1a, PfWB Freitag 2c, PfWB Gankel, PfWB Gaukel, PfWB Gigackel, PfWB Goliath 2, PfWB Haus 2j, PfWB Herkules, PfWB Heubaum 2b, PfWB Himmelsgeiß 2, PfWB Koloß, PfWB Lachenpatschel, PfWB Lackel 1, PfWB Langstorri, PfWB Lappes1 1, PfWB Latschel, PfWB Latte 2, PfWB Lattenstück, PfWB Leibchen 2, PfWB Lurmen, PfWB Markolfus 2bα, PfWB Maschores 2 a, PfWB Mordsbrocken, -kerl 1 a, -mannskerl, -schlackel, PfWB Riesenkerl, -mann, -mannskerl, -postur, PfWB Säbel 3 a, Samstag, Scheißhaus, Schlackel, Schlagbaum, Schlori, Sen-

[Bd. 5, Sp. 533]
der, Senkel, Sensenmann, Siebenstöckiger, Störchenvater, Storren, Weltskerl, Wolkenbruch; e R. vumme Mensch [Otterstetter 239]; e Mann wie en R. [ NW-Weish/S]; e Kerl wie e R. [ PS-Erfw]; RA. (scherzh.): e abgebrochener R. 'ein kleiner Mensch' [Kaislt]. SprW. (scherzh.): Es gebbt Riese, Zwerge un Iwwerzwerche [Krieger 11]. —
2. eine Turnübung; de R. mache [ KB-Kerzh]; vgl. PfWB Riesenschwung. — Südhess. IV 1400/01; RhWB Rhein. VII 419/20; LothWB Lothr. 413; ElsWB Els. II 289.