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 PfWB Stirn-haar (Bd. 6, Sp. 602)   PfWB Haar (Bd. 3, Sp. 527)   ElsWB Har (Bd. 1, Sp. 364b) 
  -haar n.: 'die Haare über der Stirne', vom Pferd, -hoor [vereinzelt]. RhWB Rhein. VIII 713. —

 

   Haar n., f.:
1. 'H. am menschlichen Körper'.
a. 'Kopfhaar', Hoor, s. F. [fast allg.], Haar (hr) [lothr. SWPf]; lange (korze, dicke, dinne, lokkiche, krussliche, struwweliche, schwarze, rode, grooe, schneeweiße) H. [ PS-Dahn, allg.]; struppiches H. [Frankth]; kohlraweschwarze H. [ KB-Kriegsf], goldiche H. [ NW-Geinsh], falsche H. [ LU-Opp]. RA. u. Vergl.: H. wie e versääfdi (ersäufte) Ratt [ LU-Oggh], wie vun de Mais abgefress [Pirmas]. Die hot nor drei H. [ LU-Opp]. Dem sein H. kann mer zähle [RO-Semb, verbr.]. Der Haarlose hot e Kopp voll gar kän H. [ BZ-W'rohrb]. Ich krie erscht mein H., sagt der Glatzköpfige [ KB-Albish]. Es is kan gut H. an'm [ KB-Kriegsf]. Er loßt kee gudes H. an'm [verbr.

[Bd. 3, Sp. 528]
Don Gal Buch]. Des geht dich kän H. an [ GH-Schwegh]. 's hot'm kan H. gedun 'nicht das mindeste geschadet' [FR-Bockh, PfId. 175]. Die Uhr geht uf's H. 'ganz genau' [ RO-Obd Rockhs Pirmas FR-Grünstdt]. Um's H. wärscht drunne gelege [GH-Zeisk, verbr.]. Um e H. wär ich an dem Beerewein verstickt [Feierowend Nr. 28/1965 S. 5]. Do reiß ich mer kän H. raus [GH-Schwegh, verbr.]. Ropp e H. raus, wu käns isch [ NW-Geinsh]. Er hot e H. drin (in de Supp) g'funn [ZW-L'wied, verbr.]. Die Kinn (Kinder) fresse aam noch die H. vum Kopp [ KU-Kaulb Kreimb ZW-Gr'bundb]. Er hot H. losse misse, von einem erlittenen Verlust [NW-Wachh, verbr.]. Der Betrüger dut die H. schneide [ KU-Rutsw/G Kus]. Er hot sich die H. schneire losse 'Er war im Bordell' [ PS-Rodalb LU-Opp GH-Zeisk]. Er stellt die H. 'ist aufgeregt' [ RO-Dielkch GH-Zeisk]. Der Sorglose loßt sich kan grooe H. wachse [FR-Hettldh, verbr.]. Do stehn ääm die H. geje Berg [Kus, verbr.]. Der Geizhals zählt die H. [ ZW-Bechhf]. Er hot mehn Schulde wie H. uf'm Kopp [ FR-Bockh]. Die Streitenden leien sich in de H. (sin sich in die H. kumm) [FR-Ebertsh, verbr.]. Er hat ihm in die Haare geschissen 'seine Hoffnung vereitelt' [Klein Prov. 176]. Er is mit Haut un H. verlore [ LU-Opp]. Der geht mich vun Haut un H. nix an 'ist nicht verwandt mit mir' [ LA-Gommh]. Die Frucht steht so dick wie H. uf'm Kopp [ FR-Bockh]. Dem Toten dut kään H. mehn weh [Hebel 27]. Wann se nor lange H. hot, dann verliebt er sich sofort in sie [ GH-Zeisk]. SprW.: Du kannscht ken H. roppe, wo's keni hot [Reichard Penns 292]. Korze H. sin ball gebärscht [NW-Geinsh, verbr., auch Don Gal Buch]. Lange H. un korzer Sinn (un korzer Verstand) [KU-Diedk, verbr.]. Roore H. hän die Kränk, darum hüte man sich vor den Rothaarigen [ NW-Geinsh]. Roode H. un Erleholz wachsen uf kääm gude Bodde [GH-Schwegh, verbr., auch Don Gal Buch]. Besser grooe H. un H. als schwarze H. un kän H. [ GH-Zeisk]. Rechter e Glatz wie gar kan H. [ KB-Bischh]. Wann der Verstand kummt, müssen d' H. Platz mache [Zahn Pläsier 196]. Volksgl.: Wann die Braut rauhe H. hat, werd des Ehepaar reich [PS-Geisbg, verbr.]. Wer dinne H. hat, macht e reichi Heirat [ KU-Diedk]. Ausgestrählte H. därf mer net verbrenne, schunscht werd mer dumm [Fogel Beliefs Penns Nr. 1807]. a. 1790: Kein ausgekämmtes Haar darf auf die Straße geworfen werden, wenn man für Hexereien sicher seyn will [Journ., 7. Jahrg. S. 142-44]. Die H. schneidt mer im

[Bd. 3, Sp. 529]
Zunemmende (im zunehmenden Mond) ab [Fogel Beliefs Penns Nr. 1820]. Sie henn halt de Fehler gemacht, Ehr H. bei zunehmendem Mond schneide zu losse [Zahn Pläsier 106]. Den Mädchen soll man die Haare bei abnehmendem Mond stutzen [ NW-Frankeck]. Aus einem KR.: Blott geschor, die H. verlor [ ZW-Bechhf]. Zs.: Augenbrauen-, PfWB Augen-, PfWB Flachs-, PfWB Frauen-, PfWB Kopf-, PfWB Krussel-, PfWB Locken-, Mädchen-, PfWB Männer-, PfWB Manns-, PfWB Milch-, Nasen-, Naupen-, PfWB Schnurres-, PfWB Sieben-, Sonntags-, PfWB Steh-, PfWB Strubbel-, Süß-, PfWB Weiber-, Weibsleute-, PfWB Weiß-, PfWB Wimper-, PfWB Wirr-, PfWB Wuschel-, PfWB Zimmermanns-, PfWB Zottelhaar. —
b. sonstiges Körperhaar. RA.: Er hot H. uf d'r Bruscht 'ist ein kräftiger, energischer Mann' [ LU-Neuhf Don-Gottlob Gal-Brotschk]. Er hot noch kaan H. unner de Nas [ FR-Kindh]. Er hat e Eisebahnerschnorres: alle Station emol e H. [Kaislt]. Der Heranwachsende steht noch im Gansprozeß: gebt's H. oder Flaume [ PS-Steinalb]. Dem muß ich mol d' H. aus de Ääge mache 'die Meinung sagen' [LA-Venn, verbr. SOPf]. Er hat Hoore en de Hänn 'Schwielen in den Händen' [ WD-Niedkch]. Die hat H. uf de Zähn [KU-Obw/ Tiefb, verbr., auch Gal], uf de Zung [KB-Weihf, verbr.]. —
2. H. bei Tieren, vgl. PfWB Borste 1. Zs.: PfWB Pferds-, PfWB Draht-, Fang-, PfWB Gauls-, PfWB Geißen-, PfWB Glatt-, Hasen-, Hunds-, PfWB Kamel-, Kamm-, PfWB Katzen-, Kühe-, PfWB Kurz-, PfWB Lang-, Maus-, PfWB Roß-, Samt-, PfWB Sau-, PfWB Schnauz-, PfWB Schnurr-, PfWB Schwanz-, PfWB Stichel-, PfWB Stirnhaar. Vergl. u. RA.: Er hot H. wie e Maulwelfer (Maulwurf) [ GH-Schwegh]. Der Wald steht (so dicht) wie die H. uf'm Hund [ KU-Schmittw/O Reichsth GH-Büchbg]. Er hot Geld wie e Krott H. [ LA-Mörzh]. Bezeichnung für eine weitläufige Vewandtschaft: vun hunnert Kihschwänz ee H. [ HB-Brenschb]. Beim Jahresende sagt man: Noch e Monat, dann gehn der Katz die H. aus [Kaislt, NPf GH-Schwegh]. SprW.: De Wolf verliert die H., awwer net die Naupe [LA-Edh IB-Bliesmg verbr. Don Gal Buch]; dass. vom Fuchs [HB-Kirrbg, verbr.]. Die Fichs hän all ee Sort H. [Penns Don Gal Buch]. 're Krott kann mer kee H. ausroppe [ Don-Schowe Gottlob]. Rätsel vom Spinnrad: Was is des for e Katz: Mer roppt ehr die Hoore raus, un sie schnorrt weider [ Gal Buch]. VR. s. PfWB Frosch I. —
3. 'Haarähnliches'.
a. 'dünne Wurzeln', Hoorcher [ FR-Bockh]. Zs. PfWB Wurzelhaar. —
b. 'Härchen an der Unterseite der Blätter'. 's Blaat vun de Rewe hot unne H. [ LU-Alsh]. Zs. PfWB Blatthärchen. —
c. 'die Fasern im Schimmel'. Das Brot hat schun H. [ ZW-Bechhf]. Antwort auf die Frage, was es zu essen gibt: Schnitz mit H. dran [Kaislt]; vgl. die RA. bei dahinter 1 b. —
d. Pflanzennamen: Jungfrau-, Liebfrauen-, Muttergotteshaar.
e. s. PfWB Engelshaar. — F.: r [verbr.], hr [ FR-Bockh],

[Bd. 3, Sp. 530]
hōÄr [verbr.], hr [lothr. SWPf], hōr [Penns Don Gal Buch Rußl]. Der Pl. ist dem Sing. gleich, vereinzelt Hoore. Dim.: rχə, hērə, hrχə [verbr. WPf NPf nördl. VPf], rχə [vereinzelt WPf NPf nördl. VPf], hrχə [vereinzelt SWPf], rlχə, hērlə [Ost-PS SOPf]; dem Sing. -che/-sche entspricht im Pl. -cher/-scher; das Dim. rl(ə) der mittl. u. südl. VPf hat im Pl. rlə, um Land rliχ, in SP-W'see rlīn; GH-Neubg hat rlə. Genus f. nachgewiesen für KL-Fischb, s. Kleeberger 117. — Südhess. III 2 ff.; RhWB Rhein. III 3 ff.; LothWB Lothr. 249; ElsWB Els. I 364/65; Bad. II 513/14.

 

  Har [Hyor M.; Hùwr Sulzern; Hór allg.; Pl. ebenso] n. Haar. (Ein einzelnes Haar heisst in M. e Härle Hüor.) Rda. uf s H. genau: mr kann dem Mann glauweⁿ uf s H. Str. Ich underscheid die Sach uf s H. Str.; uf s H. glich ganz gleich Banzenh.; bi eineme H., um e H. beinahe. ‘Sie wendet sich nit vmb ein har’ rückt nicht von der Stelle Fisch. Flöhh. 653. ‘Was wol geredt ist durch das iar, des achtent sy nit vmb ein har’ Murner Schelmz. IXª 15. 16 (Neudr. Nr. 85, 19). S tʰuet iʰm keⁱn H. schadet ihm nichts Z. Dis Meidl het awer schöni schwarzi H. Lützelstn. Do geʰn dr Katz d H. us jetzt ist der entscheidende Augenblick; da gibt es schwere Arbeit Gebw. ‘Jez gehn der Katz d’ Hoor us. I wurr d’ Geduld verliere’ Pfm. IV 7; Als. 1850, 29. H. an, uf deⁿ Zäʰneⁿ han redefertig, grob, energisch, bissig, geizig sein Str., reich Hi. ‘Hoor uff de Zähne het der Mann’ Hirtz Ged. 188. H. loˢˢn etwas herausgeben, bezahlen Bf. ‘Er losst nit gern Hoor gehn’ ist geizig Kettner Mais. 19. S will keiⁿ H. lossen nicht nachgeben Hi. D H. steʰn eiⁿm z Bërg sträuben sich aus Angst Hlkr. ‘se steh m'r d'Hoor gèje Bàrig’ Mangold Colm. Kom. 8. Du zeiʰst miʰ an deⁿ H. in d Höʰ du machst mich schaudern (durch eine fürchterliche Erzählung) Str. Der hat sich an deⁿ H. genummⁿ vor Zorn Dehli. In deⁿ Horeⁿ geʰn mit unbedecktem Kopf (von Mädchen oder Frauen) Z. D H. us de-n-Aueⁿ macheⁿ aufklären, enttäuschen Lützelstn. Der esst eim d H. ʰera isst übermässig und

[Bd. 1, Sp. 365a]
gierig Rauw. Sich wëjen ebs keⁱⁿ gröi H. wachseⁿ loˢˢn sich etwas gleichgiltig sein lassen Bf. Er is im Winter uf d Wëlt kummeⁿ, er losst keⁱn H. geʰn er gibt nicht gern Dü. Ingw. Rupp ere Krott H. us, wënn se ken het Bezeichnung einer Unmöglichkeit Dehli. Gschwolleni H. han Katzenjammer haben (vgl. frz. avoir mal aux cheveux) Co. Str. Zinsw. Aberglauben mit Haaren JB. VI 177. Spw. Kurzi Hor sin bald gebürstet (gebürst U.) ein kleines Vermögen ist bald geteilt Hi., eine kleine Arbeit ist rasch gethan Banzenh. ‘Kurtze Hoor sinn gli birstet’ Mü. Mat. 56. 5, 59. H. an den Aueⁿdeckleⁿ Wimpern Dehli. ‘Haar auff Haar’ Spiel Fisch. Garg. 306. Dëʳ wurd sicher H. draⁿ findeⁿ sich irren Ruf. ‘(Einen) rupfen da im har gebrist’ unnötige, falsche Mittel anwenden Murner Schelmz. 37.