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 PfWB Stiefel1 (Bd. 6, Sp. 567)   RhWB Stibel II (Bd. 8, Sp. 653) 
   Stiefel1 m.:
1.
a. 'Fußbekleidung mit Schaft', Stiwwel (diwəl, diwl) [allg., Castleman Zwbr. 27 Christmann Kaulb 13, 65, 77 Mang 96, 150, 214 Müller Dietschw 62 PfId. 137 Schandein Ged. 250 Schneckenburger 42, 59 Wilms Alph. 52 Lam-

[Bd. 6, Sp. 568]
bert Penns 144 Krämer Gal 207], Stiffel (difəl) [LU-Friesh LA-Edk GH-Kand Max'au Bertram § 189-190 Heeger Südostpf. 17 Schandein Ged. 250 Lambert Penns 144 Beam Penns 89], Stäwwel [ GH-Rh'zab], von älteren Leuten gesagt; Pl. Stiwwel [vereinzelt], Stiwwele [verbr., Glass 98 PfId. 137 Krämer Gal 207], Stiwwle [ IB-Reinh], Stiewele [ RO-Börrstdt], Stiebel [ ZW-Battw]; Dim. Stiwwelche [mancherorts]; Dim. Pl. Stiwwelcher [mancherorts]; Zs.: Pelz-, Bund-, Filz-, Fischer-, Gummi-, Halb- 1, Hochschaft-, Kanonen-, Knie-, Knöpf-, Kommiß-, Kragen-, Latwergen-, Meilen-, Militär-, Mist-, Reiter-, Reit-, Rohr-, Roll-, Schnür-, Siebenmeilen-, Sonntags-, Spangen-, Stulpen-, PfWB Zugstiefel. Sie hann 's Geriß? - Inja! Wie e paar alte Schtiwwele [Kühn Kumödi 46]. Ich han mei Schärm, mei Jibbche / un Stiwwle an de Fieß [Kraus Pädcher 14]. De Soldat faßt Stiwwel 'Dem Soldaten werden Stiefel zugeteilt' [ KU-Schmittw/O]. De Belzenickel hot große Stiwwle an [ LA-Roschb]. Ich breng de St. net on [ KU-Schmittw/O]. Sie hänn verschied'ne Schtiffel, / Herr Lehrer, heit verwischt! [Sommer Humor 23]. Lehme Stiwwel, nasse Hosse / Un kee trocke Himd am Leib [Ranssweiler 60]. Un werklich, wie ich Dags deno' / Mei Stiwwel grad han angezo' [Münch Werke I 169]. Der hat Schlittschuh an die Stiwwel gedudelt gehatt [Kröher Lyoner 24]. Bangadde, Alde Weiwer, Pämbs, Ordebädische, Stiwwel, Sportschuh - all sin se gezwickt wor [Kröher Lyoner 93]. RA.: mit Stiwwel un Spore 'mit voller Ausrüstung, aber auch mit allem Straßendreck' [ KU-Schmittw/O, vereinzelt]. 's Stick Veh 'der Schmutzfink' hot sich met St. un Spore ins Bett geleet [ KU-Schmittw/O]. 's Geriß hunn wie e paar alte Stiwwele 'viel umworben sein' [Kühn Palz 143]. Des sin zwee Paar Stiwwel 'Es geht um zwei unterschiedliche Dinge' [Krieger 38, vereinzelt, Kamm 96]. Er schwitzt, daß em's Wasser in d'Stiwwele lieft [ BZ-Dernb]. Was man nicht gebrauchen kann: e St., wo drickt, un e Sigar, wo net zieht [WPf]. Sein St. is hungrich 'zerrissen' [ KU-Schmittw/O]. Der hot käin ganze St. mihn 'ist verarmt' [ KU-Schmittw/O]. Er hot ball die Stiwwel verlor 'Er hat schnellstens die Flucht ergriffen' [ ZW-Bechhf]. Wenn jemand ein Paar große Stiefel an hat, sagt man: »Das ist strafbar, laß dir ein Geländer drum machen, damit niemand hineinfällt« [ KL-Queidb]. Der geht aa in hohe Stiwwel 'verlangt hohe Preise' [ KU-Kreimb]. Der hat e Staucher krieht, daß er in ke St. meh paßt! [Fuhrmann-Stone in: NSZ-Südpfalz 4. 7. 1939]. Die Leute in ehrem Dorfe sagen, deß Büwel wu se henn, hot zweerle Stiwwel an 'Es kommen zwei Männer als Vater in Frage' [Zahn Einkehr 278]. Der is so dumm wie e St. [ Gal-Sap]. SprW.: Was mer seet un macht sin zwäerlei Stiwwel 'Worten folgen nicht immer Taten' [Thielen So rerre mer 112]. Halt dei Stiwwel in Ehre / wern se lang währe [ Gal-Obersdorf]. Volksgl.: Wannd en Bu

[Bd. 6, Sp. 569]
mache witt, schlof bei der Fra mit de Stiewel ḁ un die Fḁhrgeschel 'Peitsche' in der Hand [Fogel Beliefs Penns Nr. 1861]. VR.: Als Napoleon achtzehnhundertdreizeh is in Deitschland rum marschiert, da harre seine Stiewel mit Schampanjer ei'g'schmiert [FR-Hettldh (PfRSch. 29. 10. 1933)]. Das Stiwwele muß sterwe, / is noch so jung, so jung [ BZ-Albw]. Wann das de Absatz wischt, / das de St. sterwe mischt, / werd er sich kränke bis in de Dod [ KU-Schmittw/O]. Hannemann, geh du voran, / du hoscht die greschte Stiwwel an [ KU-Schmittw/O]. Ich setz mich ufs Hiwwelche / flick mer mei Stiewelche [ Gal-Gelsendorf]. Roter Fuchs, dei Hoor gehn ah, / schitt e bissel Wasser drah. / Stäächele nuff, Stiwele nei, / will kä roter Fuchs me sei [Bergz (Kamm 108)]. a. 1425: von einem par armerlute stiffel [LeinArch. Löhne]. —
b. 'ein Folterinstrument für die Beine, Beinschrauben'. a. 1661: wurde er vor den Meister gestellt, der ihm die Instrumente zur Tortur, den Stuhl und die spanische Stiefel vorlegte [Knapp 57]. —
c. 'ein abgeschnittener Strumpf' [ PS-Winz]. —
2.
a. α. 'ein meist gläsernes Trinkgefäß in Stiefelform', vorwiegend für Bier [verbr., Glass 97 Kieffer 67 Kraus Gutsjer 10], Stewwel [ BZ-Dernb]. Unterschiedliche Maßangaben: kein bestimmtes Maß [ BZ-Dernb]; Weinmaß 1 Stütze = 10 Liter [Wilde 263]; 3 Liter [ NW-Frankeck]; 5 Schoppen = 2½ Liter [ KU-Herschw/Petth KB-Kriegsf]; 2 Liter [ KB-Mauchh]; 1 Liter [ KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Bier, PfWB Humpen 1. RA.: Er is voll wie e St. 'ist betrunken' [RO-Rehborn, mancherorts, Hebel 25 Kühn Kumödi 3 Wilde 263]. —
β. 'die Menge, die in einen Trinkstiefel geht; eine ziemliche Menge'. Der kann e St. (voll) vertrage 'ist trinkfest' [mancherorts, Bernhard 155 Braun Lääsebuuch II 211 Kieffer 67 Krieger 8 Ney 136 Wilde 263]. Er hot en St. z'ammeg'soffe [ BZ-Dernb]. Drum trink halt e' Jeder sein' Stiebbl [Kobell 94]. —
b. 'Alkoholrausch' [Rohr 96]; vgl. PfWB betrinken. Er hot e St. [ KU-Schmittw/O, vereinzelt]. Wann er e St. hot, muß merem die himmelsbeschte Wort gewwe 'dann muß man ihm gut zureden' [ KU-Schmittw/O]. —
c. Wirtshausname, De Goldene Stiwwel [Wilms Alph. 52]. —
3. übertr.
a. 'schwerfälliger, unbeholfener, sturer Mensch' [mancherorts WPf vereinzelt übrige Pf, Bernhard 155 Hussong Kirkel 146 PfId. 137 Siebenlist 36 Lambert Penns 143]; Zs.: Bauern-, Dick-, Dumm-, Halb- 2, Höhen-, Krumm-, Schepp-, PfWB Steifstiefel; Syn. s. PfWB Tappes 1 a, PfWB Rüpel 1. Alter Schtiwwel! [Damm Nachtdischlamp 12]. Du Stawwer! Waart! Ich gebb der druff! / Du Dormel du, du Storre, Stiwwel! [Siebenlist 36]. —
b. 'ein alter Junggeselle' [ KU-Theisbgstg BZ-Steinf]; Syn. s. PfWB Übergänger. —
c. 'schmutziger, klebriger Mensch' [Kus]; Syn. s. PfWB Drecksack 1 a. —
d. Neckname für die Bewohner von KU-Konk: Kunkener Stiwwel [ KU-Liebsth], (Kunker) Stiwwel [KU-Bosb Konk Krottb Schellw Welchw, Seebach Neckn. 16], Konker Stiwwele Pl. [ KU-Langb, KU-Albess], Stie-

[Bd. 6, Sp. 570]
wel [KU-Herschw/Petth, Seebach Neckn. 20]; für die Bewohner von KU-Bosb: Stiwwele Pl. [ KU-Friedhs]; Neckname für die Bewohner von ZW-Marthh: (Martsheher) Stiwwel [ ZW-Lambsbn KL-Hauptstl]. —
4. 'Unfug, Unsinn', in RA.: e St. zamme lese (samme quatsche) [ RO-Obd HB-Nd'bexb], ... samme fahre 'schlecht fahren' [Andre 123]. Der hot en St. zamme g'schrewwe 'dummes Zeug geschrieben' [ BZ-Dernb, KU-Schmittw/O LU-Limbghf]. Redd der en St.! [GH-Max'au, Bernhard 155]. Die mole heitzuda' e Stiwwel, / do werd's em weh un schwach un iwwel [Münch Werke II 380]. Der Kerl, der muß aus em Ausland stamme, / der babbelt nämlich e Stiffel zamme [Münch Werke I 377]. Heit hännse widder e St. zammegeschpielt [Damm Schoggelgaul 23]. —
5. FlN, amtl. Im Stiefel [LA-Impfl], mda. im Stiffel [LA-Impfl]. a. 1839: im Stiefel [SSp Liqu.-Prot. I S. 3]. — RhWB Rhein. VIII 674 ff.; LothWB Lothr. 500 Stiwel; ElsWB Els. II 576 Stifel, Stibel; Kretschmer 486 ff.

 

  PfWB  PfWB Stibel II diese Gruppe, im Ablaut zur Gruppe Stab stehend (s. dort Stäbelster, Stäbenz) oder im Ablaut zu stîf »steif«, vgl. mhd.  Lexer stivel »Stange zum Stützen von Rankengewächsen«, ist an der Saar, im Mosfrk u. nach N. hin hier u. da bezeugt; -əl, Pl. -ələ(n) m.: 1. -iv- Stab zum Aufsetzen des Getreides uWupp 1870; -īw- senkrechter Stecken im Rebspalier uMos; -ēf- n. das mit dem Haubergszeichen versehene Grenzpflöckchen, zum Abstecken der Haubergsanteile Siegld-Eisern Rinsd (doch ist -f- auffällig); -iv- das Holz, das beim Schlagholzsp. durch einen Schlag mit dem Schlagholz in die Höhe geschnellt wird; auch das Spiel heisst St. spille Aden-Borler. — 2.a. -iw- Schafpferch auf dem Felde, der

[Bd. 8, Sp. 654]
von Feld zu Feld gefahren wird, auch Hürdenumzäumung für Schafe, Ferkel auf Viehmärkten; der St. besteht aus der Hürde; zuerst werden der Pähl (Pfähle) in die Erde geschlagen, dagegen Steipen (Stützen) gestellt; zwei Hürden werden durch den Kringel (Eisenhaken) verbunden; der Schäfer muss den St. nachts weider schlohn, damit ein grösseres Stück Feld gedüngt wird; de Schof sein em St., — gihn heit en de St. OMosfrk in Bernk-Gräfendhron Hottenb, Koch, Kobl; -īw- Goar-Weiler, Koch-Binning Ulmen, May; -iw- Eif, Westerw; -iv- LRip in Aden, Ahrw; -ev- Eusk, Rheinb, Bo, Sieg (Rhfrk -wəl, aber ein anderes Wort, aus lat. stabulum »Stall«) [urkdl. sollen haben einen Stiefel un keine Sauw darunter Bo-Kottenforst 1550]. — b. durch eine Schafherde stückweise gedüngtes Land uMos, Eif, Westerw [urkdl. ind so sall unse gn. h. mit den anerven overkomen umb den stiefel Rheinb-Morenhv 1463]. Anm.: Das Wort gehört zu vulgärlat. *stabilum, s. oben Stäbel.