Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB stechen (Bd. 6, Sp. 456)   RhWB stechen (Bd. 8, Sp. 547)   PfWB stecken2 (Bd. 6, Sp. 468) 
   stechen st.:
1. konkret.
a. 'mit einem spitzen Gegenstand in eine Richtung zielen und treffen', steche (dęχə) [allg., Christmann Kaulb 77, 88 Mang 93 Müller Dietschw 61 Krämer Gal 206], stesche (dęə) [Henn Mda.-Int. 100, 103 Schneckenburger 22, 53], stache (daxə) [ RO-Rehborn]; Part. Perf. gestoch (gədox) [WPf, Henn Mda.-Int. 100 Mang 103, 195 Schneckenburger 25 Krämer Gal 206], g(e)stoche (gədoxə, gdoxə) [VPf, Karch Jockgr/ Nd'horb 128, 156]; Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB be-, PfWB daher-, PfWB darauflos-, PfWB tot-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB er-, PfWB ver-, PfWB heraus-, PfWB herum-, PfWB herunter-, PfWB hinein-, PfWB über-, PfWB zusammenstechen; mim Messer st. [ RO-Schweisw]; Fisch mit de Gawel st., beim Fischfang [ LU-Altr]. 's Haai sticht sich net 'Das Heu ist noch feucht und läßt sich schwer gabeln' [ LU-Alsh]. Net haue, trete un net schteche! [Damm Pälzer 77]. Er hot nooch em g'stoche [ LU-Opp]. Schtechter in moi Fingerspitze, willer ziele un dann schpritze [Damm Nachtdischlamp 16]. Die Porbele (Purpel) werre des wäh gestoch, daß mer die Bladdere net kriehd, vom Impfen [KL-Reichb, LU-Limbghf LA-Mörzh Nd'hochstdt Kühn Hamet 128]. Mit Metzelmesser in de Faischt (Fäusten), / Un alles stecht un boxt un kreischt [Münch Werke I 123]. Un hält mich als emol e Ranke / Un steche mich die Dern [Ranssweiler 107]. Wer Saftschmeer esse will am Enn, / Muß sich aach steche losse [Ranssweiler 107]. Er stecht no dem Hund, un der Hund war kabores [Kühn Kumödi 77]. RA.: gestoche 'hochmütig, gekünstelt' [ PS-Münchw]; en Aff gestoche 'hochmütig, dünkelhaft' [ KB-Rodb]. Der hat in e Weschpenescht (Hornesselenescht) gestoche 'Er hat eine gefährliche Situation geschaffen' [Krieger 13, Pirmas Bergz (Kamm 94)]. Ich hab grad gemäänt, 's sticht mer ääns ins Herz, bei plötzlichem großem seelischem Schmerz [ BZ-Dernb]. Die sticht wie e Distel, von einer Frau mit spitzer Zunge [Wilde 43 (Zweibr)]. Es hett meich äiner st. kenne, äich hätt kei Troppe geblutt, bei großem Schrecken [WD-Niedkch, mancherorts, Bayerland 1933 48]. Das sticht un schneid nett 'Das wird so nicht gehen, taugt nichts', auch von einem Werkzeug [ LU-Maud NW-Haßl Spey LA-Wollmh]. Er schreibt wie g'stoche 'sauber, sorgfältig, wie ein Kupferstecher arbeitet' [ LU-Friesh, KU-Schmittw/O BZ-Dernb Gal-Dornf]. Das isch net gehau un net gestoch, von einer schlecht gemachten Arbeit, einer unklaren, unentschiedenen Äußerung [PS-Gersb,

[Bd. 6, Sp. 457]
RO-Obd PS-Geisbg LU-Limbghf Opp NW-Frankeck LA-Gommh Land BZ-Dernb]. Dem han ich de Star gestoch 'Dem habe ich die Augen geöffnet, die Meinung gesagt' [KU-Diedk, KU-Schmittw/O RO-Obd BZ-Albw Dernb, Brandstätter in: PfMHk. 1925 173 Hebel 34]. Ich han 'm de Gumme (Gaumen) gestoch 'derb die Wahrheit gesagt' [PfId. 58 (HB-Breitft)]. Den stecht de Hawwer 'Der ist übermütig geworden', von Mensch und Pferd [ZW-Bechhf, mancherorts, Kamm 88 Krieger 35 auch Gal Buch]. Var.: ... un wanner kään sieht [ ZW-Battw]. SprW.: Allzu scharf schneid net un allzu spitz sticht net 'Alle Übertreibungen taugen nichts' [vereinzelt, Kamm 86 Brandstätter in: PfMHk. 1925 170 Thielen So rerre mer 112, vereinzelt Gal]. Dorn un Distel steche sehr, beese Zunge noch veel mehr [ KU-Schmittw/O]. Hinne steche die Bie 'Auf den Ausgang einer Sache kommt es an' [Brandstätter in: PfMHk. 1925 179]. Volksmed.: Mer hän dem Kind Ohrring g'stochen, Ohrringe aus Flußgold angezogen gegen roten Augenfluß [ BZ-Dernb]. Wann en Kuh dick is, stecht mer sie, vom Pansenstich beim aufgeblähten Rind [Fogel Beliefs Penns Nr. 806]. Volksbr.: Hannappeldi ha, die Fasenacht geht an / Eier orer Speck eraus / Sunscht stech ich eich e Loch in's Haus! / Die Pann kracht, die Pann kracht / Die Küchelcher sein geback / eraus met, eraus met / Ich steck se in mei Sack / Ich bin e kleiner König / Geb mer net so wenig / Loss mich net so lang do steh'n / Ich will noch e Heische weiter geh'n!, Heischespruch der Fastnachtszeit [L. Michel in: Donnersberg Jahrbuch 1981 168]; Var. s. PfWB Hanapfel. Einen AR. s. PfWB Berg 1. VR.: Kummt de Mann mit'm Spieß, / sticht de Anna grad ins Herz nei / kummt e Messer owe rab / schlacht de Anna de Kopp ab [ BZ-Billh]. Wann de Parre kummt, / machen se e frou G'sicht. / Wann en Aremer kummt, / as wann se de Deiwel sticht [ NW-Geinsh]. a. 1518: Item wan eyner eynen stuche oder misselwonden heyche 'Meißelwunden haute', der hette verbrochen v ß phennynck [PfWeist. I 212 (PS-Burgalb)]. —
b. 'stechen, beißen', von Tieren mit Stacheln, Hörnern, spitzen Zähnen usw. Die Biene steche un angele (angeln1) [NW-Frankeck LA-Impfl Mörzh]. Die Imme stechen heit geern 'Die Bienen sind stechlustig' [ LA-Mörzh]. Heit dun se gere stache [ RO-Rehbn]. E Bien hat mich gestoch, ich han e Angel 'Stachel' krieht [ KL-Matzb]. E giftich Mick stecht [ KU-Herschw/Petth]. 's hot mich e Schnok gestoch [ RO-Als], ebbes g'stoche [ PS-Erfw]. Die Schlang hot en ins Bään g'stoche [ BZ-Dernb]. Wann e Bien orrer e Weschp em stecht, muß mer gleich die Wund ausdrigge, daß das Gift erauskommt [ KL-Reichb]. Ich kenn die Mick, die wo äm stecht [Kraus Pläseer 6]. S'gibt kaum Micke, wo äm steche [Kraus Arwed 40]. Sunscht wär ich schun in eener Woch / Von dene Schnooke dotgestoch [Münch Werke I 77]. Die steche ohne Unnerschied / Sogar ins ferschtliche Geblit [Münch Werke I 75]. Des Lumbeviech hot em in de

[Bd. 6, Sp. 458]
Nasegiwwel gestoche, dass de Zinke dick worre is [Krieger 46]. Denn hot e gifdichi Spinn gestoche [ NW-Kallstdt]. RA.: wie vun de Schlang gestoch 'plötzlich' [SOPf]. Er es gestoch 'verrückt' [ PS-Geisbg KB-Kriegsf]. Der is uf un fort, grad so als wenn en en Floh gestoch hätt [ Gal-Brunndorf]. Den hot e Bock g'stoche 'verrückt' [ GH-Zeisk], 'hochmütig geworden' [PS-Geisbg, Bassler 36]. BR.: Wer net springt mit em Reche, / wann Migge un Breme steche, / muß im Winder springe mit me Sääl / un rufe: hot jemand Haai fääl? [ LU-Oggh, WD-Niedkch BZ-Dierb]. —
c. 'einem Schlachttier mit dem Messer eine Schlagader durchtrennen damit es ausblutet; totstechen'; die Sau steche [verbr.]. Die Sau werd gestoch(e) [mancherorts]. Mer hän en Sau g'stochen [ BZ-Dernb]. RA.: Er isch hochgefahre wie en gstochener Bock 'Er hat sich vor Schreck plötzlich aufgerichtet' [Bergz (Kamm 91)]. Der laaft do erum wie e gestochener Bock 'ist voller Angst und Schrecken' [ KL-Fischb]. Die Aage verdreht wie en gstochener Bock [Hartmann Unkel 38]. Er macht Aue (macht e Paar Aage, macht e Gesicht, hot Aae, sieht aus, guckt, guckt äm an) wie e gestochener Bock [mancherorts, Heeger Tiere II 19]; auch vom starren Blick eines Betrunkenen [ KU-Kaulb]. Der reißt die Aage uf (macht Aue) wie e gestoche Kalb, dass. [ NW-Frankeck, mancherorts]. Der macht Äache wie e g'stochni Krott [ LA-Wollmh, LU-Oggh]. VR.: Mein Vatter is Metzger un Metzger bin ich. / Mein Vatter stecht die Kälber, die Rinder stech ich [Feierowend 5/1950 S. 2]. a. 1553: so viel die unterthanen schwein verkaufen und in ihren häuser stechen oder metzlen [ABlieskst 56 (Ingb)]. a. 1590: das ahn einem Jahr oder Wochenmark zuvor nicht genug Vieh gestochen wher [ZweibrUrkb. 141]. —
d. 'eine Pflanze ausmachen, ernten'; Spinat st. [ LU-Friesh GH-Kand]; Beddsäächer schdesche 'Löwenzahn sammeln' [Hussong Kirkel 18]. Mer duun Dischdele st. [ KU-Schmittw/O, ZW-Battw RO-Dielkch NW-Kallstdt LA-Gommh BZ-Albw]. Die Dischdele werre gestoch mit em Dischdelstecher [ KB-Kriegsf]. Mer hän Spargele g'stochen [ BZ-Dernb]. —
e. 'mit einem Spaten die Erde umgraben', Arbeit im Garten, im Weinberg [LU-Altr NW-Hamb Scharff 168]. —
f. 'hineinstecken, dranstecken'. Der Arbeiter sticht, läßt seine Zeitkarte von der Stechuhr im Betrieb abstempeln [ LU-Limbghf]. Ich such mei Kart un stech se in die Uhr, von der Stechkarte [Kraus Arwed 46]. An de Kerb hat er sich emol e Hahnekopp mit erer Sicherheitsnodel an de Hals gestoch [ IB-Rohrb]. —
2. übertr.
a. 'stechende Schmerzen bereiten'. Es sticht [ FR-Bockh]. Es stecht mich, von Schmerzen in der Seite [ PS-Erfw]. Die Fieß st. [ KU-Bedb]. Mei Ohre steche mich [ BZ-Albw]. Es stächd mich wie mit lauder Messer, bei schmerzhaften Erkrankungen [Westricher Kalender 1957 S. 104]. WR.: Wetterwechsel kündigt sich an durch stechende Schmerzen: stechendes Kreiz, es gibt Regen [ RO-Schmalfhf]. 's Atzelaag 'Hühnerauge' sticht, s

[Bd. 6, Sp. 459]
gibt anner Wedder [ LU-Neuhf]. Wenn die Hihneraage steche, gibt's Schnee [Neustdt]. —
b. 'Unbehagen, Druck bereiten'. Die Wohrhät isch, a wenn se stecht: / Mir Mannslejt sin es scheen Geschlecht! [Kraus Putscheblum 23]. RA.: Den sticht (stecht) die Milch (Millich) (Milch 2 a), von einem weibstollen Mann, auch von einem übermütigen, dem es offensichtlich zu wohl ist [ ZW-Bechhf RO-Bistschd PS-Geisbg NW-Deidh Frankeck SP-Heiligst]. —
c. 'stark, intensiv, brennend strahlen, scheinen, leuchten', von der Sonne, von Blicken der Augen usw.; stechende Auwe 'scharf blickende Augen' [Kus], st. mit de Aage 'scharf sehen' [ SP-Harths]. Die Sunn stecht [verbr. WPf vereinzelt SOPf Krämer Gal 206], sticht [verbr. ges. Pf]. Die Sunn sticht so arg, do gibt's sicher e Gewitter [ GH-Schwegh]. Die Sunn sticht heit, do halt's net lang [ LA-Freimh]. 's gibt ball Reje, die Sunn stischt so [ NW-Ellstdt]. Heit sticht se awwer wirrer [ PS-Erfw]. Du stechscht awwer e Paar Aue! 'Du schaust aber streng, prüfend!' [ PS-Kröpp]. Das sticht'm in die Aue 'Das gefällt ihm gut' [ KU-Schmittw/O FR-Bockh NW-Hardbg]. Der will alles, was em in d'Agen sticht [ BZ-Dernb]. Ihrem Mann dhät die hochrot Farb so in die Aage st. [Sommer Humor 14]. Der hot stechende Ääe, der sticht aam mit de Ääe dorch un dorch, von jemandem mit bohrenden Blicken [ FR-Bockh]. —
3.
a. 'koitieren'. Der Bock war kerzegrad un frisch; / Er war ze fett ball for ze steche, / so glatt un rund as wie e Fisch [Firmenich III 245]; Syn. s. PfWB begatten. Fehlanzeich im Bett - / kräftich brumme duhter zwar, / doch schteche leider net! [Damm Schoggelgaul 15]. —
b. 'befruchten', von Hühnereiern. Die Eier sin net gestoche [ FR-Maxd BZ-Apphf GH-Zeisk]. —
4.
a. 'jemanden überlisten, austricksen'. Ich han all Tricks parat, ich brauch se bloß se sahn. / Ball jeder werd do wääch; s'kommt an, wie ma se stecht [Kraus Arwed 45]. —
b. 'stehlen, entwenden' [ KL-Enkb]. Wo hoschen das Messer werre gestoch? [ KL-Stelzbg]; Syn. s. PfWB stehlen. —
5. 'einen (Schnaps) trinken'; eener st. [ KL-Fischb FR-Gr'niedh]; Syn. s. PfWB trinken 1 a. —
6.
a. beim Kartenspiel gebräuchlicher Ausdruck mit Bedeutungsvarianten (nach dem Bild der sich vom Pferd stechenden Ritter): steche, durch höherwertige Karten übertrumpfen und an sich bringen [ LU-Friesh, mancherorts]. Wird übertrumpft, so sagt der Spieler: Denne stech ich; der werd g'stoche! [ PS-Erfw]. Er muß st.!, durch einen Trumpf oder eine höhere Karte diejenigen des Gegenspielers an sich bringen [ LA-Gommh]. Schippe stecht! 'Schippe ist Trumpf' [ KL-Stelzbg]. Ich häb den g'stoche mit Herzass, er hot mein Schippebauer g'stoche [ BZ-Dernb]. Wenn de stichst, schmier ich! [ ZW-Battw]. RA.: De Owwer sticht (stecht) de Unner 'Die höhere Spielkarte gewinnt; der Stärkere siegt' [Kaislt, mancherorts]. Var.: Der Herzober sticht den Unter, im Spiel und im Leben [ BZ-Dernb]. Ich stech hinne wie die Imme [ IB-Reinh]. Die Sau werd gestoche, die Spielkarte As

[Bd. 6, Sp. 460]
[Krieger 44]. —
b. 'einen einzeln stehengebliebenen Kegel treffen' [ RO-Dielkch Pirmas LU-Limbghf NW-Frankeck Freinsh LA-Wollmh]. Den stech ich! [Pirmas]. Der werd g'stoche! [ PS-Erfw]. Der kann gut st. [ LA-Gommh]. Ich han gestoch [ KU-Diedk]. — F.: Ind. Präs. Sg. 2. Pers. stechst [vereinzelt WPf SOPf], stichst, stichscht [übrige Pf]; 3. Pers. stecht [verbr. WPf vereinzelt SOPf], sticht [übrige Pf]. — Mhd. stëchen 'stechen, wegnehmen, stecken' ( Lexer Lexer II 1154/55). — RhWB Rhein. VIII 547 ff.; LothWB Lothr. 494; ElsWB Els. II 571; Hess.-Nass. III 743/44; Kluge-Seebold22 698; DWB DWb. X, II,1 1222 ff.

 

  PfWB  ElsWB  LothWB stechen vom Mosfrk an verwenden die MA. für nhd. »stechen« u. »stecken« das eine Wort, bis zur Benr.-L. -χən, n. davon -kən; das Rhfrk im Saargeb. u. an der Nahe südl. Soonw unterscheidet -ęχə, –iχt, –ę- [NW -iχt, –e-, SOWend -ę-; dann eine Strecke der Unsicherheit -i-, –e-,- –ę-], Part. gəstǫx, –ox in der Bed. 1 von -ęgə, –egt, –e- [Wend-Dörrenb -igt u. -iχt], trans. Part. gədęgt, intrans. gəsdǫk, –ok in der Bed. 2; Hunsr -ęχə, –iχt, Part. gəstǫx, –ox; das Mosfrk hat -χən, –ăx-, -ęχ-, –iχt, Part. gədǫx [Koch auch -doxt; in Saarbg, May, Neuw -dax(ən)]; Rip -χə [uSieg, LRip auch -ęiχ-), tiχ, –e-, Prät. -:x u. -ō:-, Conj. -:χ, –ø:- u. -:-, Part. jəstǫxə [-ǫux-, –-] [LRip auch daneben jətęiχə, –χ-]; OBerg n. Benr.L. -kən [u. -īk- Gummb-Berghsn], -ikt, –e-, Prät. -ūk, ORand -ouk, Part. jətkən; NBerg -kən [Lennep auch -īək-], -ekt, Prät. -ō:k, Part. jətkən [Wermelsk -χən, –ekt, Prät. -:k, Part. jətęχən]; Eup-Stdt -ēəkə, –ekt, Prät. -ū·ə.k, Part. γətōəkə u. -tēəkə; SNfrk -əkə, –ēə-, –īə-, –ekt, –i-, Prät. -ō:k, Part. jətəkə, –ōə- u. -təkə, –ēə-; Klevld -kə, γe –kt, he –ękt, –e-, Prät. -k, Part. γətkə [in Mörs daneben -tkə] st.: 1. mit einem spitzen scharfen Gegenstand stechen. a. einen, etwas, sich st.; de Bei (Wespel, der Dorn) stich; de Bei hät mech gestouche; ech han mech en de Fönger g., — möt en Nol (Nadel) g., — an de Dörn g.; he stoch mem Metz (Messer) no em; de Kerls han sech met Metzer g.; de Bröhnnessele st. arg; et Ferke st. das Schwein schlachten; ech st. dech dut!; ech bön gestouche; se han dren-, — herengestouche

[Bd. 8, Sp. 548]
Rip, Allg.; dat Vieh werd (bei Blähsucht) gestech Hunsr, Allg. RA.: Zu spetzt stecht net on zu scharf schneid net Rhfrk, Mosfrk, Rip. Niəhn (nähe) sihr (schnell) en steich witt (weit), dat der Bur der Keil (Kittel) en krit! spottend vom Schneider Aach-Stdt, — wit, ek häbb niet lang de Tit! Rees-Brünen, — wit, halt fos (fest)! Kemp-Stdt. Stek witt, st. wäll (wohl), drej Stek (Stiche) op enen Ell! zum Antreiben der Näherin oder als Klage über schlechte Arbeiten Emmerich; Vit, stek wit, sewe Stek op en Eələ! das ist übereilte Arbeit Kref; stek witt, st. sehr, et sin marr Diensboje(Dienstboten)-kleər! Geld. Weit gestache es bal zerbrache SNeuw. Die stich op hondert Foss näht mit weiten Stichen Sieg-Müllekoven. We met de Bei ömgonn wellt, moss et St. gewennt (gewöhnt) sin Bergh-Lipp. Dem (das Mädchen, das sich vergangen hat) hät en Bei gestouche; et es van e B. g. Jül; zu einem solchen Mädchen: da wänzel dich emol an (in) er Derenhek (Dornenhecke) a so (sage), wen dich gestoch hot! Bitb-Seimerich. Wen et gelöst, Hunnig ze lecken, den muss et och gelösten, dat en de Emen st. Wippf-Bechen. Et es geə Flüəhche (Floh) su kleng (klein), et stich niemand ist so schwach, er kann dir schaden, z. B. die Konkurrenz Aach-Warden. Et hät en en Fluh gestache er ist sehr gereizt Neuw-Datzeroth; den stecht wei en Fl: er stichelt, reizt Merz-Mitlosh. Dem st. de Lüs er ist sehr gereizt Aach-Münsterbusch. Wann mich äner gestoch hätt, ich h. kä Blut gen ich war so erschrocken Rhfrk. En de andere Weche (Woche) welle mer en Fitzche (Schweinchen) st.; dat soll sage: guik! damit bohrt man dem Kinde einen Finger in die Seite MülhRh, Verbr. Engen et Ferke st. ihn übertrumpfen Aach, Eup. Er macht Aue wie e gestochener Bock, — e gestoche Kalb so erschrocken sieht er aus Saarbr, Allg.; he kritt (schreit) es en gestoke Ferke Ruhr; er heilt wie en gestoche Sau Simm-Schlierschd; er es gefall we'n gestochener Ochs Saarl-Differten. Schlange st. faulenzen Koch, May. Das an Trommelsucht leidende Vieh wörd gesteəke in die Milzgegend gestochen SNfrk, Allg. Dorn un Destele st. jih (jähe), falsche Zungen doch noch mih Köln-Stdt. Denne Mond (diesen Monat) st. se net scherzh. die Brennesseln, zu dem, den man auffordert, in sie hineinzufassen Saarbr. Dat Perd, dat lang en e Stol (Stall) steht, stech de Haver es schlägt leicht hinten aus; den st. de H. er ist ausgelassen, übermütig, fängt dummes Zeug an Kemp, Allg. Den st. de Brotkrümmels er ist stolz geworden, denkt nicht mehr an seine frühere arme Jugend Geld, Klev. Höm steckt der Kettel (Kitzel) er wird übermütig Eup. Dech steckt der Dore (Dotter)! zu einem Kinde, das zu viel Eier isst, übermütig ist, — der Düər (Stier)! das die Butter zu dick schmiert Heinsb, Erk-Elmpt. De Gek hot en gestoch aus Übermut hat er das gewagt Bitb. Er es gestoch verrückt Trier-Mettnich. De Melz stich bei stechenden Schmerzen nach raschem Lauf; ech han St. en der Sitt Rip, Allg.; der eiternde Finger stich; et st. su (em Fönger) Rip, Nfrk. De Sonn sticht so arg Rhfrk, Allg.; et get widder en Schauf (Schauer), de S. sticht se eraus Kobl-Güls. Fraleit, wann dir Rusen brecht, get Oicht (Acht),

[Bd. 8, Sp. 549]
dat dir eich net stecht! seid vorsichtig bei einem Liebesverhältnis Trier-Meerf; wer höstig (hastig) R. brich, sich en de Fingere stich Köln-Stdt. Do hät sich ene fies en der Därm gestouche gefurzt Dür-Gürzenich, MGladb-Rheind, Gummb. Steich ose Herrgott net nojen Ojje! sei zufrieden u. verlange nicht zu viel Aach, Geilk. — Do han ich ävver en e Wespelsnes (-nest) gesteiche einen böse gemacht, gereizt Rip. Hat man jmd. an seiner empfindlichen Stelle getroffen, ihn erregt, do hat mer de Bien gestoch Simm. Enem de Star st. ihn über etwas aufklären Allg. Die steck angere de Kuff sie übertrifft die andern, ist am schönsten MGladb, Kemp. He kriet noch de Gek gestoch man macht ihn noch vernünftig Bitb. — b. im bes. u. technisch. α. weə wellt ens st.? Einladung zum Stechen nach Bildchen, die meist in einem Schulbuch versteckt sind; das geschlossene Buch hält man mit dem Schnitt dem Nachbar vor, der dann mit einem spitzen Griffel in den Schn. hineinsticht; trifft er auf ein Bildchen, so erhält er es u. lässt dafür den Verlierer in sein Buch st. (veralt.) Aach, SNfrk. — β. iwerst. überwendlings nähen Bitb-Beiling. — γ. Erpel st. Kartoffeln ernten Selfk. — δ. e gestoche Bildche Heiligenbildchen, dessen Rand mit einem Federmesser kunstvoll ausgestochen war (ursprüngl. von Holzschnitzerei); de süht us wie e g. B. pockennarbig Köln-Stdt. Der es (wie) aus Holz gestoch ungelenk Kobl-Neuend. He schrif wie gestoche, dat es geschrivve wie g. von einer schönen Handschrift Rip, Allg. Der Butterweck get gestoch verziert Ottw, Merz. Dat es net gehaue on net gesteiche eine unordentliche Arbeit, — wie gehaue on gest. eine tadellose Arbeit Rip, Nfrk, Kreuzn, — net gesteəke on net geschniə MGladb; dat es got für gehauen on für gestouche zu vielen Dingen nütze MüEif; dat es geh. wie gestoke es ist ganz gleich Mörs. Dat es net gestouche on net gefloge Rheinb-Meckenh, Aach-Berenbg; he es nit gestoken on nit geflogen ihm ist nicht zu trauen Sol, Mettm. — ε. mit dem Spaten (der Stechschöpp) umgraben; Schöppe st.; de Garde st. rrhn. Kobl, May, Altk, Rip, Nfrk; et steckt sech wie Botter die Erde ist zum Spaten sehr locker Geilk, Allg. — ζ. leicht, oberflächlich pflügen Kref-Fischeln. η. Böll — (Bälle) st. mit der Hand soviel Lehm abstossen, als zum einmaligen Füllen der Ziegelsteinform genügt Heinsb. — θ. Pocke, Purpeln (s. d.) st. impfen. — ι. Partie st. beim Karussellfahren nach den Preisringen stechen Kreuzn, Rip, Berg, SNfrk (tüchtig zulangen beim Kartoffelessen Eusk-Zülp); Ring st. Kref. — κ. Roheisen aus dem Hochofen fliessen lassen, in der Spr. der Hüttenarbeiter Allg. — λ. mer wellen noch ent st. noch ein Bohrloch bohren, in der Bergmspr. Siegld, Altk. — μ. eine st., derb ein Mädchen (Frau) beschlafen Allg. — ν. einem einen st., eine Ohrfeige geben; e kriet än gestoch Ottw, Birkf, Goar, Koch, Kobl, Westerw, Sieg, Eusk-Dirmerzh, Jül, Geld-Straelen; äm en Flapp st. Simm-Stdt. — j. miteinander st., beim Kegelsp., zwei Spieler haben die besten u. zwar gleich gute Erfolge erzielt; nun müssen sie noch einmal um den Gewinn werfen Mosfrk, Rip, Berg; dat stich sech dröm, of et

[Bd. 8, Sp. 550]
op den Kopp (genau) zwei Pond sen vielleicht etwas mehr oder weniger Rip, Berg. — Mit einem eisernen Klicker nach der mit Klickern gefüllten Kaule werfen Saarbr-Güding; no de Kräpp st. mit Geld oder Bleiplatten nach dem Einsatzstrich werfen Emmerich; du has mich der Pott Einsatz) gesteche beim Kegeln mich besiegt Aach-Merkst. — Eine Trumpfkarte stich die niedrigere des Gegners Allg. RA.: De Fluh kann am beste Kart spiele; er sticht de Kaiser, de Kinnig un de Bauer Kreuzn-Bockenau. Der sticht se all übertrifft alle, stellt sie in Schatten Rip. — ο. dat stich den arg wurmt, ärgert ihn sehr Rip, Nfrk; der os flöck gesteichen leicht erzürnt Sieg-Blankenbg. — π. de Hawer es gesteken wenn er bald nach dem Aufspriessen weisse Spitzen hat Mettm. — ρ. de Zemmere sen huh gestouche hoch gebaut Rip, Allg. RA.: Der es hoch gestoch sehr eingebildet, hochnäsig Rhfrk, Allg., — huh gegivvelt on nedder gestouche Rip; en Huhchgestochener; en h.gestochener Narr Goar, Allg. He es knapp gestechen nicht klug uWupp, — kört (kurz) gesteke barsch Kref-Strümp. — σ. stekend grün (u. a. Farbtöne) hellgrün Mörs-Orsoy. — 2. nhd. stecken. a. trans. Kere (Kerne) st. Runkelrübensamen in den Acker legen Rhfrk im Hunsr Nahe; Maien st. belaubte Zweige zur Zier oder zur Ehrung, bes. der Mädchen Allg.; en neu Schwell st. nach Entfernung einer morschen Schwelle; Rett (Ried) st. anschlagen bei der Weberei Aach, Kref; de Kart st. beim Mischen der Spielkarten mogeln Erk-Elmpt; klen st. ein grosses Fass Wein in kleinere aufteilen Neuw(Rhein); kiwipp st. Verstecken spielen uWupp, Sol; pip st. Geilk-Gangelt; stikə stikə fiəlχən, lo nümmes un nümməs niχ ziən ein Gesellschaftsspiel, diesen Spruch sagt der, der in seinen gefalteten Händen (wie betend) ein Hölzchen, Bleistift oder andern kl. Gegenstand hält und die Hände jedem Mitspieler (in dessen im Schoss gefaltene) Hände steckt, ihn bei jedem wiederholend. Bei einem lässt er das fiəlχən in dessen Hände gleiten. Alle sitzen um ihn herum im Kreise; ein zweiter im Kreise muss nun raten, wer das fiəlχən hat (stehend), während der erste sich wieder mit in die Reihe setzt, so lange bis er es geraten hat: dann ist er »erlöst« und wechselt mit dem, der es hatte, den Platz. Dieser muss jetzt raten. Ein anderer versteckt es aufs neue mit obigen Worten. Wer dreimal falsch rät, muss ein Pfand geben (oder zweimal oder einmal, je nachdem, wie ausgemacht ist): das Spiel heisst auch fiəlχən zükən Gummb-Berghsn; einen Wagen st., entgleisen lassen, zum E. bringen; der W. hat gestoche ist entgleist; er es gestoche wurde entlassen worden, in der Bergmspr. Siegld, Altk; van Hangd en Kar (udgl.) st. die Karre wenden u. fahren dahin, wo sie hin soll, von mindestens zwei Mann (ohne Pferd) ausgeführt Gummb-Schwarzenbergisch. RA.: Emmes e Steckelche st. ein Hindernis in den Weg legen; ech sall en e Stöckche derfürst. Rip, Nfrk; do wellen vi em awwer ens en Pinnchen bi st. Gummb. Enem der Lopp (Lappen) st. ihm den Vorsprung abgewinnen, z. B. bei einem Kauf oder bei der Brautwerbung (beim Wettsp. des Steinwerfens bezeichneten

[Bd. 8, Sp. 551]
die Sieger durch einen in die Erde gesteckten Stock mit Lappen die von ihnen erreichte Höchstentfernung) Heinsb, Kemp. Me mott der Düvel och all e Kertzke st. listig sein Erk-Doveren, Aach. Ech han et em gestoche ihn gründlich zurechtgewiesen Siegld; eich hons em emol gesteckt; de kriet's emol g. Saargeb., Nahe, Gummb; es hat mer'sch äner gestock heimlich, verstohlen gesagt Saarbr. — Mit Ortsadv.; stech de Nol (Nadel) dran! höre davon auf Dür; nu wellen se mech drunst. (drein-) mich verantwortl. machen Daun-Strohn, Bitb-Speicher; dat Feld driht (trägt), wenn mer och neist (keinen Dünger) drenstecht Koch, Allg.; eich han et Säckelchen selbst dehinnergestoch Hunsr, Allg.; de ös onzefridden, on wenn mer et (bei Geschenken) em für on höngen (hinten) heranstech Sieg; we för Dag opsteiht, de kann am D. ouk es den Bessem rutst. Ess; stech mer de Nas hinne enin! abschl. Antw. Simm; de Käpp (Köpfe) beiənänst. (zesumme-) heimlich tuscheln, verabreden WMosfrk, Allg.; den stich de Nos (Nase) iweral Bitb, Allg., jet fas-, los-, wegst. Rip, Allg. (usf.). — Mit präposit. Ortsangaben; de geht, as wüəren öm de Ben an et Lif gesteəken so unbeholfen Kemp; Geld op e Kopp st. unterschlagen Klev; dat konns de dech op dinne Hot (Hut) st.! wenn man einem derb die Wahrheit gesagt hat Kemp, Kref; stech emol der Kopp us em Fenster erus, wenn de kene häs! zu dem, der Unmögliches verlangt Düss-Stdt; de Ärmes ut de Mauwes (Ärmeln) st. tüchtig arbeiten Geld; deə stecht de Nas net bei mech besucht mich nicht Aach; ene bei de Zaldate st. Rip, Allg.; deə hat de Be ze witt dorch de Bocks (Hose) gesteche die Hose ist zu kurz Aach; de steck et net henger (hinter ) Stöhl on Bänk sagt alles frei heraus Erk, Aach; dat stich der och nit h. der Spegel Köln, Allg.; Geld en e Geschäf st.; sing Nas (Schnüss) en alles st., — en jede Dreck st., — en alle Döppe st. sich um alles bekümmern; sech en en et Gesech st. eine Pfeife anmachen Rip, Allg.; steckt ow Fingers niet in andermanns Kalk kümmere dich nicht um anderer Leute Bauten Klev; steckste enem Bur de Fenger en de Mull, so bitt (beisst) e; st. em ävver de F. en de Fott (Gesäss), so dritt (scheisst) e Kref, Nfrk; kene F. en de Äsch st., ohne te froge sehr unselbständig sein Kref-Fischeln; de et langk hat, lött et l. hange, sat Ülespeigel en stuək se Mudder en Latt egen Fott Eup; steck dem Hunn dei Nas in de Arsch, dann seihsde de ganze Hunsrick! Kreuzn-Oberhsn; stecht mer nüs en der Sack, su ka mer neus (nichts) erüsholle Prüm; sich jet e jen Täisch (Tasche) st. mösse einen unbegründeten Tadel ruhig hinnehmen müssen; de stecht dem e jen T. ist ihm überlegen Aach, Allg.; de moss de Kopp en et Louch (Loch) st. für andere büssen Rip, Nfrk. Passiensi (Geduld), min Baske, säij den Bäcker, on stok hen de Katt in de Backowe Geld; wenn nau de Kuh kä Kalb micht, st. se meich enin mir gibt man für alles die Schuld Simm-Laub; nou kann he sech e Höltje e gene Haus (Hals) st. hungern Eup; äm ebbes en de Ribbe st. ihn unterstützen Saarbr; wann dat nit got för de Wanzen es, sät der Bor, do stoch he si Hus en Brand Köln, Allg.; dat Kond hat de Griewen

[Bd. 8, Sp. 552]
last (längst ) de Mond gestochen hat Ausschlag am Munde Prüm; he steckt sing Ben onger (unter ) angermanns Desch lebt bei fremden Leuten Elbf, Allg.; dem kann me nicks unger et Dümmken (Daumen) st. nichts weismachen, nicht betrügen Berg; de kriest de Kopp tiəche (zwischen ) de Ohre gestoch! scherzh. Drohung an Kinder Simm, Allg. — Sech st. sich verstecken Sieg-Honnef, (sech) langs de Schuld (de Arbet) st. die Schule (Arbeit) schwänzen, auch (sech) derlangs st. Sol. — b. intrans.; wo mag der st.? sich aufhalten, verborgen sein; wo häste (u. beschte Saarbr) dann die Dag gesteche; loss nur st., ech bezahlen et at (schon)! ich werde für dich mitbezahlen Rip, Allg.; loss st., et ös bezahlt! scherzh. zu dem, der den Hosenlatz aufknöpft, um Wasser zu lassen Rheinb-Meckenh; jet st. losse eine strafbare Handlung nicht zur Anzeige bringen Aach; dat lot ek nit soa st. dabei beruhige ich mich nicht Elbf; et Metz (Messer) en der Sau st. losse ein Stück Arbeit halbfertig liegen lassen Rip, SNfrk; bleib awwer net st.! in der Rede, im Schmutz Saarbr, Allg.; dat ka net st. blive die Missetat muss zur Anzeige gebracht werden Aach; de Kar bleff alle Ogenblecks (em Dreck) st.; de Wort bleffen em em Hals st.; die Bir blif enem em H. st. so sticksig ist sie; die st. voll Geld Rip, Allg.; lo sticht wiere der N. dehinner; schreie, als wann er am Metz (Messer) stöch erbärmlich, sehr; he stich e Schold bes övver de Uhre, — deef dren; de Res (Reise) no Kölle stoch em en de Nas (em Kopp) er hätte sie zu gerne gemacht; he stich en kener goden Hock (Haut), — en kenem gode (en em schlechte) Fell; en dem sengem Fell möch ech net st. Rip, Allg.; de stecht o kene gude Schuhnen gesundheitl., wirtschaftl. nicht in einer beneidenswerten Lage Prüm; der Deiwel stecht elo un (in) dem Steck Holz es lässt sich schwer spalten Bernk-Merschd; wenn der Seuel (Ahle) im Sack stekt, dann st. hei uck herut gemeine Gesinnung verleugnet sich nicht Gummb-Stdt; dem stecht et Weader an (in) de Knochen Bitb, Allg.; dem steckt ene Wörm in de Kopp er ist nicht recht gescheit Mörs; die st. enner (unter) äner Dek, — änem Hout handeln einträchtig, spielen ein abgekartetes Spiel Bernk, Allg. — Doə steckt nicks (net völ) dren ist kein Unterschied, das gleicht sich aus Kref, MGladb, MüEif, Sieg, OBerg; dat mag wahl dren st. wird wohl die Ursache sein Kref-Fischeln; et stich all dren, dat.. es ist möglich, ist zu erwarten MüEif; do stecht nicks dren das ist keine Erfolg versprechende Sache, da ist nichts zu holen Siegld; en den stech nüs er hat keinen Verstand, keinen Charakter Rip, Allg.; wu et net dra (drin) stecht, do ka mer et net eraschlohn (herein-); do stecht noch wat hönger (hinter) ein unerklärlicher Grund, eine Absicht Altk, Allg.; do steck wat drachter, sät de Schollmeister, do schlug hej de Jong op Pappdeckel Mörs. — Et sticht (bei em) em Holz, — en der Art, — em Geblöt (Geblüt) diese Eigenschaft, Krankheit hat er ererbt; dat sticht em en der Nas (em Kopp, en de Aue) er hat es im Sinn, ist erpicht darauf Rip, Allg.; dat stecht döm all lang e jen Knouche er trägt den Keim der Krankheit schon lange in sich Aach, Allg.; dat steckt noch e wi (weiten)

[Bd. 8, Sp. 553]
Säck ist ungewiss Eup, Rip, Nfrk, Mosfrk. — Dat sall sech wahl dröm st.; et steckt sech w. dröm es wird wohl so ungefähr sein Kemp, Kref, Geld, Mörs, Rees; dat steckt sech her wie dar Lennep; do stoch sech jo nicks anen gelegen es war gleichgültig Sol; dat sall sich wall esu näu (genau) net st. auf die Kleinigkeit wird es wohl nicht ankommen; dat st. sech n. es kommt genau drauf an Aach, Eup, Monsch. — Abl.: die Stecherei, dat Gestech(s).

 

   stecken2 st. (schw.): 'sich in etwas befinden', stecke [verbr. ges. Pf Bertram § 56], sticke [LU-Ruchh NW-Deidh Haßl Spey LA-Böbing Gleisw BZ-Annw Dierb GH-Kand Krämer Gal 206 stekken1]; Part. Perf. st. gestock [KU-Kaulb Kreimb Reichsth HB-Limb Zweibr KL-N'hemsb Sippf KL-Katzw Vogb Kaislt Henn Mda.-Int. 100 Müller Dietschw 61 Don-Torscha Krämer Gal 206], g(e)stocke [mancherorts SOPf (Heeger Nachl.) Lambert Penns 142], schw. g'stickt [ LA-Böbing BZ-Annw]; Zs.: darein-, darinstecken. Der Schlissel schdickt im Schloß [Krämer Gal 206]. Wu stickscht dann? [VPf Krämer Gal 206]. Wu hoschde gschtocke? [Lambert Penns 142]. Ich will saa, sie stickt in de Scheier [RO-Münstapp]. »Wo stickt er?!«, ruf ich un greif zu / Un pack den Kerl am Gripps [Müller Hahnepeter 23]. Zum Deiwel zu - wo steckt dann das Weibsvolk widder? [Müller Lottche 13]. Mer steckt noch 's ganz Esse in de Zähn [ KL-Siegb]. Ich hew ebbes im Zahn st. [ BZ-Nd'horb]. So e Kuh hat jo net im Kummet gestock wie e Gaul [Kröher Lyoner 53]. Ich man doch, wann mr so e Schatz find, der so arig lang in me Winkel gestock war, der könnt doch nimmi neu sein? [Kühn Hamet 87]. Doch dacht eich aach: was maan do stecke, / Un gucke an der Eech enuf [Firmenich III 245]. Na Mayer! - Gelt das hoscht vehehlt, / Du schtickst emol voll Mucke [Claus 31]. RA.: in de Schulde st. bis iwwer die Ohre [ KU-Kaulb Kreimb KL-Hirschhn FR-Bockh LU-Ruchh LA-Böbing Gleisw BZ-Annw GH-Kand]. Wer weeß, was do dehinner steckt! [ PS-Geisbg]. Do steckt nix dehinner 'Das hat nichts zu bedeuten' [PS-Rodalb (Bernhard 153)]. Mer stickt net drin 'Man weiß nicht, wie es kommt' [KU-Kaulb PS-Rodalb (Bernhard 153)]. Der steckt dief drin [ KU-Bedb]. Das hat schun in em gestock, von einer guten Veranlagung [ ZW-Hengstb]. Das Kind hot ebbes in sich st. 'fühlt sich nicht wohl' [ HB-Lu'thal, KU-Bedb NW-Hardbg]. Der stickt im Anzug wie die Gääß im Melkkiwwel 'Der Anzug ist zu weit' [ LU-Maud]. Sie stecke noch in de Woll, von den Rebenknospen vor dem Austrieb [ KB-Boland NW-Kallstdt]. Der stickt in (ihn) in kä gute Schuh 'Er macht den andern schlecht' [ BZ-Kapswey]. Der schdickt in kener gude (in einer schlechte) Haut 'ist oft krank' [Krämer Gal 206, ZW-Mauschb LU-Opp LA-Gommh], in de Klimm (Klemme) 'in einer Notlage' [ RO-Als]. 's steckt mer

[Bd. 6, Sp. 469]
in de Knoche 'Ich bin kränklich' [ LA-Wollmh, BZ-Albw]. Das steckt bei dem im Blut, soin Vadder war grad so e Kerl! [ LU-Opp]. In dem seiner Haut (Hose) wollt (mecht) ich net st. [mancherorts ges. Pf]. Dene hot er in de Nas gestock 'Die wollten ihn haben' [Firmenich III 245]. Gelt, das steckt der in de Nans! 'Nicht wahr, das möchtest du gerne haben!' [ KU-Kaulb Schmittw/O Kaislt GH-Schwegh]. Er hot sein Geld im Land st. 'hat viel Geld für künstlichen Dünger ausgegeben' [ RO-Dielkch]. Mer muß gucke, wie mer zu seim Geld kommt, das en anner Leit Sack steckt 'Man muß seinen Vorteil wahren' [ WD-Niedkch]. Wenn Menschen das gleiche Ziel verfolgen, so stecken se unner aaner Deck [PfMHk. 7/8 1925 175, LU-Oggh Bergz (Kamm 78)]. Der dut kreische wie wann er am Spiß st. deet [ KU-Kaulb Kreimb KL-Hirschhn]. Dem schdeggd e Forz quer 'Der hat schlechte Laune' [Hussong Kirkel 50]. Er hot sich gestock 'Er ist betrunken' [ KL-Gerhbn]. BR.: Am fuffzehte April, do muß de Kuckuck rufe, er mahn stecke wu er will [ RO-Odh]. KR.: Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben / Ei wo is der Hans geblieben? / Ei der steckt im Butterfaß / Himmelnoch enei'n / Was es denn das? [Donnersberg Jahrbuch 1981 167]. Beim Fäusteraten: Bille, bille Bicks. In weller Hand stickt's? [ Gal-Sap]. — F.: Wohl unter Einfluß der in der Standardsprache dominierenden schw. Formen der Verben stecken1 und stecken2 kommen in der Mda., z. T. im selben Belegort, bei stecken2 st. und schw. Flexionsformen nebeneinander vor. Ind. Präs. Sg. 1. Pers. stecke [ KU-Kaulb]; 2. Pers. steckscht [HB-Limb Zweibr KL-N'hemsb Sippf KL-Vogb Kaislt NW-Weidth], stickscht [ KU-Kaulb Kreimb Reichsth KL-Katzw LU-Ruchh LA-Gleisw]; 3. Pers. steckt [HB-Limb Zweibr KU-Kaulb Kreimb KL-N'hemsb Sippf KL-Vogb Kaislt Lu'haf NW-Dürkh Lambr Weidth Spey (Bertram § 56)], stickt [KU-Reichsth Kaulb Kreimb RO-Münstapp KL-Katzw verbr. mittl. VPf (Bertram § 56)]. — RhWB Rhein. VIII 552/53 unter stechen 2b; LothWB Lothr. 494; ElsWB Els. II 580; Kluge-Seebold22 698.