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1. konkret. a. 'mit einem spitzen Gegenstand in eine Richtung zielen und treffen', steche (dęχə) [allg., Christmann Kaulb 77, 88 Mang 93 Müller Dietschw 61 Krämer Gal 206], stesche (dęə) [Henn Mda.-Int. 100, 103 Schneckenburger 22, 53], stache (daxə) [ RO-Rehborn]; Part. Perf. gestoch (gədox) [WPf, Henn Mda.-Int. 100 Mang 103, 195 Schneckenburger 25 Krämer Gal 206], g(e)stoche (gədoxə, gdoxə) [VPf, Karch Jockgr/ Nd'horb 128, 156]; Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB be-, PfWB daher-, PfWB darauflos-, PfWB tot-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB er-, PfWB ver-, PfWB heraus-, PfWB herum-, PfWB herunter-, PfWB hinein-, PfWB über-, PfWB zusammenstechen; mim Messer st. [ RO-Schweisw]; Fisch mit de Gawel st., beim Fischfang [ LU-Altr]. 's Haai sticht sich net 'Das Heu ist noch feucht und läßt sich schwer gabeln' [ LU-Alsh]. Net haue, trete un net schteche! [Damm Pälzer 77]. Er hot nooch em g'stoche [ LU-Opp]. Schtechter in moi Fingerspitze, willer ziele un dann schpritze [Damm Nachtdischlamp 16]. Die Porbele (Purpel) werre des wäh gestoch, daß mer die Bladdere net kriehd, vom Impfen [KL-Reichb, LU-Limbghf LA-Mörzh Nd'hochstdt Kühn Hamet 128]. Mit Metzelmesser in de Faischt (Fäusten), / Un alles stecht un boxt un kreischt [Münch Werke I 123]. Un hält mich als emol e Ranke / Un steche mich die Dern [Ranssweiler 107]. Wer Saftschmeer esse will am Enn, / Muß sich aach steche losse [Ranssweiler 107]. Er stecht no dem Hund, un der Hund war kabores [Kühn Kumödi 77]. RA.: gestoche 'hochmütig, gekünstelt' [ PS-Münchw]; en Aff gestoche 'hochmütig, dünkelhaft' [ KB-Rodb]. Der hat in e Weschpenescht (Hornesselenescht) gestoche 'Er hat eine gefährliche Situation geschaffen' [Krieger 13, Pirmas Bergz (Kamm 94)]. Ich hab grad gemäänt, 's sticht mer ääns ins Herz, bei plötzlichem großem seelischem Schmerz [ BZ-Dernb]. Die sticht wie e Distel, von einer Frau mit spitzer Zunge [Wilde 43 (Zweibr)]. Es hett meich äiner st. kenne, äich hätt kei Troppe geblutt, bei großem Schrecken [WD-Niedkch, mancherorts, Bayerland 1933 48]. Das sticht un schneid nett 'Das wird so nicht gehen, taugt nichts', auch von einem Werkzeug [ LU-Maud NW-Haßl Spey LA-Wollmh]. Er schreibt wie g'stoche 'sauber, sorgfältig, wie ein Kupferstecher arbeitet' [ LU-Friesh, KU-Schmittw/O BZ-Dernb Gal-Dornf]. Das isch net gehau un net gestoch, von einer schlecht gemachten Arbeit, einer unklaren, unentschiedenen Äußerung [PS-Gersb, [Bd. 6, Sp. 457] RO-Obd PS-Geisbg LU-Limbghf Opp NW-Frankeck LA-Gommh Land BZ-Dernb]. Dem han ich de Star gestoch 'Dem habe ich die Augen geöffnet, die Meinung gesagt' [KU-Diedk, KU-Schmittw/O RO-Obd BZ-Albw Dernb, Brandstätter in: PfMHk. 1925 173 Hebel 34]. Ich han 'm de Gumme (Gaumen) gestoch 'derb die Wahrheit gesagt' [PfId. 58 (HB-Breitft)]. Den stecht de Hawwer 'Der ist übermütig geworden', von Mensch und Pferd [ZW-Bechhf, mancherorts, Kamm 88 Krieger 35 auch Gal Buch]. Var.: ... un wanner kään sieht [ ZW-Battw]. SprW.: Allzu scharf schneid net un allzu spitz sticht net 'Alle Übertreibungen taugen nichts' [vereinzelt, Kamm 86 Brandstätter in: PfMHk. 1925 170 Thielen So rerre mer 112, vereinzelt Gal]. Dorn un Distel steche sehr, beese Zunge noch veel mehr [ KU-Schmittw/O]. Hinne steche die Bie 'Auf den Ausgang einer Sache kommt es an' [Brandstätter in: PfMHk. 1925 179]. Volksmed.: Mer hän dem Kind Ohrring g'stochen, Ohrringe aus Flußgold angezogen gegen roten Augenfluß [ BZ-Dernb]. Wann en Kuh dick is, stecht mer sie, vom Pansenstich beim aufgeblähten Rind [Fogel Beliefs Penns Nr. 806]. Volksbr.: Hannappeldi ha, die Fasenacht geht an / Eier orer Speck eraus / Sunscht stech ich eich e Loch in's Haus! / Die Pann kracht, die Pann kracht / Die Küchelcher sein geback / eraus met, eraus met / Ich steck se in mei Sack / Ich bin e kleiner König / Geb mer net so wenig / Loss mich net so lang do steh'n / Ich will noch e Heische weiter geh'n!, Heischespruch der Fastnachtszeit [L. Michel in: Donnersberg Jahrbuch 1981 168]; Var. s. PfWB Hanapfel. Einen AR. s. PfWB Berg 1. VR.: Kummt de Mann mit'm Spieß, / sticht de Anna grad ins Herz nei / kummt e Messer owe rab / schlacht de Anna de Kopp ab [ BZ-Billh]. Wann de Parre kummt, / machen se e frou G'sicht. / Wann en Aremer kummt, / as wann se de Deiwel sticht [ NW-Geinsh]. a. 1518: Item wan eyner eynen stuche oder misselwonden heyche 'Meißelwunden haute', der hette verbrochen v ß phennynck [PfWeist. I 212 (PS-Burgalb)]. — b. 'stechen, beißen', von Tieren mit Stacheln, Hörnern, spitzen Zähnen usw. Die Biene steche un angele (angeln1) [NW-Frankeck LA-Impfl Mörzh]. Die Imme stechen heit geern 'Die Bienen sind stechlustig' [ LA-Mörzh]. Heit dun se gere stache [ RO-Rehbn]. E Bien hat mich gestoch, ich han e Angel 'Stachel' krieht [ KL-Matzb]. E giftich Mick stecht [ KU-Herschw/Petth]. 's hot mich e Schnok gestoch [ RO-Als], ebbes g'stoche [ PS-Erfw]. Die Schlang hot en ins Bään g'stoche [ BZ-Dernb]. Wann e Bien orrer e Weschp em stecht, muß mer gleich die Wund ausdrigge, daß das Gift erauskommt [ KL-Reichb]. Ich kenn die Mick, die wo äm stecht [Kraus Pläseer 6]. S'gibt kaum Micke, wo äm steche [Kraus Arwed 40]. Sunscht wär ich schun in eener Woch / Von dene Schnooke dotgestoch [Münch Werke I 77]. Die steche ohne Unnerschied / Sogar ins ferschtliche Geblit [Münch Werke I 75]. Des Lumbeviech hot em in de [Bd. 6, Sp. 458] Nasegiwwel gestoche, dass de Zinke dick worre is [Krieger 46]. Denn hot e gifdichi Spinn gestoche [ NW-Kallstdt]. RA.: wie vun de Schlang gestoch 'plötzlich' [SOPf]. Er es gestoch 'verrückt' [ PS-Geisbg KB-Kriegsf]. Der is uf un fort, grad so als wenn en en Floh gestoch hätt [ Gal-Brunndorf]. Den hot e Bock g'stoche 'verrückt' [ GH-Zeisk], 'hochmütig geworden' [PS-Geisbg, Bassler 36]. BR.: Wer net springt mit em Reche, / wann Migge un Breme steche, / muß im Winder springe mit me Sääl / un rufe: hot jemand Haai fääl? [ LU-Oggh, WD-Niedkch BZ-Dierb]. — c. 'einem Schlachttier mit dem Messer eine Schlagader durchtrennen damit es ausblutet; totstechen'; die Sau steche [verbr.]. Die Sau werd gestoch(e) [mancherorts]. Mer hän en Sau g'stochen [ BZ-Dernb]. RA.: Er isch hochgefahre wie en gstochener Bock 'Er hat sich vor Schreck plötzlich aufgerichtet' [Bergz (Kamm 91)]. Der laaft do erum wie e gestochener Bock 'ist voller Angst und Schrecken' [ KL-Fischb]. Die Aage verdreht wie en gstochener Bock [Hartmann Unkel 38]. Er macht Aue (macht e Paar Aage, macht e Gesicht, hot Aae, sieht aus, guckt, guckt äm an) wie e gestochener Bock [mancherorts, Heeger Tiere II 19]; auch vom starren Blick eines Betrunkenen [ KU-Kaulb]. Der reißt die Aage uf (macht Aue) wie e gestoche Kalb, dass. [ NW-Frankeck, mancherorts]. Der macht Äache wie e g'stochni Krott [ LA-Wollmh, LU-Oggh]. VR.: Mein Vatter is Metzger un Metzger bin ich. / Mein Vatter stecht die Kälber, die Rinder stech ich [Feierowend 5/1950 S. 2]. a. 1553: so viel die unterthanen schwein verkaufen und in ihren häuser stechen oder metzlen [ABlieskst 56 (Ingb)]. a. 1590: das ahn einem Jahr oder Wochenmark zuvor nicht genug Vieh gestochen wher [ZweibrUrkb. 141]. — d. 'eine Pflanze ausmachen, ernten'; Spinat st. [ LU-Friesh GH-Kand]; Beddsäächer schdesche 'Löwenzahn sammeln' [Hussong Kirkel 18]. Mer duun Dischdele st. [ KU-Schmittw/O, ZW-Battw RO-Dielkch NW-Kallstdt LA-Gommh BZ-Albw]. Die Dischdele werre gestoch mit em Dischdelstecher [ KB-Kriegsf]. Mer hän Spargele g'stochen [ BZ-Dernb]. — e. 'mit einem Spaten die Erde umgraben', Arbeit im Garten, im Weinberg [LU-Altr NW-Hamb Scharff 168]. — f. 'hineinstecken, dranstecken'. Der Arbeiter sticht, läßt seine Zeitkarte von der Stechuhr im Betrieb abstempeln [ LU-Limbghf]. Ich such mei Kart un stech se in die Uhr, von der Stechkarte [Kraus Arwed 46]. An de Kerb hat er sich emol e Hahnekopp mit erer Sicherheitsnodel an de Hals gestoch [ IB-Rohrb]. — 2. übertr. a. 'stechende Schmerzen bereiten'. Es sticht [ FR-Bockh]. Es stecht mich, von Schmerzen in der Seite [ PS-Erfw]. Die Fieß st. [ KU-Bedb]. Mei Ohre steche mich [ BZ-Albw]. Es stächd mich wie mit lauder Messer, bei schmerzhaften Erkrankungen [Westricher Kalender 1957 S. 104]. WR.: Wetterwechsel kündigt sich an durch stechende Schmerzen: stechendes Kreiz, es gibt Regen [ RO-Schmalfhf]. 's Atzelaag 'Hühnerauge' sticht, s [Bd. 6, Sp. 459] gibt anner Wedder [ LU-Neuhf]. Wenn die Hihneraage steche, gibt's Schnee [Neustdt]. — b. 'Unbehagen, Druck bereiten'. Die Wohrhät isch, a wenn se stecht: / Mir Mannslejt sin es scheen Geschlecht! [Kraus Putscheblum 23]. RA.: Den sticht (stecht) die Milch (Millich) (Milch 2 a), von einem weibstollen Mann, auch von einem übermütigen, dem es offensichtlich zu wohl ist [ ZW-Bechhf RO-Bistschd PS-Geisbg NW-Deidh Frankeck SP-Heiligst]. — c. 'stark, intensiv, brennend strahlen, scheinen, leuchten', von der Sonne, von Blicken der Augen usw.; stechende Auwe 'scharf blickende Augen' [Kus], st. mit de Aage 'scharf sehen' [ SP-Harths]. Die Sunn stecht [verbr. WPf vereinzelt SOPf Krämer Gal 206], sticht [verbr. ges. Pf]. Die Sunn sticht so arg, do gibt's sicher e Gewitter [ GH-Schwegh]. Die Sunn sticht heit, do halt's net lang [ LA-Freimh]. 's gibt ball Reje, die Sunn stischt so [ NW-Ellstdt]. Heit sticht se awwer wirrer [ PS-Erfw]. Du stechscht awwer e Paar Aue! 'Du schaust aber streng, prüfend!' [ PS-Kröpp]. Das sticht'm in die Aue 'Das gefällt ihm gut' [ KU-Schmittw/O FR-Bockh NW-Hardbg]. Der will alles, was em in d'Agen sticht [ BZ-Dernb]. Ihrem Mann dhät die hochrot Farb so in die Aage st. [Sommer Humor 14]. Der hot stechende Ääe, der sticht aam mit de Ääe dorch un dorch, von jemandem mit bohrenden Blicken [ FR-Bockh]. — 3. a. 'koitieren'. Der Bock war kerzegrad un frisch; / Er war ze fett ball for ze steche, / so glatt un rund as wie e Fisch [Firmenich III 245]; Syn. s. PfWB begatten. Fehlanzeich im Bett - / kräftich brumme duhter zwar, / doch schteche leider net! [Damm Schoggelgaul 15]. — b. 'befruchten', von Hühnereiern. Die Eier sin net gestoche [ FR-Maxd BZ-Apphf GH-Zeisk]. — 4. a. 'jemanden überlisten, austricksen'. Ich han all Tricks parat, ich brauch se bloß se sahn. / Ball jeder werd do wääch; s'kommt an, wie ma se stecht [Kraus Arwed 45]. — b. 'stehlen, entwenden' [ KL-Enkb]. Wo hoschen das Messer werre gestoch? [ KL-Stelzbg]; Syn. s. PfWB stehlen. — 5. 'einen (Schnaps) trinken'; eener st. [ KL-Fischb FR-Gr'niedh]; Syn. s. PfWB trinken 1 a. — 6. a. beim Kartenspiel gebräuchlicher Ausdruck mit Bedeutungsvarianten (nach dem Bild der sich vom Pferd stechenden Ritter): steche, durch höherwertige Karten übertrumpfen und an sich bringen [ LU-Friesh, mancherorts]. Wird übertrumpft, so sagt der Spieler: Denne stech ich; der werd g'stoche! [ PS-Erfw]. Er muß st.!, durch einen Trumpf oder eine höhere Karte diejenigen des Gegenspielers an sich bringen [ LA-Gommh]. Schippe stecht! 'Schippe ist Trumpf' [ KL-Stelzbg]. Ich häb den g'stoche mit Herzass, er hot mein Schippebauer g'stoche [ BZ-Dernb]. Wenn de stichst, schmier ich! [ ZW-Battw]. RA.: De Owwer sticht (stecht) de Unner 'Die höhere Spielkarte gewinnt; der Stärkere siegt' [Kaislt, mancherorts]. Var.: Der Herzober sticht den Unter, im Spiel und im Leben [ BZ-Dernb]. Ich stech hinne wie die Imme [ IB-Reinh]. Die Sau werd gestoche, die Spielkarte As [Bd. 6, Sp. 460] [Krieger 44]. — b. 'einen einzeln stehengebliebenen Kegel treffen' [ RO-Dielkch Pirmas LU-Limbghf NW-Frankeck Freinsh LA-Wollmh]. Den stech ich! [Pirmas]. Der werd g'stoche! [ PS-Erfw]. Der kann gut st. [ LA-Gommh]. Ich han gestoch [ KU-Diedk]. — F.: Ind. Präs. Sg. 2. Pers. stechst [vereinzelt WPf SOPf], stichst, stichscht [übrige Pf]; 3. Pers. stecht [verbr. WPf vereinzelt SOPf], sticht [übrige Pf]. — Mhd. stëchen 'stechen, wegnehmen, stecken' ( Lexer Lexer II 1154/55). — RhWB Rhein. VIII 547 ff.; LothWB Lothr. 494; ElsWB Els. II 571; Hess.-Nass. III 743/44; Kluge-Seebold22 698; DWB DWb. X, II,1 1222 ff.
| [Bd. 8, Sp. 548] [Bd. 8, Sp. 549] [Bd. 8, Sp. 550] [Bd. 8, Sp. 551] [Bd. 8, Sp. 552] [Bd. 8, Sp. 553]
| 1. 'ein dünner Holzstab, Stock', Stecke (dęgə) [verbr., Christmann Kaulb 12, 77 Glass 96 Hussong Kirkel 146 Karch Gimmdg/ Muttstdt 38 Mang 93 Müller Dietschw 61 Lambert Penns 142 Jakob Hw. 28 Krämer Gal 206], Stacke (dagə) [ RO-Rehborn]; Pl. Stecke [verbr.], Steckere (sdęgərə) [FR-Maxd (Bertram § 304)]; Dim. Steckelche [KU-Schmittw/O LU-Alsh Krämer Gal 206 Jakob Hw. 28]; Dim. Pl. Steckelcher [ KU-Schmittw/O], Stecklich [ BZ-Heuchh]; vgl. PfWB Pfahl, PfWB Stab 1; Zs.: PfWB Acker-, PfWB Besem-, PfWB Bind-, Planken-, Bohnen 1-, Brücken-, Flegel-, Fleisch-, Grieß-, Hanf-, Hochzeitsbitter-, Kläpper-, Knopf-, Knüppel-, Knuppert-, Kunkel-, Lad-, Leuchsen-, Meß-, Ofen-, Quack-, Rechen-, Reh-, Reif-, Riester-, Ringel-, Schäfer-, Schaub-, Schützen-, Spazier- 2, PfWB Spinn-, PfWB Standen-, Stückstecken; e dicker St. [ KL-Hütschhs]; de St. ringele 'spiralenförmig die Rinde abschälen' [Schandein Sprachsch. 69]; Stecklich spitze [ BZ-Heuchh]. In äner Hand hat de Belzenikkel 'Nikolaus' en St. [ LU-Alsh, KL-Hütschhs PS-Schmalbg]. RA.: Steckelche schneire 'wirtschaftlich Erfolg haben' [ FR-Mühlh]; mit dem St. ins Wespenescht fohre (stoße) 'jemanden zum Zorne reizen' [ Gal-Bagbg]. Nach einem guten Essen sagt man: Das war besser wie e St. wedder 's Been geschlaa [ KU-Diedk]. Wenn jemand etwas sucht und bei einem anderen danach fragt, sagt man: Ewe hot's e Judd uf em St. fortgetraa [ Gal-Bagbg]. Mer määnt, er hätt en St. im Kreiz, von einem, der sich bei der Arbeit nicht gerne bückt; von einem steifen, unbeweglichen Menschen [KU-Diedk Schmittw/O RO-Dielkch PS-Erfw LU-Friesh NW-Hardbg LA-Gommh Ilbh Mörzh Land BZ-Dierb GH-Kand], dass. für einen Menschen mit Rückenschmerzen [ KB-Kriegsf]. Er hot Stecke in de Bään, dass. [ LU-Opp]; steif wie e St., dass. [ KB-Kerzh Don-Schowe]. Der kann sich e St. dezu stecke 'Der bekommt nichts' [Krieger 16]. Wann der's net [Bd. 6, Sp. 464] gefällt, kannscht de der e St. dezu stecke [Hebel 28, KU-Kaulb Heeger Kerwe 40], wann's net glaawe willsch ..., Beteuerung einer Aussage [PS-Saalstdt, Thielen So rerre mer 112]. Wann der's net langt, steckscht der en St. dezu [LU-Friesh NW-Haßl Spey, Bernhard 153]. Wann deersch net schmackt, Perer, dann kannschde dr e St. drbeistecke, du rorer Voggediewes (Vokativus)! [NPfGV 8/1934]. Ich loss dich iwwer de St. huppse 'verhauen' [ IB-Herbh]. Dem hun ich mereme St. de Stäib aus de Hosse gekloppt, dass. [ KU-Schmittw/O]. Er danzt wie e Lumbe am St. 'tanzt eifrig' [KU-Trahw ZW-Krähbg GH-Kand Krieger 23 PfRh. 13/1934]; vgl. Röhrig 2 S. 613. Do turn ich wie e Lump am St. [Münch Werke II 210]. Er gieht mem St. bei e verreckt Hingel, von einem Angsthasen [Thielen So rerre mer 112]. Die hot viel Koraasch, die geht mer em St. zu me dore Hinkel, dass. [ KU-Schmittw/O]. SprW.: De Stecke hot zwee Enn [Don (Steinmetz)]. 's ich ken Johr an e St. gebunn, 's geht jede Dag e Stick erum [ PS-Th'eischw mancherorts Don Gal Buch]. In de Jugend muß mer sich e St. schneire, daß mer sich im Alder dron hewe 'halten' kann [ KU-Schmittw/O]. Mer muß in de Juchend de St. zur Stitz im Alder schneire [ BZ-Dierb]. a. 1430: eichen holtz ... hauwen zu stekken lenderichen pfehlen oder zureuffen [StArch. NW-Deidh]. a. 1602: aber dem von Eltz gar nit, der mueß sein stecken selbst mitführen [ABlieskst 110]. — 2. bes. Arten von Stecken. a. 'ein schlanker Zweig, bes. vom Haselnußstrauch, vom Weinstock', Stecke [ KU-Reipkch LA-Herxhwey]; Dim. Steckelche [ KU-Bedb], Steckel [ NW-Wachh]; Zs.: PfWB Haselnuß-, PfWB Haselstecken; e schän Steckelche [ FR-Merth]. Wann's Schloose 'Hagel' gibt, fließt Reweblut, / dann bleiwen leere Schdecke [Burgey Keschte 24]. — b. 'der Stengel der Sonnenblume' [ KB-Bubh]. — c. 'das spanische Rohr, der Rohrstock zum Prügeln' [ HB-Kirrbg ZW-Battw LU-Limbghf NW-Frankeck]; Zs.: PfWB Täpel-, PfWB Rohrstecken; vgl. PfWB durchhauen 2, PfWB verhauen 1. De Faulenzer krieht mit em St. [RO-Sippf]. Mit Knippel, Sense un mit Stecke, / Do krie'n die Feind e großer Schrecke [Münch Werke I 87]. 14 Dag lang deht ich dem Kerl mit m St. nooschpringe! [Kühn Kumödi 28]. RA.: e St. ins Kreiz schloon, dass. [ KU-Schmittw/O]; e St. onmesse [ KU-Schmittw/O]; mit dem St. Stroof krieje, dass. [ HB-Kirrbg]. SprW.: Wer e Hund schlaa will, find aach e St. [mancherorts Don Gal Buch]. Volksbr.: Fastnachtsheischelied: Hannabelche Han, die Fassnacht is an, / Fett ins Sippche, Aijer in die Pann, / die Pann rappelt, die Pann rappelt / die Kichelcher sinn geback, / eraus met, eraus met, e paar in meine Sack. / Is e gut Fraa im Haus, langt se mer e Kichelche raus, / is e beeser Mann im Haus, langt er mer en St. eraus [ KU-Hundh]. AR.: Sechs mal sechs is sechsedreißich / un de Lehrer is so fleißich / un die Kinner sin so dumm / geht de St. hinnerum [ LU-Muttstdt]. VR.: Mein Mudder kocht Schnitz. / Derf ich dran lecke? / Kummt se mit'm [Bd. 6, Sp. 465] Stecke. / Spring ich zu de Magd, / Do wer ich ausgelacht. / Spring ich zum Knecht, / Das war recht [GH-Weingt (Wilde 10)]. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, / meine Mutter kocht Saft / mecht gern e bissel schlecke / kummt se mit em St. [ BZ-Billh]. Weitere VR. s. PfWB Mutter 1 a, PfWB Schmied 1. — d. 'der Spazierstock, der Gehstock mit gebogenem Griff' [ LA-Venn]; vgl. PfWB Spazierstock; Zs.: PfWB Gang-, PfWB Hakel-, PfWB Spazierstecken. Er geht om e St. [ KU-Schmittw/O]. Jetzt harrer noch zwee Tritt. Sei Stecke gewwem Halt [Ranssweiler 78]. RA.: Er hot Dreck am St. 'Er hat Fehler gemacht; ist vorbestraft' [WD-Niedkch KL-Reichb Pirmas KB-Kriegsf LU-Opp NW-Hardbg Hussong Kirkel 146 Gal-Josbg]. Der hat Dreck am St. in dere Sach 'Der steht unter Verdacht' [ NW-Freinsh]. Er hät schun Dreck genunk am St. [Münch Werke I 71]. — e. 'der Peitschenstiel', auch die Peitsche selbst [ KU-Hundh RO-Dielkch KL-Matzb KB-Bubh FR-Mörsch]; Zs.: PfWB Peitschen-, PfWB Geißel-, PfWB Holzstecken. — f. 'Holzstab mit Eisenspitze (auch Nagel) zum Beschleunigen beim Schlittenfahren auf dem Eis, auf ebener Fläche', Pl. Steckere [FR-Maxd (Bertram § 304)]; vgl. PfWB Stachel 4. — g. 'Kinderstelze'; Steckelches laafe 'Stelzenlaufen' [ KL-Fischb]. — h. 'gabelförmiger Sommertagsstock, mit Bändern geschmückt' [ PS-Geisbg]; Zs.: PfWB Buchs-, PfWB Brezel-, PfWB Riraro-, PfWB Rira-, PfWB Sommer-, PfWB Sommertags-, PfWB Stabausstecken; Syn. s. PfWB Sommertagsstock; s. Abb. 88e. — 3. übertr. a. 'langer, dünner Mensch' [KU-Einöll Obw/Tiefb HB-Peppk ZW-Schmitshs KL-Matzb LU-Alsh/Gr NW-Haardt BZ-Schweighf Steinf GH-Leimh Rh'zab Gimmel in PfL 27. 11. 1922]; Zs.: PfWB Bohnen- 2, PfWB Gäukelstecken; Syn. s. PfWB Gammel 1, PfWB Riese1 1; langer St. [ RO-Dörrmosch PS-Hermbg BZ-Münchw]; e derre St. [ FR-Grünstdt]. Des esch en langer St. [ ZW-Mauschb GH-O'lustdt]. S'is sunscht keener do, wie so e langer, derrer St., met zwee schwarze Tuppe unner de Nas un eme braune Käschtche unnerm Arem [Müller Lottche 26]. So e St., denne schneid mer sich noch an de letschte Heck, sagt die Frau verächtlich zu einem Werber [R. Müller Die Borjemeeschterwahl 1913 40]. — b. 'eine flachbrüstige Frau' [ PS-Erfw]. — c. Pl. 'lange, dünne Beine' [mancherorts ges. Pf]; vgl. PfWB Bein 2; Zs.: PfWB Reffenstecken. Der hot lange (e Paar, derre) Stecke [ PS-Erfw Fehrb FR-Bockh LA-Gommh]. Ehr Flitschelreckche sell nix decke, / ei jo! - mer sell recht siehn ehr Stecke! [Christmann Grummet 36]. — 4. FlN, amtl. Im Stecken [ NW-Mußb]. — Mhd. stecke 'Stecken, Knüttel, Pfahl, Pflock' ( Lexer Lexer II 1156). — RhWB Rhein. VIII 560/61; LothWB Lothr. 494; ElsWB Els. II 580/81; SSA IV/5.09.
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