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 PfWB Stab-aus (Bd. 6, Sp. 385)   PfWB Stange (Bd. 6, Sp. 429)   PfWB Sitz-stange (Bd. 6, Sp. 135) 
   Stab-aus m.:
1. Frühlingsfest zu Lätare (dritter Sonntag vor Ostern), das mit Umzug gefeiert wird, Stabaus, Stawaus (ˈdāb̩aus, ˈdāw̩aus) [mancherorts östl. Pf nördl. Lu'haf Frankth bis Nierstein in Rheinhessen]; südl. dieses Gebietes gilt die Bezeichnung Sommertag; zu den einzelnen Brauchtumselementen und für weiterführende Literatur s. PfWB Sommertag; vgl. PfWB ausstauben. Volksbr.: An Lätare wird ein Strohmann verbrannt, das nennt man St. [ FR-Battbg Kl'karlb N'lein Saush NW-Haßl Neustdt BZ-Sarnst]. In FR-Grünstdt gehen die Kinder vor die Häuser und singen: Stab aus! Stab aus! Dem Winter gehn die Aage aus! Ho! Ho! Ho! Der

[Bd. 6, Sp. 386]
Sommer, der is do! [FR-Grünstdt (Carl Pfalz im Jahr 82)]. »Trotz der großen wirtschaftlichen Not wollte man den Kindern am Sonntag die Freude des Sommertagszuges nicht vorenthalten. Nach Beendigung des Zuges wurde auf dem freien Platz der sog. Haufröste (sic!) der Winter verbrannt, worauf der 1. Bürgermeister eine Ansprache hielt und allen, die mitgeholfen, dankte. ... Am Schluß der Feier erhielten die Kinder Brezeln« [LU-Muttstdt (PfPr. 10. 3. 1932)]. »Nachdem die Schuljugend das nötige Stroh und Holz gesammelt hatte, banden die Älteren ihren Strohmann, der dann in der üblichen Weise unter Stabausrufen und Gesang zur Richtstätte transportiert und hier nach alter Überlieferung und Absingen vaterländischer Lieder verbrannt wurde« [FR-N'lein (PfPr. 10. 3. 1932), Battbg Hettldh Kl'karlb N'lein Saush NW-Haßl Neustdt BZ-Sarnst]. VR.: Stawaus, Stawaus! / 'm Winter gehn die Aage aus, / Summerkraut, Winterkraut, / hupst de Fuchs ins Hinkelhaus, / sauft all die Eier aus. / Ri, ra, ro, / de Summerdaag is do! [FR-Ebertsh (Carl Pfalz im Jahr 97)]. Stab aus, Stab aus! 'm Winder geh'n die Aage aus. Veilche in de Blume gibt's en gude Summer. Summerkraut, Winderkraut, steigt de Fuchs in's Hinkelshaus, holt drei Eier raus; mer ens, der ens un 'm anner aach ens [NW-Deidh (Wilde 168)]. Stab aus! Stab aus! Stech im Winter die Aache aus! [Bergz (Kamm 104)]. Stab aus! Stab aus! / 'm Winter geh'n die Aege aus! / Die Blodde wie die Blinne, / De Quack, denne wolle merr schinne. / Ri, ra, ro! Heut' über's Johr / Do simmer werre do! [Sickinger Höhe (Wilde 72)]. Steinmaus, Steinmaus, / Im Winter gehn die Härcher aus. / Feierrote Blume, De Sunne-Brezel-Gille-Wei / Morge muß gut Wetter sei! [Theo Geiger in: PfRh. 15. 2. 1935 S. 86/87 und weitere Var. aus der SPf]. Stabaus, Stabaus, im Winder fallen die Aage aus. Fallen se im Summer, do gibts schene Blumme. Brezelwei, Kichelwei, schenk mer hinnerm Owe ei. Mei Mudder hot e schwarzi Kuh un aber kenn weiße Melkküwel dezu [ LU-Ruchh]. Var.: ... mei Vadder hot e weiße Kuh un gibt schwarze Milch dezu [ LU-Ruchh]; ... höre Schlüssel klinge wenn ebes bringe. Was dann, was dann? Beerewei, rore Wei. Riraro, de Summerdag is do [ LU-Ruchh]; Var. s. PfWB First 1. —
2. Brauchtum zum Abschluß der Kartoffelernte. VR.: Staab aus, Staab aus, Rebveltens (oder anderer Hausname) han die Grumbeere aus [Müller Gerhardsbrunn 236]. —
3. 'der mit farbigen Bändern, Brezel, Apfel u. a. geschmückte Stab, den die Kinder beim Sommertagszug tragen', vgl. Abb. 87, 88, Stabaus [ KL-H'spey FR-Beindh NW-Geinsh LA-Dammh Essing BZ-W'rohrb], Staweiß [ KB-Jakobsw], Stämaus [ LA-Siebdg], Steemaus [ BZ-Albw]; Syn. s. PfWB Sommertagsstock. Das Wort St. für den Stecken selbst ist nur noch bei ganz alten Leuten üblich, die jüngeren sagen Stabausstekken [LA-Essing um 1930]. —
4. übertr. 'wer gerne ausreißt, herumstrolcht, sich gerne aus dem Staub macht'. In der Wend.: Meer hänn en St.!, von einem

[Bd. 6, Sp. 387]
Hund, der sich gerne herumtreibt [ LU-Alsh]. Häufig schon adv. verstanden: stabaus gehe 'flüchten, sich aus dem Staub machen', vom Menschen, von einem durchgehenden Pferd [ NW-Geinsh]. Er is stawaus (Stabaus) 'Er ist geflüchtet, durchgebrannt, eilig losgerannt', fast immer aus Furcht vor Strafe [ LU-Altr NW-Geinsh]. Jetz schdaabaus unn nix wie hääm [Kunnrädel 26]. De Morchenreich isch uff sein Gaul un los, un die ganz Briderschaft hinnenoch staabaus [Feierowend 31/1966]. —
5. 'betrunken sein'. In der Wend.: Er hat e Stawes (Stabaus) [ LU-Opp, FR-Beindh LU-Edigh]; Syn. s. PfWB betrinken. Vielleicht Anspielung auf staubig 2 a sein 'betrunken sein'. — In der älteren und neueren volkskundlichen Literatur wird das Wort Stabaus zurückgeführt auf mhd. stouben, stöuben 'Staub erregen, aufwirbeln, aufscheuchend verjagen' ( Lexer Lexer II 1215/16). Dem entspricht die übliche Lautung des Wortes Staub, stauben. ElsWB Els. II 568 Staubus; Hess.-Nass. III 736 Staubaus; Schwäb. V 1665; Schweiz. I 557; Becker Vk. 304; Stoll 47 ff., 182 ff.; Schandein Bav. IV,2 357 ff.; O. Bertram Der Sommertag in der Saarpfalz. In: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 62-136; B. Benner/I. Ranly/B. Sachs in: H. Schwedt (Hrsg.), Brauchforschung regional. Stuttgart 1989, S. 35 ff.; H. und E. Schwedt Bräuche zwischen Saar und Sieg. Zum Wandel der Festkultur in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Mainz 1989, S. 125 ff.; Festbräuche 93 ff.

 

   Stange f.:
1. allg. 'langes, gerade gewachsenes Stück Holz', Stang (daŋ, dḁŋ) [verbr., Christmann Kaulb 77 Henn Mda.-Int. 46 Karch Gimmdg/ Muttstdt 57 Müller Dietschw 61 Lambert Penns 142 Krämer Gal 205]; Pl. Stange [verbr.]; Dim. Stängelche [mancherorts, Krämer Gal 205]; Zs.: PfWB Anwaag-, PfWB Ausreiß-, PfWB Pinsel-, Bleich-, PfWB Bohnen-, PfWB Brech-, PfWB Brunnen-, Tabaks-, PfWB Telegrafen-, PfWB Driller-, PfWB Trockel-, Trükkel-, PfWB Turn-, PfWB Eggen-, PfWB Eimer-, PfWB Eisen-, PfWB Etter-, PfWB Fahnen-, PfWB Vanillestange(n), PfWB Federstängelchen, PfWB Vogels-, PfWB Vorhang-, PfWB Forlen-, PfWB Galgen-, PfWB Gäulsgeschirr-, PfWB Gauls-, Gereih-, Gerüst-, PfWB Glocken-, PfWB Guts-, PfWB Hakel-, PfWB Haken-, PfWB Harren-, PfWB Hebel-, PfWB Hebe-, PfWB Herd-, PfWB Hopfen-, PfWB Kelter-, PfWB Kleider-, PfWB Kletter-, PfWB Kübel-, PfWB Lärmen-, PfWB Latt-, PfWB Lenk-, PfWB Leuchsen-, PfWB Loh-, PfWB Mechanik-, PfWB Mücken-, PfWB Ober-, PfWB Ofen-, PfWB Reif-, PfWB Rocken-, PfWB Schnaken-, PfWB Schrot-, PfWB Schür-, PfWB Stellbrett-, PfWB Streb-, PfWB Suckel-, Wende-, PfWB Wetter-, PfWB Wurf-, PfWB Zitter-, PfWB Zuckerstange(n). Honn Fissääls e longi Schdong fa de Debbich se klobbe! [Glass II 54]. De Gaul kummt uf e St. 'das Bein des Pferdes, das beim Beschlagen nicht stillhält, wird an eine Stange gebunden' [ KU-Schmittw/O]. Der kimmt met so re lange Stang [Ranssweiler 69]. Früher hat man über die St. geschiß, von einer primitiven Toilette [ ZW-Battw]. Un noht (nachher) 's Uflade, allo, des is mer gut von Hand gang, un do hammer so Stange angeleet [ PS-Lu'wink]. RA.: uff die St. hewe 'einen oder etwas herausstreichen, hervorheben' [ PS-Geisbg]; e scheni St. Geld 'viel Geld' [ IB-Blieskst]; e Stang Wasser ins Eck stelle 'harnen, Wasser lassen' [Land]; Stange un ken Wald 'Hochmut, Dünkel' [ ZW-Gr'bundb]; hohe Stange, kleiner Hopfen 'viel Schein, wenig Sein' [ ZW-Battw]; jemand die Stang halle 'unterstützend beistehen' [Thielen So rerre mer 111, KU-Bedb ZW-Battw RO-Lettw Messbhf

[Bd. 6, Sp. 430]
KL-Hirschhn Land Schandein Sprachsch. 69 Don-Schowe Torscha]. Sie halle enanner die St. 'Sie sind beide gleichstark' [ KU-Schmittw/O]. Der hot meh Stange wie Bohne [Schandein Sprachsch.]. Der hot (große, hoche, sein) Stange im Kopp, von einem mit großen Plänen, die nie zu verwirklichen sind [BZ-Dernb, mancherorts, Schandein Bav. IV,2 228 Schandein Sprachsch. 69]. Der macht Stange, von einem Putznarr gesagt [ KL-Lind]. Es traan zwää keen Wasser in enner St. 'haben Streit miteinander' [ KL-Wörsb, KU-Blaub KL-Hirschhn]. Dinn un lang macht a en St. [Fogel Prov. Penns Nr. 1601, Horne Penns 101]. Er fuchtelt (fährt) mit de St. im Newwel rum 'Er treibt unnützes Zeug' [ NW-Kallstdt, KU-Schmittw/O ZW-Ernstw NW-Hardbg]. VR.: Ri, ra, ro / de Summerdaach isch do! / De Winter isch vergange / mit Spieße un mit Stange. / Roter Wei un Brezle nei, / heit wemmer luschtich sei! [Bergz (Kamm 103)]; zum Brauchtum s. PfWB Sommertag, PfWB Stabaus. Var.: ... mit Schibbe un mit Stange / De Winter werd gefange [Wilde 269 (LA-Rhodt) Carl Pfalz im Jahr 110]. a. 1540: darzu thut das kirchspiel das holtz, item cantzel, stangen, pfoldt (Pult), sanetuhr (Sanduhr) und dergleichen [PfWeist. 531 (Flurskapelle bei KU-Ulm)]. a. 1560: sol niemand kein haag zerreissen, stangen darauß laden oder tragen [PfWeist. 562 (NW-Freinsh)]. a. 1614: vnnd was nach(her in) der achter stuben durch schultes vnndt gericht vff angehortte clagen vnndt verandtworttung vor der stangen geruget vnndt erkant würdt von freuelnn, das gehoret den fauthen zue [PfWeist. 303 (NW-Dürkh)]. —
2. Holzstange nach bes. Verwendung.
a. 'die Schlafstange der Hühner', Stang [verbr. SOPf vereinzelt übrige Pf]; Dim. Stängel [ NW-Elmst Frankeck LA-O'hochstdt Siebdg BZ-Apphf Billh Dierb Eußth Kling Queichhmb W'rohrb GH-Kand Mindlach Schwegh Steinw Wind], Stängelche [ RO-Falkst LA-Venn], Stängele [ GH-Westh]; Dim. Pl. Stänglich [ BZ-Pleisw/O'hf]; Zs.: PfWB Hühner-, PfWB Hünkels-, PfWB Sitzstange; Syn. s. PfWB Hünkelsstange; s. K. 207. Die Hinkel hocken uf d'r St. (uffem Stängelche) [ RO-Falkst NW-Rödh]. Die Hinkel (Hinkle) gehn uf die St. 'gehen schlafen' [ RO-Obd PS-Rodalb LU-Dannstdt]. RA.: die St., scherzhaft für 'das Bett' [ KL-H'spey FR-Frankth]; vgl. PfWB Bett. Ich geh uf die St. 'Ich gehe ins Bett' [KU-A'glan LU-Alsh/Gr, Beam Penns 87]. Er huppst uf die Stang 'geht schlafen' [ FR-Höning]. Der geht mit de Hinkel uf die St., wenn jemand früh schlafen geht [Kaislt, ZW-Gr'bundb]. —
b. 'die Abtrennung eines Viehstandes im Stall' [ LA-Edk]; Syn. s. PfWB Scheidewand. —
c. 'die Stange, auf die die Würste nach dem Schlachten zum Trocknen gehängt werden' [vereinzelt]; Zs.: PfWB Fleisch-, PfWB Harst-, PfWB Wurststange. In d'r ow're Schtub e Schtang voll Werscht, / Im Schornschte geraachte Schinke [Claus 27]. RA.: Die hawwen a mäh Stange wie Worscht, von Menschen, die eingebildet sind und mehr scheinen wollen, als sie sind; wenn einer zu

[Bd. 6, Sp. 431]
hoch hinaus will [LU-Oggh, mancherorts ges. Pf, Feierowend Nr. 4 28. 1. 1956 S. 2 NPfGV 8/1934 Krieger 24, 48 Wilms Alph. 65]. Die hän bloß Stange un kää Wärscht, / so korze Hoor sin glei(ch) geberscht [Fuhrmann 2]. Stange im Kopp hun awwer kä Werschd fa dro, übertriebene Ansprüche stellen [Thielen So rerre mer 112, PS-Lu'wink]. Der hat große Stange un wenig Worscht for druff se henke [Hebel 22]. Das is e Iwwerspannter, der hat a meh Stange wie Werscht 'Der hat mehr Pläne, als er je verwirklichen kann' [ KL-Reichb]. Die hun Stange un nix for druf se hänke [RO-Sippf]. Der glaabt, do hänge die Stange voll Werscht 'Er glaubt, es wäre alles im Überfluß da und umsonst' [ KL-Reichb]. SprW.: Hot de Deiwel die Worscht geholt, kann er aa noch die St. hole [ NW-Haßl Spey]. —
d. 'als Zeichen beim herbstlichen Schließen der Weinberge' [ RO-Ebbg Feilbg NW-Gönnh]. —
3.
a. 'ein großgewachsener, hagerer Mensch' Das esch e langi St. [mancherorts VPf vereinzelt übrige Pf]; Syn. s. PfWB Gammel 1. —
b. 'das menschliche Bein', scherzh. Plumps, leih ich aach uff meim Qwardier / Un strampel met de Stange [Müller Butterbärwel 11]. —
c. 'männliches Glied, Penis' [Umg. des Potzberges im Glantal]; vgl. PfWB Stangenfieber; Syn. s. PfWB Schwanz 2 a. —
d. 'Geschlechtsteil des Stiers' [ KL-Reichb]; Syn. s. PfWB Rute 2 d. —
4. Teil von technischen Einrichtungen.
a. ' Teil der Kelter' [ KU-Lohnw]. —
b. 'eiserne St. als Teil der Ackerwalze' [ PS-Geisbg FR-Albsh]. —
c. 'Querverbindung am bäuerlichen Wagen zwischen den gegenüberliegenden Wagenleitern oder Seitenbrettern' [ IB-Schnapp KL-Rodb]; Pl. Stange [ ZW-Ixh]; Dim. Pl. Stängelcher [ NW-Lambr Wachh]; Zs.: PfWB Gereite-, PfWB Kopfbrett-, PfWB Kopf-, PfWB Leiter-, PfWB Quer-, PfWB Sperrstange; Syn. s. PfWB Spannholz 1 a; s. Abb. 26. —
d. 'die Wagendeichsel' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Deichsel 1, PfWB Stangengaul; s. K. 85. —
e. 'Stiel des Dreschflegels' [ KU-Bedb HB-Walsh]; Zs.: Flegel-, PfWB Schlegelstange; Syn. s. PfWB Dreschflegelsrute; s. Abb. 33. —
5. 'weißes Stäbchen zur Verstärkung in der Hemdkragenspitze'. Weiße Stängelscher fer an die Grääche [Braun Lääsebuuch 213]. —
6. 'mit Salz bestreute dünne Stange als Knabbergebäck', Stängelcher Dim. Pl. [IB-Ensh (Glass 95)]; Zs.: PfWB Salzstange. —
7. 'Hauptwurzel der Meerrettichpflanze, die als Gemüse verwendet wird' [ BZ-Dernb GH-Zeisk]; vgl. PfWB Meerrettichwurzel; Zs.: PfWB Meerrettichstange, -stengel; e St. Määredich [ KL-Weilb]. — RhWB Rhein. VIII 525; LothWB Lothr. 493 Stang; ElsWB Els. II 605.

 

 -stange f.: 'Stange, auf der die Hühner nachts schlafen', -stang [vereinzelt VPf]; altmda. Syn. s. PfWB Hünkelsstange. Rhein. VIII 176. —