Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Stab-aus (Bd. 6, Sp. 385)   PfWB aus (Bd. 1, Sp. 431) 
   Stab-aus m.:
1. Frühlingsfest zu Lätare (dritter Sonntag vor Ostern), das mit Umzug gefeiert wird, Stabaus, Stawaus (ˈdāb̩aus, ˈdāw̩aus) [mancherorts östl. Pf nördl. Lu'haf Frankth bis Nierstein in Rheinhessen]; südl. dieses Gebietes gilt die Bezeichnung Sommertag; zu den einzelnen Brauchtumselementen und für weiterführende Literatur s. PfWB Sommertag; vgl. PfWB ausstauben. Volksbr.: An Lätare wird ein Strohmann verbrannt, das nennt man St. [ FR-Battbg Kl'karlb N'lein Saush NW-Haßl Neustdt BZ-Sarnst]. In FR-Grünstdt gehen die Kinder vor die Häuser und singen: Stab aus! Stab aus! Dem Winter gehn die Aage aus! Ho! Ho! Ho! Der

[Bd. 6, Sp. 386]
Sommer, der is do! [FR-Grünstdt (Carl Pfalz im Jahr 82)]. »Trotz der großen wirtschaftlichen Not wollte man den Kindern am Sonntag die Freude des Sommertagszuges nicht vorenthalten. Nach Beendigung des Zuges wurde auf dem freien Platz der sog. Haufröste (sic!) der Winter verbrannt, worauf der 1. Bürgermeister eine Ansprache hielt und allen, die mitgeholfen, dankte. ... Am Schluß der Feier erhielten die Kinder Brezeln« [LU-Muttstdt (PfPr. 10. 3. 1932)]. »Nachdem die Schuljugend das nötige Stroh und Holz gesammelt hatte, banden die Älteren ihren Strohmann, der dann in der üblichen Weise unter Stabausrufen und Gesang zur Richtstätte transportiert und hier nach alter Überlieferung und Absingen vaterländischer Lieder verbrannt wurde« [FR-N'lein (PfPr. 10. 3. 1932), Battbg Hettldh Kl'karlb N'lein Saush NW-Haßl Neustdt BZ-Sarnst]. VR.: Stawaus, Stawaus! / 'm Winter gehn die Aage aus, / Summerkraut, Winterkraut, / hupst de Fuchs ins Hinkelhaus, / sauft all die Eier aus. / Ri, ra, ro, / de Summerdaag is do! [FR-Ebertsh (Carl Pfalz im Jahr 97)]. Stab aus, Stab aus! 'm Winder geh'n die Aage aus. Veilche in de Blume gibt's en gude Summer. Summerkraut, Winderkraut, steigt de Fuchs in's Hinkelshaus, holt drei Eier raus; mer ens, der ens un 'm anner aach ens [NW-Deidh (Wilde 168)]. Stab aus! Stab aus! Stech im Winter die Aache aus! [Bergz (Kamm 104)]. Stab aus! Stab aus! / 'm Winter geh'n die Aege aus! / Die Blodde wie die Blinne, / De Quack, denne wolle merr schinne. / Ri, ra, ro! Heut' über's Johr / Do simmer werre do! [Sickinger Höhe (Wilde 72)]. Steinmaus, Steinmaus, / Im Winter gehn die Härcher aus. / Feierrote Blume, De Sunne-Brezel-Gille-Wei / Morge muß gut Wetter sei! [Theo Geiger in: PfRh. 15. 2. 1935 S. 86/87 und weitere Var. aus der SPf]. Stabaus, Stabaus, im Winder fallen die Aage aus. Fallen se im Summer, do gibts schene Blumme. Brezelwei, Kichelwei, schenk mer hinnerm Owe ei. Mei Mudder hot e schwarzi Kuh un aber kenn weiße Melkküwel dezu [ LU-Ruchh]. Var.: ... mei Vadder hot e weiße Kuh un gibt schwarze Milch dezu [ LU-Ruchh]; ... höre Schlüssel klinge wenn ebes bringe. Was dann, was dann? Beerewei, rore Wei. Riraro, de Summerdag is do [ LU-Ruchh]; Var. s. PfWB First 1. —
2. Brauchtum zum Abschluß der Kartoffelernte. VR.: Staab aus, Staab aus, Rebveltens (oder anderer Hausname) han die Grumbeere aus [Müller Gerhardsbrunn 236]. —
3. 'der mit farbigen Bändern, Brezel, Apfel u. a. geschmückte Stab, den die Kinder beim Sommertagszug tragen', vgl. Abb. 87, 88, Stabaus [ KL-H'spey FR-Beindh NW-Geinsh LA-Dammh Essing BZ-W'rohrb], Staweiß [ KB-Jakobsw], Stämaus [ LA-Siebdg], Steemaus [ BZ-Albw]; Syn. s. PfWB Sommertagsstock. Das Wort St. für den Stecken selbst ist nur noch bei ganz alten Leuten üblich, die jüngeren sagen Stabausstekken [LA-Essing um 1930]. —
4. übertr. 'wer gerne ausreißt, herumstrolcht, sich gerne aus dem Staub macht'. In der Wend.: Meer hänn en St.!, von einem

[Bd. 6, Sp. 387]
Hund, der sich gerne herumtreibt [ LU-Alsh]. Häufig schon adv. verstanden: stabaus gehe 'flüchten, sich aus dem Staub machen', vom Menschen, von einem durchgehenden Pferd [ NW-Geinsh]. Er is stawaus (Stabaus) 'Er ist geflüchtet, durchgebrannt, eilig losgerannt', fast immer aus Furcht vor Strafe [ LU-Altr NW-Geinsh]. Jetz schdaabaus unn nix wie hääm [Kunnrädel 26]. De Morchenreich isch uff sein Gaul un los, un die ganz Briderschaft hinnenoch staabaus [Feierowend 31/1966]. —
5. 'betrunken sein'. In der Wend.: Er hat e Stawes (Stabaus) [ LU-Opp, FR-Beindh LU-Edigh]; Syn. s. PfWB betrinken. Vielleicht Anspielung auf staubig 2 a sein 'betrunken sein'. — In der älteren und neueren volkskundlichen Literatur wird das Wort Stabaus zurückgeführt auf mhd. stouben, stöuben 'Staub erregen, aufwirbeln, aufscheuchend verjagen' ( Lexer Lexer II 1215/16). Dem entspricht die übliche Lautung des Wortes Staub, stauben. ElsWB Els. II 568 Staubus; Hess.-Nass. III 736 Staubaus; Schwäb. V 1665; Schweiz. I 557; Becker Vk. 304; Stoll 47 ff., 182 ff.; Schandein Bav. IV,2 357 ff.; O. Bertram Der Sommertag in der Saarpfalz. In: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 62-136; B. Benner/I. Ranly/B. Sachs in: H. Schwedt (Hrsg.), Brauchforschung regional. Stuttgart 1989, S. 35 ff.; H. und E. Schwedt Bräuche zwischen Saar und Sieg. Zum Wandel der Festkultur in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Mainz 1989, S. 125 ff.; Festbräuche 93 ff.

 

   aus
I. Adv.:
1. aus sein.
a. 'außerhalb sein'.
α. Geschderowend waren mer aus 'gingen wir aus' [allg.]; in älterer Mda. fort. De Glan is aus 'über die Ufer getreten' [ KU-Bedb]. —
β. in Abzählreimen 'ausgeschieden sein'. A, be, bu, aus besch du u. ä. [ LA-Nußd, allg.]. —
b. 'zu Ende sein'. D' Schul, d' Stunn, d' Kerch isch aus [südl. VPf, allg.]. Uf Weihnachte is mei Johr aus 'meine Dienstzeit beendet' [mittl. WPf, allg.]. a. 1354: wan sein jar ausz ist [Grimm Weist. V 687 (ZW-Hornb)]. RA.: Jetz is' aus 'Jetzt ist meine Geduld zu Ende' [allg.]; gebräuchlicher: Jetz langt mer's. Vgl. Otterstetter 265. SprW.: So lang 's orjelt, es die Kerch net aus [NPf, verbr.]. VR.: Aus esch Liedl, aus esch de Danz, Siwiele geh hääm un fiedar dei Gans [ LA-Nußd]. —
2. in Verb.
a. mit Verben, s. nachfolgende Stichwörter. —
b. mit anderen Adv.
α. aus und aus 'durchaus, von Anfang bis zum Ende'. a. 1444: die andere tage uß und uß [ZweibrRb I Nr. 541 Bl. 37]. —
β. aus und vorbei. 's es aus un varbei 'unzweifelhaft zu Ende' [ KU-Kaulb, Gal-Dornf]. —
γ. aus un Amen, dass. [ ZW-Battw]. —
δ. aus und ein. Er geht dort aus un in (ein) [allg.]. —
II. Präp. mit Dativ
1. örtlich, wie schd.
a. gegenst. Der is aus der Alde Welt [NWPf, allg.]. Schaff dich aus de Reiser! 'Geh weg!' [ RO-Ruppeck]. —
b. übertr.
α. die Herkunft bezeichnend. Das is aus sekend 'zweiter' Hand [ KU-Hefw]. Das horrer net aus sich 'hat er sich nicht erdacht' [verbr.]. RA.: Er peift aus'm letschde Loch [allg.]. —
β. die Trennung bezeichnend. De Disch is aus'm Leim gange 'zerfällt in seine Teile' [nördl. VPf, allg.]. RA.: Er es aus'm Heis'che 'außer sich' [NPf, allg.]. Er hot sich aus 'm Staab 'Staub' gemach 'hat das Weite gesucht' [WPf, allg.]. —
2. zeitlich. Er is schun aus de Schul 'hat den Besuch der Volksschule schon beendet' [allg.]. —
3. kausal. Aus lauder Zorn saat er de

[Bd. 1, Sp. 432]
ganz Dag kää Wort [Kaislt, verbr.]; vun meer aus 'meinetwegen' [verbr.]; vgl. PfWB an I 4 c. — in Verb. mit Stoffbezeichnungen. Der is wie aus Eise, von einem ausdauernden Menschen [allg.]. SprW.: Aus fremdem Ledder is gut Rieme schneide [ Gal]. — Zs.: gar-, PfWB gerade-, PfWB hie-, PfWB hin-, PfWB jahr-, PfWB Kehr-, PfWB richt-, PfWB Sauf-, PfWB Stab-, PfWB Staub-, vornaus. — F.: aus [allg.], us [lothr. SWPf]. — RhWB Rhein. I 334/35; Saarbr. 12; LothWB Lothr. 522; ElsWB Els. I 77/78; Bad. I 90.