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 PfWB Spiegel (Bd. 6, Sp. 268)   RhWB Stirn (Bd. 8, Sp. 712)   PfWB Stirne (Bd. 6, Sp. 601) 
   Spiegel m.:
1.
a. 'glatte Fläche mit Reflexionsschicht, in der man sich selbst betrachten kann', Spiel, Spie'el (bīl, bīəl, biəl) [verbr. NPf NWPf (nördlich einer Linie KU-Dunzw KL-Hütschhs Schallodb KL-N'hemsb FR-Ebertsh Albsh Bockh), Christmann Kaulb 88 Mang 137 Müller Dietschw 61 PfId. 135 Krämer Gal 202], Spiggel (bigəl, biγəl) [mancherorts nördl. VPf PS-Hilst Vinn NW-Iggb Speybn GH-Zeisk, Bertram § 203], Spichel (biχəl) [verbr. mittl. und südl. WPf mittl. und südl. VPf mancherorts nördl. VPf, Heeger Südostpf. 18

[Bd. 6, Sp. 269]
Höh 93 Glass 110 Schmitt Billh. 31 Schandein Ged. 249], Spischel (biəl) [(neben Spichel) mancherorts mittl. VPf mittl. WPf SWPf, Schneckenburger 32, 59], Spijjel [NW-Kallstdt, NW-Appth Niedkch (Bertram § 201), Lambert Penns 139], Spiechel (bīχəl) [vereinzelt SPf, Damm Schoggelgaul 55]; ein Vergleich unseres um 1930 gesammelten Materials mit der Karte 4 in Herrgen Koronalisierung 88 (um 1980) zeigt, daß das Gebiet mit g-Schwund im Norden weitgehend unverändert geblieben ist; häufiger sind bei Herrgen jedoch die palatalisierten und koronalisierten Formen im übrigen Gebiet sowie die Meldungen mit spirantisiertem g im Südteil der Pf; Pl. wie Sg. [verbr.], Spischele [Hussong Kirkel 19]; Dim. Sg. Spielche, Spiggelche, Spichelche, Spischelsche [Verbr. wie Sg.], Pl. -cher [WPf NOPf], -lich [vereinzelt SOPf], -le [vereinzelt SPf östl. VPf]; Zs.: Erd-, PfWB Hand-, PfWB Rasier-, PfWB Wandspiegel. De Sp. laaft an 'beschlägt' [ LU-Alsh]. De Sp. hot Glanz [ RO-Duchr]. Guck nit in de Spichel [Kraus Putscheblum 58]. Ich wäsch mich grindlich, mol (male) vor m'Spichel / die Auedeckle, s'Schnißje an [Kraus Putscheblum 6]. Im Spiggel war dann bei der Pann / Nadürlich noch e Gans gestann [Kühn Kumödi 83]. RA.: ebbes hinner (an) de Sp. stecke 'sich etwas aufheben, merken, öffentlich machen' [NW-Haardt, mancherorts, Kröher Lyoner 133]; so glatt wie e Sp. 'sehr glatt, glänzend' [ZW-Battw, mancherorts Fogel Prov. Penns Nr. 1581]; glänze wie e Sp. 'sehr glänzen' [ ZW-Bechhf]. Volksgl.: Wammern Spiggel ferbrecht, gebt's en Leicht (Beerdigung), en Hochzich [Fogel Beliefs Penns Nr. 514, 327]. Mer soll en Kind net in der Spiggel gucke losse, ebs en Johr alt is, oder 's werd stolz [Fogel Beliefs Penns Nr. 40]. Wammern Katz in der Spiggel gucke loßt, laaft se net färt [Fogel Beliefs Penns Nr. 675]. Wenn im Hause jemand stirbt, werden die Spiegel verhängt oder zur Wand gedreht [KU-Glmünchw Herschw/Petth HB-Beed Bexb Kirk Limb Fogel Beliefs Penns Nr. 619], als Begründungen werden genannt: damit der Tote sich nicht spiegeln und wieder körperhaft werden könnte [Becker Vk. 142]; damit der Tote nicht sein zweites Gesicht sieht [Ecker 134]. —
b. 'Fensterscheibe', Spichel [Bliesgau (PfId. 135)]. —
2.
a. 'abgewetzte, glänzende Partien an Kleidungsstücken' [ ZW-Battw FR-Bockh SP-Heiligst]. An dem Anzugg sieht mer iwerall schun die Spiel [ FR-Bockh]. —
b. 'glänzender Rockärmel vom darauf abgeputzten Nasenschleim' [ KU-Diedk Kaulb ZW-Gr'bundb PS-Schweix KB-Kriegsf LU-Altr LA-Venn]; Zs.: PfWB Rockspiegel. Der hot Spichel uf de Ärmel [ PS-Schweix]. —
c. 'glänzende Flächen an den Hinterbacken bei gut herausgefütterten Pferden' [ BZ-Dernb]. —
d. 'andersfarbiger Fleck am Kopf von Tieren' [ PS-O'simt]; vgl. PfWB Bläß 1, PfWB Spiegel 4 a, PfWB Spiegelschaf.
e. 'glänzendfarbiger augenartiger Fleck auf Pfauenfedern'. On de Pooferrer is e scheener Sp. [ KU-Schmittw/O]. —
f. 'glän-

[Bd. 6, Sp. 270]
zende Stelle am Rückenschild des Maikäfers', vielfach nur Dim. [mancherorts ges. Pf]. Das Kind sagt zum Maikäfer auf der Hand: Weis mer dei Spielche, sonscht brech eich der Hals oun Bein [ WD-Niedkch, vereinzelt], sonscht dreh ich der de Kopp uf de Rick [ ZW-Gr'bundb], odder ich kepp dich [ KL-Weltb]. Maikäwwer, du's Spichelche raus, sonscht hau ich der 's Keppche ab [ PS-Gersb]. —
g. 'das Zentrum der Zielscheibe', in der Wend. Er hodden Spichel g'schosse 'Er hat ins Schwarze getroffen' [ LA-Gommh]. —
h. 'die Augen', zu Kindern, Spiggelich Dim. Pl. [ GH-Zeisk]. —
3.
a. 'zwischen zwei Wegen liegende Abteilung des Gartens', Spijjel [ NW-Kallstdt]. —
b. 'Streifen eines Ackers, der in einem Gang des Sämanns besät werden kann', Spiechel [ FR-Albsh]; Syn. s. PfWB Satel. —
c. 'Füllung, Fläche zwischen den Balken eines Fachwerks', Spichel [ PS-Schmalbg]; vgl. PfWB Spiegelwand. a. 1621: Maurerarbeiten: den Haußehren in der Schaffnerey mit backhensteinen zu belegen ... die Flaisch Cammer zu bestechen, etliche Spiegel zuzumauern [WerschwSchR 280]. —
d. 'Fach, Abteilung, Täfelung in einer Tür', u. ä., Spiggel [Beam Penns 86]. —
4.
a. Name für Rinder (mit einem Fleck auf der Stirn, vgl. PfWB Bläß 2, PfWB Spiegel 2 d, PfWB Stern 3, PfWB Stirne 1 b), Spiel [ KU-Breitb], Spiechel [ PS-O'simt]. —
b. Lockruf für Rinder, Spichel [ PS-Bruchw Hengsbg Hirschth]. —
5. FlN, amtl. Im (Am) Spiegel [ FR-Bockh NW-Mußb], mda. Em Spiel [ FR-Bockh]. —
6. vgl. PfWB Augen-, PfWB Eulenspiegel. — RhWB Rhein. VIII 326/27; LothWB Lothr. 486; ElsWB Els. II 535.

 

  PfWB  ElsWB  LothWB Stirn das Wort ist allg. (doch Klevld mehr Kopp, Hieren), u. zwar Nahe -īrə, –ē- [uNahe auch --; um Kreuzn-Boos Warmsr -ęăn]; Hunsr -ēr; WWend, Saargeb -īrə [selten -ērə u. -ēr], Pl. wie Sg., ohne Demin.; Mosfrk -ī·ə.r [Trier, Wittl, Bitb meist -ē:-; Trier-Stdt -:-]; Pl. -rə(n); Siegld -īərn, Pl. -nə; Rip, Berg -ī·ə.n [Köln-Stdt -ē:-; doch Aden. Malm, WSchleid, Monsch, Eup-Ld, Aach, Jül, Dür, Bergh -ī·ə.r; kurköln. Neuw -ē:r]; Pl. -ə; Eup-Stdt -:r; SNfrk -ī·ə.r, Pl. -re; Klevld -:n, Pl. -nə; Demin. -χə(n), –kə, –ntjə f. [Wend vielfach m.; MüEif, Selfk m., selten f.]: 1. wie nhd.; en huh, bret, schmal St.; en br. St. bei den Kühen ist ein gutes Zeichen Allg. RA.: En huh St. hät och Lihr (Lehre) bedeutet Klugheit Schleid-Hellenth (diese Meinung ist allg.). Je aler de Kapp (Kopf), deste horder de St. desto eigensinniger der alte Mensch Bitb-Kyllbgw; den hot en dick St. ist ein Starrkopf Bitb, — freche St. ist frech Wermelsk. De hät en St. (so breit) wie ene Oss (Ochse) Dür, — en Rifise (Reibeisen) voller Runzeln Bo-Kessenich, — en Wäschrif Elbf-Hahnerbg, — en krus St. Rip, Berg. Den hat en St. bös en de Röcken scherzh. eine grosse Glatze Trier, — bes en de Nacke Rip, Allg., — bes hengen (hinten) op den Rockskragen Wermelsk, — en St., de kann sich bes en de Nacke sene (segnen) Jül-Langerw; dem es de St. bes en de N. gerötsch Bergh-Blatzh, — geiht de St. bäs en de Lüskul (Läusekaule) Neuw-Asb. De St. hoch ziehe die Stirnhaut kraus ziehen Rhfrk, Mosfrk, — trecke Rip, Nfrk, — krus maken Gummb, Rip, Nfrk, — kr. packe Sieg-Birk, — runtsele, schrompele, rimpeln, rumpeln (s. d. W.), — te Hop trecke Kemp, — schödde (schütter) Heinsb-Breberen; de St. hat Walze gezo Saarbg-Riegelsbg; en plesseerde (plissierte) St. Neuss. He hät de St. (die Frechheit), einem dat ze sage Rip; äm de St. bieden ihm in Worten entgegentreten WMosfrk, — halen (halten) Bitb-Dudeld. Mer süht

[Bd. 8, Sp. 713]
et Hern (Gehirn) selden an der St. ob er klug ist Köln-Stdt. Mer seiht em on der St. on, wat tse duhn es man erkennt seine Stimmung, Laune Prüm, Allg. Fehl (fühle) dir mol an de St., dat de noch derhämm (daheim) bescht! du hast dich zu schicken Saarl-Dilling. Der hot e Hore (Horn) an der St. ist dumm Kreuzn-Seesb. Et as, fir en Hor op de St. ze kreien! zum Verzweifeln Bitb. Der hät de Oder (Ader) op de St. ist zornig MülhRh-Herrenstrunden. Et steəht dech op en St. geschreəve, dat ... (du z. B. gelogen hast) Aach, Allg. De hät jet henger (hinter) de St. setten ist klug Wermelsk. Fale (Falten) en de St. han Rip, Allg., — wie en al Bestemoder (Grossmutter) Neuss; Furren (Furchen) en der St.ən han, do ka mer Böm en setzen Wippf-Pütz. Der hät et och (huh) en der St. ist hochmütig, stolz Schleid-Dreiborn, Sieg-Seelschd. Dem kammer de Lei (Lüge) von der St. lese Birkf-Herrst. Ich hon em vor (of) de St. geschlah Saarbr, Allg.; sech für de St. schlage als Zugeständnis, dass man etwas vergessen hat, eine Dummheit begangen hat; jetz kriste en für de St.! Rip, Allg. Ech well et em fresch för de St. sage Köln, Allg. Et steiht nümmes för de St. geschriew, wat he noch dortemaken (durchzumachen) het MülhRuhr. He hät en Brett für de St. ist verbohrt, dumm Rip, Allg. — Die Mutter tupft dem Kinde auf die einzelnen Gesichtsteile, sprechend: Kenne (Kinn), wenne, wennehe; Münkche, ess Brut; Bäckelcher rut; Näs-che sif (tröpfele); Äugelcher, pif; St.chə glatt; Hörcher (Haare) zipp, zapp (an den Haaren zupfend)! Köln, Rip, SNfrk verbr. E Streiss-chen (Sträuss-chen) op den St.chən, licht (leuchte) mengem Herchen (Herrn), gölle (goldener) Fochem om dat Haus, Glöck dem Haus on de Fosichteier eraus! Heischeld. zu Fastnacht Bitb. — 2.a. Schläfe des Schweines Daun-Müllenborn. — b. Grund- oder Kopffläche eines Rund- oder Kantholzes, in der Bergmspr. Siegld, Altk. — c. die oberste Zeilenreihe eines Weinberges W. Mos.

 

   Stirne f. (m., n.):
1.
a. 'Gesichtsabschnitt zwischen Augen und Haaransatz', Gen. f.: Stern (dęrn) [allg., Castleman Zwbr. 27 Christmann Kaulb 14, 77, 91 Hussong Kirkel 146 Kamm 62 Mang 101 Müller Dietschw 62 Lambert Penns 141 Krämer Gal 208 Steinmetz], Starn (darn) [ KU-Adb ZW-Marthh], Stere (dērə) [ KU-Breitb Eschau], Stir (dīr) [vereinzelt lothr. SWPf Bliesgau (PfId. 137) Glass 97]; Gen. m.: Stern [ LA-Herxh], Stere (dērə) [ KU-A'glan Erdb Körbn Krottb WD-Niedkch]; Gen. n.: das Stere (dērə) [ KU-Körbn]; Pl. Sterner (dęrr) [ LU-Altr]; Dim. Sternel (dęrnəl) [ LU-Altr]; vgl. PfWB Bläß 3 a; Zs.: Dutzel-, Hammel-, PfWB Schobelstirn; e hoochdi (nieder) St. [ KU-W'mohr]; de St. (die St.) rumbele 'rümpfen' [ KU-Erdb Eschau]; mit de St. schrunzele [ PS-Nd'simt]; e Schnatze (dicker Bolle, Baus, Schramme, Schrunzele) an de St. 'Wunde, Beule, Narbe' [Ingb, Krieger 18]; die St. verschammeriert 'zerkratzt' [ LU-Altr], gege d'St. knaipele (knäupeln 'schnellern') [ LA-Knöring]. Runzel nare net so die St.! [ NW-Elmst]. An de St. siehtmers ganz deitlich [Damm Schoggelgaul 54]. Die Drobbe (De kalde Schwääß) stehn (steht) uf de St. [PS-Erfw, Damm Nachtdischlamp 56]. De Schwäß laaft von de Stärn ins Aue [Kraus Arwed 13]. Schafft e Mensch viel mit soim Härrn, / zeicht sich dess meischtens uff de St. [Damm Nachtdischlamp 91]. Der hat an de St. e Moddermool, er isch gezäächent [ KL-Reichb]. Bei dem leit hinner seiner St. / E echtes Pälzer Mensche-Hern [Münch Werke I 155]. RA.: hohe St. 'Glatze' [ KU-Erdb]; blaue Flecke uf de St. 'Anzeichen der Trunkenheit' [ LU-Limbghf]; e St. mache 'ein finsteres Gesicht' [ LA-Herxh]; vor die St. stoße 'jemanden beleidigen, zurückweisen' [ KU-Schmittw/O]; die St.

[Bd. 6, Sp. 602]
weise 'auf jemanden losgehen' [ KU-Schmittw/O]; die St. treffe 'verhauen' [ KB-Zell]; uf die St. dubbe 'verhauen' [ RO-Duchr]; nix in de St. hun 'dumm sein' [ KU-Schmittw/O]. Vom Zellerie gebts e harti St. 'nimmt der Geschlechtstrieb zu', verhüllend [ PS-Geisbg]. Dem sei Gesicht is zu lauder St. verwachse 'Er hat eine hohe St.' [ LU-Alsh]. Greif der emol an d'St.! 'Du bist verrückt, machst einen Fehler' [ GH-Zeisk, vereinzelt]. Dem steht's Lie'e am St. angeschrebb 'Ihm sieht man an, daß er lügt' [ WD-Niedkch]. Joo, denne ihr Klääner hat aa soo e hoochi St. wie sinn Babbe! 'ist so klug wie sein Vater' [Glass 97]. Verwünschung: Wann de nore en schdruppige Bese zwerch im Hals stecke häsch, daß dr die Aage uff de St. stehe däten wie Hosseknepp [Feierowend 31/1955 S. 7]. SprW.: Wie die St., so es Hern [Krieger 36]. Mer sieht de Leit uf die St., awwer net ins Hern [vereinzelt Don, Fogel Prov. Penns Nr. 1615]. —
b. 'die Stirne des Rindes' [mancherorts]; vgl. PfWB Spiegel 4, PfWB Stern 3 b 'Kuh mit weißem Stirnfleck'. —
2. FlN, amtl. An der Stirn 'der oberste Teil eines Berghanges' [ PS-Rumb], amtl. An der Stern [RO-Als (Zink FlN 53), ZW-Contw]. a. 1542: an dem Berg an der Stürnen [GGA A. 706 Bl. 37v (LA-Impfl)]. a. 1606: auf dem Eckh oder stirnen des Roeselberges [HanLicht. 7 Bl. 8, Bl. 3v]. —
3. 'die Messerschneide' [ PS-Geisbg]. — RhWB Rhein. VIII 712/13; LothWB Lothr. 500 Stir, ALA I 32; ElsWB Els. II 615, ALLG I 24; DWB DWb. X, II,2 3181 ff.