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 PfWB Spatz (Bd. 6, Sp. 218)   PfWB Schneider (Bd. 5, Sp. 1300) 
   Spatz m., f.:
1. 'Sperling (Passer domesticus, Passer montanus)', Spatz (bads) [verbr., Heeger Tiere II 11 PfId. 134 Lambert Penns 139 Krämer Gal 201] (in der NPf SWPf teilweise neben PfWB Spatzert), Spoatz [ LA-Nußd]; Pl. Spatze [verbr.]; Dim. Sg. Spätzje [WPf nördl. VPf], Spätzi [Nordspitze der Pf], Spatzi [ RO-Rehborn], Spätzelche [mancherorts westl. VPf], Spätzel [mittl. u. südl. VPf O-PS, Lambert Penns 139 Beam Penns 86], Pl. Spätzjer, Spätzcher [WPf nördl. VPf], Spätzicher [ RO-Als], Spätzelcher, Spätzelscher [mancherorts MPf VPf], Spätzlich [mancherorts SOPf], Spätzle [mancherorts östl. VPf SPf]; Gen. m. heute vorherrschend, Gen f. verbr. NWPf mittl. WPf mancherorts NOPf SWPf LU-Limbghf NW-Duttw Erph Friedhs Kallstdt Wachh LA-Frankw Mörzh Siebdg BZ-Nd'horb GH-Kuhdt Leimh Neubg O'lustdt Buch-Illisch, beim Nebeneinander beider Genera an einem Ort wird von den Gewährsleuten (um 1930) die Verwendung des Femininums den älteren Sprechern nachgesagt; Zs.: PfWB Feld-, PfWB Haus-, PfWB Hecken-, PfWB Ried-, PfWB Rohrspatz; Spatze schieße [ KU-Schmittw/O]. De Sp. huckt uffem Fenschder [ LA-Birkw]. Mer jaat se fort un schießt se doot, / die arme, arme Schbatze [Burgey Keschte 32]. Kaum war e Värrtelschtunn erum, / do sinn e Haufe Schbatze kumm [Damm Schoggelgaul 8]. Zwää Schpatze win-

[Bd. 6, Sp. 219]

[Bd. 6, Sp. 221]
zich klää un zierlich / sitzen brav un ganz manierlich / drowwe uff de Dachantenn [Damm Dreifaltichkäät 23]. Vergleiche und RA.: frech wie e Sp. [PS-Erfw, verbr.]; do hocke (sitze) wie e Sp. uf em Roß- bolle 'sich frech, stolz geben' [Krieger 46, vereinzelt]; do henge wie e Sp. am Gewwel 'schlechte Körperhaltung zeigen' [Thielen So rerre mer 111 Hussong Kirkel 53]; esse wie e Sp. 'wenig essen' [BZ-Ingh, verbr.]; noch net for e Sp. esse, dass. [ GH-Zeisk]; Hunger wie 'n Sp. hawwe, dass. [ LU-Alsh, mancherorts]; e Maache wie e Spätzel hawwe, dass. [ PS-Erfw]. Sp. flie! (fliege!) Ausruf beim Spiel Tenee. Die Spatze peifen's vum (uffem) Dach 'Alle Welt spricht davon, das ist ein offenes Geheimnis' [PS-Erfw, verbr.]. Der lebt wie de Sp. in de Knoddele 'kann aus dem Vollen schöpfen' [Zweibr]. Wämmer g'storwe isch, sin alle Spatze g'fange 'sind alle Mühen vorbei' [ SP-Heiligst]. Zieht jemand beim Grüßen, beim Betreten eines Hauses nicht den Hut (die Mütze), fragt man: Hoscht Spatze unnerm Hut (unner de Kapp)? [Frankth, verbr.]; vgl. PfWB Spatzenmichel. Spatze sinn kään Hase, sagt man, um kleinere Diebstähle zu beschönigen, zu rechtfertigen [Land]. Der (Die) loßt die Spatze mit de Hihner fliege 'Er (Sie) hat Kinder von verschiedenen Partnern' [ BZ-Dernb]. Das war domols, wie die Spatze noch Schleppsäwel getraa han, Abweisung einer nicht überprüfbaren, zweifelhaften Darstellung [ Don-Gert, Gottlob Heufeld]. Dem steht 's Glick uf wie 'm Sp. 's Arschloch, von einem, der häufig Glück hat [ Gal-Brotschk]. Er hat e Sp. (gefrihstickt) 'Er ist verrückt, nicht ganz zurechnungsfähig' [GH-Berg, Thielen So rerre mer 111]. SprW.: E Sp. in de Hand es besser wie e Daub uffem Dach [KL-Stelzbg, verbr.]. Var.: E Sp. em Sack es besser als e Amschel en de Horebach [ WD-Niedkch]. Peift se frih de Sp., so frißt en am Owend die Katz [PfMus. 1920 179]. Wann de Himmel runnerfallt (zusammefallt, infallt, einsterzt), sein alle Spatze gefang (dot) [KB-Mauchh, verbr.]. 's esch schun gesorcht, daß d' Spatze nit in die Heh fliechen [ GH-Zeisk]. Sagsprichwort: Das bind't, saacht de Sp., do hat er dem Küfer uf de Rääf (Reif) geschiß [Hebel 50]. VR. s. PfWB Pfingstenlümmel 2, PfWB schaben 1 b α, PfWB Schneider 1. —
2.
a. 'kleiner, schwächlicher, magerer Mensch' [mancherorts]; e dinner Sp. [ KU-Schmittw/O]. Der esch norre so en Sp. [ BZ-Dernb]. Ach, herrjee, ich wääß iwwerhaabt nit, was ich demm Sp. doo koche soll! [IB-Ensh (Glass 110)]. —
b. 'Mensch, der wenig ißt' [RO-Sippf Frankth SP-Schiffstdt Glass Klutzkopp 102]. —
c. vgl. PfWB Dreck-, PfWB Frechspatz. —
3.
a. 'männliches Glied, Penis' [verbr.], bes. bei Buben, häufig auch nur im Dim. Spätzje, Spätzel [mancherorts, Glass 110 Thielen 105], Gen. f. KU-Brück ZW-Walshs; Syn. s. PfWB Schwanz 2 a. —
b. 'Geschlechtsteil des Ochsen' [ ZW-Dietriching Walshs PS-Burgalb]; Gen. f. ZW-Dietriching Walshs; Syn. s. PfWB Rute 2 d. —
c. vgl. Hahn(en)spatz. —
4.
a. 'junger, grüner Trieb des Rebstocks'

[Bd. 6, Sp. 222]
[ KB-Boland Gauh FR-Bockh Dirmst N'lein Quirnh Saush NW-Dürkh Freinsh Kallstdt Ungst]; vgl. PfWB Schoß2 1 a, WKW 8; in NW-Kallstdt werden die verschiedenen Stadien so unterschieden: Spatz 4-5 cm, Trieb ca. 15 cm und Schuß ca. 35-50 cm. Die Spatze sinn kumme [ KB-Gauh]. Die Spatze huppse, d. h. die jungen Triebe brechen leicht ab, wenn man unvorsichtig daranstößt [ FR-Albsh]. —
b. 'Aronstab (Arum maculatum)', Spätzje [KU-Godhs (Wilde Notizen)]; vgl. Bubenspitz 2. —
5. 'Mörteltragbehälter der Handlanger des Maurers' [verbr. WPf mancherorts SOPf vereinzelt übrige Pf, Thielen 105 Lambert Penns 139]; vgl. K. 355; Gen. m. vorherrschend, Gen. f: KU-W'mohr Welchw HB-Webh ZW-Wattw RO-Gehrw Obd KL-Wörsb PS-W'fischb Winz KB-Kriegsf Zell FR-Watth; vgl. PfWB Vogel 2 d γ; Syn. s. PfWB Back; zur Sachkunde: Krebs 31 und ein Gewährsmann aus Kus erwähnen als Vorläufer des trogartigen auf einer Schulter getragenen Mörteltragbehälters (vgl. Abb. 8) eine Art Gerüst mit winklig zueinander angeordneten Mörtelbrettern und zwei auf den Schultern aufliegenden Trageholmen sowie einer Rückenlehne mit Polster, das jedoch um 1930 schon nicht mehr verwendet wurde (vgl. Spatzen-, PfWB Speisbahre). De Speis von Hand anrehre / un ne, Sp. um Sp., die Läder nofferkorzle (vgl. PfWB kozeln 'auf dem Rücken tragen') [Kraus Arwed 13]. —
6. Mehlspeisen.
a. 'Art Kloß aus einem Teig von Mehl, Eiern, Wasser oder Milch, in kochendem Wasser (bzw. Milch) zubereitet', Spatz, meist Pl. Spatze [LA-Wey, vereinzelt VPf, Gal-Josbg], Dim. Pl. Spätzle [ GH-Kand]; Zs.: PfWB Mehl-, PfWB Milch-, Wasserspatz. —
b. 'Mehlspeise aus streifenförmig abgeschupptem oder durch eine Art Sieb gedrücktem Teig, in Wasser gekocht', nur Pl. Spatze [LU-Opp, vereinzelt VPf ZW-Battw], Dim. Pl. Spätzcher [ LU-Oggh], Spätzlich [ BZ-Dierb], Spätzelcher [ PS-Gersb], Schpätzlscher [PS-Rodalb (Bernhard 151)]; vereinzelt wird gemeldet (um 1930), daß sich das Gericht aus dem Schwäbischen eingebürgert habe, daher auch die Formen Spätzle (Dim. Pl.) in KU-O'staufb WD-Niedkch; Linse un Spatze, ein Gericht [ LU-Opp]. —
c. eine Wecksorte, nur Dim. Pl. Spätzcher [ KU-Reichsth]. —
7. Pl. Neckname für die Bewohner von LA-Kl'fischl und ZW-Wattw, Spatze [ LA-Essing Freimh Roschb ZW-Wattw]; vgl. Glas-, PfWB Käsespatzen, PfWB Spatzenrupfer. — RhWB Rhein. VIII 275/76, K. VIII 3; LothWB Lothr. 483; ElsWB Els. II 552; DWA XV 11; FSA 1.

 

   Schneider m.:
1. 'Handwerker, der Kleidung aus Stoffen herstellt', Schneider (naidər) [vereinzelt, Lambert Penns 137 Krämer Gal 190], Schneirer (nairər) [verbr., Mang 121, Krämer Gal 190], Schneiðer (naiðər) [ KU-Kaulb], Schneiler (nailər) [ KU-Bedb HB-Einöd ZW-Bechhf LU-Altr], Schniller [IB-Ensh (Glass 107)]; vgl. PfWB Schnitter; Zs.: PfWB Batzen-, PfWB Bucksen-, PfWB Dorf-, PfWB Flick-, PfWB Geißbock-, PfWB Hosen-, PfWB Kappenschneider; em Schneirer sein Hut [ BZ-Dierb]. De Schneirer macht en Paar House [ BZ-Dernb]. De Schneirer hot de Anzuch verhunzt 'verdorben' [ KB-Kriegsf]. Eener kaaft se ferdich, der anner loßt se beim Schneirer mache, nämlich die Kleidung [ ZW-Gr'bundb]. 's war e Maßa(n)zuch vum Schneirer [Ranssweiler 96]. E Schnejder ohne Scher, der werd nie wer [Kraus Arwed 26]. Der Schneider ist aus verschiedenen Gründen Ziel von Berufsneckereien: man sagte ihm wegen seiner Stubenhockerei eine schwächliche Kondition und Körperkraft nach, dazu geringes Körpergewicht, mangelnden Appetit, Neigung zum Frösteln, übergroße Furchtsamkeit; vgl. Becker Vk. 173/74; s. PfWB Bock 2c, PfWB Fips 2a, PfWB Geiß 2bα, PfWB Geißbockschneider, PfWB Geißenbart 1 bβ, Geißenbock 2bβ, Meckes1 3f, Nadel 2a, Schneiderbock 1a, -fips, -geiß 1a, -meckes, -pritsche 2, PfWB Schnischna-schnak. Ich un mei zwee schtarke Brieder han emol e kranker Schneider verschlaah, ironische Antwort für einen Kraftprotzer [Krieger 63]. E Märche: E Schneirer es mähe gang. »Schneirer, wo gehscht de hin?« »Ich geh' mähche!« Oufem Hämweg: »Schneirer, wo

[Bd. 5, Sp. 1301]
warschte?« »Ich war mä, mä, mä!« Vor Mattigkeit harrer 's mähe nemmer erausbrocht [ WD-Niedkch]. E därr, armselig Schneiderche, Hanskaschber war's gedaaft [Sommer Ich frää mich 57]. Mit dere dinne Gaulsdeck owwe druff dhet er friere wie en Schneider [Hartmann Unkel 72]. RA.: e derrer (dürrer) Schneirer 'ein magerer Mensch' [ KU-A'glan], de lahm Schneiler, Neckname [ KU-Bedb]; freere (frieren) wie e Sch. 'sehr stark frieren' [KU-Kaulb NW-Frankeck LA-Impfl]; zirrere (zittern) wie en Sch. [ LU-Alsh/Gr]. Do freert mer wie e Sch. [Kaislt]. Der friert wie e Sch. [Land BZ-Dierb, Alfred Kloss in: Westricher Kalender 1957 103]. Der laaft wie e Sch. 'Er läuft sehr schnell und leichtfüßig, da er kein überflüssiges Körpergewicht mitschleppen muß oder weil er so furchtsam ist' [ KU-Brück]. Der hot en krumme Sch. g'hatt, von einem mit krummen Beinen [ BZ-Dernb]. De Sch. hot gemäänt, ich wär e Elefant, wenn das neue Kleid zu weit ist [ ZW-Battw]. E Sch. loßt sich net unner der Nas' kitzle 'Ein Schneider ist empfindlich, wenn man ihn verspotten will' [ PS-Burgalb]. Ich muß de Sch. erauskloppe, sagt man, wenn man bemerkt, daß ein Kind neue Kleider trägt. Dabei schlägt man leicht mit der flachen Hand auf das neue Stück [ KU-Kaulb, KU-Bedb]. Var.: Mer muß de Sch. aus de neie Hosse (aus'm Anzuch, aus de Kleirer) kloppe [ KU-Schmittw/O KL-Hütschhs]. Kumm emol her, ich klopp de Sch. aus deine Kleirer [ KU-Schmittw/O]. De Sch. wird rausgekloppt [ GH-Schwegh]. Dann auch: de Sch. erausschlage 'verhauen' [ RO-Münchw]. SprW.: Dr Schuschter geht in v'rrisseni Schuh', dr Schneid'r in dr alde Hose 'Man arbeitet für andere, für sich selbst bleibt einem oft nichts' [ Don-Neufutok]. Wenn zwei gleichzeitig sprechen, kommt ein Jud zur Welt oder ein Schneider in den Himmel, von seltenen Ereignissen; weil man den Schneidern nachsagte, sie veruntreuten Stoff und kämen daher selten in den Himmel [ ZW-Gr'steinhs]. Sagsprichwort: 's is alles wie mer's nemmt, sacht de Schneider, do horre wirre die Hosselatz hinne hi gemach [Kaislt, Hebel 49]. Alles mit Maß, saat der sell Schneider, do hat er sein Fraa mit de Ell dotgeschlaa [Hebel 49, Trifels 20/1928]. Als das, saat das sell Märe (Mädchen), do hat's mit me buckelig Schneider gedanzt [Hebel 50]. AR.: 's geht 'n Mann 's Berchl nuf, / loßt e Färzel fahre, / kummt de Schneirer henne noch, / mit Nodle un mit Fare. / Liewer Schneirer, stech mich nit / ich geb der alles, was ich häb, / un du bist weg [ LA-Roschb]. Schneider, Schneider hopp, hopp, hopp, / mach mir einen andern Rock. / Bis ich zähle eins, zwei, drei, / muß das Röcklein ferdich sei [ BZ-Albw]; vgl. PfWB hopp 1 a. Var.: Schneider, Schneider hopp, hopp, hopp, / mach mir einen Rock, Rock, Rock. / Bis ich zähle eins, zwei, drei, / muß das Röcklein ferdich sei. / Eins, zwei, drei,

[Bd. 5, Sp. 1302]
/ ferdich is die Schneiderei [ PS-Schmalbg]. Schneider, Schneider, hopp, hopp, hopp! / Ich will e neies Röckel. / Wenn ich zähle 1, 2, 3, / muß das Röckel fertig sei. / 1, 2, 3 - das ist die ganze Schneiderei [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. KR.: Schneirer, Schneirer, mock, mock, mock, / mach mer eine neie Rock, / net so groß und net so klein, / morje muß er ferdich sein [ KU-Schmittw/O]. Schneiðer, / mach die Hosse weiðer, / mach se net se eng, / suscht gebt's e Buckel voll Fäng! [ KU-Kaulb]. Die Sunn scheint, 's Veelche (Vögelchen) greint 'weint', de Schneiðer hockt im Laðe, schneid nix as Kuche un Flaðe [ KU-Kaulb]. Zu Kanaan im Judenland, da sitzt ein alter Schneider, hat seine Nadel in der Hand und macht so schöne Kleider. Er macht sie so schön, daß jedermann die Kleider lobt, Zinderadada! [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. VR.: Schneider-Geiß-Spott (vgl. Röhrich 873 ff.): Schneirer, Schneirer meck, meck, meck, Spott, bei dem die Stimme der meckernden Ziege nachgemacht wird [ RO-Dielkch, KU-Kaulb KL-Reichb Stelzbg PS-Geisbg LU-Alsh/Gr Altr Oggh NW-Freinsh Kallstdt LA-Gommh]; vgl. PfWB meck; weitere Var.: Schni-schna-schnock, de Schneider esch en Gäßbock [ LA-Wollmh]; vgl. PfWB Geißenbock. Ich bin der Schneirer meck, meck, mäh [ FR-Tiefth]; vgl. PfWB mäh 1b. Schneiderbockgäß, mach d' Supp hääß, schlupp unner de Disch, kreisch Kehrwisch! [ GH-Kand]. 99 Schneirer wieje hunnert Pund, un wann se das nit wieje, dann sein se nit gesund [Thielen So rerre mer 109, KL-Alsbn]. Was hämmer dann fer'n Schneider / in unsre alde Stadt? / De Schneider esch 'n dummer Spatz / er macht in d' Hose gar keen Latz! / Was hämmer dann fer'n Schneider [ LA-Hainf]. Der Petzer (hier ein Spitzname) hot e Megelche 'weibliches Ferkel', der Schneider hot e Tregelche (Tröglein); quick, quick, quick; quick, quick, quick [ Gal-Dornf]; vgl. PfWB Pfetzer 1. Schneider, meck, meck, / e Schissel voll Dreck, / e Schissel voll Wanze, / d'r Schneider muß danze [ Gal-Bagbg]. Schneider mäck, mäh, / e Schissel voll Fleh, / e Schissel voll Leis, / is dem Schneider sei Speis [Pirmas]. De Schneider un die Laus, / die fordern 'nanner raus. / Do nemmt die Laus die Owerhand / un schmeißt de Schneider unner die Bank, / un wär de Floh nit beigesprung, / do wär de Schneider ums Lewe kumm, eine Anspielung auf die nachgesagten geringen körperlichen Kräfte des Schneiders [ZW-Reifbg (Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960), Feierowend 5/ 1950 1]. Ich weeß, was ich weeß! Em Schneider isch de Bock verreckt, jetzt haust er mit de Geeß [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. Der Schneirer von Buff, was er heut näht, geht morje uff [Hebel 100]. Schneirer, Schneirer, wick, wick, wick, hoschte

[Bd. 5, Sp. 1303]
ball mein Hosse geflickt? [Hebel 99]; vgl. PfWB flikken 1 a. Var.: Schneirer, Schneirer wick, wick, wick, hosch mein House noch nit g'flickt? [ LA-Essing]. E X un e Z, die Schneider sein nett, die Schneider sein Leut, die han Geld un han Schneid! [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. Willewillewitt, was macht de Schneider? Willewillewitt, was macht de Bock? Willewillewitt, er hängt am Galje, willewillewitt, er zappelt noch [Feierowend 5/1950 1]. Die vierunzwanzich Schneider, die finne mol en Schneck. / En jeder hot sich gferricht, en jeder halt sich weg. / Dann schtreckt die Schneck die Haerner, so wie e gleeni Kuh. / Nau schpringe, Schneider schpringe! / Sie will eich ebbes duh! [Penns (UHeim. 1935/1936 232)]. Die Geiß, die hat e kurzi Pritsch 'Schwanz' Pritsche 1aβ, da ist der Schneider heruntergeritscht; die Geiß, die hat e langer Fuß, das ist dem Schneider sein Schnupfduwacksdus (Schnupftabaksdose) [ PS-Fehrb]. a. 1384: Heintze snider [Doll Seelb. NW-Lach 97]. a. 1425: so man dem snyder den gezug dar zu gibt [LeinArch. Löhne]. —
2. 'das Insekt Libelle (Aeschna cyanea)', de Schneider [mancherorts VPf östl. NPf vereinzelt übrige Pf, PfId. 127], Schneirer [verbr.], Schnaarer (nārər) [ KL-Drehthhf], Schnäärer (nrər) [ KL-Weilb], Schneiðer [ Gal-Josbg], Schneiler [ LU-Altr BZ-Steinf]; Pl. wie Sg.; vgl. ALA II 196; Zs.: PfWB Bachschneider 1, PfWB Schneidergeiß, PfWB -knecht, PfWB Wasserschneider; Syn. s. PfWB Libelle 1; blooer (blauer) Schneirer [ KU-Nerzw], de geel (gelbe) Schneirer [ KU-Krottb]. —
3. 'das Insekt Wasserläufer (Gerris gibbifer)' [mancherorts VPf vereinzelt übrige Pf]; vgl. PfWB Bachschneider 2; Syn. s. PfWB Wasserläufer; geeler (gelber) Schneirer [ KU-Etschbg]; de griene (grüne) Schneider [ RO-Münchw]. —
4. 'das Insekt Mistkäfer (Geotrupes)', de Schneirer [ LA-Roschb]; vgl. K. 40; Syn. s. PfWB Pferdskäfer. —
5. 'der Weißfisch Schneider (Alburnoides bipunctatus)', Schneider [LU-Opp, Heeger Tiere II 13 PfId. 127], Schneirer [ RO-Dielkch LU-Limbghf], Schneiler [ LU-Altr]. —
6. 'sehr junger Hecht (Esox lucius)', Schneiler [ LU-Altr]. —
7. 'Feuersalamander (Salamandra salamandra)'; geeler Schneirer [mancherorts NWPf], geeler (gelber) Schneiðer [ KU-Frankb Kaulb]; vgl. PfWB Salamander 1; Syn. s. PfWB Feuersalamander. Wann e geeler Schneirer em Bronne is, han die Päär (Pferde) kee Wasser getrunk [ KU-Dittw]. Volksgl.: Wann der geel Schneirer Gift spretzt, geht 's Feier aus [ WD-Niedkch]; vgl. PfWB spritzen 1 b. —
8.
a. Ausdruck beim Kartenspiel; Sch. sein 'die Hälfte der zum Spielgewinn nötige Augenzahl nicht haben' [ LU-Limbghf NW-Hardbg]; vgl. PfWB schwarz 2 c sein; de Sch. han (hun, hawe) 'als Spieler 31 Augen 4 e, als Gegner 30 Augen haben' [ KU-Bedb RO-Dielkch NW-Frankeck LA-Wollmh]; nicht den Sch. haben 'die Hälfte der

[Bd. 5, Sp. 1304]
zum Spielgewinn nötigen Augenzahl nicht haben' [ LU-Limbghf]; de Sch. mache [Land]. Mer hawe (hän) de Sch. 'Wir haben die vorgeschriebene Augenzahl, 30 Augen' [ LU-Opp LA-Gommh]. Er hat de Sch. [Pirmas]. Mir kriehe no nit de Sch., mir sin g'schnitte 'Wir haben gerade 30 Augen, wir sind ohne Stich' [ ZW-Battw, GH-Kand]; vgl. PfWB schneiden 5 a. Er ist nicht aus dem Sch. 'Er hat nicht einmal die Hälfte der Punkte, die er zum Spiel haben müßte' [ Don-Schowe Torscha]. Mer sin Schneirer frei 'Wir haben wenigstens die Hälfte der Augen beim Kartenspiel' [ NW-Freinsh]. —
b. 'Verlierer beim Klickerspiel' [ LU-Oggh LA-Ilbh GH-Neubg]; vgl. PfWB Placken-, PfWB Bockschneider. Er is (isch) Sch. 'Er hat alle Klicker verloren' [ NW-Lach/Speyd LA-Gr'fischl GH-Hay]. Er isch blott Sch. [ BZ-Queichhmb]. —
c. 'wer beim Spiel nur noch drei Bohnen hat'. En Sch. hawe [ LA-Wollmh]. —
d. 'mit Garn umsponnener Wäscheknopf beim Knopf- und Klickerspiel' [Kaislt]. —
e. übertr. vom Kartenspiel: 'unsichere, eingeschränkte finanzielle Verhältnisse'. Meer will endlich ausem Schneider [Damm Pälzer 33]. Un kummt'mer endlich ausem Schneider, dann lääbt'mer ziemlich u'beschwert - wie sich's fer Geldleit so geheert! [Damm Pälzer 80]. —
9. 'kranke Frucht', z. B. Zwetschge [RO-Winnw (Wilde 277)]. —
10. FlN, amtl. Im Schneider [LA-Impfl]. —
11. 'Tierkastrierer' Ver-, Vieh-, Füllen-, Hengst(en)-, Ochsen-, Sau-, Sauver-, Stierschneider. —
12. Weitere Bed. s. PfWB Auf-, PfWB Beutel-, PfWB Diel-, PfWB Vor-, Frat-, zen-, PfWB Futter-, PfWB Gesichter-, PfWB Glas-, PfWB Grimassen-, PfWB Haar-, Halsab-, PfWB Holz-, PfWB Huppser-, PfWB Kraut-, PfWB Rüben-, PfWB Sächsel-, PfWB Strohschneider. — RhWB Rhein. VII 1597 ff.; LothWB Lothr. 460, ElsWB Els. II 494 Schnider; Schwäb. V 1054 ff.; Hess.-Nass. III 352 ff; Kluge-Seebold22 647; DWB DWb. IX 1268 ff.; Frankf. V 2785/86.