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 PfWB Sommer-tag (Bd. 6, Sp. 161)   PfWB Schüppe2 (Bd. 5, Sp. 1498) 
  -tag m.:
1. 'Tag im Sommer', Summerdaa, -dag, -daach, s. PfWB Tag [vereinzelt, Krämer Gal 200]. An so 'me scheene S. muß ich als raus [Kaislt]. a. 1425: einem taglohner der gewohnlich arbeitet einen Summertag 18 hlr vnd einen wintertag 1 ß hlr [Lein-Arch. (Löhne)]. —
2. 'der Sonntag Lätare mit dem an diesem Tag stattfindenden Brauchtum' (Einzelheiten s. weiter unten), Summerdag, -daach [mancherorts mittl. u. südl. VPf, Klein Prov. 157], genaue Verbr. um 1930: westl. bis zu einer Linie KL-Frankst NW-Elmst Iggb BZ-Wilgws PS-Haust, südl. bis BZ-Spirkb Sarnst Queichhmb, dann in einem Bogen bis Bergz und BZ-O'ottb von da über GH-Freckf Kand Kuhdt zum Rhein. Die nördl. der Linie KL-Frankst NW-Wachh Erph FR-Studh angrenzenden Bez. s. unter PfWB Stabaus 1. Karten von E. Christmann in: PfA K. 25, O. Bertram in: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 64 (beide aufgrund von Materialien der Wörterbuchkanzlei). Die Verbr. um 1984/85 hat sich nach der K. von B. Benner/I. Ranly/B. Sachs in: H. Schwedt (Hrsg.), Brauchforschung regional. Stuttgart 1989 34, kaum geändert. Die örtlichen Ausformungen des an die-

[Bd. 6, Sp. 162]
sem Tage stattfindenden Festes sind unterschiedlich, gemeinsame Konstituenten fast aller Sommertagsfeste sind jedoch Umzüge (einzeln, in kleinen Gruppen oder auch in großen organisierten Aufzügen) von Kindern, die gabelförmige (s. PfWB Sommertagsgabel) oder gerade (s. PfWB Sommertagsstock) Stöcke tragen, die meist mit bunten Bändern geschmückt sind und auf denen eine Brezel (s. PfWB Sommertagsbrezel) und bisweilen auch ein Apfel steckt; s. Abb. 87 Sommertag und Abb. 28 und 88 Sommertagsstöcke. Mancherorts tragen die Knaben auch Holzsäbel (s. PfWB Sommertagssäbel). Die Kinder singen Lieder (s. u.) und heischen Gaben (Wecke, Brezeln, Eier, Speck, Süßigkeiten, Geld u. ä.). Begleitet wird der Umzug häufig von zwei als Sommer und Winter verkleideten Gestalten, der Sommer in Grün, der Winter in Stroh gehüllt. An manchen Orten (um 1930 in KL-Frankst NW-Iggb LA-Venn Bergz) wird der Winter verbrannt, indem man die Strohhülle oder einen Strohhaufen anzündet. An einzelnen Orten (um 1930 in NW-Forst Neustdt Niedkch Land BZ-Eußth Spirkb) wird ein Sommertagsspiel aufgeführt (vgl. PfWB Pläckeljude, PfWB Fingerhut 4 a, PfWB Mohrenkönig), das den Kampf zwischen Sommer und Winter zum Inhalt hat. Weiteres zum Sommertagsbrauchtum s. auch bei Stoll

[Bd. 6, Sp. 163]

48 ff.; Heinz Schmitt: Der Sommertag oder Stabaus. In: J. Keddigkeit (Hrsg.): Feste und Festbräuche in der Pfalz. Kaiserslautern 1992, S. 93-140. VR. (Texte von Sommertagsliedern): Ri, ra, ro / De S. is do, de Winder is vergange / De Summer wemmer lange. / Roder Wein, weißer Wein (Bretzel nein) / Heit wemmer lustig sein. / Heit iwwers Johr / Do simmer wider do. / Ri ra Ribbestiel / Alde Weiwer essen (fressen) viel, / Junge müssen faste. / Das Brot leit im Kaste, / 's Messer leit denewe, / wer esse will, muß bäde (beten) [NW-Lambr (Wilde 268)], auch mit dem Anfang Stri, stra, stro ... [Krieger 40]. Ri, ra, ro, / De S. is do, / Wichsel, Wechsel, / Weiß mer 's Kätzel. / Uff de grine Wisse, / Kummt de Summer g'schliche, / Here nerr die Panne krache! / Werren se ahch was backe? / Raus, raus, raus, / De Fuchs geht in's Hihnerhaus, / Trinkt die beste Eier aus [NW-Haßl (Wilde 269)]. Ri, ra, ro, / de S. esch do, / Mer gehen in die Hecke, / de Summer wemmer wecke [ BZ-Spirkb]. Ri, ra, ro, / de S. is do, / de Winder is gegange, / de Summer wolle mer fange. / Rore Wein, / Brezel drein. / Heit iwwer's Johr / simmer wirrer do [ NW-Frankeck]. Ri, ra, ro, / de S. isch do! / De Winter isch vergange / mit Spieße un mit Stange. / Roter Wei un Brezle nei, / heit wemmer luschtich sei [Bergz (Kamm 103)]; weitere Sommertagssprü-

[Bd. 6, Sp. 164]
che, -lieder s. PfWB Brezel 1, PfWB Geschwisterkind, PfWB Stabaus 1; weitere Sammlungen von Sommertagssprüchen s. Firmenich II 15; Schandein Bav. IV,2 357/58; Kleeberger 29/30; A. Becker Pfälzische Frühlingsfeiern, Kaiserslautern 1908, ders., Sommertag, Neustadt 1931; Wilde 266-269; O. Bertram in: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 73-101 (mit K. der versch. Typen); F. Heeger in: PfRh. 44/1971, H. 1/2 26-29, 63-66; Carl Pfalz im Jahr 77-112. a. 1687: Weil es eine alte Verstiftung, daß obige 3 fl. 6. Kr. an Weck ausgelegt und den Kindern am Sommertag in der Kirche ausgeteilt werden soll [Wenz 219 (LU-Iggh)]. a. 1728: Denen Kindern ahm Sommertag für weck geben 9 Batzen [PfMus. 22/1905 190 (LA-Arzh)]. — RhWB Rhein. VIII 208.

 

   Schüppe2 f.:
1.
a. 'Schaufel', Schipp (ib), Pl. Schippe (ibə) [verbr., Müller Dietschw 64 Schneckenburger 28 Lambert Penns 133 PSA 85 Krämer Gal 185, auch Don Buch Rußl], Schepp (eb) [IB-Ensh (Glass 101)], Dim. Schippche, Pl. Schippcher [KU-Schmittw/O, WPf NPf]; Zs.: Pflug(s)-, Gramm-, Feuer-, PfWB Kohlenschüppe; drei Schippe Grund uf de Sarch (uf die Lad) schmeiße (bei der Beerdigung) [Land, PS-Geisbg]; e Sch. voll Grund mitgewwe, dass. [ NW-Kallstdt]. Mer braucht gewiß sich net zu schämme, / mol jemand uff die Schibb zu nemme [Wilms Land und Lewe 93]. RA.: änner uf die Sch. nemme 'jemanden zum besten halten' [PS-Rodalb (Bernhard 160), verbr.]. 's gehrem vun de Sch. 'Er arbeitet flott' [KU-Schmittw/O, verbr., Schandein Bav. IV,2 372], 'Er ist redegewandt, predigt gut' [KB-Mauchh LA-Impfl]. Der hot Zähn wie e Sch. 'große Vorderzähne', vgl. Bed. 2b [ KL-Siegb]. Die hot e Maul, daß mer se mit de Sch. fiedere kinnt, von einem großen Mund [ LA-Herxh]. Es giht em nit vun de Sch. 'Er arbeitet umständlich' [Thielen So rerre mer 108, Beam Penns 92]. Eine minderwertige Gabe es besser uf de Sch. wie uf de Hand [Thielen So rerre mer 108]. Ein Faulenzer esch schneller bei de Kripp as bei de Sch. [ BZ-Dierb]. Der kriet aa mit aaner Sch. voll genunk, von einem Habgierigen [ KB-Bischh]. Der Dauerschwätzer kriet noch e Sch. voll ufs Maul (bei seiner Beerdigung) [ KU-Herschw/Petth]. Dem sellen se e Sch. voll mäh gäwe, dass. [ KB-Kerzh]. Der hockt uf em Doregräwer seine Sch. 'ringt mit dem Tod' [ LU-Böhl]. Der is em Dod vun der Sch. gehuppst (wenn jemand wider Erwarten gesund wird) [ Gal-Bagbg, mancherorts Don Gal Buch], is em Dodegräwer ... [Sunndag 14. 9. 1958]; em Deijwel vonnda Schipp schpringe 'gerade noch mit dem Leben davonkommen' [IB-Ensh (Glass II 81)]. SprW.: E Fraa kann mit em Leffel meh fortschaffe, wie de Mann mit de Sch. erinbringt [Krieger 28]. Die letscht Schipp Grund isch ungesund [Kraus Allseiläbdah 44]. Volksgl.: »Ergreift der Todtengräber beim Einscharren zuerst den Spaten, so ist der zunächst Sterbende ein Mann; erfaßt er die Schippe — so ist es ein Weib« [Schandein Bav. IV,2 409].

[Bd. 5, Sp. 1499]

[Bd. 5, Sp. 1501]
Wammer der Bruschtknoche vume Hinkel verbrecht, des was die Sch. kriggt, lebt lenger as des, was die Grubhack kriggt, dann's hot die Sch. fer helfe 's anner zu begrawe [Fogel Beliefs Penns Nr. 323]. Zum Ruf des Totenvogels s. PfWB Grab, PfWB Hacke 1 a. VR.: Ri, ra, ro, / De Summerdag isch do, / Mit Schibbe un mit Stange / De Winder werd gefange. / Ri, ra, ro, / De Summerdag isch do [LA-Rhodt (Wilde 269)]; Var. s. PfWB Sommertag. a. 1571: Item 1 alt Schipp [WerschwSchR, Inventarium]. a. 1596: 1 Eyßen schüep [ebd., Bl. 597], 6 Neüer schüppen [ebd., Bl. 612r]. a. 1612: 1 Eysene Schüpp [DisibSchR, Bl. 279r]. a. 1788: Ein schipp mit stiehl [Kurpf., A. 1631/8/37 (KL-Steinwd)]. —
b. 'Spaten' [ PS-Lu'wink NW-Deidh Freinsh Don-Tscherwk Gal-Josbg]; Zs.: PfWB Grabschüppe 1. —
c. 'hölzerne Wurfschaufel für Getreide, Kartoffeln usw.' [ PS-Bruchw/Bärb NW-Friedh Don-Gert]; Zs.: Grundbirn(en)-, PfWB Kornschüppe; Syn. s. Nürs(t) 1, K. 305. —
d. Dim. 'Mistschaufel', Scheppche [Don-Lenauheim]; Zs.: PfWB Dreckschüppe 1. —
e. Pl. α. 'gebogene schaufelförmige Eisenhaken am Grubber', Dim. Schippcher [ KU-Obw/T]. —
β. 'Haken an der Reihenegge', Dim. Schippcher [ KL-Hütschhs]. —
f. s. die Zs. Kappen-, PfWB Honigschüppe, PfWB Schäferschüppe 1. —
2. übertr.
a.
α. 'Lippe', bes. 'herabhängende oder vorstehende Unterlippe', derb, Schipp [Zweibr KL-Rodb]; vgl. PfWB Schüppenmaul, -schnute. —
β. 'zum Weinen verzogener Mund, beleidigtes Gesicht (mit vorgeschobener Unterlippe)' [verbr., Lambert Penns 133 Krämer Gal 185, auch Don]; vgl. PfWB Pfanne 3 c. 's Kind macht e Schipp (e Schippche) [RO-Rehborn, verbr.], e Schippel [ LA-Herxh]. Alleweil ziehts e Schippsche! Glei fangts o zu groine! [Damm Dreifltichkäät 85]. —
b. 'große Vorderzähne', scherzh., Schippe [ LU-Neuhf]. —
c. 'abgeschnittene Fingernägel', Schippe [ ZW-Bechhf]. —
d. 'die Spielkartenfarbe Pik', Schippe [verbr., PfId. 122 Schneckenburger 28, vereinzelt Don Gal]. Schippe is Trump [ KU-Schmittw/O]. Ich han Schibbe bestellt [ KU-Bedb]. RA.: Er is nimmi recht bei Schippe 'ist geistesgestört' [ ZW-L'wied]. —
e. im Ausruf: Ja, Schippe! 'Von wegen!' [Bayer Hackm. 58, NPfGV 8. 8. 1934], Jo, Schippel! [Feierowend 47/1953]. —
f. Dreck- 2, Grab- 2, PfWB Schäferschüppe 2. — Südhess. V 821; RhWB Rhein. VII 1900 ff.; LothWB Lothr. 443; ElsWB Els. II 424, ALA II 71; Eichhoff WA 14 Schaufel, 82 Kehrschaufel.