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 PfWB Sommer-tag (Bd. 6, Sp. 161)   PfWB Blatt (Bd. 1, Sp. 980)   PfWB Laub-blatt (Bd. 4, Sp. 809) 
  -tag m.:
1. 'Tag im Sommer', Summerdaa, -dag, -daach, s. PfWB Tag [vereinzelt, Krämer Gal 200]. An so 'me scheene S. muß ich als raus [Kaislt]. a. 1425: einem taglohner der gewohnlich arbeitet einen Summertag 18 hlr vnd einen wintertag 1 ß hlr [Lein-Arch. (Löhne)]. —
2. 'der Sonntag Lätare mit dem an diesem Tag stattfindenden Brauchtum' (Einzelheiten s. weiter unten), Summerdag, -daach [mancherorts mittl. u. südl. VPf, Klein Prov. 157], genaue Verbr. um 1930: westl. bis zu einer Linie KL-Frankst NW-Elmst Iggb BZ-Wilgws PS-Haust, südl. bis BZ-Spirkb Sarnst Queichhmb, dann in einem Bogen bis Bergz und BZ-O'ottb von da über GH-Freckf Kand Kuhdt zum Rhein. Die nördl. der Linie KL-Frankst NW-Wachh Erph FR-Studh angrenzenden Bez. s. unter PfWB Stabaus 1. Karten von E. Christmann in: PfA K. 25, O. Bertram in: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 64 (beide aufgrund von Materialien der Wörterbuchkanzlei). Die Verbr. um 1984/85 hat sich nach der K. von B. Benner/I. Ranly/B. Sachs in: H. Schwedt (Hrsg.), Brauchforschung regional. Stuttgart 1989 34, kaum geändert. Die örtlichen Ausformungen des an die-

[Bd. 6, Sp. 162]
sem Tage stattfindenden Festes sind unterschiedlich, gemeinsame Konstituenten fast aller Sommertagsfeste sind jedoch Umzüge (einzeln, in kleinen Gruppen oder auch in großen organisierten Aufzügen) von Kindern, die gabelförmige (s. PfWB Sommertagsgabel) oder gerade (s. PfWB Sommertagsstock) Stöcke tragen, die meist mit bunten Bändern geschmückt sind und auf denen eine Brezel (s. PfWB Sommertagsbrezel) und bisweilen auch ein Apfel steckt; s. Abb. 87 Sommertag und Abb. 28 und 88 Sommertagsstöcke. Mancherorts tragen die Knaben auch Holzsäbel (s. PfWB Sommertagssäbel). Die Kinder singen Lieder (s. u.) und heischen Gaben (Wecke, Brezeln, Eier, Speck, Süßigkeiten, Geld u. ä.). Begleitet wird der Umzug häufig von zwei als Sommer und Winter verkleideten Gestalten, der Sommer in Grün, der Winter in Stroh gehüllt. An manchen Orten (um 1930 in KL-Frankst NW-Iggb LA-Venn Bergz) wird der Winter verbrannt, indem man die Strohhülle oder einen Strohhaufen anzündet. An einzelnen Orten (um 1930 in NW-Forst Neustdt Niedkch Land BZ-Eußth Spirkb) wird ein Sommertagsspiel aufgeführt (vgl. PfWB Pläckeljude, PfWB Fingerhut 4 a, PfWB Mohrenkönig), das den Kampf zwischen Sommer und Winter zum Inhalt hat. Weiteres zum Sommertagsbrauchtum s. auch bei Stoll

[Bd. 6, Sp. 163]

48 ff.; Heinz Schmitt: Der Sommertag oder Stabaus. In: J. Keddigkeit (Hrsg.): Feste und Festbräuche in der Pfalz. Kaiserslautern 1992, S. 93-140. VR. (Texte von Sommertagsliedern): Ri, ra, ro / De S. is do, de Winder is vergange / De Summer wemmer lange. / Roder Wein, weißer Wein (Bretzel nein) / Heit wemmer lustig sein. / Heit iwwers Johr / Do simmer wider do. / Ri ra Ribbestiel / Alde Weiwer essen (fressen) viel, / Junge müssen faste. / Das Brot leit im Kaste, / 's Messer leit denewe, / wer esse will, muß bäde (beten) [NW-Lambr (Wilde 268)], auch mit dem Anfang Stri, stra, stro ... [Krieger 40]. Ri, ra, ro, / De S. is do, / Wichsel, Wechsel, / Weiß mer 's Kätzel. / Uff de grine Wisse, / Kummt de Summer g'schliche, / Here nerr die Panne krache! / Werren se ahch was backe? / Raus, raus, raus, / De Fuchs geht in's Hihnerhaus, / Trinkt die beste Eier aus [NW-Haßl (Wilde 269)]. Ri, ra, ro, / de S. esch do, / Mer gehen in die Hecke, / de Summer wemmer wecke [ BZ-Spirkb]. Ri, ra, ro, / de S. is do, / de Winder is gegange, / de Summer wolle mer fange. / Rore Wein, / Brezel drein. / Heit iwwer's Johr / simmer wirrer do [ NW-Frankeck]. Ri, ra, ro, / de S. isch do! / De Winter isch vergange / mit Spieße un mit Stange. / Roter Wei un Brezle nei, / heit wemmer luschtich sei [Bergz (Kamm 103)]; weitere Sommertagssprü-

[Bd. 6, Sp. 164]
che, -lieder s. PfWB Brezel 1, PfWB Geschwisterkind, PfWB Stabaus 1; weitere Sammlungen von Sommertagssprüchen s. Firmenich II 15; Schandein Bav. IV,2 357/58; Kleeberger 29/30; A. Becker Pfälzische Frühlingsfeiern, Kaiserslautern 1908, ders., Sommertag, Neustadt 1931; Wilde 266-269; O. Bertram in: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 73-101 (mit K. der versch. Typen); F. Heeger in: PfRh. 44/1971, H. 1/2 26-29, 63-66; Carl Pfalz im Jahr 77-112. a. 1687: Weil es eine alte Verstiftung, daß obige 3 fl. 6. Kr. an Weck ausgelegt und den Kindern am Sommertag in der Kirche ausgeteilt werden soll [Wenz 219 (LU-Iggh)]. a. 1728: Denen Kindern ahm Sommertag für weck geben 9 Batzen [PfMus. 22/1905 190 (LA-Arzh)]. — RhWB Rhein. VIII 208.

 

   Blatt n.:
1.
a. 'Pflanzenblatt', Blaat, Blatt, s. F. [allg.]. Sie geht Blärrer mache 'die äußeren Blätter der Runkelrüben wegreißen als Grünfutter' [ KL-Fischb]; vgl. PfWB blatten. Zs. Andivien-, PfWB Aspenlaub-, PfWB Bohnen-, PfWB Trauben-, Grutzen-, PfWB Gundel-, PfWB Kraut-, PfWB Laub-, PfWB Lorbeer-, Maulbeeren-, PfWB Meerrettich-, PfWB Nuß-, Rhabarber-, PfWB Rosen-, PfWB Ruß-, PfWB Salat-, PfWB Sand-, PfWB Winden-, PfWB Zuckerrübenblatt. RA.: Der nemmt awwer ka Blaat vors Maul 'sagt alles frei heraus' [ KU-Reiffb, allg.]. Der hot e Hochmut wie e Krott uf'm Bläätche (blēdχə) [verbr. Don Gal Buch]. SprW.: 's Bläätche wennt sich a emol 'Es wird auch einmal anders' [KU-Bedb, verbr.]. WR.: Schlechtes Wetter, wenn die Bläätcher naß werre oder bleiwe [ KU-Breitb]. Volksgl.: Wenn die Blärrer kummen un gehen, nemmen se die Leit mit 'Im Frühjahr und im Herbst sterben die meisten Menschen' [PfMHk. 1925, S. 175]. Sinn unner de Rummele weiße Blärrer, so saht mer, 's sterbt jemand im Haus [ KL-Reichb]. VR.: Salme (Salomea), geb de Kuh e Halme, geb de Gääß e Blaat, dann is alles saat (satt) [Kaislt (Wilde 79)]; weitere VR. mit B. s. PfWB Kehraus, PfWB Sommertag. —
b. als Grundw. in den Zs. Pfannkuchen-, PfWB Brand-, PfWB Geiß-, Hutschel-, Ohm-, PfWB Ohn-, Speck-, PfWB Spitzblatt. —
2. 'Papierblatt'.
a. das Einzelblatt im Buch, Heft usw.; so dinn wie e Blaat [WPf, allg.]; 's Bätbuch (Gebetbuch) mit de 32 Blärrer 'ein Satz Spielkarten', scherzh. [ZW-Battw, verbr.], vgl. unten c. Zs. PfWB Linien-, PfWB Lösch-, Zeitungsblatt, Zigarettenblättchen. —
b. 'Zeitung'. 's steht im Blaat [Kus, allg.], im Bläddel [LA-Venn, mittl. u. südl. VPf]. Zs. Kirchen-, Sonntagsblatt, Käsblättchen. —
c. 'Spielkarte'; 's Blaat erausspiele [ KU-Kaulb, allg.]. —
3. 'Fiepinstrument zum Anlokken des Rehbocks' in der Zs. Rehblättlein. —
4. 'Holzblättchen im Mundstück der Klarinette', Bläätche [KU-Kaulb u. Umg.]. —
5. 'Pulverblättchen', zum Schießen mit der Knallpistole, Bläätche u. Blättche [verbr. (1930)]. —
6. 'Oberleder des Vorderschuhs', Blaat u. Blatt [verbr.]. —
7. 'breiter, flacher Teil eines Geräts'.
a. 'Schneidteil von Axt, Hacke, Säge, Sense', s. die Zs. PfWB Axt-, PfWB Hacken-, PfWB Säge-, PfWB Sensenblatt. —
b. 'Blatt der Weblade', Blaat [KU-Kaulb um 1900]. Zwischen den aus Ried (Schilfrohr) gefertigten Zähnen gehen die einzelnen Zettelfäden durch. Der Abstand zwischen den Zähnen ist verschieden je nach der Feinheit des Webstoffes; man unterscheidet daher zwischen 24-er, 28-er, 32-er usw. Blättern. Mit dem Blatt wird ein PfWB Schuß an den andern geschlagen; vgl. ElsWB Els. II 168. —
c. Teile anderer Geräte und Gegenstände in den Zs. PfWB Tisch-, PfWB Eggen-, PfWB Leichten-,

[Bd. 1, Sp. 981]
PfWB Sattel-, PfWB Seiten-, PfWB Ziffer-, PfWB Zugblatt.
8. 'Schulterblatt von Rind, Hirsch, Reh', Blaat [KU-Hundh O'staufb ZW-Gr'bundb KB-Albish], Blatt [ LA-Gommh]; ufs Blaat treffe, Jägerspr. [WPf, allg.]. — F.: blād, bld WPf Don Gal Buch, blad, blḁd VPf Penns; -- bes. NWPf NPf Gal, selten südl. WPf; -ḁ- bes. südl. VPf. Bezügl. der mittl. VPf gelten die Angaben bei Bertram 16: » im Süden, ausschmalend auf der U-haardt (NW) und in einer größeren Insel im NO«. Pl.: blärər und blärÄr vorn. WPf und Westteil der südl. VPf ohne pfälz.-elsässisches Grenzgebiet; blarer und blarÄr KU-Selchb RO-Rehborn Wintbn KB-Standbl; blęðər und blęðÄr Einzelorte in der ganzen Pfalz; blędər und blędÄr vorn. nördl. u. mittl. VPf, Ostteil und Südrand der südl. VPf sowie viele Orte der SWPf; bladÄr BZ-Schweighf; blęlÄr KU-Ulm Erdb Patb Bedb O'alb Dennw/ Frohnb Rathsw ZW-Lambsbn. Neigung zur Dehnung des Stammvokals (--) in KU-Nerzw KB-Albish GH-Hatzbühl Freckf. In den Städten wird fast allg. -d- gesprochen, das auch sonst vordringt; in den Orten um Pirmas wendet man für 'Laub' die Pluralform blęÄrÄ an, während für 'Vorderteile der Schuhschäfte' die von der Stadt übernommene Form blędÄ gebräuchlich ist, Otterstetter 89. Schwund des auslautenden -r wird bes. für die mittl. WPf (blärə) und den Raum um Pirmas (blęÄrÄ, blędÄ) angegeben. Dim. bldχə WPf u. nördl. VPf, blędə Kaislt, blēdχə KU-Schmittw, blędl mittl. u. südl. VPf, blęəl SOPf, vgl. Heeger 26. — Südhess. I 910/11; RhWB Rhein. I 755 f.; LothWB Lothr. 49; Bad. I 250 f.

 

 -blatt m.: 'Blatt eines Laubbaums', Lääbblättl Dim. [ LA-Nd'hochstdt], Laabblatt [Beam Penns 63]. RA.: Er hot Ohre wie e L. [ LA-Nd'hochstdt]; Zs.: PfWB Aspenlaubblatt. —