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 PfWB simulieren (Bd. 6, Sp. 122)   PfWB ver-rücken (Bd. 2, Sp. 1247)   PfWB lehnen (Bd. 4, Sp. 879) 
   simulieren schw.:
1. 'nachsinnen, grübeln, abwesend vor sich hin denken', simmeliere (simə- ˈlīrə) [verbr. VPf SPf mancherorts übrige Pf, PfId. 132 Schneckenburger 39 Thielen 104 Glass Klutzkopp 117 Lambert Penns 150], simliere (simˈlīrə) [mancherorts, Heeger Südostpf. 30 Krämer Gal 199], simmeleere (siməˈlērə) [mancherorts MPf NWPf NPf, Höh 133 Müller Dietschw 59 Don-Tscherwk], simleere (simˈlērə) [mancherorts MPf NWPf NPf, Krämer Gal 199], simuliere [mancherorts], simmiliere [ PS-H'einöd LA-Ilbh GH-Freckf], semmeliere [ RO-Lohnsf], semmiliere [ KL-Miesb], semmeleere [ KU-Altkch Frohnhf WD-Marth Niedkch HB-O'bexb Ingb KL-Katzw PS-Donsied], summuliere [KB-Eisbg Weber 135], summuleere [ KU-Eschau], simbeliere [ PS-L'mühl Windsbg], simbliere [ PS-Glashtt Pirmas Schweix LA-Leinsw], simbuliere [Weber 135], simbeleere [ PS-Th'eischw], simmeriere [ KL-Weltb]; Part. Perf.: g(e)simmeliert, gesimmeleert [mancherorts, Mang 196 Lambert Penns 150]; Zs.: PfWB nachsimulieren; Syn.: PfWB ausdenken, -hugen, -klügeln, -kniffeln, -senkeln, -studieren, -tüfteln, -ziffern, PfWB bedenken, PfWB besinnen 1, PfWB betrachten 2, PfWB brühen 2 d, PfWB denken 1, PfWB dösen 2, PfWB träumen 2 a, PfWB tüfteln 1, PfWB dünken, PfWB erdenken, PfWB fabeln 1, PfWB versinnen, PfWB versinnern, PfWB grübeln, PfWB kribbeln 4, PfWB herumknöcheln, PfWB nachgrübeln, PfWB sammeln 2 b, PfWB sinnen, PfWB sinnieren, PfWB spinnen 4 a, daneben jedoch auch Wendungen wie PfWB Kalender machen, in die andere Woche gucken, sich den Kopf verbrechen u. a. Was simmelierschde? [NW-Kallstdt, verbr.]. Was dusche dann s.? [ KB-Biedh]. Wass simmeliersche donn, minn Kennd? [Glass II 61]. Der simmeliert, was er de Sunndag schaffe soll [ LU-Opp]. Er hockt sich e Zejtlang an de Resch un simeleert, wie er das Wähnche de Bersch nunner kriehn kennt [Kraus Herzdrikkerte 19]. Un simmeleer ich dann alleen / So for mich in de Nacht [Müller Butterbärwel 20]. Im Quetscheboom seim Schatte simeleer ich / vom Läwe, Sterbe, Erbe un nix kriehn [Kraus Putscheblum 38]. Iß aaner e Sonderling, un sinnt / Un simmeliert, dann haaßts: Er schpinnt [Kühn Palz 2]. Naachts mach ich kä Au zu un simeleer [Kraus Gutsjer 37]. —
2. 'verrückt sein' [ FR-Flomh]. Er simmeliert [ebd.]; Syn. s. PfWB verrücken 2 a. —
3. 'eine Krankheit vorschützen, sich verstellen' [PS-Rodalb (Bernhard 171) GH-Kand Weber 135]; vgl. PfWB Simulant. — RhWB Rhein. VIII 151; ElsWB Els. II 358; Kluge-Seebold22 673.

 

   ver-rücken, -ruckenschw.:
1. 'etwas von seiner Stelle rücken', vericke [allg.]; vgl. PfWB verrutschen 1, PfWB verschieben 1 a. a. 1512: wilcher gewalt drybt und gemarcken verruckt 'Grenzsteine versetzt' [PfWeist. I 468 (KU-Eßw)]. —
2. adj. Part. Perf.
a. 'geistig irre, nicht recht bei Verstand', verickt [fast allg.], vrickt [ KU-Bechb ZW-Wiesb PS-H'einöd], vereckt [ WD-Niedkch IB-Rohrb Ingb LA-Gommh], veruckt [ KU-Konk Don-Lovrin Kathreinf Rußl-Spey]; subst. Verickder, Verickdi [allg.]. Er is v. im Hern (im Hernkaschde, im owwre Stibbche) [LU-Alsh, verbr.]; vgl. PfWB hirnverrückt. Er is rein v. 'ganz v.' [KU-Diedk, verbr.], halwer v. [BZ-Eußth, verbr.]. Mer maant, du wärscht v. [RO-Sippf]. Deckmols denkt mer, die Welt isch v. [ ZW-Battw]. SprW.: Wann ener v. werd, fangt er im Kopp an [ ZW-L'wied, KU-Albb]. Alter Gassenhauer: Du bischt v., mein Kind, s. PfWB Berlin (I 710/11). Syn.: PfWB anderthalbtappig, PfWB beohmt, PfWB pervers, PfWB beschoßt, PfWB beschusselt, PfWB bestußt 1, PfWB plem-plem, PfWB daneben 2 b, PfWB tappig 2 a ε, PfWB darüber 1, PfWB darüberdraußen, PfWB desperat, PfWB toll I 1 a, PfWB tollhirnig 3, PfWB töricht 1, PfWB dösig 3, PfWB durcheinander 3, PfWB duselig 1 b, PfWB einfältig 2, PfWB verschroben, PfWB geck, geckerig, PfWB geckig, PfWB geistesabwesend, -gestört, -krank, PfWB hirngepickt, -krank, -los, -stößig, -toll, -verbrannt, -wütig, PfWB hüpfig, PfWB idiotisch, irre, PfWB irrsinnig, PfWB kindisch, PfWB letz, PfWB letzohrig, PfWB meschugge, närrisch, nebendran, -drauß, PfWB rabiat, PfWB rammdösig, PfWB rappelig, PfWB rappelkappig, -köpfig, PfWB rappig, PfWB scheckig, schockerzig, schockig, PfWB schotig, PfWB schusselig, PfWB unzurechnungsfähig, PfWB wahnsinnig; Adj. und Adv. mit vorangestelltem nicht (ganz) s. daheim, PfWB dicht, PfWB gescheit, PfWB hell, PfWB just, PfWB klar, PfWB koscher, PfWB normal, PfWB recht, PfWB richtig, PfWB sauber, PfWB zapfenduster; die Part. Perf. zu PfWB beißen, PfWB picken, PfWB verdrehen, verna-

[Bd. 2, Sp. 1248]
geln 2 b, PfWB verwirren 2, PfWB schucken, PfWB stechen, PfWB überschnappen, PfWB -spannen; die Subst. Bajaß 2, PfWB Bläß 5 c, PfWB Tappes 1 b δ, PfWB Tippel 2, PfWB Dollbohrer 2 a, PfWB Tolo 2, PfWB Tolpatsch 2, Turnel 2 f, PfWB Eulenspiegel 2 b, PfWB Halbnarr, -schäse, -schoten, -stiefel, PfWB Hanswurst, PfWB Haspel, PfWB Hospes, PfWB Irrwisch, PfWB Jochnagel, PfWB Kalfakter, Kasper, PfWB Mackes, PfWB Narr, PfWB Narrenbeutel, -bläß, -kopf, -vieh, PfWB Schalbes, PfWB Schampel, Schaus, PfWB Schockes, Schocko, PfWB Schossert, PfWB Schoten, PfWB Schotenbläß, -sabbel, PfWB Schussel, PfWB Simpel, PfWB Sparrenfantel, -gockel, PfWB Spinner, PfWB Spurkel, PfWB Stoffel, PfWB Strohbock, PfWB Zwickel; Wend. wie 'Er hat einen Käfer im Kopf' s. PfWB Boben 1 a, PfWB Drehwurm, PfWB Driller 2 b α, PfWB Drilles 3 b, PfWB Tupfen 4, PfWB Fieber 1 a, PfWB Fimmel 1, PfWB Fips 1 a, PfWB Flemme 3 d, PfWB Vogel 2 d ε, PfWB Furz, PfWB Hitze, PfWB Hormel, PfWB Käfer, PfWB Kaffeemühle, PfWB Klaps, PfWB Kopfweh, PfWB Krampf, PfWB Leibschaden, Narrengetüpfel, PfWB Rappel, PfWB Ratte, PfWB Schagrillen, PfWB Schlag, PfWB Spange, PfWB Spatz, PfWB Spinnenfieber, PfWB Spleen, PfWB Splitter, PfWB Sprosse, PfWB Stich, PfWB Stieben, PfWB Stroh, PfWB Stuß, PfWB Wurm, PfWB Zwirbel; Wend. wie 'Er spinnt' oder 'Es rappelt bei ihm' s. PfWB plaudern, PfWB brummen, PfWB träumen, PfWB drillern, PfWB fehlen, PfWB funken, PfWB krabbeln, PfWB rappeln, schnarren, PfWB simulieren, PfWB spinnen, PfWB spuken; weitere Wend. s. PfWB Pfingsten (I 836, Z. 14/15), Dach 2 a, PfWB Takt 1 c, PfWB Trost 1, PfWB Erbse 2 c, PfWB Fährte 1 b, Gefährt, PfWB Gehirn, PfWB Geiß, PfWB Geld, PfWB Geschichte, PfWB Gleis, PfWB Groschen, PfWB Gummizelle, PfWB Haus, PfWB Hirn, PfWB Hollen, PfWB Kappe, PfWB Klingenmünster, PfWB Linse, PfWB Mücke, PfWB Narrenhaus, PfWB Nerv, PfWB Oberspeicher, -stube, PfWB Rad, PfWB Schraube, PfWB Sinn, PfWB Sparren, PfWB Sprit, PfWB Stock, PfWB Stube, PfWB Wagen, PfWB Wasser, PfWB Zicken, PfWB Ziegel.
b. übertr. 'im Verhalten vom Normalen stark abweichend'.
α. Ausdruck des Tadels: Des is emol 'n verickder Kerl (Mensch) [KB-Harxh, verbr.]. Du verickdes Huhn! [NW-Kallstdt, verbr.], verickder Hund! [ KL-Hütschhs GH-Max'au]. —
β. 'sehr aufgeregt'. Er rennt (laaft, fahrt) wie v. [LA-Maik, verbr.]. —
γ. 'versessen auf etwas', vgl. PfWB verpichen 2. Er is ganz v. uf's Lese [ KU-Schmittw/O]. Du schaffscht jo wie v. [KL-Stelzbg, verbr.]. —
δ. 'heftig verliebt'. Sie esch v. of ehn (in ehn) [GH-O'lustdt, verbr.]. Die zwää sin v. ufnanner (inanner) [Frankth, ZW-L'wied SP-Schiffstdt]. Zs. mannsleutverrückt. — Südhess. II 593/94; RhWB Rhein. VII 560/61; ElsWB Els. II 249; Bad. II 97.

 

   lehnen2 schw.:
1. 'leihen', von Geld und Gegenständen, lehne (lē(n)nə) [verbr. WPf NPf mancherorts VPf Lambert Penns 98 Don-Schowe Torscha Lenauheim Lovrin Krämer Gal 140], (l'n,nə) [mancherorts VPf östl. NPf vereinzelt WPf Otterstetter 49], (leinə) [mancherorts Umg. Land, vgl. K. 61 böse], lihne (līnə) [mancherorts WPf westl. NPf GH-Erlb Hagb BZ-Hergw Christmann Kaulb

[Bd. 4, Sp. 880]
11 Höh 51, 146]. —
a. 'verleihen'; Syn.: PfWB auslehnen, PfWB borgen 1 a, PfWB pumpen 3, PfWB ver- 2, PfWB herlehnen, PfWB leihen, PfWB weglehnen; eem e Reche, e Schipp, Geld, hunnert Mark l. [verbr.]. Er lehnt mer nix [ KU-A'glan], kän Penning [ KB-Gauh], ke Geld; er traut mer nit [ GH-Kand]. Wann du widder was l. willscht, dann lehn ich der mei Katz, die kummt vun selwer hääm [Feierowend 1966, Nr. 6]. Lihnschde mer eppes, so is es halwer mein, holscht der's niemeh, so is es ganzert mein [ PS-Geisbg]. RA.: Dem mecht ich mei Maul net l., von einem Geschwätzigen [ KU-Erdb]. Dem dät ich mein Ma'e aach net l., von einem Gefräßigen [ KU-Schmittw/O]. Die moe (mögen) schön lange Ziehn (Zähne) kriehe un mei Mae möcht eich en a net lehne [PfId. 180]. Er hat de Käthel ehr Rädel gelehnt 'Er ist verrückt' (die hl. Katharina wird mit einem zerbrochenen Rade dargestellt) [ NW-Iggb]; Syn. s. PfWB verrücken 2 a. —
b.
α. 'entleihen'; Syn.: PfWB borgen 1 b, PfWB pumpen 3, PfWB entlehnen, PfWB leihen. Er hot sich Geld gelehnt [BZ-Dernb, verbr.]. Mer hun uns e Gluck gelehnt (weil die eigenen Hühner nicht zum Brüten neigen) [ KU-Schmittw/O]. Die dun beim Kaufmann Geschirr lehne (für die Hochzeit) [ PS-Fehrb]. Er lehnt sich ani (eine Pfeife) vun de Borsch [Kühn Hamet 30]. Er muß sich e trocke Brot lehne [RO-Münstapp]. Als Wortspiel zum VN Lene: zor Bas Lene gehe [PfId. 87, LA-Venn Schandein Sprachsch. 37]. Die Bas L. kommt [ KL-Hirschhn Weilb]. SprW.: Sei Lebtag hat e frih Veelche noch ke Felerche (Federchen) bei eme späle (späten) brauche se lehne, von der Tüchtigkeit der Frühaufsteher [ KU-Bedb]. Volksgl.: Mer soll in eppes Gelehntes heiere (heiraten) fer Glick [Fogel Beliefs Penns Nr. 212]. Wann ebber verhext is, 's erscht as kummt fer eppes lehne die Hex [ebd. Nr. 639]. 15. Jh.: kane dan der arme das geld under den cristen nit uffbringen, so mage er das under den judden lehenen [PfWeist. 241 (NW-Deidh)]. alle seine Juwelen werden verkauft und versetzt, Geld darauf gelehnt und den jungen Leuten geben [Liselotte Briefe 143]. a. 1751: Schwein, die er auf seinem Mist und Trog erzogen oder vor Jacobs Tag noch gekaufft oder gelehnt [Zweibr I 761 (HB-Altstdt)]. a. 1787: wegen gelehntem Geld [WernbgVormR]. a. 1797: Hab ich Adam Haubtführer gelent bey dem friderich braun [Hausbüchlein des H. aus KU-Nußb]. —
β. e Zehner l. 'bei der schriftlichen Subtraktion einen Zehner entleihen' [ KU-Schmittw/O]. —
2.
a.
α. 'Grundbesitz gegen gewisse Leistungen verleihen'; vgl. PfWB Lehen. a. 1250: zuo lehene die gotzgabe von der kirchen zuo Zvenkirchen [ZweibrReg. 38]. a. 1298: Wan er der fautien zu Alsenzen von eine gith zu lehene [OttbgUrkb. 216]. —
β. 'verpachten' in der Zs. PfWB verlehnen

[Bd. 4, Sp. 881]
1 a. —
γ. 'vermieten' in der Zs. PfWB verlehnen 1 b. —
b.
α. 'pachten'; Syn.: PfWB pachten, +entlehnen; (sich) e Acker l. [ KU-Diedk Quirnb RO-Als Dielkch NW-Frankeck BZ-Albw Dierb], Land l. [ PS-Schmalbg]. Die Äcker werre an Mardine (Martini, 11. Nov.) gelehnt [ GH-Kand]; vgl. Lehn(s)acker. —
β. 'mieten', lehne [ HB-Walsh]; vgl. PfWB lehns. — Südhess. IV 243/44; RhWB Rhein. V 311 ff.; ElsWB Els. I 580.