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 PfWB Seiten-gewehr (Bd. 6, Sp. 54)   PfWB Braut (Bd. 1, Sp. 1172)   PfWB Hoch-zeit (Bd. 3, Sp. 1110) 
 -gewehr n.: 'kurze Hieb- und Stichwaffe, seitlich am Koppel getragen, Bajonett', -gewehr [mancherorts]. RA.: Antwort auf die Frage, wie jemandem ein neues Kleid steht: Ou jear, unn wie! Sou guud wie ännre Gääs e Seidegewehr! [Braun Lääsebuuch II 168]. a. 1725: »Nach den alten Satzungen wird jeder, der ohne Ladstock oder mit einem Seitengewehr in den Schießstand geht ... gestraft« [Dochnahl 184]. —

 

   Braut f.:
1. wie schd., früher nur 'Braut an ihrem Hochzeitstag', Braut, Braaut, Brout, Brutt, s. F. [allg.]. Das Wort hat die ältere Bez. Hochzeiterin im lebendigen Gebrauch nach dem Stand von etwa 1960 gänzlich verdrängt. Die ewich B., scherzh., spöttisch von einem Mädchen, dessen Brautzeit ungewöhnlich lang dauert [verbr.]. RA.: Wenn in einem Zimmer zwei Lichter brennen, fragt man im Scherz: Is e B. im Haus? [ KU-Bedb LA-Nd'hochstdt]. Er hot'ne stehn geloß wie e Lump sei Braut 'hat ihn keines Wortes mehr gewürdigt' [Don (Steinmetz)]. Vor allzu ungestümem Vorgehen warnt man: Langsam mit der B., sunscht fallt se in de Dreck [ Don-Gottlob]. Von der Art des Kleidens

[Bd. 1, Sp. 1173]
für die Feldarbeit heißt es: Ins Hee (Heu) wie e B., in d'Stopple (zum Kornschneiden), daß em graut [ GH-Zeisk, KL-Stelzbg]. SprW.: Wer 's Glick hat, fehrt die B. häim, die B. mit reicher Mitgift, die B., die viele Freier hat [KU-Schmittw/O PfMHk. 1925, S. 169 Krieger 29], ... derf die B. in die Kerch fehre [Don (Steinmetz)]. Wer warte kann, kriet aach e Mann; wer uf Gott vertraut, werd aach noch Braut [Kaislt, verbr., auch Don Gal Buch]. Wer Mirte (Myrten) baut, werd niemols Braut [ KU-Bedb]. Den VR von 's Korbmachers Tochter un 's Besembinners Sohn s. bei PfWB Besembinder 1. In IB-Alschb gehörte zur Ausstattung der B. ein großer schwarzer Schal, dazu der aus weißen Wachsperlen gefertigte Orangenblumenkranz; den Riesenschal, der mit seinen acht Zipfeln die ganze Person und jegliche Körperform verhüllt, konnte man später bei allen Anlässen tragen, besonders bei Begräbnissen [Dimel 140]. Kostspielig wurde für den jungen Mann die Brautwerbung in IB-Alschb, wenn die Auserwählte noch eine ältere ledige Schwester hatte, weil er ihr eine Geiß schenken mußte [Dimel 140]. In KU-Diedk kauft der Bräutigam die Ringe und erhält von der Braut eine Uhrkette. Volksgl.: Wenn die B. rauhe Haare hat, dann wird das Ehepaar reich [Kus KU-Gries], desgleichen, wenn es der Braut beim Kirchgang in den Schleier regnet [ BZ-Wernbg], oder wenn die Schneiderin einen Pfennig in den Saum des Brautkleides einnäht [Zweibr]. Es bedeutet Glück in der Ehe, wenn die B. mit dem rechten Fuß zuerst auf die Kirchenstufe tritt [ GH-Hagb], wenn die B. am Altar weint [ ZW-Hengstb], wenn sie am Hochzeitstag weint [ LA-Kirrw]. Dagegen bedeutet es Unglück in der Ehe, wenn sich die B. auf dem Weg zur Trauung umschaut [ IB-Hass LU-Opp], oder wenn der B. in der Kirche der Handschuh oder der Blumenstrauß auf den Boden fällt [ LU-Fußgh]. Verliert die B. beim Überschreiten der Kirchenschwelle den Schuhabsatz, dann bedeutet dies ihren baldigen Tod [ KL-Mackb]. Die Ehe wird bald geschieden, wenn die B. bei der Trauung dem Bräutigam den Ring nicht über den Finger streifen kann [ BZ-Pleisw]. Lustichi Braut, unglücklichi Fraa [ FR-Hettldh]. Wann's de Braut rächet (regnet) uf de Kopf, gitt's (gibt es) en arme Tropf [ GH-Kand]. Wenn die B. die Katzen nicht gern hat (sie nicht gut füttert), dann bedeutet das kein Glück in der Ehe [ RO-Mannw KB-Mauchh]. Auf das Brautkleid dürfen keine Perlen aufgenäht werden, sonst gibt es Tränen in der Ehe [ FR-Bobh]. Man wünscht der B. eine schlechte Ehe, dann wird sie bestimmt glücklich; auch das Zerschlagen von altem Geschirr bringt Glück [ RO-Mannw]. Junge Burschen versperren dem Brautpaar mit

[Bd. 1, Sp. 1174]
einem Seil den Weg; dabei sagen sie: Baue de Braut un dem Bräutigam e Brück. Kommt sie darüber, hat se viel Glück; kommt sie nicht drüber, bricht ihr das Glück [Vogelsgesang 32]. —
2. übertr.
a. 'geistliche Braut bei der Primiz des Priesters'. a. 1730: Auch rügte der Bischof, wie im Bistum Speier u. a. auch der böse ärgerliche Gebrauch bestehe, daß neugeweihte Priester, wenn sie ihre erste Messe lesen, eine Jungfer mit sonderbarer Distinction beiziehen, welche sehr wohl und hochzeitlich aufgeputzt in der Kirche miterscheint, auch ein besonderes Prärogativ im Knien vor anderen Anwesenden sich anmaast und noch oben darauf die geistliche Braut ärgerlicherweise pfleget genannt zu werden [Seel, Chronik von Deidesheim, S. 233]. —
b. 'als Braut gekleidetes Mädchen im Pfingstumgang', vgl. PfWB Pfingstbraut. —
c. 'Gewehr des Infanteristen', scherzw. in der Soldatensprache. —
d. 'Wirbelwind' in der Zs. PfWB Windsbraut. —
e. Braut im Haar 'Schwarzkümmel (Nigella damascena)' [vereinzelt VPf (Wilde 225)]. — F.: brud in der lothr. SWPf; Verbreitung der F. mit -au-, -āu-, -ou- wie etwa bei brauchen. Die Pluralform braid belegt für KU-Eschau FR-Flomh Bockh NW-Frankeck LA-Mart. — Südhess. I 1082/83; RhWB Rhein. I 934 ff.; LothWB Lothr. 69; ElsWB Els. II 205; Bad. I 312.

 

 -zeit f.:
1.
a.
α. 'Eheschließung', Hochzet (hoxdsəd), -zeit, -zit, -zich (-dsiχ, -dsi), -zert (-dsərd), Hukset (hugsəd) [verbr., s. K. 204], Hokset (hogsəd) [ RO-Gundw Dörnb], Hochsert [ RO-N'hemsb], Hochzeet (-dsēd) [ RO-Ruppeck FR-A'lein], Hoochzich (hōxdsiχ) [ BZ-Dörrb], Huchzeit [ WD-Hoof], Huchset [ KU-Hachb], Huchzent [ KU-Patb], Huksert (hugsərd) [ KU-Elzw Obw/Tiefb Kreimb], Hukzet [ KL-Wörsb], Hukzich [ KU-Reichsth]; Auslandpfälzer: Hochzet [verbr. Gal vereinz. Buch], Hochzeit [verbr. Don mancherorts Gal Buch], Hochzich [verbr. Penns Rußl mancherorts Don Gal], Hochzit [mancherorts

[Bd. 3, Sp. 1111]
Gal]. Zs.: Bauern-, Doppel-, Nach-, PfWB Säckelhochzeit. Sie mache vor de Weihnachde H. [LU-Altr, verbr.]. Sie werre ball H. halle [KU-Hachb, verbr.]. Sie wolle kään H. halle [ KU-Bedb]. Sie hän geschdern H. g'hatt [LA-Impfl, verbr.]. Er geht H. mache 'wird heiraten' [HB-N'alth, verbr. lothr. SWPf]. Der Heiratsvermittler macht die H. ferdich [ KU-Bedb]. Das Brautpaar geht zu de H. lade 'einladen' [LA-Gommh, verbr.]. Bei der Einladung sagt das Brautpaar: Mer laren eich herzlich in zu unserer H. [KL-Wörsb, verbr.]; oder: Am Samschdag hammer H., do sen ehr allegare gelad [ WD-Niedkch]. Die Einladung wurde früher in der WPf auch von dritten Personen übermittelt. s. Lade-, PfWB Nebenknecht, Lade-, PfWB Nebenmädchen [Schandein Bav. IV/2, 367]; vgl. auch PfWB Hochzeitsbitter. War ein Heiratsvermittler (eine Vermittlerin) am Werk, dann kummt er (sie) aa uf die H. [ PS-Schmalbg]. Wer nicht zur H. eingeladen wurde, tröstet sich mit den Worten: Wammer net uf die H. gehäiß werd, spart mer de Haussteier 'das Hochzeitsgeschenk' [ KU-Schmittw/O]. Die H. is bei de Braut ehre Leit 'im Elternhaus der Braut' [ NW-Freinsh]. 's lait (läutet) zur H. [ LU-Opp]. Mer gihn net uf die H. [ RO-Rehborn]. Mer kumme zu de H. [ GH-Hatzbühl]. 's war e klään (e großi) H. [RO-Dielkch, verbr.]. An de H. harrese (hatten sie) 's Haus voll Leit [ KU-Schmittw/O]. Uf de H. ware nore die nächschde Verwandte do [ KL-Reichb]. RA.: Er jukst vor de H. 'freut sich zu früh' [ PS-Saalstdt Don-Schowe]. Er geht iwwerzwerch wie de Hund uf d' H. 'geht querfeldein' [Wasgau-Bote Nr. 11/1934]. Der Selbsmörder hat mer'm Sääler (Seiler) seiner Dochter H. gemach [ KL-Reichb]. Wo schlecht gewirtschaftet wird, geht alles uf wie uf Matze H. [ ZW-Ernstw Zweibr]; Var.: Es is ausgang wie uf Matze H., nore de Henn hat kään Leffel gehatt [ PS-Saalstdt Pirmas Don-Heufeld Gert Schowe]. SprW.: Uf H. gehe is e Ehr, macht awwer aach de Beidel leer [verbr. Don Gal Buch]. Es is net alle Daa H. [ Don-Neupasua]. Nerjends werd soveel geloo (gelogen) wie vor de H. [ KB-Kriegsf]. Nooch de H. is die Mark nor noch fufzich Penning wert [Krieger 31]. 's is käin H. so kläin, 's gibt noch äin 'Auch bei der kleinsten H. werden weitere Hochzeiten gestiftet' [ KU-Schmittw/O]. Wann die Katz fort es, halle die Mais H. [ KU-Kaulb]. Volksgl.: Wammer iwwer 's Kreiz handsscheekd (engl. hands shake 'Hände schütteln'), gebt's H. [Fogel Beliefs Penns Nr. 383]. Wann der Hund uf'm Schwanz rumfahrt, gebt's H. [ebd., Nr. 320]. Zu Volksgl. u. Brauchtum s. PfWB Braut (Wortfamilie), Trauung, Ehe 1, PfWB einladen 1, PfWB Freier (Wortfamilie) u. die Zs. mit Hochzeits-; vgl. auch Becker Vk. 228 ff. VR.: Petersilie un Sauerkraut wachsen in unserem Garde; bis 'm

[Bd. 3, Sp. 1112]
Katrinche sei H. gebt, kann ich net erwarde [ Gal-Brunnd]; Var. s. PfWB Peterle. Router Wein, weißer Wein, morje muß die H. sein [Wilde 262]; s. auch den VR. bei Bettelleute.
β. 'Hochzeitszug'. Alleweil kummt die H. [NW-Freinsh, verbr.]; man geht in folgender Ordnung: Kinder der allernächsten Verwandtschaft, Brautpaar, Brautführer mit Brautmädchen, weitere Gästepaare, die Elternpaare zum Schluß. Sie gihn H. gucke 'lassen den Hochzeitszug an sich vorbeiziehen' [ KU-Schmittw/O]. Der Hochzeitszug wird durch ein über die Straße gespanntes Seil aufgehalten; das junge Paar muß sich den Weg freikaufen; dabei hört man den Spruch: Hier ist eine Brück gebaut, für die H., für die Braut; wer kein Geld gibt, hat kein Glück [Vogelsgesang 32]. —
b. 'hohes kirchliches Fest' (mhd. hōchgezīt). a. 1445: die cappell zu mittelnbach (ZW-Mittb) Sontags vnd of die hogezyt besingen vnd verwesen [ZweibrUrkb. 52]. a. 1451: of etliche Hochgeczide und helge Dage [NUrkKG Nr. 342]. —
2. 'Paarungszeit bei Tieren'. Die Katze halle H. [ RO-Rehborn]. Die Stare mache H. 'versammeln sich an einer Stelle' [ LU-Muttstdt]. Zs.: Hunds-, PfWB Katzenhochzeit. — Der lange Vokal im Grundw. (mhd. hōchzīt) wurde weithin noch vor Eintritt der nhd. Diphthongierung gekürzt und später in unbetonter Stellung fast allg. zu -ə- abgeschwächt: hoxdsid > hoxdsəd. Die Form hoxdsid hielt sich in der lothr. SWPf, wo der Wandel -ī- > -ei- allg. ausblieb (vgl. K. 1), sowie in einem kleinen Reliktgebiet der südl. VPf (vgl. K. 204). Im Hauptgebiet der VPf wurde auslautendes -it als ungewöhnlich empfunden und durch das relativ häufige Suffix -ich ersetzt. Die Form hoxdsaid zeigt schriftsprachl. Einfluß. — Südhess. III 632/33; RhWB Rhein. III 719 ff.; LothWB Lothr. 246; ElsWB Els. II 918; Bad. II 741/42.