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 PfWB Seil1 (Bd. 6, Sp. 37)   PfWB Leine (Bd. 4, Sp. 922)   RhWB Leine (Bd. 5, Sp. 370) 
   Seil1 n.:
1. 'aus Fasern, Strohhalmen gedrehter Strang zum Binden oder Ziehen', im Ggs. zu PfWB Bändel, PfWB Bindfaden, PfWB Fissel, PfWB Garn, PfWB Kordel, PfWB Schnur bezeichnet das Wort die dickere, stärkere Ausführung, im Vergleich zu PfWB Strick meist die dünnere, schwächere. Gegenüber Tau2, PfWB Leine, PfWB Strang, die meist auf spezielle Verwendungsweisen eingeschränkt sind, gilt es als allgemeiner Ausdruck, Sääl (sl) [verbr. (außer Teilen der NOPf NWPf), Altenhofer 19 Glass 92 Müller Dietschw 58 Krämer Gal 196], Sääil (sil) [KU-Nußb Odb Schmittw/O WD-Niedkch HB-Einöd RO-Münstapp], Seel (sēl) [mancherorts NOPf mittl. WPf SOPf vereinzelt übrige Pf, Beam Penns 99 Lambert Penns 148 Krämer Gal 196], Saal (sāl, sl) [NOPf mancherorts NWPf PS-Bundth LU-Altr, Christmann Kaulb 24 Mang 131 Krämer Gal 196], Saael (sāəl) [ KU-Albess Breitb Dunzw Konk RO-Kalkof Wintbn KL-Wörsb], Saail (sāil) [RO-Schiersf GH-Neubg, Krämer Gal 196]; Pl. -er [ KU-Erdb Krottb Rammb IB-Erfw/Ehling ZW-Käshf Zweibr Frankth LU-Altr Opp Schauh NW-Duttw Elmst Frankeck LA-Diedf BZ-Dörrb Nd'ottb GH-Kand], Sääl [ KU-Bedb RO-Als KL-Matzb PS-Wallhalb KB-Gauh BZ-Dernb GH-Kand], Saal [ KU-Adb RO-Rehborn FR-Albsh], Sääle [ KL-Weltb]; Zs.: Bickel-, Trag-, Draht-, Trückel-, Tücher-, Garten-, Gerüte-, Glocken-, Harz-, Keller-, Kelter-, Leit-, Narren-, Rollen- 1, Rüst-, Ruten-, Scheuer-, Schrot-, Spann-, Sprung-, Stufen-, PfWB Wäscheseil. Sin uf de Asselstää mit Sääl un Hoke gekrawwelt [Kröher Lyoner 124]. RA.: an aam (einem) S. ziehe 'gemeinsam handeln' [PfMHk. 1925 175]. 's rechent an ääm S. (fort) 'Es regnet ununterbrochen' [GH-Nd'lustdt, mancherorts mittl. u. südl. VPf]. Der loßt sich liewer (erschder) e hoorich (fusserich) S. dorch de Arsch (dorchs Arschloch, dorch de Hinnere, dorchs Maul) ziehe, als wie er eem ebbes (en Penning) gebt, von einem Geizhals [ ZW-Hornb, mancherorts]. Der kennt aa nimmi uf 'm S. danze, von einem Betrunkenen [ KL-Reichb]. SprW.: Wen unser Herrgott am Sääl hat, den braucht mer nimmi ze stumbe [Heimatkalender Kaislt 1973 30]. Volksbr.: Bei Hochzeiten wird das aus der Kirche kommende Brautpaar durch ein über die Gasse gespanntes Seil aufgehalten und erst nach Abgabe eines Trinkgeldes o. ä.

[Bd. 6, Sp. 38]
wird der Weg freigegeben [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. a. 1550: hen wir geben vor sel zu sant Ulrich zu glocken [Wenz 291]. a. 1679: dem Seiler vor ... Seiler vndt wagengeschirr [GgHospR]. — Im Bes.
a. 'Seil zum Niederbinden des Heubaumes' [mancherorts]; Zs.: Bind-, Ernte-, Heubaum-, Heu-, Rollen- 2, Wagen-, Wiesbaum-, Wiesen-, PfWB Windseil; Syn. s. PfWB Ernteseil. —
b. 'Strohseil zum Zusammenbinden der Garben' [mancherorts, auch Auslandspfälzer]; Zs.: Garben-, PfWB Strohseil. —
2.
a. Maß für eine Getreidegarbe (mit einem Seil von vorgeschriebener Länge); vgl. PfWB Seil 1 b und DWB DWb. X, I 213 Seil 3bδ; um 1532: Der buttell soll auch inn meines hern beunnen (s. PfWB Beunde) genn, wilch frucht hant, vnnd soll zweyvnndfunfftzig seyll korens darinn nemen ongeferlich, die soll er heimschaffenn [PfWeist. 265 (KB-Dreis)]. —
b. ' Teil des Zehnts'. »Der Mutterstadter Zehnte wurde dabei in gleichgroße Teile gegliedert und diese hinfort Seile (Saile, Seyle, Sayle usw.) genannt« [Eyselein 53, 165]. —
3. FlN, amtl. Im Seil [ KL-Enkb]. a. 1784: am Seil [BrPr. 184 Nr. 17 (KL-Enkb)]. Kann auch zu Seigel2, PfWB Seihel gehören. —
4. vgl. PfWB Stockseil. — RhWB Rhein. VIII 52 ff.; LothWB Lothr. 426 Säl; ElsWB Els. II 350; Eichhoff WA 51 'Springseil'; 74 'Bindfaden'.

 

   Leine f.:
1. 'Hanfseil', Lein (lain, -an-, -ḁ-) [verbr., Christmann Kaulb 16, Lambert Penns 98], Laain (lāin) [ RO-Schweisw]; Pl. -e (-ə); Zs.: PfWB Hanfleine.
a. 'Zügel zum Lenken der Zugtiere' [verbr., auch Gal, Beam Penns 65]; vgl. PfWB Leitseil, PfWB Zügel; Zs.: PfWB Acker-, PfWB Kreuz-, PfWB Lederleine. Zieg die L. an! [ LU-Alsh]. SprW.: Mer därf die L. net aus der Hand gewwe, so lang mer uf'm Waa sitzt [ Gal-Lindenfeld Neu-Chrusno]. —
b. 'Seil zum Niederbinden des Heubaumes' [ KL-Nanzdzw Stelzbg NW-Lambr]; Zs.: PfWB Bindleine; Syn. s. PfWB Ernteseil. —
c. = PfWB Hundsleine [mancherorts]. —
d. 'Angelschnur' [Beam Penns 65]. Volksgl.: Wann iwwer'm Fische die Schlangehider 'Libellen' sich uf die Gert oder Lein hocke, kammer ken Fisch fange [Fogel Beliefs Penns Nr. 1380]. —
e. = PfWB Schuhbändel. Die L. hot sich dorchgefutschelt 'durchgerieben' [ RO-Ransw]. —
f. Zs. PfWB Wäscheleine. —
2. Zieh Leine! 'Geh weg!, Verschwinde!' [Spey]; mit dem Zusatz: dei Mudder braucht Bettwäsch [ LU-Oggh]. Die RA. stammt aus der Zeit der alten Binnenschiffahrt, als die Schiffe von Zugknechten oder -pferden mit der Leine vom Leinpfad her gezogen wurden (Röhrich 594). Die urspr. Bed. des Wortes ist abgeblaßt; im Zusatz scherzh. Umdeutung zu 'Leinen' oder 'Wäscheleine'. — Südhess. IV 279/80; RhWB Rhein. V 370/71.

 

 Leine das Wort ist allg., u. zwar lain, –ęi-, –ę·i.-, le·ŋ., –i-, –ę- (Bitb) [Bitb-NWeis lī:n; Mettend N u. Obersgegen Rittersd Wiersd lę·ŋ.t], lī:n, lin [Geld-Twisteden li·ŋ.t; Klev auch lint]; Pl. -nə(n), –·ŋ.ə(n); Demin. -nχə(n), –·ŋ.kχə(n), –·ŋ.skə, –nə, -nəkə, –ntjə [dazu kommt eine Bildung mit m- Suffix auf dem Westerw, im Siegld u. in Waldbr, u. zwar lę·i.m, –a·i.- Neuw-Brückrachd Daufenb Dernb Muschd Rodenb Urb-Kirchd Wienau Woldert, Altk zur Sieg hin; lī:m Neuw-GrMaischd; -ī- Siegld-Littf; -ī:.- Waldbr-Bergerhf Dreschhsn Holpe Mennkausen OAgger Odenspiel; abseits lę·i.m Zell-Merl]; Pl. -mə(n)] f.: 1. hanfenes Seil von mittlerer Dicke (das Seil von mittlerer bis grösster Dicke, Tau), bei dem der Ausgangs- u. Endpunkt in der Spannung übersehbar ist; deshalb auch meist für bestimmte Zwecke gebraucht, als Leitseil (Zügel) beim Spanntier (Perds-, Fahr-, Karen-, Plugl.; en zweispännige, dubbelsp. L. für ein Doppelgespann), als Trockenl. (Wäschl.) Allg.; Längelängt woran die zu trocknende Leinwand aufgehängt wird Bitb-Mettend, als L. zwischen zwei in den Boden zu steckenden Hölzern, an der entlang man grade Furchen im Garten zieht (Gardel.), am Papierdrachen, als Seil des Seiltänzers, als Seil beim S.springen der Kinder (auch Seil) Allg.; als dünnes Seil zum Ziehen des Kahnes vom Lande aus, an de L. sein den Kahn ziehen, de L. oflesen zusammenlegen uMos, Rhein; et Perd an de L. packen; et Perd geht an der L. lässt sich mit der L. lenken Allg.; de L. opmaken sie in einem vielfältigen Ring zusammennehmen Gummb; spann de L. om överschte Söller, dat mer de Wäsch drüge Rip, Allg.; de L. (im Garten) spanne, den Weg strack (grade) te maken Gummb, Allg.; de L. (Lingke) spannen (trecken Ess) bei Hochzeiten zum Aufhalten des Brautpaares, das sich durch eine Gabe an die spannenden Kinder loslösen muss Nfrk (s. Seil); Lingske sprengen Seil springen der Mädchen Aach, SNfrk, Klevld. RA.: Sach (sachte) an, söns breckt (bricht) de L.! Mörs. En (eine u. dieselbe)

[Bd. 5, Sp. 371]
L. trecken gleiche Gesinnung haben Nfrk; en Lintje spannen Emmerich. He hät de L. gezoən (gezogen) hat sich davon gemacht Gummb-Nümbrecht. De L. afloəte beim Drachensteigen, bildl. nachgeben; de hät öwer dem L. afgeloəte hat über ihn gescholten Kref; he hät L. afgel. hat sich davongemacht Geld-Leutherheide. L. kott (kurz)! die L. am Drachen ist zerrissen, der Dr. ist verloren; L. k. gonn wirtschaftl., gesundheitl. zusammenbrechen Barm, Elbf. Einem de L. (jet) langk losse freies Spiel lassen MülhRh, Sol. Wenn de Kobb (Spinne) L.ə spennt, git et got Wedder Sieg-Schönenbg. Lochen (lachen) on Grinen (weinen) hängt döck (oft) an iən (glicke) Linen Heinsb, Kemp-Süchteln, Mörs. De geht an't Lingke ist gefügsam, gehorcht; die Frau hät dem (ihrem Mann) an't L. unter dem Pantoffel Kemp, Kref. De Jong moss mer an de L. dohn in Zucht nehmen Neuw-Dattenbg. Jann en Trin trochten an en L.; J. sag hott, du veil (fiel) Tr. op de Fott (Gesäss) Heinsb, SNfrk, Mörs, Elbf (ek on ming Tring) (s. Jann). An en L. trecke einträchtig handeln Nfrk; wenn me an der L. treck, mott et grad sin Elbf. De hät de Woərt am Lingkche er beherrscht die Rede Sieg-ODollend. Mer mott der Hongk (Hund) su ledden (leiten), dat he nit op de L. schitt (scheisst) man muss jedes Vorhaben so zur Ausführung bringen, dass man keinen Schaden erleidet Mettm. Op de L. gohn nichts zu beissen haben, längere Zeit arbeitslos sein (von der brotlosen Kunst des Seiltänzers) Schleid, Eusk, Rheinb; de loschiert op der L. der Stromer Bergh-Heppend. Ech han mi Pottemenee op der L. hange habe kein Geld Dür-Birkesd. He geiht irschter Dag öwer de L. macht Bankerott, stirbt Sol; engen öwer de L. sprengen loten entlassen Elbf. — 2. übertr. a. der Hosenbund an der Hose des Mannes, die Buckselein; de is ausgescholt (-schult) bis iwer de (Buckse)l. er gebärdet sich überklug Simm. — b. li·ŋ.ə Pl. die Seitenfasern an Hülsenfrüchten, die man abzieht Grevbr, Neuss. — c. le·ŋ.ən Pl. t. Schleimfasern, vor dem Kalben aus dem Uterus fliessend; de L. hangen eraus Prüm-Burb.