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| PfWB schnurren (Bd. 5, Sp. 1384) | DWB schnurren (Bd. 15, Sp. 1417) | |||||||||||||||||||||||
[Bd. 5, Sp. 1384] 1. 'ein surrendes Geräusch hervorbringen', schnurre (nurə) [KU-Schmittw/O PS-Schmalbg LU-Altr NW-Niedkch LA-Birkw GH-Max'au Minf, Karch Gimmdg/Muttstdt 235 Müller Dietschw 67 Krämer Gal 191], schnorre (norə) [ KL-Hütschhs Neukch PS-Donsied KB-Biedh Kriegsf FR-Bockh LU-Alsh Friesh Ruchh NW-Ungst Wachh Weish/S GH-Nd'lustdt]; Part. Perf. geschnurrt [Krämer Gal 191], g'schnorrt (gnord) [ LU-Alsh]; vgl. PfWB schnurpeln; Zs.: PfWB an-, PfWB herunterschnurren. Die Katz schnurrt (schnorrt) [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. Un schnurrt un dut sich sunne [Ranssweiler 92]. Rätsel vom Spinnrad: Was is des for e Katz: Mer roppt ehr die Hoor eraus un sie schnorrt weiter [Zeitw. Gal. 1959 S. 82, Gal-Landtr Unterbach Buch-Illisch St. Onufry]. — 2. a. 'eine surrende, drehende, rasche Bewegung machen', bes. von einem Rad, schnurre [ KU-Schmittw/O], schnorre, vom Spinnrad [Schandein Ged. 249]; Zs: abschnurren; Syn. s. PfWB schnellen 1; schnorre losse 'etwas ruckartig loslassen' [Umg. von NW-Hardbg]. Bei dem flakkeriche Feierlicht hann dann die Alte ehr Spinnrärrer schnurre losse [Schneider Singersepp 9]. RA.: 's Rädel schnurrt, sagt man von einem, der nicht ganz bei Verstand ist [ PS-Geisbg]. — b. 'mit den Fingern schnellen', schnurre [ PS-Heltbg Hermbg W'fischb]; vgl. PfWB schnärren 1 b, PfWB schnellen 1; s. K. 243 knäupeln; an de Stern sch. 'mit dem Finger an die Stirne schnellen' [ PS-Burgalb]. — c. 'fahren, sich schnell fortbewegen' [Höh 131 Otterstetter 210]; Zs.: PfWB vorbeischnurren. — x d. 'zusammenschnurren, schrumpfen' [Don-Schowe Torscha Albrecht 112]; Zs.: PfWB ein-, PfWB zusammenschnurren 2. Die Frucht is g'schnarrt [ Don-Schowe Torscha]. — 3. a. '(sonntags) auf der Dorfstraße hin- und hergehen, abends draußen herumziehen', von jungen Mädchen und Burschen, ursprünglich zeitlich begrenzt auf die abendliche Spinnstubenpause, dann aber allgemein; oft werden dabei Lieder gesungen oder Schäkereien ausgetauscht, schnorre [ NW-Weish/S]; schnorre gehe [ KU-Bedb, mancherorts]; schnurre gehe [ LA-Dammh BZ-Sarnst]; um achte sch. [PfMus. 1889 S. 67]; vgl. PfWB Schnärre 6a, PfWB schnärren 5, PfWB Schnurre 1a. »Sie gingen auf die Straße schnurren in der langen Nacht (21. 12.)« [Grünenwald 26]. — b. 'untätig im Dorf herumstreifen' [ KU-Kaulb Kreimb]. — c. 'heimlich an Häusern herumstreifen, um zu lauschen' [ HB-Mimb LA-Venn]; vgl. PfWB Schnurre 1 d. — d. 'betteln, hausieren, mit Singen zusammenbetteln', auch vom Heischen der Kinder an Fastnacht, am Sommertag usw., schnorre (nǫrə) [KU-Kaulb Kreimb KL-Katzw PS-Rodalb (Bernhard 166) FR-Hettldh Watth LU-Ruchh NW-Dürkh Ellstdt Hardbg Ungst BZ-Stein (Ehrhardt 133), [Bd. 5, Sp. 1385] Albrecht 111], schnurren [PfId. 128]; Syn. s. PfWB bitten; schnorre geh (gihn) [ KU-Schmittw/O NW-Geinsh FR-Saush LA-Nd'hochstdt Offb]. — Nach dem alten Brauch der Bettelmusikanten, mit einer Schnurrpfeife herumzuziehen (Wolf 5103). — 4. 'wehen', vom Wind [ NW-Weish/S]. De Wind schnorrt [ ZW-Hornb]. Bej uns, wo lang de Winter schnorrt [Kraus Grickelmaus 46]; vgl. PfWB Schnurre 6-7. — 5. 'verhauen', Part. Perf. geschnurrt [ IB-Bliesmg/Bolch]; Syn. s. PfWB verhauen 1. — 6. 'einen trinken'; eene schnorre losse [FR-Lambsh Umg. von NW-Hardbg]; Syn. s. PfWB trinken 1 a. — 7. 'schlafen' [ GH-Neubg]; Zs.: PfWB einschnurren 1; Syn. s. PfWB schlafen 1 a. — 8. 'einen Darmwind streichen lassen', schnorre [BZ-Dörrb, PfId. 136]; vgl. PfWB furzen 1. — 9. 'Vermögen verlieren, verenden' s. in PfWB daraufschnurren. — Südhess. V 655/56 schnorren, 684 schnurren; RhWB Rhein. VII 1646 schnorren, 1681/ 82; LothWB Lothr. 462; ElsWB Els. II 505, ALA II K. 154; Schwäb. V 1090; Kluge-Seebold22 649/50; DWB DWb. IX 1417 ff; Frankf. V 2801.
| 1) von thieren, besonders fliegenden insekten, auch vögeln mit schwirrendem flug: schnurren, susurrare, wie die schröter. 1407; schnorren, schnurren, instar vesparum et scarabaeorum susurrare 1888; die häuschrecken snurrent mit irn flügeln in dem flug, daʒ man wænt, eʒ sein reht vogel. 304, 6; indessen schnurrete auch daher eine grosze gelbe hornisz. andachten (1721) 64; einen hübschen geschnittenen stein lege ich bei, ein löwchen, dem eine bremse vor der nase schnurrt. 27, 256; die wasserjungfern schnurren blitzschnell an uns vorbei. 5, 1489; die zahnmeise mit schnurrendem flug fast wie ein spinnrad. 7, 247; o sylphe, traure nicht es ruht sich süsz, wenn maienkäfer schnurren. 2) von katzen und katzenähnlichen thieren, selten zeichen des grimms: im kreise scheu schnurrt nicht, alter kater! (zu einem menschen). der neue geflügelte kater das turteltäubchen hilft mir nicht, [Bd. 15, Sp. 1418] nâch manegen ferten snurren min Herz (name des hundes) aldâ begunde. dîn snurren 3) übertragen auf zornig brummende, widerspenstige menschen, besonders in älterer sprache, landschaftlich bis heute (schweiz. schnure 229, tirol. schnurren, sich laut und unwillig äuszern, brummen 642); vgl. dazu unten 7: wider götlîcher zühte würf ich dich mit dem schelmenbein wa ir aber wolten schnurren der on schult tt ab mir schnurren, ob einer wer, der mir wolt schnurren wil ich dir unterthenig sein, ich will si schnurren, murren weisen. Garg. 37b; nebenform schnorren und morren: doch ob sichs bgeb und dazu kem, thu darob greinen oder schnurren. fastn. sp. 152, 18; im ausdrücklichen vergleiche: dasz unser keynützeanus mit diesem text also heftig pochet und schnurt, als wolt eyn hurnausz s. Nichtlgasz fenster ausstoszen. bienk. 162a. vgl. dazu anschnurren theil 1, 448 fg.4) auch auf menschen, die hin und her fahren oder mit geräusch vorüberziehen, so von sausenden reitern: er kam gesnurret und geriten daʒ ich niht ensnurre nu schnurr auf und lasz prellen. fastn. sp. 620, 18; die reitschul sucht er selten heim, [Bd. 15, Sp. 1419] mehr aber herumfahren im zorn, sich enge mit der bedeutung 3 berührend: das eyner daher schnurret und wunderlich ist. krit. ausg. 12, 533, 18; wann ein frembd mensch in jhr hausz kumpt, dasselb sol sie mit züchtigen geberden emphahen, unnd wilkum heiszen sein, und nit neben jm hin schnorrn, und hochmütiglich verachten. ehebüchl. G 2b; (er) schnurrte dann aus der stube. Lienh. u. Gertr. 2, 32; sagte kurz und schnauzig: kannitverstan, und schnurrte vorüber. 2, 91; das weib prumbt in dem hausz ... und als ich wolt reden mit jr, 5) schnurren, von dingen; in alter sprache gern von dem die luft durchsausenden pfeile: dise pfîle ... er îlte balde ûf daʒ velt er sach in dem itwæge die künigin das schifflin anstiesz, horch! der sarg versinkt mit dumpfigem geschwanke, (sie) dreht um die schnurrende spindel den faden. 11, 309; hurre, hurre, hurre! es schnurrt mein tagebuch 6) namentlich auch vom klange gewisser musikinstrumente; mhd. selbst vom klange der posaunen ( handwb. 2, 1047), später von leiseren eigenartigen tönen, so der schnurrpfeife (s. d.), [Bd. 15, Sp. 1420] und anderer instrumente: schnurren, .. von dem schnarrenden thon, den aufgespannte dicke saiten geben. 2, 218a; der schnurrende bass der tanzmusik. 2, 550; ein schnurrender dudelsack; vom klange einer geborstenen glocke: die grosze glocke ist geborsten und schnurrt. an Göthe 3, 265; von der melodie selbst: die ärmliche leier kehrte immer wieder und schnurrte unbarmherzig .. in ihm fort. 4, 43. 7) von menschen, die solche instrumente spielen: de beckenslegere snurden unde schurden myt den becken. d. städtechr. 16, 336, 32; an manchen orten schnurren die nachtwächter mit einer schnurre. Adelung; sie schlug das tambourin ... indem sie bald mit druckendem finger auf dem felle schnell hin und her schnurrte, bald mit dem rücken der hand, bald mit den knöcheln darauf pochte. 19, 211; übertragen auf eintöniges sprechen: ein paar worte hervorschnurren; (er) trat zu uns, noch immer einige paternoster durch die nase schnurrend. 2, 238; die worte bekamen etwas schnurrendes. ritter vom geist 6, 287; nein eine taufe ists nicht, schnurrte hässig die stubenmagd. schuldenbauer 4; in dieser anwendung wieder nach oben 3 einlenkend. in Baiern stain schnurren, auf eine gewisse art schleudern. 8) nach dem alten gebrauche, mit der schnurrpfeife als bettelmusikant umherzuziehen, hat sich die bedeutung betteln überhaupt herausgebildet; in weitester landschaftlicher verbreitung: bair. schnurren, mit singen, musicieren und andern brotlosen künsten nach milden gaben umherziehen, betteln Schm.2 2, 580; schwäb. schnurren, mit musik betteln 475; niederd. snurren, betteln, he geit ût to snurren, er geht herum zu betteln. brem. wb. 4, 901; am Unterharz schnurn, bettelnd umherziehen, auch lügen, fabeln 199; düringisch schnurre, schnurre gî (gehen), betteln, betteln gehen 20a, u. s. w., vgl. auch DWB schnurrant; in der nebenform schnorren namentlich jüdischdeutsch und wort der gaunersprache 4, 263, 602, aber auch sonst: dergleichen volk schnorrt das ganze jahr im land herum. 42, 7; mit mancherlei spezialisierungen des sinnes: schnurren, listig stehlen Adelung; um Fallersleben snurren, kleinigkeiten auf eine anständige weise von den nachbarn erbetteln, obst, nüsse u. dergl. 5, 295; ebenso in der Altmark 200; in Düringen schnurre den lehrer bei dem extemporaleschreiben betrügen a. a. o.; als ausdruck Leipziger studenten: sie schnurren eine vorlesung, welche sie besuchen, ohne den vortragenden zu bezahlen, sie schnurren im konvikt (speisesaal), sie essen umsonst für einen ausbleibenden 206a; westerwäldisch schnorren nur faulenzen, müszig umhergehn um zu plaudern 203. auf dem Fichtelgebirge ist schnurren, was anderwärts fensterlen (vergl. dazu fenstern 2, theil 3, 1525) a. a. o. 9) schnurren für zusammenschrumpfen, vgl. dazu einschnorren und einschnurren th. 3, 283, wol an den in hunger knurrenden und zusammengehenden magen anlehnend: mein ohnerträglicher hunger und fast vor speisemangel ganz zusamm geschnurrter magen. Simpl. 1, 26, 2 Kurz; dann allgemein: wollt ihr im schuldthurm stecken, und zusammenschnurren, bis man zum jüngsten tag posaunt? 2, 40 (räuber 1, 2); zusammen schnurren, zusammen trocknen, im dürre werden einkriechen Adelung; gesagt von getrocknetem obst, vom fleisch beim braten und kochen ( 2, 307), von handschuhen nach dem waschen ( 274), vom oberleder des schuhwerks nach starker durchnässung ( 224), u. a. 10) schnurren für roulett spielen, nach schnurre 3 (sp. 1415) hervorgebildet: prêsters sullen nicht dobbelen, snurren, kârten, dedecet ignavis taxillis ludere clerum. nr. 864.
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