Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB schnellern (Bd. 5, Sp. 1322)   PfWB schuben (Bd. 5, Sp. 1463)   DWB schupfen (Bd. 15, Sp. 2006) 
   schnellern schw.:
1.
a. 'eine rasche Bewegung machen, springen, sich überschlagen (beim

[Bd. 5, Sp. 1323]
Sturz)', schnellere (nelərə) [mancherorts, Glass 58], schnellre (nęlrə) [PS-Gersb BZ-Dierb, Albrecht 111]; Part. Perf. geschnellert (gənęlərd) [ LU-Neuhf]; Syn. s. PfWB schnellen 1; in die Heh' geschnellert, vom Fisch, der über die Wasseroberfläche springt [ LU-Neuhf LA-Gommh]. De Fisch schnellert, wenn ein Fisch beim Flußaufwärtswandern über ein Wehr springt [ KU-A'glan ZW-Battw PS-Erfw Fehrb Pirmas]. Die Fisch schnellere (schnellre) [KU-Bedb Hundh WD-Niedkch RO-Dielkch KB-Kriegsf LU-Oggh Opp NW-Frankeck Kallstdt LA-Mörzh Land BZ-Dierb], schnellere mit dem Schwanz [ KU-Adb], schnellere in die Heh' [ LU-Limbghf], schnelleren dohin [ NW-Freinsh]. Auf und ab und ab und auf schnellert's [W. Wüst in: JKurpf. 1926 45]. RA.: Er schnellert (erum) wie e Fisch (Fusch) [ KU-Diedk ZW-Battw]. Der geht jere Sunndag sch. 'Der geht jeden Sonntag seinem Vergnügen nach' [ KU-A'glan]. —
b. 'etwas ruckartig in Bewegung setzen, etwas fortschleudern, in kreisende Bewegungen versetzen', schnällre [PS-Rodalb (Bernhard 165)], schnellere [KU-Hundh Bergz (Kamm 58)], schnällere lonn (lassen), den Gummi, das Seil usw. [Glass 58]; mit Bogen und Pfeil sch. [ LU-Opp]; mit einem Gummi sch. [Glass II 58]. Und schnellerte seinen schmalen Körper zwei-, dreimal im Klingel (Klüngel 2 'Kreis') herum [W. Wüst in: JKurpf. 1927 29]. Kinderspiel: Die Kinn schnellere um Niss, sie spielen das Glückspiel, bei dem der Schneller 3 a auf einem Holzbrett die Zahl der gewonnenen oder verlorenen Nüsse anzeigt [KU-Schmittw/O Feierowend 51/1953]. Die Knaben schnellern de Dänzer an, sie nehmen einen Knopf mit 5 Löchern, stecken durch das mittlere einen Stift und lassen den 'Kreisel' (Driller 1 a) sch. [ FR-Tiefth]. —
2. bes. Bewegungen der Finger.
a. 'mit zwei Fingern etwas ruckartig wegstoßen', bes. beim Kinderspiel mit Bohnen, Klickern oder Knöpfen [Ingb KL-Stelzbg NW-Frankeck Iggb LA-Mörzh BZ-Dörrb GH-Leimh, südl. Hälfte der östl. WPf, Verbr. s. K. 243]; vgl. PfWB Kaute 1 g; Zs.: PfWB fortschnellern; Syn.: abschnelzen, anschmeißen 2, Ansetzen, pfetzen 5, picken 5, picksen, pickesen, pinken2, butzen, taumisch 2, Degern, ticksen, titscheln, toppseln, dornschnäppen, fortknäubeln, fortscheibeln, fortschnärren, fortschnelzen, gaukeln 2 b, haseln2 2, herauspicksen, hicksen, hineinbullen, kauteln, kauten1 2, klickern 1, klicksen, knacksen 1bα u. β, knallen 2bβ, knällen, knällern 1, knällsen 1, knärbeln2, knarren 1b, knaubeln 1a, knaupeln 1a, knicken3, knickern2, knicksen2, knipsen 4, knobeln 2bβ, knöpfseln, knöpfsen, knurren, knorren1 5,

[Bd. 5, Sp. 1324]
kopfen 2, kurpeln, lämpeln 2a u. b, lenzen2 2, lotschen2, machen 4dα, rasseln, rollen 1 d, rosseln, rugeln 2, russeln 2 b, schanzen 2, schicken1 1bβ, schießen 1c, schmeißen 1a, schnakkeln 4, schnäppen 2, schnärren 1b, schnattern 5, schnätzeln, schnätzen, schnaupeln, schnellen 2a, schnelzen 2, schnelzern 2, schnicken, schnicksen, schnipsen 2, schocken 2, schuben, schucken 1 b, schupfen 1 c, schussern, spritzen; Klickerspiele s. PfWB Klickerchens, K. 243 knäupeln; die Kneppcher (Knöpfchen) schnellern [ LU-Opp]. Er schnellert [Wilms Alph. 49]. Der kann gut sch. [ KL-Reichb]. Die Knaben schnellere die Klicker met de Fengere fort [ HB-Kirrbg]. Das Sch. erfolgt in drei Etappen: Auf Eins sagt der Spieler: Schnick, auf Zwei sagt er: Schnack und auf Drei sagt er: En de Grawe! [ FR-Kindh]. —
b. 'durch Zusammenschlagen der Finger einen knallenden Ton erzeugen, schnalzen' [ RO-Obd Schweisw FR-Bockh]; oft als Ausdruck der Freude (bes. bei Buben) und zur Unterhaltung der Kinder [ NW-Frankeck]; vgl. PfWB knallen 1bβ, PfWB knaupeln 2bα, PfWB schnellen 2b; mit de Finger sch. [ KU-Körbn KL-Hütschhs KB-Albish FR-Bockh LA-Birkw]. —
c. 'mit den Fingern Zeichen geben', bei Weinversteigerungen kreuzen die Steigerer ihre Zeigefinger zum Zeichen dafür, daß sie bereit sind, die betreffende Nummer mit dem gerade Bietenden zu teilen [ NW-Kallstdt]. —
3. 'das Weberschiffchen durch das Webfach hin- und herschießen', schnellere [Umg. des Donnersberg (PfId. 127) RO-Wartbg Kaislt]. —
4. 'mit kurzen, schnellen Schritten gehen' [ KB-Dannfs]. —
5. 'einen (Schoppen, Schnaps usw.) trinken'; en'r schnellere [ KU-Erdb]; Syn. s. PfWB trinken 1 a; vgl. auch die Syn. zu PfWB betrinken. — RhWB Rhein. VII 1612; Hess.-Nass. III 358; Frankf. V 2789.

 

   schuben, schupfen, schüpfenst., schw.:
1.
a. 'schieben, stoßen', schuwe (ūwə) [mancherorts westl. WPf NPf (neben PfWB schieben), BZ-Albw, Bergz (PfId. 129) Christmann Kaulb 19 Mang 111 Krämer Gal 193], schuppe [Christmann Kaulb 61]; Part. Perf. g'schob [Mang 104], geschubt u. geschob [ KU-A'glan], geschubt (von Sachen), geschoub (von Personen) [Höh 53]; vgl. PfWB schieben 1 a, PfWB schubsen, PfWB schucken1 1 c; Zs.: PfWB anschuppen, PfWB aufschuben 1, PfWB herumschupfen. 's schubt net 'Es gleitet (rollt) nicht' [ KU-Kaulb]. RA.: Er dut nore in sein Säckel sch. 'für sich sorgen' [ RO-Odh]. Er is geschuppt 'geistig nicht normal' [Schandein Notizen]. Siehschtse hullche, siehschtse schuwe / Gehlings iwwer de Wissepad [Kühn Hamet 14]. —
b. 'werfen, zuwerfen' [mancherorts]; vgl. PfWB schucken1 1 a; Zs.: PfWB aneschupfen, PfWB hinaufschuppen; de Ball schuppe [ BZ-Dernb], schippe [ PS-Erfw]; Zichel (Backstään) schuppe [ NW-Frankeck]. —
c. '(mit dem Klicker, mit Bohnen) schnellen', schuwe [ KU-Ehw PS-Ruhbk], schuppe [ KU-Kaulb], scheppe [ IB-Gersh]; vgl. PfWB schieben 1 b; Syn. s. PfWB schnellern 2 a. —
d. 'reisen'; vgl. PfWB schieben 1 c. Er is no Kusel geschubt [ KU-Herschw/Petth]. —
2.
a. 'betrügen', schuppen [Klein Prov. 140]; Syn. s. PfWB betrügen; vgl. Wolf 5203, DWB DWb. IX 2020. —
b. s. die Zs. PfWB abschuben, ferner auf- 2, PfWB ver- 1 b, PfWB vorschieben 2, -schuben. Südhess. V 781/82; RhWB Rhein. VII 1840, 1908 schuppen, schüppen; ElsWB Els. II 425 schupfen; DWB DWb. IX 2006 ff.

 

 schupfen, schuppen, verb. schnell und heftig stoszen, durch stosz in schaukelnde bewegung versetzen, in solcher bewegung sein. altes intensiv zu schieben, vgl. dieses (theil 8, 2666),

[Bd. 15, Sp. 2007]
erwachsen aus einer andern präsensbildung, die in sanskr. kṣubhnâti (neben kṣobhate), schwanken, zittern, zu tage tritt. da diese indes intransitive bedeutung hat, bei schupfen dagegen die transitive bedeutung überwiegt und auch umgelautete formen begegnen (s. u.), so hat wol angleichung an den typus der ersten schwachen conjugation stattgefunden, die ja gewöhnlich causativen sinn hat (vergl. z. b. schlupfen, schlüpfen sp. 842), s. Fick3 3, 338. Grimm gramm. 2, 18. Germ. 16, 25. weniger wahrscheinlichkeit hat es, neben dem intransitiven schupfen ein wirkliches causativ schüpfen anzunehmen, wie dies Lexer mhd. handwb. 2, 826 zu thun scheint. auszerhalb des engeren deutschen sprachgebietes ist die bildung nicht nachzuweisen. ahd. scuphan, praecipitare, verscupfen Graff 6, 458; mhd. schupfen, schüpfen, selten schuffen, md. schuppen Lexer handwb. 2, 826 f.; mnd. schuppen (selten) Schiller-Lübben 4, 152; nl. schoppen vel schuppen, excutere, foras ejicere; et vibrare, motitare Kilian und: schuppen protrudere, propellere, repente expellere, repellere, eiicere. ebenda, jetzt holl. schoppen schaukeln, fusztritte geben. die formen der älteren sprache in glossen: precipitare schuppen, hd. schuppffen, schopfen, schoppen, stuppen (lies scuppen?) Dief. 452a, precipitari schupphen, vervallen. ebenda; schepphen, schupphen .. schuppen. nov. gl. 300b; reicere ... schupffen. gl. 490c; schuppen, vorsman. nov. gl. 315b; secludere .. schupffen, schuppen. gl. 523a; Weigand 2, 650 giebt an schupphen 1429, clevisch schuppen 1475. — in der nhd. schriftsprache herrscht in der ältern zeit durchaus die form mit pf; sie steht in folgenden wörterbüchern u. s. w.: schupfen oder abtringen, rejicere, secludere. voc. v. 1482 bei Frisch 2, 233c; schupffen, wenden, fürrucken, promovere Maaler 364c; schüpffen Clajus 99, 19 Wendling (ohne erklärung); schupffen Schönsleder (1618) Bb 7c bei Weigand a. a. o.; schupfen bei Stieler nachsch. 26a (s. u.); schupfen, mittere, librando jacere Dentzler 2, 257a. wenn daneben bereits Alberus anführt 'ejicio, ich schüpp hinaus', so ist hier vielleicht vermischung mit schüppen 'schaufeln' anzunehmen. dasz diese wörter sich sehr nahe stehen und leicht mit einander wechseln, zeigen besonders die bei Drechsler W. Scherffer s. 238 angeführten stellen, die auch die sonderbare perfectform schuff' (nicht eher zu schaffen?) und schüppe bieten: welches ich nicht thun wollte, schüppe solchen ring von mir, dasz er in den koth fiel. Schweinichen 2, 261. sonst als schippen. in der neuern zeit überwiegt schuppen, doch ist das wort überhaupt seltener geworden. Frisch 2, 233c kennt es nur aus der älteren sprache, Wachter 1475 nur als schwäbisch (schupfen, trudere, protrudere, dial. Suevica. frequentativum a schieben ejusd. signif.). die litteraturbelege haben überwiegend schupfen, daneben schüpfen (Tschudi, H. Sachs, Galmy, S. Franck, Becher, Opitz), wie es seheint, unterschiedslos, zuweilen beides bei demselben autor. schuppen hat der avanturier (1756) und Göthe. heute ist schupfen besonders in den oberd. mundarten erhalten: schweiz. schupfe(n), schüpfe(n) Stalder 2, 354. Hunziker 233. Seiler 265a; schwäb. schupfen Schmid 481. Birlinger 403b; bair. s. Schm. 2, 440; österr. Höfer 3, 118. Castelli 252. Schöpf 651 f. Lexer 227; schüpfen Zingerle 50b; schles. schuppen, schüppen Weinhold 88a; ebenso koburgisch schuppen Schm. 2, 438, thüring. schuppen (schobe) Hertel sprachsch. 222. Jecht 100b. Liesenberg 210; in Leipzig schubben, schuppen Albrecht 207a; nd. nur noch vereinzelt als schuppen Dähnert 418b. Schütze 4, 82; schuppen, schüppen Stürenburg 236b. ten Doornkaat Koolman 3, 161b. üblicher ist hier die weiterbildung schuppsen, s. daselbst. bedeutung.
1) die zunächst zu erwartende intransitive verwendung ist sowol mhd. wie nhd. verhältnismäszig selten.
a) meist von einer tanzenden, hüpfenden bewegung:

mit dem fuoʒe er schupfet unde rîbet.
Neidhart s. xxii, 13 Haupt;

als die uff und nider hüpfent ...
mit dem wunderlichen tantz ...
also schupfentz ab und uff.
Laszberg lieders. 3, 295, 35;

(sie) dantzten, schupfften, hupfften, lupfften, sprungen, sungen. Garg. 82b; (er) liff, und sprang ... nicht des bockspringens, seit und rucksprungs, noch des böhmischen sprungs, noch auff eim fusz schupffen. 178b; laszt uns ... newe däntz und trachten erdencken ... oder, wie Sardanapal, gold spinnen und tapffer schupffen. 226b.
b) mhd. auch vom pferde, galloppieren:

er schupfte starke und drabte,
daʒ er vil lützel ûf gehabte. krone 11096;

ähnlich:

schuffunde oder drabende. jüng. Tit. 229.

[Bd. 15, Sp. 2008]
doch liegt hier wol ein anderes wort vor, zu dem schûft und schûften, schiuften gehören.
c) von einer hin und her wogenden bewegung flüssiger oder luftförmiger massen: dann es begibt sich, dasz die massa (des blitzes), ehe dasz sie sich gar bereitt, selbst schupfft hin und wider, gleich als ein eingeschlossen büchsenpulver, das angezündt wirdt, hin unnd her gumpt. Paracelsus opp. (1616) 2, 90 C.
d) aufschupfen, emergere e profundo: als der in das wasser gestürzte, aus der tiefe wider aufgeschupft, unterstunde er sich weg zuschwimmen. Stumpf Schweizer chron. 661 bei Frisch 2, 233c.
2) meistens transitiv, zunächst im eigentlichen sinne.
a) einem einen stosz geben, ihn durch einen stosz von der stelle bewegen: einen aus dem sattel schupfen im streit. Frisch 2, 233c; jemanden aus dem wege, in das wasser schuppen. Adelung; der falsch marschalck dem hencker mit seinem stab ein wortzeychen geben thet, z handt er den bben schüpffet (von der leiter hinabstiesz). Galmy 96a; als sie darneben (neben die platte) kamend, erwüschet Wilhelm Tell seinen schieszzeüg .. und sprang damit ausz dem schiff auff die platten, schupffet das schiff von dannen. Stumpf 347b;

er schufft dâ manegen über bort.
Wolfr. v. Eschenbach Willeh. 415, 7;

der gebûre in daʒ viure gienc
und schupft mit sines slegels stil
der meide über einander vil
ze houfen in daʒ viure. krone 14315;

sus schupte er in in die vlut. pass. 281, 29 Köpke;

si begunden lupfendie getouften über al
und ûʒ den setelen schupfen,daʒ manic cristen viel ze tal. Wolfd. D iii, 25 (heldenb. 4, s. 19);

Rigô von Wiene starch
ward auch hin nâch geschupffet.
Oswald v. Wolkenstein 14, 3, 16;

bildlich:

schupfe,
gupfe
leit hin dan. minnes. 1, 146a Hagen.

als schippen (vgl. sp. 207):

wie er, was eitel war, verächtlich ausgelachet,
den tand des irdischen geschippt mit füszen weg.
Lohenstein hyacinthen 32.

auch ohne object, stoszen: mit einer hilzenen und eisenbeschlagenen mistgabel vorgewartet und endlich auf mich geschupft, doch nit troffen. quelle von 1664 bei Birlinger 403b.
b) in die höhe schupfen, werfen u. ähnl.: haben im wasser das knäblein an den füssen ergriffen und über sich geschupfft und bey den haaren herausgezogen. quelle bei Schm. 2, 441; (vögel) in die höhe schüpfen bei der falknerei (vgl. Becher geh. jägercab. 66), auch schupfen allein in diesem sinne:

sie lôste ab daʒ veʒʒel pant
und schupfte den valken von der hant.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 20389;

jeglichem vogel schrieb er da
ein briefflein klein, ...
er schupfft sie hin, wol von des thurmes zinne. Ambras. liederb. 226, 159.

bildlich: er hat dessen (des esels) umbstende so trefflichen abgemahlet, und dergestalt dargethan, dass man wahrhafftig kan sagen, er habe jhn gleichsam mit macht genommen, und biss an die sternen hinauff geschupfft (am rande: nota. entbor gehoben). des esels adel (1619) bei Dornav 564a. — auch reflexiv:

Achilles hub sich starck empor,
das jhm der todt nit käme vor,
auch uber sich im wasser hupffet,
sich mit den füssen hoch auffschupffet.
Spreng Il. 295a (21. ges.).

freier, hüpfen, tanzen (vgl. 1):

Liban nt Sirjon sich schupfen,
wi ain jngs ainhorn tt hupfen.
Melissus psalm. L 6b (ps. 29, 3).

so noch heute im schwäbischen, in die höhe heben Schmid 481. in Österreich schupfet die amme ihr kind, wenn sie es auf den armen auf und nieder wiegt Höfer 3, 118.
c) einen verbrecher in einem korbe in die höhe ziehen und dann ins wasser schleudern, als strafe, besonders für betrügerische bäcker, aber auch für matrosen, meineidige, zänkische weiber u. a., vgl. DWB schupfe 1 und die daselbst angezogenen stellen, ferner Grimm rechtsalterth. 726. mhd. wb. 2, 2, 170b. Lexer handwb. 2, 827. Scherz-Oberlin 1452. Schm. 2, 441. Birlinger 403b f. Höfer 3, 118: ist eʒ ein mietknecht, der daʒ gebot brichet, den sol man schupfen. quelle bei Lexer a. a. o.; swer oech unrechte misset den win, den soll man schupfen. Straszb. statuten bei Scherz-Oberlin a. a. o.; swelher beck daʒ vaychen

[Bd. 15, Sp. 2009]
bacht, daʒ ist swelherlay brot, daʒ anders ist dan davor geschriben stat, .. das sol der burggraf hinz im rihten mit schupfen und diuselb schupf sol stan an der hauptstat. ebenda (Augsb. recht); derselb messer ist dem vogt schuldig einen schilling pfenning, als dick er es tut, und auch das man in als dick schupfe in der schupfen. Augsb. stadtb. bei Schmeller a. a. o.; Albrecht Wachtershofer .. ist erkennet zu schupfen von args brots wegen. Augsb. ratsdecret von 1443 bei Birlinger 403b.
d) schaukeln: schupfen, etiam id. est quod schumpeln (vgl. daselbst 2) Stieler nachsch. 26b, vgl. Schm. 2, 441. sich zur lust auf einem seile schupfen. Höfer 3, 118. so auch holländ. schoppen.
e) abwerfen, in dem sprichwort: ein pferd das zu viel futter hat schupft seinen herrn. Lehmann 142. Simrock sprichw. 7839.
3) vielfach in übertragenem gebrauche.
a) mhd. antreiben, (hunde) hetzen:

zuo den hunden er dô sprach
'zazâ' und gund sie schupfen. Reinhart 789;

unmære hunde sol man schüpfen zuo dem bern. minnes. frühl. 20, 9;

als gein einem æhtære
schupfterʒ volc hin ûʒ an in. Parz. 284, 9.

so auch im bilde vom teufel, der die menschen zur sünde antreibt: sie schüpfent gar in manige wîse, wie sie zuobringen daʒ ir schuldec werdet. Berth. v. Regensburg 1, 31, 19, vgl. Schm. 2, 441.
b) einen von etwas fortstoszen, vertreiben; schuppen iemanden wt sijnen stoel, deturbare aliquem e sede Kilian; jemanden von einem amte schuppen, schupfen, entfernen, ihn entsetzen Adelung; einen durch list und kabalen aus seiner stellung entfernen Castelli 252; einen von seinem lehen schupfen (s. DWB schupflehen), einen beamten, dienstboten schupfen, entlassen, abdanken Schm. 2, 441 u. a. m. (vgl. auch abschüpfen theil 1, 110): it duchte etliken, dat se de vrouwen .. wolden schuppen uth deme lande. quelle bei Schiller-Lübben 4, 152b; ich kan nicht mehr thun, ich bin nu von dem plan geschupfft, sie haben nu zeit, zu wandeln, was man von jnen nicht leiden kan. Luther 1, 501b; ich bin aus des vaters haus geschüpfft, habe kein erbteil. 4, 210a; daraus dann diese untreue list erfolgett, das jhr viel ehrlicher ansehelicher leuth rethe .. hinweg zu schupffen unternehmet. Weimarer urkunde von 1559 bei Dief.-Wülcker 847; da ein weltkind das ander wider verleumgrubet, und angeust oder schupffen hilfft. Mathesius fastenpred. 34a; schüpfet keinen von seiner zechen. Syr. 2, 40b; wann sie mit reden gar zu frey sind, so stehet gefahr drauff, dasz sie nicht die gnade jhrer herrn verliehren, dasz das gegentheil oberhand gewinne, und sie mit verachtung vom hoffe geschüpffet werden. Opitz Arg. 2, 274; das lehn heiszt schupf-lehn deszwegen, weil man ihn, wenn er seine pflichten nicht erfüllt, aus dem lehn herausschieben oder schuppen kann. Göthe 43, 155;

der könig erschrack ob der stimm ...
und bedachte in seinem sinn
den bischoff zu schupffen von hinn.
H. Sachs 4, 1, 112a.

einen bei einer wahl übergehen, zurückweisen: (herzog Albrecht) vermeint, es wäre vor nie gebrucht, dasz man eins keisers oder künigs sun in der wal geschüpfft hette. Tschudi 1, 207. einen liebhaber abweisen, mit ihm brechen, ihm aufsagen:

vâhe si mich iemer an deheiner lüge,
sâ sô schüpfe mich zehant. minnes. frühl. 173, 16;

dieweil ich bin geschupft,
mein herz vor jamer schnupft. Zimm. chron.2 4, 229, 31 Barack.

eine frau schupfen, verstoszen: dasz die mechtigen die ersten frauwen schupfen und ander weiber nement. Schade sat. u. pasqu. 3, 53, 33. auch sonst, einen verstoszen:

deinn knecht im zorn nit schupfe noch verstos.
Melissus psalm. L 1a (ps. 27, 9).


c) etwas auf einen schieben, abwälzen: der provincial und prior von Basel übten sich auch hart, das sy dise bawfellige sach abtriben, und allen ungümpff (lies unglimpf?) auff den brder schupfften. Franck chron. 223a; bei Kirchhof wendunm. dafür schepfften (druckfehler?), s. daselbst II, A, 3, c, sp. 1539.
d) einen zum besten haben, übertölpeln, necken, narren Campe (Schwaben, Dithmarschen). Schmid 481 (Ulm). Schmeller 2, 441 (Schwaben, Nürnberg); i lass mi net schupfe, aufziehen Wander 4, 390. in stärkerem sinne, verlocken, anführen:

[Bd. 15, Sp. 2010]

merkt von den schonen weiben ...
sy greiffent weislich an,
schupffen machen (l. manchen) kunen degen,
und wen er ist erlegen,
sein daschn musz vor dran. fastn. sp. nachl. 286, 9.

nach Campe im Dithmarsischen auch geradezu für betrügen, doch sagt man dafür gewöhnlicher beschuppen Adelung. Schütze 4, 82, was eher zu schuppen, desquamare zu stellen ist, s. theil 1, 1598 und schuppen II, 4, d.
e) etwas heimlich wegnehmen, stehlen: eine bouteille wein für mein schäfgen schuppen. avant. 1, 149.
4) mundartliches.
a) oberd. die achsel schupfen, zucken Schm. 2, 441. Birlinger 403b. Höfer 3, 118. Schöpf 652: die eheleut müssen gute achseln haben, denn sie müssen dieselben oft über ein sach schupfen. quelle bei Schm. a. a. o.; d' achseln hat er g'schupft, weggekehrt hat er sich und gangen iser. Anzengruber3 3, 319.
b) der nebel schupft sich, steigt in die höhe Schm. 2, 441.
c) schwäb.-alem. geschupft, närrisch, verrückt, albern Seiler 265a. Schmid 481. Schm. 2, 442. Wander 4, 390. dafür auch verschupft: du bist ein wenig verschupfft, non tibi sanum est sinciput. voc. von 1618 bei Schm. 2, 442. die bedeutungsentwicklung ist hier wol dieselbe wie bei verrückt, vgl. auch oben 3, d.
d) im schlesischen sich schuppen, sich niedersetzen; schupp dich! sagt man besonders zu kindern Weinhold 88a.
e) niederd. zurückhalten, wehren; he schuppt mit händen un föten. Dähnert 418b.
f) in der studentensprache einen von der seite anrennen, rempeln Kluge stud.-spr. 124a.
5) noch weiter ab liegen folgende gebrauchsweisen, die wol nur zum kleinsten theile zu diesem verb. gehören.
a) ein getränk langsam einschlürfen (?): so ligt auch nit die gantz total hl gesundheit unserer menschheit an dem, dasz man wie die canes lapp, schlapp unnd läpper, und tropffen für tropffen schupff, sonder viel mehr an dem, dasz man fein fr trinck. Garg. 160b. es liegt nahe, an druckfehler für schöpf zu denken, doch lesen alle ausgaben schupff, s. den neudruck s. 253.
b) frische würste schüpfen, brühen Schm. 2, 441; ähnlich schon bei H. Sachs:

nach dem der koch die handschuch sein,
die er gar wol besudelt hett,
inn heissen wasser schüpffen thet. 2, 4, 127d.


c) nudeln schupfen, den teig durch wälzen mit der hand zu länglichen nudeln (schupfnudeln, vgl. daselbst) formen Schöpf 652. Schm. 2, 442.
d) schweiz. 's tach schüpfe 'ein sehr schief liegendes dach so heben, dasz es sich mehr der horizontalen lage nähert' Hunziker 233, walmen Stalder 2, 354; daher auch das heu schüpft sich, wenn es unter der schiefen richtung des daches aufgeschichtet ist. ebenda, vgl. DWB schupfdach. Hunziker scheint diese verwendung von der bedeutung 2, b herzuleiten, doch möchte darin eher ein denominativ stecken (mit einem schopf, schupf versehen?). dagegen scheint das subst. schüpfi, f. walm Stalder a. a. o., der winkel, den die obere und untere hälfte eines schupfdaches miteinander bilden Hunziker a. a. o., erst aus dem verbum gebildet zu sein.
e) ebendort auch schüpfen, schüpfelen schindeln, ein dach oder ein gebrochenes bein mit schindeln belegen, dazu das schüpfi, schüpfeli, schindel, schindelchen Stalder 2, 354.
f) im schwäbischen auch den faden an die spindel drehen Birlinger 403b.
g) ferner wasenböden aufreiszen und urbar machen. ebenda.