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 PfWB schießen (Bd. 5, Sp. 964)   PfWB Neu-jahr (Bd. 5, Sp. 125)   PfWB bum (Bd. 1, Sp. 1343) 
   schießen st.:
1.
a. '(mit der Schußwaffe, Knallbüchse, Böller, Armbrust o. ä.) einen oder mehrere Schüsse abgeben', schieße [allg., Christmann Kaulb 27, 54, 87 Müller Dietschw 64 Schneckenburger 45 Lambert Penns 133 Krämer Gal 184], Part. Perf. g(e)schosse [VPf], geschoß [WPf NPf], g'schoß [Mang 195 Schneckenburger 25, 36]; Zs.: PfWB ab- 1, PfWB an- 1 u. 2, PfWB daneben-, PfWB tot-, PfWB er- 1, PfWB fehl- 1, PfWB ver- 1-4, PfWB vorbei-, PfWB hin-, nebendran-, PfWB zusammenschießen; zu kurz (zu weit, zu hoch, ins Ziel, ins Zentrum) sch. [ ZW-Battw]. Die Jächder han viel geschoß [ ZW-Battw]. Im Krieg hän se als Zuckerhiet (schwere Granaten) g'schosse [ LA-Gommh]. RA.: Der hot e Bock geschoß 'einen Fehler gemacht' [ GH-Kand]. Er es geschoß worr 'erschossen worden' [ KB-Kriegsf]. RA. für '(mit der Schußwaffe) Selbstmord begehen': sich sch. [ KL-Fockbg/Limb, mancherorts]; sich kabuttschieße (Nachtrag) [ KB-Kerzh FR-Albsh]; sich e Kuul vor de Kopp sch. [ KU-Bedb]. Er leit wie geschoß 'ist erschöpft' [ KU-Cronbg]. Es is em ins Kreiz geschoß 'Er hat Rückenschmerzen' [ KB-Kriegsf, RO-Als]. Des is zum Schieße 'zum Totlachen' [Krieger 18, verbr.]. Verwünschung: Du g'heerscht uf de Mond g'schosse [ LU-Alsh/Gr]. Der heert en e Kanon

[Bd. 5, Sp. 965]
gelad un uf de Mond geschoß, von einem Taugenichts [ FR-Bockh]. Er isch g'schoß 'verrückt' [ GH-Neubg]. Er is geschoß mit de Pelzkapp un net gut getroff 'Er ist verrückt, unberechenbar' [ Don-Schowe Torscha]; Var.: Bischde geschoß met em Woll (PN, ein einfältiger Mensch im Ort) seiner Belzkapp? [ KU-Kaulb]. Der schießt e Loch in d' Luft 'trifft nicht' [ LA-Gommh]. Es schießt mer durch de Kopp 'Es fällt mir (etwas) ein' [ PS-Hermbg]. So schnell schieße die Preiße net! [ KU-Kaulb]. Subst.: 's geht aus wie 's Hornbercher Schieße [ KU-Schmittw/O]. SprW.: Net g'schosse is aa gefehlt [Krieger 30], aa verfehlt [Reichard Penns 368 Horne Penns 103]. Brauchtum: Bei freudigen Ereignissen wie an Neujahr [mancherorts, vgl. PfWB Neujahr 1 a], auf Hochzeiten beim Gang zur Kirche [ RO-Lohnsf LU-Dannstdt], aus der Kirche [ LA-Diedf], bei Kindtaufen [ IB-Ensh], bei der Weinlese [ KU-Reiffb] wurde mit Böllern geschossen. Vgl. auch Becker Vk. 142, 294, 329. Volksgl.: Der links hinnerscht Fuß vumme Has, as mer nachts ime Kärichhof schießt, bringt Glick, wammer'n nootragt [Fogel Beliefs Penns Nr. 413]. Wammer'n Katz schießt, hot mer ken Glick [ebd. Nr. 662]. Die Flint soll mer butze mit em Herz vun're Speckmaus, no trefft mer alles, as mer denoo schießt [ebd. Nr. 1972]; vgl. PfWB Flinte 1 a. VR. u. KR. s. PfWB Patrone, PfWB buckelig 1 a, PfWB Hitler 1, PfWB Kanone 1 b. —
b. die Stern schießen 'Es fallen Sternschnuppen' [KB-Bubh, verbr.]. Äwe is e Stern g'schosse [ LU-Alsh/Gr]. Volksgl.: Wammer en Stern sieht schieße un hot Geld im Sack, hot mer 's ganz Johr [ GH-Schwegh]. —
c. '(mit dem Klicker) werfen; kegeln' [mancherorts (außer SOPf u. SWPf)]; vgl. PfWB Ab-, PfWB Kreis-, PfWB Nachschießen, PfWB schnellen. —
d. '(Backsteine, Dachziegel u. ä.) durch Zuwerfen an einen Platz befördern' [ IB-Gersh]; Zs.: PfWB zuschießen. —
e. '(mit der Backschieße das Brot oder den Kuchen in den Backofen) schieben' [verbr.]; vgl. PfWB Schieße 2; Zs.: PfWB ein- 2 a, PfWB hineinschießen; 's Brot en de Backowe sch. [KU-Bedb, verbr.]. RA.: Rothaarige oder rotfleckige Kinder sin in die Hitz g'schosse (wie verbranntes Brot) [ BZ-Dernb]. Einen VR. s. PfWB Backofen. —
2.
a. 'üppig wachsen'; von Pflanzen, übertr. auch vom Menschen; Zs.: PfWB aufschießen. De Salat ('s Gras) schießt 'treibt Stengel' [FR-Maxd, verbr.]. Alles schießt ins Holz, dass. ohne Fruchtansatz [ LU-Alsh/Gr]. De Duwak esch g'schosse, jetzt kammer d' Kepf runnermache 'den Tabak köpfen' [ GH-Leimh]. RA.: Die schieße wie Pilze aus em Bodde 'wachsen, vermehren sich schnell' [Krieger 38]. Er is ins Kraut geschoß 'körperlich gewachsen, aber geistig zurückgeblieben' [ KL-Fischb]. Volksgl.: Wann Krautsteck 's erscht Johr schieße, gebbt's en Leicht ('Beerdigung') [Fogel Beliefs Penns Nr. 510]. Rätsel: 's steht im Gaade, schießt un geht net los (der Kopfsalat) [»vielfach« (Wilde

[Bd. 5, Sp. 966]
157)]. —
b. 'stark fließen, fluten, strömen'; Zs.: PfWB ein- 1, PfWB heraus-, PfWB überschießen. Das Wasser esch geschosse kumme [ BZ-Dernb, mancherorts]. Das Blut schießt in de Kopp [ NW-Kallstdt]. RA.: 's es em e Blutstrobbe geschoß (ins Kreuz) 'Er hat Hexenschuß' [ FR-Bockh]. —
c. 'eilen, sich schnell fortbewegen' [SOPf (Heeger Nachl.) LA-Venn]; Zs.: PfWB fort-, PfWB herumschießen. —
d. 'Schnaps trinken'. Er geht sch. [ PS-Vinn]. —
e. die Zichel (Ziechel, Ziel) sch. losse 'gewähren, freien Lauf lassen' [ KU-Schmittw/O KL-Stelzbg KB-Albish SP-Mechth LA-Gommh BZ-Dernb GH-Kand]. Er hot em Gaul die Ziechel sch. losse [ KL-Stelzbg]. RA.: Er hot die Ziechel sch. losse 'hat zu viel ausgeplaudert' [ LA-Gommh]. —
f. s. die Zs. PfWB ab- 2, PfWB durch-, PfWB ein- 2 b, PfWB er- 2, PfWB fehl- 2, PfWB ver- 5 u. 6, PfWB vorschießen. Südhess. V 283 ff.; RhWB Rhein. VII 1104 ff.; LothWB Lothr. 441; ElsWB Els. II 438, ALA II 245.

 

   Neu-jahr n.:
1.
a. wie schd., Neijohr, Noi-, s. PfWB neu [allg.]; an (noo) N., zwische Weihnachde un N. [RO-Rehborn, verbr.], uf die Neijohr (Pl., wie: uf die Oschdere, Pingschde) [PS-Gersb, auch Penns]; N. winsche [ KU-Schmittw/O], 's N. anwinsche [PS-Erfw, verbr.]; 's N. anlaire (In der ersten Stunde des neuen Jahres läuten alle Glocken) [KB-Kriegsf, HB-Jägbg, verbr.], oinlaide [ LU-Opp]; 's N. anschieße [KU-Bosb, verbr., Krämer Gal 155]; 's N. andanze un anschieße [Horne Penns 75]. 's N. werd ang'schosse un 's alt Johr aus [ebd. 125]. Mirem Hohlschlissel un Schießbläädcher hämmer als 's N. ang'schosse [ NW-Freinsh]. In der Neujahrsnacht werd zwische zwelfe un eense noch Blei gegosse [(1930) LU-Böhl]. In ZW-Marthh schießt man dem Freunde das N. an. Der verbreitetste Neujahrswunsch: Prost (Proß, Prosit, Proscht) N.! [BZ-Annw, verbr.]. Wer z'erscht Prost N. ruft, hat em annere 's N. abgewunn, s. PfWB abgewinnen [Pirmas PS-Erfw NW-Kallstdt]. En jeder prowiert em annere vor zu kumme um s'erscht im Winsche zu sei [Horne Penns 125]. Ge' Morje, N.! [ KU-O'alb]. Ich winsch eich e glickselich N.! [LA-Mörzh, verbr., Horne Penns 125]. In Pirmas wünschen die Kinder den Eltern und Paten, in RO-Dielkch auch den Verwandten das N. an und schießen mit kleinen Pistolen. Die Burschen schießen ihren Mädchen unter dem Ruf Prost N. das N. an [ PS-Erfw Pirmas]. Am Neujahrsmorgen nach dem Gottesdienst bilden die erwachsenen Burschen und jungen Männer Spalier, wünschen dem Pfarrer ein Glickseliges Neues Jahr und schießen es ihm mit ihren Gewehren an [ BZ-Dernb]. Ich winsch eich Gesundheit un langes Lewe, darauf soll's Feier gewe [ KL-Alsbn].Die Kinder wünschen: Prost N., e Brezel wie e Scheierdor, e Bupp wie e Owerohr; wann's losgeht, kann ich nix defor. Bum, bum! [ PS-Münchw, Nd'simt]; Var.: Ich winsch eich e

[Bd. 5, Sp. 126]
glickselich N., viel Glick im neie Johr [verbr.]; e Pupp wie e Owerohr, un meh Geld wie voriges Johr [ HB-Kirk Krämer Gal 155]; ... e Worscht (Brotworscht) wie e Owerohr, Wann's zwee gibt, kann ich nix defor [ HB-Beed, PS-Erfw]; e Worscht wie e Owerohr, 's alde Johr is angefror [ IB-Rubh]. Die übliche Erwiderung: Des winsch ich der aa(ch); winsche mer eich aa(ch) [verbr.]. Anschließend bekommen die Kinder von Patt un Got ein Geschenk: die Buben eine Neujahrsbrezel, die Mädchen einen Neujahrskranz [ HB-Kirk, RO-Dielkch PS-Erfw Nd'simt], auch Oransche, Weck un Geld [ IB-Rubh], zwei Doppelwecke [ HB-Jägbg]. In WD-Niedkch bekommen die Burschen, wenn sie das N. noch in der Nacht anwünschen, das Geld zum Fenster herausgereicht, wenn sie morgens erscheinen, gibt es noch Apfelwein oder Schnaps. Das Geld wird im Wirtshaus ausgegeben, wo Brot, Käse und Schnaps verzehrt werden und der Wirt jedem Gast ein paar Glas Bier spendet. In KL-Schneckhs ziehen die jungen Burschen von Haus zu Haus und wünschen: Proß N. for e Worscht, die sie meistens auch erhalten. Weitere Wünsche: Ich winsch eich e glickselich N., G'sundheit un langes Lewe un alles, was Eich lieb un wert esch [ LA-Nußd, Wollmh]. Ich winsch eich e glickliches N., G'sundheit, langes Lewe, Fried un Einichkeit bis in die ewich Glickselichkeit, un alles was Ehr Eich winschen, winsch ich eich aach [ Gal-Steinau]. Neujahrssingen: Die Burschen ziehen in der Neujahrsnacht von Haus zu Haus und singen: Das N. ist gekommen, / Die schöne frohe Zeit. / Da freun sich Frau und Kind, / Daß sie am Leben sind. / Es freut sich Gott im Himmel / Auch über diesen Tag, / Weil er an diesem Tage / Zum erstenmal im Tempel war. / Wir wünschen dem Hause den Segen, / Den die Welt nicht geben kann. / Der Segen kommt vom Himmel, / Er kommt von Gottes Hand. / Wir wünschen dem Haus den Frieden / Und auch die Einigkeit, / Damit sie das Jahr durchleben / Wohl in Zufriedenheit. Die Burschen erhalten dann ein kleines Trinkgeld [ KL-Bann, O'arnb Queidb ZW-Marthh]. In PS-Heltbg singen Burschen und Männer: Hilf o Jesu, laß gelingen, / Hilf, ein neues Jahr fängt an. / Laß es neue Kräfte bringen, / Fromm zu wandeln deine Bahn. / Neues Heil und neues Leben / Wolle deine Huld uns geben. / Wiederum ein Jahr herum, / Freut euch, ihr Brüder, / 's geht wieder aufs neu. - Wir wünschen Herrn Lehrer (dem Peter) ein glücklich Neujahr, und seiner Familie, der wünschen wir's aa. Prost Neijahr! Lied aus PS-Fehrb: Wer will dem Kinde sein Vater sein? Sankt Josef, Sankt Josef, der heilige Mann. Wir wünschen euch allen

[Bd. 5, Sp. 127]
für wahr, ein glückseliges neues Jahr [ PS-Fehrb]. Weitere Neujahrswünsche s. PfWB prosit 2, PfWB vorigsjahr, PfWB Lebkuchen, PfWB Leben 2a, PfWB Ofenplatte, -rohr, PfWB rot, PfWB schwarz, PfWB wünschen. Noo N. werd de Baam (der Schmuck des Weihnachtsbaumes) abgemach un vebrennt, vgl. PfWB abmachen I1c [ PS-Gersb, mancherorts]. In LU-Alsh wandern an N. die Dienstboten; dazu die RA.: Neijohr mache 'kündigen' [ Don-Schowe Torscha]. Zum Neujahrsbrauchtum s. auch PfMus. 1889 77 Vogelsgesang 8 Becker Vk. 147, 295 Feierowend 31. 12. 1955. BR.: An N. hell un klor, gibt's e gudes Weinjohr [ LA-Altd]. Volksgl.: An N. kocht mer Weißkraut, daß 's Geld net all werd [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. Oweds fer N. soll en Medel die Stub auskehre, no kann sie ihr Mann im Spiggel sehne [Fogel Beliefs Penns Nr. 182]. Wann s'erscht, as die N. in em sein Haus kummt, en Weibsmensch is, bedeit's Unglick fer sell Johr; en Mann Glick [ebd. Nr. 399]. Uf die N. därf mer ken Äppel oder Niß esse, oder mer wärd voll G'schwäre [ebd. Nr. 1357]. Vum N. an werd de Dag ee Hahneschrei länger [ Gal-Otths, Josbg Buch-Illisch]. a. 1783: Das schießen bei Hochzeiten und Neujahr bestraft 1 fl 30 kr. [Eyselein 123 (LU-Muttstdt)]. —
b. 's alt N. 'der zweite Weihnachtstag', s. PfWB alt I2b [ BZ-Dernb]. —
2. 'Neujahrsgebildbrot', aus Mehl, Hefe, Milch, Eier, Butter, Zucker und/oder Salz gebacken, Neijohr, Pl. Neijohre [ IB-Ensh HB-Medh Utw KB-Kerzh Lauth FR-Hettldh N'lein Saush Tiefth LU-Opp NW-Weish/S SP-Schiffstdt], Dim. Pl. Neijohrcher [ FR-Beindh Kl'karlb Lambsh NW-Leistdt]; Syn. s. PfWB Neujahrsweck; ausführliche Untersuchung (mit Abb. u. K.): O. Bertram Pfälzische Gebildbrote, in: WestmAbhandl. 5. 1941/42 267 ff. — Südhess. IV 970 ff.; RhWB Rhein. VI 167 ff.; Lothr. 380/81; ElsWB Els. I 410.

 

   bum: Schallwort für dumpfen Schlag, Fall, Kanonenschuß, bum [allg.], gew. mit Wiederholung: bum-bum hot's gemach [allg.]; vgl. PfWB bump, PfWB bum(p)s. VR.: Belzenickel, bum-bum-bum, schlaa die beese Kinner erum [NW-Frankeck, verbr. VPf]. Nachtmohlsknippel, bum-bum-bum, willscht so gscheit sei, bischt so dumm, Neckvers auf die Konfirmanden [ Gal-Bagbg]. Soldate kummen mit Spieße, wenn (wollen) dein Haisl umschieße, bum-bum-bum, dein Haisl fahrt am Borrem rum [ BZ-Billh]. Weitere Reime s. PfWB Pelznickel, PfWB Mädchen, PfWB Neujahr. — Ableitungen von bum sind bummeln1, PfWB bummern. Südhess. I 1219; RhWB Rhein. I 1116; Bad. I 367.