Schelle f.: 1. 'Klingel, kleine Glocke', Schell (ęl), Pl. -e (ə) [verbr., Christmann Kaulb 12 Mang 93 Müller Dietschw 60], Schall (ąl) [RO-Rehbn Bliesg (Schandein Bav. IV,2 260)]; vgl. PfWB Klingel1; Zs.: PfWB Dorf- 1, PfWB Tür-, PfWB Fahrrad-, PfWB Gemeine-, PfWB Ortsschelle. Ewe gellert die Sch. (Hausklingel) [Hartmann Unkel 98]. Heerscht em Belznickel sain Sch.? [ LU-Alsh/Gr, LA-Roschb]. Driwwe (in Bayern) hän die Kih Schelle an [ LA-Gommh]. De Bill (Büttel) macht's mit de Sch. bekannt 'Der Gemeindediener kündet mit der Sch. amtliche Bekanntmachungen an' [Keiler 107, Rohr 16]. Horch, die Sch. geht, dass. [ ZW-Battw L'wied KB-Kerzh]. RA.: (alles) an die groß Sch. hänge 'Vertrauliches ausplaudern' [ LU-Opp]; em Biddel die Sch. gewwe, dass. [ LU-Muttstdt, PS-Geisbg]; sein Maul in die Sch. hänke, dass. [ KL-Fischb]; de Katz die Sch. anhänke 'unangenehme Dienste übernehmen, sich für andere opfern' [RO-Dielkch, verbr.]. 's will kaaner de Katz die Sch. anhänke [ KU-Kaulb]. Der kommt an die Sch. 'Sein Vermögen wird zwangsversteigert' [ HB-Schwarzack ZW-Mauschb RO-Rehborn]. a. 1541: 4 schelle an dy pferdt [GgHospR]. — 2.a. 'glockenförmiger Christbaumschmuck', Pl. Schelle [ LU-Alsh/Gr], Dim. Pl. Schellcher [ LA-Roschb]. — b. 'glockenförmiges Gerät zum Abschaben der Borsten des geschlachteten Schweines', Schell [ ZW-Battw]; vgl. PfWB Kratze 1 bε, Abb. 59. — c.α. 'Ring am Geschirr der Zugtiere, durch den der Strang oder die Lanne geht', Schell [mancherorts ges. Pf]; Zs.: PfWB Trag-, PfWB Landen-, PfWB Leist(en)-, PfWB Leichtenschelle. — β. 'Verbindungsring zwischen Leuchse und Wagenleiter' [KL-Morb (Klein Wag. 108)]; Zs.: Leuchs(en)schelle, PfWB Schellenband. — γ. 'Eisenbeschlag am Sielscheit' [mancherorts ges. Pf, Klein Wag. 105]; Zs.: PfWB Mittel-, PfWB Neben-, PfWB Seiten-, PfWB Sielscheitschelle. a. 1746: 3 schelen an Ein zil scheid gemacht [Kurpf. 973-976 (FR-Flomh)]. — δ. 'Verstellvorrichtung am Vorderpflug', Pl. Schelle [ GH-Zeisk]. — ε. Teil des Sattels, Schell [ KL-Stelzbg]. a. 1787: 1 Sadel mit Trag und Schellen [SSp, Falkenstein A. 168 (LA-Ilbh)]. — d. s. die Zs. Handschelle. — e. 'Kugelschelle als eine [Bd. 5, Sp. 919] dem Karo entsprechende Farbe im deutschen Kartenspiel', Pl. Schelle [RO-Dielkch Don-Schowe Torscha Lenauheim Lovrin]. — f. = PfWB Hoden1 1, Pl. Schelle [ KU-Schmittw/O]. — g.α. 'Hautbläschen', Pl. Schelle [südl. VPf (PfL 27. 11. 1922) Schandein Sprachsch. 56 Don-Schowe Torscha Lenauheim Lovrin]. Die Sunn brennt Schelle [PfL 27. 11. 1922]. — β. 'Hautschwellung und Entzündung durch Insektenstich oder Brennesseln', Schell, Pl. Schelle [ KU-Bedb Kaulb Kreimb Kus KL-Hirschhn LU-Altr NW-Deidh Frankeck Hardbg GH-Zeisk]; Zs.: PfWB Flohschelle. Guck emol, was das Kind Schelle hot! [ KU-Kaulb]. — γ. 'Auswuchs, Beule' [ BZ-Stein]. — h. Pflanzennamen. α. 'Glockenblume (Campanula rotundifolia)', Schell [LA-Venn (Wilde 73)]; vgl. PfWB Schellenblume; Syn. s. PfWB Tintenglas 2. — β. = PfWB Zittergras, Dim. Pl. Schellcher [Zweibr, WPf (Wilde 75)]. — i. s. die Zs. PfWB Bock-, PfWB Dorf- 2, PfWB Küchenschelle; Maulschelle. — Südhess. V 239 ff.; RhWB Rhein. VII 1029/30; LothWB Lothr. 438; ElsWB Els. II 408. | | PfWB ElsWB LothWB Schelle II das Wort ist allg. [Selfk, Klevld auch daneben Bell], lautend wie Schelle I, Demin. ęlχə(n), –ę·l.-, –ęl-, ęl(ə)kə, ęltjə f.: 1. wie nhd.; Hausklingel (in den Städten), Husdürsch.; an der Sch. trecken; met der Sch. bimmeln; de Sch. bimmelte OBerg, Allg.; Schelləkes make (trecke) an den Häusern schellen, um die Bewohner zu foppen Nfrk; Schellche(r) trecke Rip; die Dorfschelle, vor Bekanntmachungen geläutet Allg.; de Perd hant Sch.ən an den Hamenspönen (Kumt) OBerg (Schwarzenb), Allg.; im Siegld trägt das Weidevieh Schellen, je nach der Grösse growe, hiere (feine) Sch.ən; de Aischell die grösste Glocke, die die stattlichste Kuh der Herde trägt (vielfach auch die Sch. des Leithammels, Ai = Schaf-); sie besteht aus Bronze, der an einem Lederstück darin schwebende Klöbbl aus Eisen. Die Schäll hängt mit einem flachen Bronzebügel in zwei Lederriemen, die beiderseits am (Schälln-)Bäjjl festsitzen. Die Schellen gehören samt den Bügeln dem Hirten; wird er am Mechlsdāch in eine neue Gemeinde eingeholt, so hängt sich die begleitende Dorfjugend die Schellen um, dazu blatz ältere Burschen mit der Renggaisl. [Bd. 7, Sp. 1030]
Das Herdengeläut hat für das Siegerland eine besondere Bedeutung, weil die Herden zum Weidegang in die Hauberge getrieben werden und die Schälln allein es ermöglichen, die Herde in dem dichten Gehölz zusammenzuhalten. — Die kleinste Glocke, mit der zuletzt zu Beginn der Messe geläutet wird, ist die Sch. Erk-Elmpt; de Gottschell das Versehglöckchen SNfrk, RA.: Et löck (läutet) de Sch. verächtl. vom Glockengeläut der Nachbardörfer Dür. Die Dorfschelle klingt: Brengt Geld, br. G.! Neuw. Der hät en Stemm wie en gebarschte (geborstene) Sch. Rip. He hängt em Rock (der zu weit ist) wie en Kläpper en der Sch. Waldbr-Wildbg, Gummb-Hombg. Der Katz de Sch. anhange wie nhd. Allg. Gih, hängk et on de Sch.! plaudere es aus Mosfrk. Et kömmt noch an de grote Sch. wird noch allgemein bekannt Klev. Der Katze, de Müs fangen sall, darf mer ken Sch. an den Sterz hangen Wermelsk. De Männer send all gout, häbben ävver all en Sch. anger (unter) dem Hot im Grunde taugen sie alle nicht Kref. Wer es et stärks en de Kerchen? De Sch.; se reckt (zieht) all op de Kne (Knie) Rip, Nfrk. — Dä geht op de Schell arbeitet an einem Platze, wo Arbeitsanfang u. -ende durch Klingeln angezeigt wird Aach-Breinig. — 2. übertr. a. et Schellche Klingelbeutel in der Kirche; et Sch. hewe Almosen einsammeln Neuw-Datzeroth, Siegld [die Bezeichnung ist in Siegen auch übertragen auf den Sammelteller aus Zinn, der am Kirchenausgang hingehalten wird]. — b. Pflanzen. α. blo Schellekes rundblätterige Glockenblume Saarbr-Püttl, Klev-Üdem. — β. Schellcher Zittergras Birkf-OHamb, Eusk-Rheder Weingarten, Schleid-Berg; Schellekes Mörs-OMörmter. — γ. Schealn Grashalme mit aufgefädelten Erdbeeren. — c. Geräte: schellenartig. α. Schrappblech, zum Abschrappen der Borsten des geschlachteten u. gebrühten Schweines May-Kehrig, Siegld, Aden-Nohn, Dür-Merzenich, Aach-Bardenbg, Eup, NErk, Kemp (neuer, alt drøŋk), MülhRh, Düss-Rating. — β. der Eisenteil in der Mitte der Wagenwaage (Wo), an dem diese befestigt wird Meis-Meddersh, Simm-Laub, Neuw-Dierd; Verstellvorrichtung am Pfluge Altk-Dickend; Rungenstütze am Wagen Bo-Keldenich. — d. Schellche werpe einen flachen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen Monsch-Witzerath, Bo-Waldrf, Köln-GrKönigsd, Bergh-Balkhs Harff. — e. e Schellche halbes Anrecht am Spiel; wenn ein Spieler im Sausp. zum ersten Male nicht in die Kaule trifft, hat er nur mehr e Sch.; wirft er zum zweiten Male vorbei, hat er et Würmche (letztes Anrecht); beim dritten Fehlwurf wird er vom Spiel ausgeschlossen Schleid-Dollend. — f. Schlag auf den Kopf, auch Koppsch. Bernk-Morb, Schleid-Dahlem. — g. et Schellche die Orte Neuw-Siebenmorgen Nassen Desb, auch die Schellcheshüh (-höhe). |