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| PfWB Saft (Bd. 5, Sp. 702) | PfWB Graben (Bd. 3, Sp. 399) | |||||||||||||||
1. a. 'Flüssigkeit in Pflanzen, Früchten', Saft (safd, sfd) [verbr., Christmann Kaulb 4 Höh 46 Müller Dietschw Lambert Penns 129], Pl. ungebr.; Zs.: PfWB Rebensaft 1. Die Rewe kummen (gehe) in de S., wenn im Frühjahr der Saft steigt [ LU-Alsh, LA-Burrw BZ-Heuchh]. Volksmed.: Der nach dem Schneiden der Reben austretende Saft wird als Mittel gegen entzündete, wehe, schlecht sehende Augen [mancherorts VPf], gegen Sommersprossen [ LA-Gleisw] und als Haarwasser [ LA-Mörzh] verwendet. VR.: Bastlösereime, die beim Losklopfen der Weidenrinde bei der Anfertigung von Weidenpfeifen zu sprechen oder zu singen waren: S., S., Seire, / Holler in de Weire, / Holler in de Grawe, / fressen mich die Rawe, / fressen mich die Muckeschwärm. / Modder geb mer e Norel! / Was duscht dann merre Norel? / Säckelche mache, Säckelche mache. / Was duscht dann merrem Säckelche? / Steencher lese, Steencher [Bd. 5, Sp. 703] lese. / Was duscht dann merrem Steenche? / Vögelche werfe, Vögelche werfe. / Was duscht dann merrem Vögelche? / Vögelche brore, brore (braten). / Was duscht dann merrem Brore? / Mei Peifche soll gut ausgerore [ ZW-Marthh]. Var.: S., S., Seire, / Mein Messer will nit schneire. / Do werf ich's in die Weire. / Modder geb mer e Norlche usw. [Pirmas (Wilde 257)]. S., S., Seire, / die Mädche wolle reire. / Falle se in de Grawe, / Do fresse se die Rawe, / Do fresse se die Willeschwein, / Geht main Peifche aus un ein. / Gut, gut gerore (geraten) [PS-W'fischb (Wilde 259)]. S., S., Seire, / Mädche willschde reire? / Fällsche in de Grawe, / fresse dich die Rawe. / Fällsche in de griine Klee, / autsch, wie dut mei Fuß so weh! [Mang 229]. S., S., Seire, / Steinche in de Weire, / Steinche in de Hillebach, / Hockt e Männche uf'm Dach, / Hot sich halwer dot gelacht. / Mudder, geb mer e Penning. / Was mit dem Penning? / Norele käfe usw. [RO-Würzw (Wilde 258)]. S., S., Seide, / Holler in de Weide, / Holler in die Bichse, / Jäger schieß die Fichse [Krämer Gal 179]. S., S., Seire, / Holler in die Weire, / Holler in das grüne Gras, / leet (legt) mer aach de Oschderhas [ KB-Boland]. S., S., Seire, / S. in de Weire, / Weire in de Hahnebach, / daß meiner Farz (s. PfWB Farze) de Hinnere kracht [ KU-Adb]. Hupp, hupp, Weide, / S. in die Seide, / S. in die Hollerbacht, / Daß mein Huppche loskracht [Kus (Wilde 259)]. S., S., Sinn, / Korn in die Mihl, / Stab in de Bach. / Dut mein Peife e heller Krach [Apostelmühle b. PS-Rodalb (Wilde 259)]. S., S., Seire, / Schlag mer in die Weire, / Schlag mer in das grine Gras, / daß der S. rausfahrt! / Mudder geb mer Nodle! / usw. / ... Was duste mit de Stenche? / Fischl'che werfe, Fischl'che werfe - / Brore, brore, / Main Huppe soll gut gerore [ZW-Nd'aub (Wilde 258)]. Weitere Var. s. PfWB Pfeife 1, PfWB Huppe 1 a, PfWB loskrachen, PfWB Nadel 1 a, Sal, PfWB Weide sowie in Wilde 257-259, Der Pfälzerwald 10/1909 44-46. — b. 'Flüssigkeiten im Körper von Mensch und Tier', vor allem Mark und Blut [mancherorts]; häufig mit differenzierendem Zusatz: de rot S. 'Blut' [mancherorts]. Ich schlaa der uf die Lefze, daß de rot S. runnerlaaft! [Pirmas]. RA.: In dem is keen Kraft un keen S., von einer energielosen Person [ NW-Elmst, vereinzelt]. Die is im zwette Saft 'über 40 Jahre alt' [Krieger 31]. — 2. a. 'aus Früchten zubereitetes Mus, Fruchtgelee', als Brotaufstrich [mancherorts NPf MPf VPf, Thielen 95]; im Ggs. zu Bed. 1 mit Gen. f. aus KU-Kaulb Kreimb RO-Als Lauteck und bei Henn Mda.-Int. 106 gemeldet; Zs.: PfWB Apfel- 2, PfWB Pflaumen-, PfWB Brombeeren-, PfWB Druschel-, PfWB Erdbeeren-, PfWB Hagebutten-, Himbeer- 2, PfWB Kirschen- 1, PfWB Molken-, PfWB Quetschen-, PfWB Quitten-, PfWB Rhabarber-, PfWB Wälensaft. VR.: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, / meine Mudder kocht S. / Mecht gern e bissel schlecke, / [Bd. 5, Sp. 704] kummt se met em Stecke. / Geh ich zum Babbe, / schlaacht er mich mi'm Labbe. / Geh ich zum Knecht, / saacht er: Dir g'schieht recht [ BZ-Billh]. — b. 'als Getränk, Heilmittel zubereiteter Saft' [LA-Impfl, vereinzelt]; Zs.: PfWB Apfel- 1, PfWB Birnen-, PfWB Brust-, PfWB Därmegicht-, PfWB Dornbeeren-, Himbeer- 1, PfWB Johannistrauben-, PfWB Kirschen- 2, PfWB Obst-, PfWB Rebensaft 2. — 3. nur Dim. 'Bürschchen'; e Säftel [Land]. — Südhess. V 26/27; RhWB Rhein. VII 686 ff.; LothWB Lothr. 425; ElsWB Els. II 332.
| I. 'längliche Vertiefung in der Erdoberfläche', Grawe (grāwə, grwə, gRwə, s. PfWB graben) [allg.]; Pl. Gräwe (grwə, seltener grēwə); Dim. s. unten I 2; e diefer (brääder, schmaler) G. [allg.]; e G. grawe (ziehe, aushewe, zuschidde, zuscheppe) [verbr.]; in de G. falle, iwwer de G. huppse [verbr.]. RA.: Die Freindschaft leit im G. 'hat aufgehört' [ KU-Schmittw/O]. Er is noch net iwwer'm G. 'hat das Hindernis (die Gefahr) noch nicht überwunden' [BZ-Albw, verbr., auch Gal]. Er is noch net iwwer'm Gräwelche, dass. [ KB-Bischh]. Er is noch emol iwwer 's Gräwelche kumme 'hat die Krankheit überstanden' [ ZW-L'wied]. Ein Rätsel s. PfWB bukkelig 1 a. KR.: Reide, reide, iwwer de G., fallt er enein, do misse mer 'n hawe, bums, do leit er [NW-Frankeck, Horne Penns 117]; Var. s. PfWB bumps 1 a, PfWB plumps, PfWB reiten, PfWB Saft, wuppe. Ortsneckerei auf das früher im Preußischen gelegene Grumbach: Grumbach leit im G., wo die schine Buwe sin un Mädcher wie die Rawe [ KU-Reiffb]. — Besondere Bed.: 1. 'von strömendem Wasser gerissener G.', vgl. PfWB Schwellgraben. 's Wasser hot e G. geress [RO-Als, verbr.]. RA.: Des hot e G. geriss, sagt man bei einem guten Zug [Bd. 3, Sp. 400] aus dem Trinkgefäß [ Don-Schowe Torscha]. SprW.: Stille Wasser reiße tiefe G. [ Don-Gottlob]. — 2. a. 'G. bzw. Rinne neben der Straße (dem Weg)', Grawe [verbr.]; häufig im Dim.: Gräwelche [ KU-Eschau Jul KL-Queidb Kirchhbol], Gräwel (grwəl, grwl) [verbr. mittl. u. südl. VPf], (gręwl) [ NW-Rödh], Gräbel [mancherorts mittl. u. südl. VPf], Graw(e)l [ GH-Neubg]. Zs.: Pflaster-, PfWB Dreck-, PfWB Gassen-, PfWB Schossee-, PfWB Stein-, PfWB Straßengraben. — b. α. 'Be- und Entwässerungsgraben', Grawe [verbr.], Gräbche [ IB-Aßw], Gräwelche [ KU-Hachb RO-Ransw Falkst], Gräw(e)l [ KB-Mörsf FR-Beindh]; Gräwe ziehe [LA-Wollmh, verbr.]; de G. zustoppe, um Wasser zu stauen [ PS-Bruchw]; de G. zubaue, dass. [ HB-Medh]; vgl. PfWB Ausläufer 3, PfWB Dole 1 b, Kümpling, PfWB Riefe, PfWB Rinne, PfWB Zeisel. Zs.: Abfluß-, PfWB Ablaß-, PfWB Ablauf-, PfWB Abzugs-, Auslaufs-, PfWB Bewässerungs-, Trükkel-, PfWB Entwässerungs-, PfWB Fang-, PfWB Faul-, PfWB Fehl-, PfWB Floz-, PfWB Flut-, PfWB Haupt-, PfWB Kopf-, Kumpel-, PfWB Mittel-, PfWB Moder-, PfWB Riesel-, Rus-, PfWB Schlitz-, PfWB Sicker-, PfWB Stech-, PfWB Sülz-, PfWB Wasser-, PfWB Wässerungs-, PfWB Wat-, PfWB Wiesen-, PfWB Zwerchgraben. — β. 'mit Steinen ausgelegter Abzugsgraben', Grawe [ WD-Niedkch LA-Altd], Gräwel [ BZ-Wind]. — c. α. 'Furche, die beim Bohnenlegen mit der Hand gezogen wird', gew. Dim.: Gräwelche [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Gräbelche [KU-O'staufb KB-Mörsf Eisbg FR-Battbg], Gräbche [verbr. SWPf], Gräw(e)l [mittl. u. südl. VPf], Grawel [ SP-Mechth GH-Neubg], Grabel [ FR-Lambsh NW-Hardbg Gimmdg SP-Berghs W'see GH-Jockgr]; e Gräwel ziehe [NW-Ungst, verbr.]. — β. 'G. für die Setzreben'; Gräwel absteche (aushewe) [NW-Kallstdt, verbr. VPf]. Zs.: PfWB Stichgraben. — d. 'G. zum Eindämmen eines Waldbrandes' [verbr.]. Zs. PfWB Waldgraben. — e. 'Grenzgraben zwischen Wiesen' [ KU-Bedb]. Zs.: PfWB Beunde-, PfWB Grenz-, Scheidgraben. — f. 'Jauchenrinne im Stall', Gräbl [ BZ-Hermbghf]. Zs.: PfWB Mist-, PfWB Seichgraben. — g. 'Erdvertiefung, nach der mit dem Klicker geworfen wird', Gräwl [ LA-Edk]. Syn. s. PfWB Kaute. — h. 'Dorfgrenze' im SprW. der nach Pommern ausgewanderten Pfälzer: Kimmscht du iwwer de G., kimmscht du in en anner Land [Kirchenhistorischer Bemerker Nr. 18 (Beilage zu Benkerts Religionsfreund 1832, H. 2)]. — i. 'militärischer Schutzgraben'; im vodderschde G. [Kaislt]. Zs.: PfWB Lauf-, Schützengraben. Die Gräben bei FR-Lambsh aus dem Krieg von 1471 s. im Reim bei Bauer1 1 (I 617, Z. 56). — j. FlN: Steinborner G. [ FR-Bockh]. a. 1606: ackher am Randecker graben [Landsbg-Zb., Bl. 76 b]. a. 1487: Garten an den Greben (in LA-Altd) [NUrkKG]. Zs.: PfWB Bruch-, PfWB Brühl-, PfWB Buben-, PfWB Burg-, PfWB Dachs-, PfWB Dorf-, PfWB Enten-, PfWB Esels-, PfWB Katzen-, PfWB Lach-, PfWB Land-, Lang-, [Bd. 3, Sp. 401] PfWB Mühl-, Schind-, PfWB Schloß-, PfWB Stadt-, PfWB Wolfsgraben. — k. s. PfWB Teuchel-, PfWB Dränierungsgraben. — II. 1. 'Einschnitt im Holz, Kerbe', Gräwelche [ KU-Etschbg ZW-Marthh], Gräwel [ PS-Münchw Winz LA-Mart Roschb], Gräbel [ PS-Leim BZ-V'weidth], Grawe [ KU-Breitb]. — 2. a. 'Gesichtsfalte'; Gräwe im Gesicht (in de Stern) [ RO-Rehborn ZW-Gr'bundb]. — b. 'Grübchen im Kinn'. Er hot en Gräwel am Bart [ LU-Alsh]. — c. Pl. 'Risse in der Haut'; Grawe in de Finger [ RO-Als]; Gräwe in de Hänn [ KU-Adb Herschw/Petth KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Schrunde. Er hot ganze Gräwe in de Hänn [LU-Limbghf, verbr.]. Volksmed.: Gräwe en de Hänn gießt mer met Bech aus [ WD-Niedkch]. — d. 'Haarscheitel', Gräwel [ LA-Venn]. — Südhess. II 1432/33; RhWB Rhein. II 1331/32; LothWB Lothr. 214; ElsWB Els. I 266; Bad. II 455/56.
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