| Netz-Navigator | ||||||||||||||||
| PfWB rügen (Bd. 5, Sp. 638) | DWB rügen (Bd. 14, Sp. 1412) | |||||||||||||||
| 1) als grundbedeutung wird durch die übereinstimmung aller altgermanischen dialekte erwiesen 'etwas vor gericht zur anzeige bringen'. sie ist auch im älteren nhd. die herrschende. rugen, denunciare, accusare 1389. die fügung ist eine doppelte. a) ein vergehen rügen, anzeigen: süsgedane ding sal man aver to den godingen wrgen. Sachsensp. 3, 91, 1 Homeyer; wat di werlike richter richtet, dat en derf man vor den geistliken richter nicht wrgen. quelle bei 5, 783a; und swer auch daʒ sihet oder deʒ inne wirt, daʒ der gebote kaines zerbrochen wirt, er sei der geswornen oder nicht, der schol es dem frager rügen. Nürnb. polizeiordn. 59; und das sollen die meister alle dem pfenter rügen bei iren aiden, ob es iemant breche. baumeisterb. 272, 34; dasz iedermann melde und rüeg auf sein gewissen, was er wisze, da dem gotshaus schaden von komen müg. bei 2, 77; etwas von einem rügen: ob ein sun sogetan ding von dem vater rüeget, di dem vater an den leip gent. rechtb. von 1332 ebenda; der rüegt des andern missetât, dâ (am jüngsten gericht) wirt vür wâr vergeʒʒen niht, b) gewöhnlicher ist einen (um ein vergehen) rügen: ni curet uuânen, thaʒ ih ruoge iuuih mit temo fater; ist der iuuih ruogti Moyses. Tatian 88, 13; inti ruogtun inan thiê furiston bisgoffâ in managên. 198, 4; 'hwar quam thit Judeôno folk', quað he, worton tho ginuagenbigondon sie nan ruegen, [Bd. 14, Sp. 1413] sein gesellen nit, die rugen ie einer den andern. 67, 24; einen dem richter rüegen. 2, 77; die zwêne die Susannen ruogten dem bischove er gerüeget wart. zeitschr. für d. alterth. 8, 291, 549; gleich wie deine genossen gewohnet, arme leute mit bannzeddeln umbzutreiben, und zu schinden, auch ehliche weiber unschüldiglich zu rügen. 1, 219b; Joseph aber jr man war from, und wolt sie nicht rügen (beim priester anzeigen, s. 4 Mos. 5, griech. παραδειγματίζεν). Matth. 1, 19; vgl. dazu die anm. bei 1, 133a und Adelung; ir pauren, hewt ist rüeg, wist ir wol, so wais ich auch kainen für mich, 2) von da aus ist der begriff des rügens ausgedehnt auf die weitere gerichtliche verfolgung eines vergehens. so bedeutet es a) ein vergehen untersuchen und darüber ein urtheil fällen: up solken bevel des richters so eschet de ordelsman des heren gesworen gudemanne to sik und tredt mit en af, wroget mit en de sake, unde wes se dar to rechte vinden, dat bringet de ordelsman wedder in. quelle bei 5, 783b. b) ein vergehen strafen, besonders wenn es sich um leichtere strafen handelt: rugen ... punire, mettre à l'amende. 1389; nu ob in einer stat offenlichen wucherer sint, wer ist da schuldic an? ... der rihter, ob er si niht rüeget, als er sol. Schwabensp. 140, 4; man sol niht über si rihten als umb ander frowen. man sol si niht offenlichen rüegen, si suln ouch niht offenlichen büezen. 308. so von der thätigkeit einer polizeibehörde, die die beobachtung der gesetze zu überwachen und vergehen gegen dieselben mit geldstrafen zu ahnden hatte (vgl. DWB rüger), s. 5, 783a: twe prestere weren dar to gesat, dat se alle lude wrogen scholden, de ouer dat echte treden. ebenda. 3) daneben geht schon mhd. eine allgemeinere verwendung, indem die ursprüngliche beziehung auf das gerichtliche verfahren abgeblaszt ist und das wort den sinn bekommen hat 'einen eines vergehens beschuldigen, ihm etwas vorwerfen, ihn tadeln, schmähen' u. s. w. a) beschuldigen: nieman sol ouch einen andern rugen binamen umme sine snde in der bicht. deutsche pred. 34, 3; sun verlihe dem tufel dines mutes nichtes nicht; swen er dich betrubet, so ruge in vor mir, das vertribet in; wan dem selben tufel tut aller wirst, das man sine anvechtunge dicke sait. veter buoch 50, 27 Palm; Joseph wrogede sine brodere to sinem vader umme de allerergesten missedaet (accusavit crimine pessimo. vulg.). 1 Mos. 37, 2 bei 5, 783a; die alt comoedi weret so lang, bis ein geben gesetz verbot, niemand mit namen zu rügen. S. Franck moriae encom. vorr. b) ein vergehen bekannt machen: ich wolde, daʒ den argen hienge ein schelle doch bald rügten die götter es unter den menschen. (ἄφαρ δ' ἀνάπυστα θεοὶ θέσαν ἀνθρώποισιν). oft mit unpersönlichem subject, 'offenbar machen, an den tag bringen': denn es ist ein eiveropffer und rügeopffer, das missethat rüget. 4 Mos. 5, 15; der warhaftig wein verrät sein hertz, .. der fuchs msz hinder den orn herfür, und alle unzucht wirt da geögt und gerügt. laster d. trunkenh. (1531) G 2a.c) besonders seine sünden bekennen, in der beichte: wanne ruget der mensche sine snde von innenclichem herzen in der bicht, und gibt er sich schuldich, so leget in got ʒ der schult. deutsche pred. 33, 14; ein igelich sol sines selbes snde rgen und sine missetat. 34, 5; [Bd. 14, Sp. 1414] unde alle di ir sunde hant gerugit d) etwas tadeln, schelten, etwas an jemand auszusetzen haben: er (hauptpastor Göze) würde sich sehr freuen, wenn ich eine solche lumperey zu rügen im stande wäre. 11, 527; kein selbstsüchtiger hypochondrist würde so scharf und scheelsüchtig den verfall der gebäude, die vernachlässigung der mauern .. gerügt und gescholten haben. 22, 146; soll ein fremder das nicht rügen? 57, 234; wer will eine tollheit rügen! 236; doch soll nicht zagen, welcher schalkheit nicht mir rüge die gaben der goldenen Aphrodite! wenn du denn jetzt Odysseus der Ithaker heimgekehrt bist, an deiner sprache rüge wollt ir all an ainander rügen? fastn. sp. 651, 9. aber auch 'in wohlmeinender absicht jemand auf einen fehler aufmerksam machen': und daʒ er vriuntlîche an mir swer mîn unkunst rüeget sô werden auch wol meine reimen alle für die jungfern tügen? e) endlich geht rügen auch hier geradezu in die bedeutung 'strafen' über, namentlich auch vom strafgericht gottes: (gott) der mit rügender flamme die hölle, den tod mit allmacht so hatte gott ihr (der hölle) geboten, durch laster wird die lasterthat gerügt. f) im nd. auch reflexiv 'sich zanken': dat wy uns dan wrôgden um den kôr (die wahl), 4) noch abgeblaszter ist die bedeutung des wortes, wenn es in dem sinne 'bekannt machen, öffentlich nennen, erwähnen' steht, ohne dasz dabei der nebenbegriff des tadelns zur geltung kommt. so besonders im mhd. und älteren nhd. etwas rügen, bekannt machen, melden, angeben: dô wart Lanzelet vil geil wie hât sich daʒ gefüeget [Bd. 14, Sp. 1415] als ich mit warheit ruoge. er hat uns mengen sunder rat sin unbefunden schonheit ruoget warzuo sol herren muot, warzuo sol herren name, 5) andere verwendungen der gerichts- und verwaltungssprache sind auf das ältere deutsch beschränkt. a) gemäsze und gewichte auf die richtigkeit ihrer eichung prüfen, s. 5, 783b: wanner ein vesting (vestding bezirksgericht) is, so sal men wrogen scheppel, beker, kannen und alle gewichte. weisth. 3, 35. vgl. rüger. b) verordnen, als veraltet bei Adelung und danach bei Campe. vgl. rüge.
| |||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| © 2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ||||||||||||||||