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 PfWB rufen (Bd. 5, Sp. 634)   PfWB kreischen (Bd. 4, Sp. 576) 
   rufen st., schw.: 'sich (mit lauter Stimme) äußern, zum Herkommen veranlassen, herbeilocken', rufe [verbr., auch Auslandspfälzer, Christmann Kaulb 27, 65 Mang 138 Müller Dietschw 57 Höh 65], roufe [ HB-Webh], ruwe [ Gal-Obl Slawitz]; Part. Perf.: g(e)rufe [verbr. VPf O-PS], geruf [verbr. WPf (außer SW u. äußerster W) NPf], geruft [verbr. SWPf u. äußerste WPf], vgl. K. 321; in der Konjug. Sg. 2. u. 3. Pers. Umlaut des Stammvokals u (ū) > ie (ī) in der NWPf u. NPf, vgl. K. 321; on ääm Stick r. [ KU-Schmittw/O]; um Hilf r. [ebd.]. Ruf en emol! 'Rufe ihn herbei!' [ KU-Kaulb]. Ich ruf iwwer ne 'Ich rufe ihm zu' [ KU-Bedb]. Er ruft mer 'ruft mich' [ NW-Frankeck]. Er hot de Dokder r. losse [ GH-Kand]. Er ruft de Hund [ NW-Wachh]. Die Gluck ruft de Bipple [ NW-Geinsh]. De Hohn rieft die Hinkel [ KU-Odb]. Er schläft, bes die Katz em Perer ruft, von einem Langschläfer [ RO-Odh]. RA.: ins Lewe r. 'gründen' [ KU-Schmittw/O]; die Gestembelt r. 'beim Kartenspiel das Herzas aufrufen' [ebd.]; gehn uhne gerufe 'Selbstmord begehen' [ LU-Böhl]; de Ulrich r. 'sich übergeben' [ LA-Mörzh], 'm Ulrich r., dass. [ BZ-Bindb Nd'ottb]; vgl. PfWB ulrichen. Du kummscht grad wie geruf (gerufe, geruft) 'kommst zur rechten Zeit, sehr gelegen' [KU-Hundh, verbr.]. Er hot Zeder un Mordjo gerufe [ LU-Opp]. Der heert de Guckuck nimmi r. 'Er erlebt das Frühjahr nicht mehr', vgl. PfWB kreischen 2 f [ KU-Schmittw/O]. SprW.: Wann de Dod ruft, kammer kän Stellvertreder schicke [ LU-Opp]. BR.: Wer net springt mit em Reche, wann Micke un Breme steche, muß im Winder springe mit 'me Sääl un rufe: Hot jemand Haai fääl (feil)? [ LU-Oggh]. Am fufzehde April, do muß de Guckuck rufe, er mahn stecke wu er will [ RO-Odh]. In der Karwoche, wenn die Glocken der katholischen Kirchen schweigen, rufen die Rätscherbuben: Heert ihr Leit, es lait net heit, so rufen wir zur Betglockszeit! Ave Maria [ KU-Brück]. VR. s. PfWB backen 1 b, PfWB Franzose 1 a. a. 1553: Als da hat ihn dann der deygen oder büttel zue Castell gebunden und ingeführt bis uff Aßweiler, hat er dem hunde (s. PfWB Hunde) zum drittenmal gerufen und ihme die gefangene befohlen fort dem hochgerichtsschultheß zu liebern [ABlieskst 99]. — Zs. u. Abl.: PfWB ab-, PfWB ane-, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB bei-, PfWB be-, PfWB ein-, PfWB herauf-, PfWB heraus-, PfWB herbei-, PfWB herein-, PfWB herüber-, PfWB her-, PfWB herunter-, PfWB hinaus-, PfWB hin-, PfWB hinauf-, PfWB hinein-, PfWB hinüber-, PfWB hinunter-, PfWB nach-, PfWB wider-, PfWB zurück-, PfWB zu-, PfWB zusammenrufen; PfWB ver-, PfWB ungerufen, Geruf(s). — Südhess. IV 1507 ff.; RhWB Rhein. VII 576 ff.; LothWB Lothr. 420, ALLG I 70; ElsWB Els. II 239/40.

 

   kreischen1 st.:
1. bei Menschen.
a. 'mit lauter Stimme sprechen, schreien', kreische (graiə) [verbr. (außer lothr. SWPf), auch Penns Don Gal Buch Rußl (NPf VPf vereinzelt -ž-)], kraaische (grāiə) [Karch Bockh/Kallstdt 89, 90], kroische (grǫiə) [mancherorts mittl. VPf (Bertram § 292) KL-Mölschb Stelzbg W'lein BZ-Wernbg], kreiche (graiχə) [ KU-Bosb Diedk WD-Niedkch IB-Habkch ZW-Bechhf RO-Schiersf KL-Lind Siegb LU-Altr Gronau NW-Seeb BZ-Rinnth] krische (griə) [verbr. lothr. SWPf], kresche [ Don-Biled]; vgl. F. Zs.: ab-1, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB ver-, PfWB voll-, PfWB heraus-, PfWB herum-, PfWB hinauskreischen. Syn.: PfWB billern2 2, PfWB plädieren, PfWB plärren, PfWB brüllen 1 a, PfWB fest (hart, laut) PfWB plaudern (sprechen), PfWB gälpsen, galstern, PfWB gärren 2 b, PfWB gauzen 2 a, PfWB gellen, PfWB gellern, PfWB gellsen, PfWB krakeelen, PfWB Kreisch PfWB tun, PfWB schreien; weitere Syn. s. PfWB lärmen; sich de Hals wund k. [ KU-Diedk]; äim eppes in die Ohre k. [ KU-Schmittw/O]. Kreisch nit so (arich)! 'Sprich nicht so (arg) laut!' [ BZ-Eußth, verbr]. Er kreischt, daß mer's iwwer drei Haiser enaus heert [ KU-Schmittw/O]. Die kreische, daß mer mäint, 's ganz Haus wär däib (taub) [ebd.]. Kreisch's jo enaus, daß es alle heere!, sagt man, wenn jemand laut über eine Angelegenheit spricht, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll [ KL-Reichb]. Jo, kannschde k.!, sagt man zu einem, der außer lautstarkem Gehabe nichts zuwege bringt [ebd.]. Mit em Maul kammer (kann man) k., dass. [Frankth]. So, du Griwwelbisser, kreischt se, du Massik ... [NPfGV Nr. 8, Aug. 1934]. Do han die Baure »Hoch« gekrisch / Un ufgebollert uf de Disch [Münch Weltgesch. 138]. Mir Pälzer duhn - es isch was dran - / Mehr als Gebühr isch - kreische! [Croissant 59]. Peifedeckel, wann die mitnanner kreische, sin se sich änich [Krieger 45]. RA.: Borjerhilf k. 'um Hilfe rufen' [Kühn Palz 125]; sein Däil k. 'kräftig mitschreien' [ KU-Schmittw/O]; vor Schmerz, Ärger in die Wolke (de Himmel) k. [KL-Wörsb, verbr. Don Gal Buch]. Do kennt ma Feier k. (vor Verwunderung, Schmerz) [Zweibr (Wilms Alph. 18), mancherorts]. Die sin zum K. 'zum Totlachen' [Krieger 33, verbr.].

[Bd. 4, Sp. 577]
Wer laut, durchdringend schreit, kreischt wie e Buchmardl (Buchmarder) [ KU-Kaulb, mancherorts]. Er kreischt wie e Leeb (Löwe) [SOPf (Heeger Nachl.)], wie e Bär [Heeger Tiere I 27], wie e Derk (Türke) [Don-Bulkes Gert Tscherwk verbr. Gal Buch-A'frat]. Er dut k., wie wann er am Spiß stecke deet [ KL-Hirschhn, verbr]. Er hot Zeder un Mordjo gekrische [ LU-Opp]. Er hot gekresch iwer Licht un iwer Laut [ KU-Diedk]. Der kreischt nimmi (nicht mehr), von einem, der gestorben ist [KL-Lind (Höh 161)]. SprW.: Wer am ärgschde kreischt, lääft am eerschde fort [ BZ-Dierb]. Die, wo am mehrschde kreische, dene soll mer die kalt Schulter zeiche [Krieger 30]. Was voll es, kreischt net [ KB-Bischh]. BR.: Gewitter im Mai, kreicht de Bauer »Juhai« [ LU-Alsh]. VR.: Heinerle, Heinerle hot Knoddle im Hemb, geht die Houlgaß nunner, kreischt quick, quack, quack [ LA-Hainf]. Neckreim auf den Schneider: Schneiderbockgäß, mach d' Supp so hääß, schlupp unner de Disch, kreisch Kehrwisch! [ GH-Kand]. Einen weiteren VR. s. PfWB Decke. —
b. 'schelten, schimpfen' [verbr., Kühn Hamet 120]. Syn. s. PfWB schelten. Er hot mit mer gekresche [SOPf (Heeger Nachl.)]. Der kreischt de ganze Daa (Tag) [ ZW-Battw]. Kreisch mich net so an! [Pirmas]. Awer wann se emol e Brodegoll mae wille, dann kreischt gleich Alles 'Aber wenn sie einmal ein Protokoll machen wollen, dann schimpfen alle' [PfId. 181]. —
c. 'weinen', bes. von kleinen Kindern; Zs.: PfWB bei-, PfWB verkreischen. Syn. s. PfWB greinen 1 a. 's Kind kreischt [NW-Freinsh, verbr.]. Wer kreischt 'n do so?, sagt man zum weinenden Kinde [ LU-Böhl]. Wammer nit immer bei'm isch (beim Kind), fangt's grad an se k. [ PS-Erfw]. Nemm's un trag's (das Kind) e bissel rum, daß's ufheert se k. [ LA-Gommh]. Bese Kinner greische, brille, / Hen so graad ihr eegner Wille [Birmelin Penns Gezw. 133]. RA.: Wann dem sei Dummheit weh du dät, mißt 'r Daa un Nacht k. [Kaislt, mancherorts, Gal-Dornf]. Der hat 's Lache un Kreische in eem Sack, von einem, der schnell aufeinander lachen und weinen kann [ Don-Gottlob St. Andreas]. SprW.: Wammer de Kinner de Wille dut, kreische se net [ Don-Gertianosch Gottlob]. BR.: Wann die Kenn (Kinder) kreische, gebt's am annere Dag Räin (Regen) [ WD-Niedkch]. Volksgl.: Mer soll en Kind net im Leeb (Sternbild des Löwen) abgewehne, schunscht kreischt's wiischt [Fogel Beliefs Penns Nr. 126]. Volksmed.: Fenele (Fenchel) git mer 'm Biwele (Büblein), not hert 's uff se k. [BZ-Rohrb (Wilde 58)]. —
2. bei Tieren.
a. 'Lautäußerung des Rindviehs'; vgl. PfWB brüllen. Die Kuh kreischt [verbr.]. 's Veeh (Vieh) kreischt vor Hunger [ KU-Schmittw/O]. SprW.: D' Kuh, wu am erschde noch 'm Kalb kreischt, vergißt's am erschde [ BZ-Dierb]. —
b. 'Wiehern des Pferdes' [mancherorts]. Volksgl.: Wenn die Gail kreische an 're Leicht 'Beerdigung', sterbt glei widder eens [Fogel Beliefs Penns Nr.

[Bd. 4, Sp. 578]
547]. —
c. 'Quieken, Schreien der Schweine, bes. wenn sie nach Futter verlangen'. Die Sau (Sai) kreische [ KB-Kerzh, mancherorts]. RA.: Heit gebt's noch Reen (Regen), daß die Sai kreische [verbr. Gal Buch-Satulmare St. Onufry Rußl-Worms]. Volksgl.: Wammer die junge Sai im Leeb 'Sternbild des Löwen' vun der Loos 'Muttersau' dut, kreische sie wiischt [Pennsylv. Dutch Cook Book 41]. —
d. 'Blöken des Schafes' [ RO-Als KL-Reichb LA-Gommh]; vgl. PfWB plärren 1 b. RA.: Der kreischt »mäh« wie e Schoof [ KL-Reichb]. —
e. 'Miauen, Schreien der Katze'; vgl. jaunzen. Die Katz kreischt [verbr.]. —
f. 'Lautäußerung von Hausgeflügel und anderen Vögeln'. Das Hinkel kreischt [KU-Gumbsw, verbr.]. Der Hohn kreischt [KU-Odb, verbr.]. Die Gäns kreische [Frankth, verbr.]. Wie ich dehäm aus meim Schublädel des Angelzeig raushol, kreischt mein Bebgei (Papagei): »Petri Heil« [Pfälzer Art und Sinn 1. 12. 1933]. RA.: Der heert de Guckuck nimmi kreische, wenn ein Kranker das nächste Frühjahr nicht mehr erlebt [ LA-Gommh, BZ-Dernb]. BR.: Wann de Poo (Pfau) kreicht, gibt's Rege [LU-Alsh, Fogel Beliefs Penns Nr. 1136]. Dieselbe Regel auch vom Schreien der Raben, vgl. PfWB Krapp2 1 a [NW-Geinsh LA-Freimh Fogel Beliefs Penns Nr. 1223], der Dreckraben [Kus], des Dreckfinks [ ZW-L'wied], vom nächtlichen Schreien des Hahns [ KU-Odb], vom Kuckuck: Am 10. April kann er kreische, am 15. muß er k. [ KL-Fischb]. Volksgl.: Man muß mit'm Geld im Sack rappele, wann de Guckuck zum erschdemol kreischt, damit man das ganze Jahr über Geld hat [ NW-Wachh]. Wemmer de Guckuck zum erschdemol heert kreische un hot Geld im Sack, hot mer 's ganz Johr [ GH-Schwegh]. VR. s. PfWB Kappe 2 a, PfWB Klara.
g. Lautäußerung anderer Tiere. Die Krotte 'Frösche' k. [ LU-Friesh, mancherorts]; vgl. PfWB quaken. Im Frihjohr kreischen die Fresch [ Gal-Debolowka]. SprW.: Wammer de Krott uf de Bauch trett, kreischt se 'Wenn man jemandem weh tut, wehrt er sich' [ KU-Schmittw/O]. VR.: Die Freschelcher, die Freschelcher, des es e luschdich Kor, sie sitze in dem Wasser drin un kreische quack, quack, quack [ LU-Limbghf]; Var. s. PfWB Frosch I, PfWB Kor2 1, PfWB Krinoline.
3. 'Geräusche verursachen'; vgl. PfWB knarren 1 a. Die Deer (Tür), die Sääg un die Feil kreische [ KU-Schmittw/O]. De Waache kreischt [ LU-Opp]. RA.: 's kreischt wie e Pluggerkärchel (Pflugskarren) [ LU-Muttstdt]. Die Speelleit kreische, vom Geräusch in den Gedärmen [ KU-Albess]; vgl. PfWB Därmekreischen. Schuh as kreische, sin noch net bezahlt [Fogel Beliefs Penns Nr. 2053]. —
4. 'in grellem Kontrast stehen'. Die Forwe (Farben) kreische [ KU-Schmittw/O]. »Alles Auffallende der äußeren Erscheinung 'kreischt' dem Pfälzer in die Augen« [Schandein Bav. IV,2 265]. — F.: Präs. Ind. Sg. 1. grai, 2. graid, 3. graid, Pl. 1.

[Bd. 4, Sp. 579]
graiə(n), 2. graid, graiə(n), 3. graiə(n); zur Verbr. der Pl.-Endung vgl. DSA, K. 7a; dgl. mit Stammvokal -ǫi-, grǫi usw. u. -i- s. Inf. bei 1 a. Part. Perf. gəˈgreə [PS-Erfw LA-Herxh Ilbh Nd'hochstdt Wollmh BZ-Dierb Bertram § 79 Heeger Südostpf. § 8], gəˈgriə [NW-Wachh LU-Friesh Opp Land GH-Kand Buffington-Barba Penns 152 Lambert Penns 70], gəˈgre [KU-Bedb Diedk Kaulb Kreimb Schmittw/O WD-Niedkch RO-Dielkch KB-Kriegsf Henn Mda.-Int. 98, 207], gəˈgri [KU-Brück Don (Steinmetz)], gre [Mang 98, 196]. Imp. Sg. grai, Pl. graid, graiən (-ǫi-, -i-). Südhess. III 1804; RhWB Rhein. IV 1455; LothWB Lothr. 314; ElsWB Els. I 525.