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 PfWB rücken (Bd. 5, Sp. 626)   PfWB drücken (Bd. 2, Sp. 561) 
   rücken schw.:
1. trans.
a. mit Akkusativobj. α. '(an einen anderen Platz) schieben, schleifen', ricke [verbr., Christmann Kaulb 22 Höh 59 Lambert Penns 124], ricke u. rucke [ BZ-Dernb]; de Disch (in die Mitt, an die Wand) r. [LU-Altr, verbr.]; Holz r. 'Holz aus dem Wald an den Weg bringen', vgl. PfWB Rückgeld [ RO-Hainzth NW-Frankeck]; Bindel r. (vom Gesinde am Wandertag als Zeichen des Verbleibens beim alten Dienstherrn, vgl. PfWB Bündel 1 a) [Schandein Bav. IV,2 33]. —
β. '(etwas oder sich) bewegen'. Der kann die Ohre wirrer r., auch als RA.: 'Er schöpft Mut, ist auf dem Wege der Gesundung (auch wirtschaftlich)' [ FR-Bockh]. Er rickt un regt sich net [ BZ-Dernb]. —
γ. 'inserieren'; e Danksachung ins Blatt r. [Frankth]. —
b. mit Dativobj. 'sich nähern', in der RA.: eem uf de Leib (uf de Belz, uf die Socke) r. 'einem zu nahe kommen' [ KU-Diedk, NW-Mußb]. —
2. intrans. α. 'sich bewegen'. Brauchspruch bei Geburtswehen: Mudder, du sollscht rucke, durch meinen Daumen sollschde schluppe! Im Namen des Vaters usw. [ BZ-Albw]. Deutung des Fauchens der Lokomotive, die zur Rheinbrücke hinauffährt: Ricke, ricke, helf mer dricke, helf mer doch, ich pack es noch! [Lu'haf]; Var. s. PfWB packen 3 c, PfWB drücken 1. —
β. 'sich nähern', in der RA.: Hinner dich werr ich noch r.! 'Mit dir werde ich noch abrechnen!' [ KL-Stelzbg]. —
γ. 'Platz machen'. Rick emol! [ KB-Bubh]. Rick in die Mitt, do is noch Platz! [ GH-Schwegh]. RA.: Der will kä Joda r. 'nicht nachgeben' [ IB-Ommh]. —
δ. '(im Brettspiel Mühle 3 a) ziehen' [ NW-Frankeck GH-Kand]. — Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB aus-, PfWB daran-, PfWB ein-, PfWB ver-, PfWB vor-, PfWB heraus-, PfWB herbei-, PfWB her-, PfWB hinauf-, PfWB hin-, PfWB hinüber-, PfWB nach-, PfWB weg-, PfWB zusammen-, PfWB zurechtrücken; -rucken; Kistenrücken. — Südhess. IV 1497/98; RhWB Rhein. VII 559/60; LothWB Lothr. 412; ElsWB Els. II 249.

 

   drücken schw.:
1. 'einen Druck ausüben', dricke (drigə) [fast allg.], drecke (dregə) [KU-Gumbsw WD-Niedkch PfId. 165].
a. (auf) etwas d.; (uf) de Knopp (z. B. den Klingelknopf) d., die Hand d. u. ä. [allg.]. RA.: Loß der se (die Hand) d.! 'Laß dich beglückwünschen!' [ KL-Siegb]. Er drickt die Wertshausbank 'sitzt oft im Wirtshaus' [ RO-Obd]. Sie dricken noch die Schulbank [LU-Oggh, verbr.]. Er geht Schlenke dricke 'zieht bettelnd umher' [ RO-W'grehw]. Der Geizhals drickt de Penning [ PS-Schmalbg HB-Webh]; drickt de Penning bloo [Hebel 21]. Ich drick d'r de Daume 'wünsche dir gutes Gelingen' [allg.]. — Sonderbedeutungen:
α. 'weichdrücken'. Das kammer dricke wie Wachs [ ZW-L'wied]. BR.: De Oktower drickt die Trauwe 'Die Oktobernebel machen die Weinbeeren dünnhäutig und weich' [ KB-Zell]. —
β. 'zerdrücken'; Scholle mit de Walz dricke [ GH-Kand]. —
γ. 'totdrücken'. Wann die Jachd uf Hase noch nit uf isch, muß d'r Hund än dricke, damit der Jäger doch zu seinem Braten kommt [ LA-Rhodt]. —
δ. 'durch Drücken in Bewegung setzen, schieben'; de Waa (Wagen) d., de Karch (Karren) d. [NPf, allg.]. RA.: Du hascht de Karch in de Dreck gedrickt, zieh 'ne a wirrer eraus! [ KL-Reichb]. Scherzh. Deutung für das Fauchen der bergauf fahrenden Lokomotive: Helf mer dricke, ich bleib sticke [LU-Friesh, verbr.]. Ich helf d'r aa emol berjenunner dricke, scherzh. Ausdruck des Dankes für eine Gefälligkeit [ KL-Reichb]. Der hot geholf an de Kerch dricke, vom Glatzköpfigen [ Gal-Josbg]. Scherzh. Antwort auf die Frage Wie geht's?: Wann's net geht, misse mar'sch dricke [ ZW-Ernstw]. Dazu die Var.: Wann's gut geht, braucht mer net se dricke [ NW-Geinsh]. Auch vom Ziehen der Ochsen und Kühe (genommen vom Drücken mit dem Stirnjoch): die Ochse dricke lehre [ PS-Hetths]. Was mielich (möglich) is, dricke mein Kih [Hebel 45]. —
ε. In der Sprache der Gewichtheber 'heben, ohne Schwung zu nehmen' [verbr.]. —
ζ. den Preis d. 'unterbieten', umgspr. [verbr.]. —
η. 'eine besondere Leistung vollbringen'. Ich han's gedrickt 'habe es geschafft', z. B. 'habe den Streit geschlichtet' [ KL-Niedkch]. Er hot's ehm gedrickt wie der Jurko seiner Gluck, iron. von einem Übereifrigen, dessen Kraftaufwendung sich als unnötig erwiesen hat [ Gal-Obl]. —
θ. e Kopp d. 'übelgelaunt, verschnupft sein' [HB-Alth Medh (PfId. 78) ZW-Battw]. —
b. jemand d.
α. 's Kind drickt sein Mamme [ KL-Kindsb, allg.]. Zs. PfWB liebdrücken. Er dut gern die Mädle d. [NW-Frankeck, verbr.]. Die Jule hot mich lieb; sie saat, sie wär vun Bricke. Un wer die Jule liebt, der därf se dricke [Feierowend

[Bd. 2, Sp. 562]
Nr. 8/1950]. —
β. Die Schuh dricke mich, weil sie zu eng sind [ RO-Obd, allg.]. RA.: Der wääß, wu'ne de Schuh drickt 'was ihm fehlt' [ LA-Gommh]. Was man nicht gebrauchen kann: e Stiwwel (Stiefel), wo drickt, un e Sigar, die net zieht [WPf]. 's Kummet drickt'n, von einem Arbeitsscheuen [ BZ-Dierb]. Vom körperlichen Beengtsein überhaupt im Rätsel: Es liechen vier Geschwischder in ener Kischt un dricken sich net (die vier Teile der Walnuß) [ BZ-Dernb]; vgl. gedrückt (voll). —
γ. vom Druckgefühl im Körperinnern. Es drickt mich im Maa (Magen) [ ZW-Battw, allg.]. Die Wind dricken mich, von Blähungen [ GH-Nd'lustdt]. —
δ. vom Albdrücken, vgl. PfWB Drücken, PfWB Drückemännchen 1 b. De Alb hot mich heit nacht gedrickt [ FR-Bobh]. Mich hot's heit nacht gedrickt, mich hot e Hex geploocht (geplagt) [ GH-Erlb]. —
ε. von schwüler, drückender Luft. Die Luft drickt heit [Kaislt, verbr.]. Heit isch sou drickend [GH-Nd'lustdt, verbr.]. Heit isch so e drickend Wedder [LA-Gommh, verbr.], e drickend Hitz [FR-N'lein, verbr.]. —
ζ. von materiellen Sorgen, drückender Schuld. Den dricken sei Schulde, er weeß nimmi, wu anne un wu naus [Gal-Dornf, verbr.]. De arem Bauer es so arig gedreckt met Abgabe [PfId. 165]. Er hat eppes, wo'ne drickt; zentnerschwer leit's uf'm [KL-Reichb, verbr.]. SprW.: Armut schändt net, awwer sie drickt [KU-Diedk, verbr., auch Don Gal Buch]. —
η. vom Druck überschäumender Kraft. RA.: Den drickt die Millich, von einem, der hinter den Mädchen her ist [KB-Bennhs, verbr.]. —
2.
a. etwas, jemand d., an etwas, an jemand d., entsprechend auf, in, gegen (wider) etwas oder jemand d.; 's Kind ans Herz d., an sich d. [nördl. VPf, allg.]. Volksmed.: For 's Blut se stille, muß mer Spinnwebe uf die frisch Schnittwund dricke [ LU-Opp]. De Waan (Wagen) in die Scheier d. [westl. WPf]. Die schwiel Luft drickt eem (einen) in de Borrem [ LU-Alsh]. Er horrem (hat ihm) e Trinkgeld in die Hand gedrickt [ KU-Schmittw/O, allg.]. Do kammer (kann man) sich die Aue vor de Kopp d., von der Anstrengung beim Drücken eines Wagens u. dgl. [KU-Wolfst, verbr.]. —
b. etwas aus etwas d.; Saft aus de Zitron d. [Kaislt, allg.]; Madeering (Eiter) aus'm Schwäärn (Geschwür) d. [Gal-Dornf, verbr.]. —
3. sich d.
a. gegenst.
α. 'sich senken'. Die Mauer drickt sich [ NW-Frankeck]. De schnee drickt sich 'vergeht' [ KU-Bedb]. —
β. De Has drickt sich 'duckt sich' [ KU-Schmittw/O]. —
b. übertr.
α. 'sich davonschleichen, unbemerkt (von einer Gesellschaft) weggehen'. Wie's emol zwelf Uhr war, hot er sich gedrickt [FR-Bockh, verbr.]; vgl. PfWB Drückeberger 3. Drick dich! 'Geh weg!' [ RO-Dielkch KL-Mehling Frankth NW-Dürkh Haardt]. —
β. 'sich bei der Arbeit, vor einer Verpflichtung d. Er drickt sich vun de Ärwet [ LU-Opp]; vgl. Ge-

[Bd. 2, Sp. 563]
drücks. Er drickt sich beim Zahle [ KU-Hundh]. Er drickt sich, wu er nore kann [ Gal-Dornf]. —
γ. 'sich der Strafe entziehen' [ LU-Altr]. —
δ. 'einer Auseinandersetzung, einem Kampf mutlos aus dem Weg gehen'. Er drickt sich, er hat Ängscht [Kus KL-Niedkch]. —
4. Part. Perf.
a. 'untersetzt', vom Körperbau bei Tieren. Die Kuh es gedrickt [ KB-Kriegsf, BZ-Albw]; dafür auch geblocht (s. PfWB blochen 4), gepackt (s. PfWB pakken 4 a), gestaucht (s. PfWB stauchen). —
b. 'niedergeschlagen, mutlos'. Er is ganz gedrickt [KL-Kindsb, verbr.]. — Zs. PfWB ab-, PfWB an-, PfWB ane-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB bei-, PfWB darauf-, PfWB tot-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB fort-, PfWB heraus-, PfWB her-, PfWB herein-, PfWB herüber-, PfWB herum-, PfWB herunter-, PfWB hinab-, hinan-, PfWB hinauf-, PfWB hin-, PfWB hinein-, PfWB hinüber-, hinweg-, PfWB lieb-, PfWB nieder-, PfWB ver-, PfWB vor-, PfWB zu-, PfWB zurück-, PfWB zusammendrücken. — Südhess. I 1770 ff.; RhWB Rhein. I 1509/10; Saarbr. 51; LothWB Lothr. 103; ElsWB Els. II 752; Bad. I 573/74.