Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Rock (Bd. 5, Sp. 559)   PfWB Schneider (Bd. 5, Sp. 1300)   PfWB Stadt (Bd. 6, Sp. 396) 
   Rock m.:
1.
a. 'Männerrock', Rock, Pl. Reck [verbr., Christmann Kaulb 17, 21 Mang 103

[Bd. 5, Sp. 560]
Müller Dietschw 57 Schneckenburger 52 Höh 57 Lambert Penns 126]; Dim. Sg. Reckelche, Pl. Reckelcher [KL-Wörsb, verbr. WPf NPf, Schandein Ged. 246, Lambert Penns 122], Sg. Reckel [GH-Kand, verbr. mittl. u. südl. VPf, Don-Schowe Torscha Werb], Reckel, Reckelche [Krämer Gal 176]; de lang R. 'der R. für den Kirchgang', Syn. s. PfWB Kirchenrock [ LA-Gommh]; zweereihicher R. [ KL-Reichb]; e blooer R. [ BZ-Dierb]; de Postilljoon mit em blooe R. [ PS-Erfw]; de R. wenne [ RO-Obd]. Zs.: PfWB Bampel-, PfWB Pelz-, PfWB Pfarrers-, PfWB Braten-, PfWB Presbyter-, PfWB Pritschel-, PfWB Pritsch(en)-, PfWB Tuch-, Feuerwehr(s)-, PfWB Flitten-, PfWB Frack-, PfWB Geh-, PfWB Gürtel-, PfWB Hochzeit(s)-, PfWB Kirchen-, Kor-, PfWB Lappen- 1, PfWB Lapp-, PfWB Leckmichamarsch-, PfWB Manns-, PfWB Nachtmahl(s)-, PfWB Sack-, PfWB Schöß(en)-, PfWB Schwanz-, PfWB Schwänzel-, PfWB Sonntagsnachmittags-, PfWB Sonntags-, PfWB Staats-, PfWB Stutz-, PfWB Über-, PfWB Uniform-, PfWB Waffenrock. Der is vornehm, der hot e R. on [ KU-Schmittw/O]. Un daß se all de Mannsleit ehr Hosse besser gekennt hat wie em Parre sein R., das peife jo die Spatze vum Dach (von einer Mannstollen) [NPfGV 8. 8. 1934]. Mir sin Leit wie die Parreschleit, es fehle uns norts (s. PfWB nur) die lange Reck [Land]. RA.: met R. un Kamesol 'mit allem Drum und Dran' [Thielen So rerre mer 103]; de R. iwwer die Ohre ziehe 'sich taub stellen, (etwas) nicht zur Kenntnis nehmen wollen' [ ZW-Bechhf]; de R. links (äbsch) anziehe 'bankrott gehen' [ KL-Steinwd, Mehling Reichb U'sulzb KU-Nerzw ZW-Gr'bundb RO-Duchr Gal-Moosberg]. Der will sich e rot Reckelche verdiene 'durch seine Bemühungen (z. B. Heiratsvermittlung, Schmeicheln, Verrat) die Gunst einflußreicher Personen erwerben' [Hebel 22, verbr., Klein Prov. 91]. Der kriet en am R. 'zieht ihn zur Rechenschaft heran' [RO-Sippf, verbr.], hängt em am R. 'ist finanziell von ihm abhängig' (z. B. der Sohn von seinem Vater, auch von einem, der die Zeche bezahlt haben will) [ KL-Nanzdzw], kloppt em de R. aus 'verhaut ihn' [ NW-Wachh], kloppt em de Staab aus em R., dass. [ KB-Marnh], verschlaat em de R., dass. [ LA-Ranschb]. Dem is 's Hemd liewer (näher) wie de R. [NW-Hardbg, Krieger 11, 28 Don-Schowe]. Er hot ee Gott un ee R. [Schandein Notizen], ää R. un ää Gott [ LU-Muttstdt]. Eine Neckerei s. PfWB Hemd 1. SprW.: Lange Reck, korzer Sinn (korze Gedanke) [Hebel 48]. Wer zum Wammes gebore isch, der kricht kä R., un trägt er's Duch schun unnerm Arem [Schandein Notizen]. Volksmed.: E Kind as Gichtre hot, deckt mer mit seim Vadder seim R. zu [Fogel Beliefs Penns Nr. 1774]. VR. s. PfWB Johann-Georg 2 a, Johan-Jakob 1, PfWB Lehrer; Rätsel s. PfWB Tippetappe, PfWB Rickeracke 1; Eine Berufsneckerei s. PfWB Schneider. —
b. 'Frauenrock'; Zs.: Biber-, PfWB Falten-, Fla-

[Bd. 5, Sp. 561]
nell-, PfWB Frauen-, PfWB Kattun-, PfWB Kostüm-, PfWB Lama-, PfWB Lappen- 2, PfWB Lüster-, PfWB Ober-, PfWB Reform-, PfWB Reif-, PfWB Seiden-, PfWB Unter-, PfWB Watte-, Weiber-, PfWB Wollrock; en g'hägelde (g'strickde, seidene, farwiche) R. [ LU-Opp, mancherorts]. Wann der e R. sieht, is er eweg, von einem weibstollen Mann [ KU-Quirnb]. Ein größeres Mädchen macht de R. eruf, wenn es sich setzt, damit er nicht zerknittert [ PS-Schmalbg]. RA.: Die hat e Hammel am R. 'ist unordentlich' [Krieger 20]. Der Bu (Des Mammekindel) hängt seiner Mudder de ganze Daach (b'schdännich, immer) am R., von einem unselbständigen, verzogenen Kind [LA-Gommh, Frankth, verbr.]. Er hockt unner seiner Fraa ehrem R. un guckt zum Schlitz eraus 'Er steht unter dem Pantoffel' [ FR-Hettldh]. Er schluppt er (seiner Frau) unner de R., dass. [ KB-Immh]. KR.: Ringle, Ringle, Rose, / die Märe hän ke Hose, / die Buwe hän ke Reck, / drum springen se hinner e Heck [ BZ-Hofstätt]. Weitere KR. s. PfWB Backofen 1, PfWB barfuß 1, PfWB Puppe 1 b, PfWB Filipp 1 a, PfWB Madam 1, PfWB Mädchen 1 a, PfWB Regenwetter, PfWB Ringel 1 e, PfWB Rose, PfWB Sonne. Eine Berufsneckerei s. PfWB Näherin; Rätsel s. PfWB Tütz 1 b, PfWB verlustieren 1, PfWB Jungfrau 1 a. —
c. s. die Zs. Kindskor-, PfWB Kinds-, Kindswappenrock. —
d. weitere Zs.: PfWB Sack-, PfWB Schaff-, PfWB Kindtauf(s)-, PfWB Schleif-, PfWB Werktags-, PfWB Winterrock. —
2. s. die Zs. PfWB Schlafrock. — Zum R. als Stück der Volkstracht s. PfWB Tracht 3 f; Becker Volkstr.; Schandein Bav. IV,2 266 ff.; Becker Vk. 74, 77; — Südhess. IV 1431 ff.; RhWB Rhein. VII 471 ff.; LothWB Lothr. 416; ElsWB Els. II 248.

 

   Schneider m.:
1. 'Handwerker, der Kleidung aus Stoffen herstellt', Schneider (naidər) [vereinzelt, Lambert Penns 137 Krämer Gal 190], Schneirer (nairər) [verbr., Mang 121, Krämer Gal 190], Schneiðer (naiðər) [ KU-Kaulb], Schneiler (nailər) [ KU-Bedb HB-Einöd ZW-Bechhf LU-Altr], Schniller [IB-Ensh (Glass 107)]; vgl. PfWB Schnitter; Zs.: PfWB Batzen-, PfWB Bucksen-, PfWB Dorf-, PfWB Flick-, PfWB Geißbock-, PfWB Hosen-, PfWB Kappenschneider; em Schneirer sein Hut [ BZ-Dierb]. De Schneirer macht en Paar House [ BZ-Dernb]. De Schneirer hot de Anzuch verhunzt 'verdorben' [ KB-Kriegsf]. Eener kaaft se ferdich, der anner loßt se beim Schneirer mache, nämlich die Kleidung [ ZW-Gr'bundb]. 's war e Maßa(n)zuch vum Schneirer [Ranssweiler 96]. E Schnejder ohne Scher, der werd nie wer [Kraus Arwed 26]. Der Schneider ist aus verschiedenen Gründen Ziel von Berufsneckereien: man sagte ihm wegen seiner Stubenhockerei eine schwächliche Kondition und Körperkraft nach, dazu geringes Körpergewicht, mangelnden Appetit, Neigung zum Frösteln, übergroße Furchtsamkeit; vgl. Becker Vk. 173/74; s. PfWB Bock 2c, PfWB Fips 2a, PfWB Geiß 2bα, PfWB Geißbockschneider, PfWB Geißenbart 1 bβ, Geißenbock 2bβ, Meckes1 3f, Nadel 2a, Schneiderbock 1a, -fips, -geiß 1a, -meckes, -pritsche 2, PfWB Schnischna-schnak. Ich un mei zwee schtarke Brieder han emol e kranker Schneider verschlaah, ironische Antwort für einen Kraftprotzer [Krieger 63]. E Märche: E Schneirer es mähe gang. »Schneirer, wo gehscht de hin?« »Ich geh' mähche!« Oufem Hämweg: »Schneirer, wo

[Bd. 5, Sp. 1301]
warschte?« »Ich war mä, mä, mä!« Vor Mattigkeit harrer 's mähe nemmer erausbrocht [ WD-Niedkch]. E därr, armselig Schneiderche, Hanskaschber war's gedaaft [Sommer Ich frää mich 57]. Mit dere dinne Gaulsdeck owwe druff dhet er friere wie en Schneider [Hartmann Unkel 72]. RA.: e derrer (dürrer) Schneirer 'ein magerer Mensch' [ KU-A'glan], de lahm Schneiler, Neckname [ KU-Bedb]; freere (frieren) wie e Sch. 'sehr stark frieren' [KU-Kaulb NW-Frankeck LA-Impfl]; zirrere (zittern) wie en Sch. [ LU-Alsh/Gr]. Do freert mer wie e Sch. [Kaislt]. Der friert wie e Sch. [Land BZ-Dierb, Alfred Kloss in: Westricher Kalender 1957 103]. Der laaft wie e Sch. 'Er läuft sehr schnell und leichtfüßig, da er kein überflüssiges Körpergewicht mitschleppen muß oder weil er so furchtsam ist' [ KU-Brück]. Der hot en krumme Sch. g'hatt, von einem mit krummen Beinen [ BZ-Dernb]. De Sch. hot gemäänt, ich wär e Elefant, wenn das neue Kleid zu weit ist [ ZW-Battw]. E Sch. loßt sich net unner der Nas' kitzle 'Ein Schneider ist empfindlich, wenn man ihn verspotten will' [ PS-Burgalb]. Ich muß de Sch. erauskloppe, sagt man, wenn man bemerkt, daß ein Kind neue Kleider trägt. Dabei schlägt man leicht mit der flachen Hand auf das neue Stück [ KU-Kaulb, KU-Bedb]. Var.: Mer muß de Sch. aus de neie Hosse (aus'm Anzuch, aus de Kleirer) kloppe [ KU-Schmittw/O KL-Hütschhs]. Kumm emol her, ich klopp de Sch. aus deine Kleirer [ KU-Schmittw/O]. De Sch. wird rausgekloppt [ GH-Schwegh]. Dann auch: de Sch. erausschlage 'verhauen' [ RO-Münchw]. SprW.: Dr Schuschter geht in v'rrisseni Schuh', dr Schneid'r in dr alde Hose 'Man arbeitet für andere, für sich selbst bleibt einem oft nichts' [ Don-Neufutok]. Wenn zwei gleichzeitig sprechen, kommt ein Jud zur Welt oder ein Schneider in den Himmel, von seltenen Ereignissen; weil man den Schneidern nachsagte, sie veruntreuten Stoff und kämen daher selten in den Himmel [ ZW-Gr'steinhs]. Sagsprichwort: 's is alles wie mer's nemmt, sacht de Schneider, do horre wirre die Hosselatz hinne hi gemach [Kaislt, Hebel 49]. Alles mit Maß, saat der sell Schneider, do hat er sein Fraa mit de Ell dotgeschlaa [Hebel 49, Trifels 20/1928]. Als das, saat das sell Märe (Mädchen), do hat's mit me buckelig Schneider gedanzt [Hebel 50]. AR.: 's geht 'n Mann 's Berchl nuf, / loßt e Färzel fahre, / kummt de Schneirer henne noch, / mit Nodle un mit Fare. / Liewer Schneirer, stech mich nit / ich geb der alles, was ich häb, / un du bist weg [ LA-Roschb]. Schneider, Schneider hopp, hopp, hopp, / mach mir einen andern Rock. / Bis ich zähle eins, zwei, drei, / muß das Röcklein ferdich sei [ BZ-Albw]; vgl. PfWB hopp 1 a. Var.: Schneider, Schneider hopp, hopp, hopp, / mach mir einen Rock, Rock, Rock. / Bis ich zähle eins, zwei, drei, / muß das Röcklein ferdich sei. / Eins, zwei, drei,

[Bd. 5, Sp. 1302]
/ ferdich is die Schneiderei [ PS-Schmalbg]. Schneider, Schneider, hopp, hopp, hopp! / Ich will e neies Röckel. / Wenn ich zähle 1, 2, 3, / muß das Röckel fertig sei. / 1, 2, 3 - das ist die ganze Schneiderei [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. KR.: Schneirer, Schneirer, mock, mock, mock, / mach mer eine neie Rock, / net so groß und net so klein, / morje muß er ferdich sein [ KU-Schmittw/O]. Schneiðer, / mach die Hosse weiðer, / mach se net se eng, / suscht gebt's e Buckel voll Fäng! [ KU-Kaulb]. Die Sunn scheint, 's Veelche (Vögelchen) greint 'weint', de Schneiðer hockt im Laðe, schneid nix as Kuche un Flaðe [ KU-Kaulb]. Zu Kanaan im Judenland, da sitzt ein alter Schneider, hat seine Nadel in der Hand und macht so schöne Kleider. Er macht sie so schön, daß jedermann die Kleider lobt, Zinderadada! [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. VR.: Schneider-Geiß-Spott (vgl. Röhrich 873 ff.): Schneirer, Schneirer meck, meck, meck, Spott, bei dem die Stimme der meckernden Ziege nachgemacht wird [ RO-Dielkch, KU-Kaulb KL-Reichb Stelzbg PS-Geisbg LU-Alsh/Gr Altr Oggh NW-Freinsh Kallstdt LA-Gommh]; vgl. PfWB meck; weitere Var.: Schni-schna-schnock, de Schneider esch en Gäßbock [ LA-Wollmh]; vgl. PfWB Geißenbock. Ich bin der Schneirer meck, meck, mäh [ FR-Tiefth]; vgl. PfWB mäh 1b. Schneiderbockgäß, mach d' Supp hääß, schlupp unner de Disch, kreisch Kehrwisch! [ GH-Kand]. 99 Schneirer wieje hunnert Pund, un wann se das nit wieje, dann sein se nit gesund [Thielen So rerre mer 109, KL-Alsbn]. Was hämmer dann fer'n Schneider / in unsre alde Stadt? / De Schneider esch 'n dummer Spatz / er macht in d' Hose gar keen Latz! / Was hämmer dann fer'n Schneider [ LA-Hainf]. Der Petzer (hier ein Spitzname) hot e Megelche 'weibliches Ferkel', der Schneider hot e Tregelche (Tröglein); quick, quick, quick; quick, quick, quick [ Gal-Dornf]; vgl. PfWB Pfetzer 1. Schneider, meck, meck, / e Schissel voll Dreck, / e Schissel voll Wanze, / d'r Schneider muß danze [ Gal-Bagbg]. Schneider mäck, mäh, / e Schissel voll Fleh, / e Schissel voll Leis, / is dem Schneider sei Speis [Pirmas]. De Schneider un die Laus, / die fordern 'nanner raus. / Do nemmt die Laus die Owerhand / un schmeißt de Schneider unner die Bank, / un wär de Floh nit beigesprung, / do wär de Schneider ums Lewe kumm, eine Anspielung auf die nachgesagten geringen körperlichen Kräfte des Schneiders [ZW-Reifbg (Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960), Feierowend 5/ 1950 1]. Ich weeß, was ich weeß! Em Schneider isch de Bock verreckt, jetzt haust er mit de Geeß [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. Der Schneirer von Buff, was er heut näht, geht morje uff [Hebel 100]. Schneirer, Schneirer, wick, wick, wick, hoschte

[Bd. 5, Sp. 1303]
ball mein Hosse geflickt? [Hebel 99]; vgl. PfWB flikken 1 a. Var.: Schneirer, Schneirer wick, wick, wick, hosch mein House noch nit g'flickt? [ LA-Essing]. E X un e Z, die Schneider sein nett, die Schneider sein Leut, die han Geld un han Schneid! [Feierowend 5/1950 1, Viktor Carl in: Pfälzer Tagblatt 19. 3. 1960]. Willewillewitt, was macht de Schneider? Willewillewitt, was macht de Bock? Willewillewitt, er hängt am Galje, willewillewitt, er zappelt noch [Feierowend 5/1950 1]. Die vierunzwanzich Schneider, die finne mol en Schneck. / En jeder hot sich gferricht, en jeder halt sich weg. / Dann schtreckt die Schneck die Haerner, so wie e gleeni Kuh. / Nau schpringe, Schneider schpringe! / Sie will eich ebbes duh! [Penns (UHeim. 1935/1936 232)]. Die Geiß, die hat e kurzi Pritsch 'Schwanz' Pritsche 1aβ, da ist der Schneider heruntergeritscht; die Geiß, die hat e langer Fuß, das ist dem Schneider sein Schnupfduwacksdus (Schnupftabaksdose) [ PS-Fehrb]. a. 1384: Heintze snider [Doll Seelb. NW-Lach 97]. a. 1425: so man dem snyder den gezug dar zu gibt [LeinArch. Löhne]. —
2. 'das Insekt Libelle (Aeschna cyanea)', de Schneider [mancherorts VPf östl. NPf vereinzelt übrige Pf, PfId. 127], Schneirer [verbr.], Schnaarer (nārər) [ KL-Drehthhf], Schnäärer (nrər) [ KL-Weilb], Schneiðer [ Gal-Josbg], Schneiler [ LU-Altr BZ-Steinf]; Pl. wie Sg.; vgl. ALA II 196; Zs.: PfWB Bachschneider 1, PfWB Schneidergeiß, PfWB -knecht, PfWB Wasserschneider; Syn. s. PfWB Libelle 1; blooer (blauer) Schneirer [ KU-Nerzw], de geel (gelbe) Schneirer [ KU-Krottb]. —
3. 'das Insekt Wasserläufer (Gerris gibbifer)' [mancherorts VPf vereinzelt übrige Pf]; vgl. PfWB Bachschneider 2; Syn. s. PfWB Wasserläufer; geeler (gelber) Schneirer [ KU-Etschbg]; de griene (grüne) Schneider [ RO-Münchw]. —
4. 'das Insekt Mistkäfer (Geotrupes)', de Schneirer [ LA-Roschb]; vgl. K. 40; Syn. s. PfWB Pferdskäfer. —
5. 'der Weißfisch Schneider (Alburnoides bipunctatus)', Schneider [LU-Opp, Heeger Tiere II 13 PfId. 127], Schneirer [ RO-Dielkch LU-Limbghf], Schneiler [ LU-Altr]. —
6. 'sehr junger Hecht (Esox lucius)', Schneiler [ LU-Altr]. —
7. 'Feuersalamander (Salamandra salamandra)'; geeler Schneirer [mancherorts NWPf], geeler (gelber) Schneiðer [ KU-Frankb Kaulb]; vgl. PfWB Salamander 1; Syn. s. PfWB Feuersalamander. Wann e geeler Schneirer em Bronne is, han die Päär (Pferde) kee Wasser getrunk [ KU-Dittw]. Volksgl.: Wann der geel Schneirer Gift spretzt, geht 's Feier aus [ WD-Niedkch]; vgl. PfWB spritzen 1 b. —
8.
a. Ausdruck beim Kartenspiel; Sch. sein 'die Hälfte der zum Spielgewinn nötige Augenzahl nicht haben' [ LU-Limbghf NW-Hardbg]; vgl. PfWB schwarz 2 c sein; de Sch. han (hun, hawe) 'als Spieler 31 Augen 4 e, als Gegner 30 Augen haben' [ KU-Bedb RO-Dielkch NW-Frankeck LA-Wollmh]; nicht den Sch. haben 'die Hälfte der

[Bd. 5, Sp. 1304]
zum Spielgewinn nötigen Augenzahl nicht haben' [ LU-Limbghf]; de Sch. mache [Land]. Mer hawe (hän) de Sch. 'Wir haben die vorgeschriebene Augenzahl, 30 Augen' [ LU-Opp LA-Gommh]. Er hat de Sch. [Pirmas]. Mir kriehe no nit de Sch., mir sin g'schnitte 'Wir haben gerade 30 Augen, wir sind ohne Stich' [ ZW-Battw, GH-Kand]; vgl. PfWB schneiden 5 a. Er ist nicht aus dem Sch. 'Er hat nicht einmal die Hälfte der Punkte, die er zum Spiel haben müßte' [ Don-Schowe Torscha]. Mer sin Schneirer frei 'Wir haben wenigstens die Hälfte der Augen beim Kartenspiel' [ NW-Freinsh]. —
b. 'Verlierer beim Klickerspiel' [ LU-Oggh LA-Ilbh GH-Neubg]; vgl. PfWB Placken-, PfWB Bockschneider. Er is (isch) Sch. 'Er hat alle Klicker verloren' [ NW-Lach/Speyd LA-Gr'fischl GH-Hay]. Er isch blott Sch. [ BZ-Queichhmb]. —
c. 'wer beim Spiel nur noch drei Bohnen hat'. En Sch. hawe [ LA-Wollmh]. —
d. 'mit Garn umsponnener Wäscheknopf beim Knopf- und Klickerspiel' [Kaislt]. —
e. übertr. vom Kartenspiel: 'unsichere, eingeschränkte finanzielle Verhältnisse'. Meer will endlich ausem Schneider [Damm Pälzer 33]. Un kummt'mer endlich ausem Schneider, dann lääbt'mer ziemlich u'beschwert - wie sich's fer Geldleit so geheert! [Damm Pälzer 80]. —
9. 'kranke Frucht', z. B. Zwetschge [RO-Winnw (Wilde 277)]. —
10. FlN, amtl. Im Schneider [LA-Impfl]. —
11. 'Tierkastrierer' Ver-, Vieh-, Füllen-, Hengst(en)-, Ochsen-, Sau-, Sauver-, Stierschneider. —
12. Weitere Bed. s. PfWB Auf-, PfWB Beutel-, PfWB Diel-, PfWB Vor-, Frat-, zen-, PfWB Futter-, PfWB Gesichter-, PfWB Glas-, PfWB Grimassen-, PfWB Haar-, Halsab-, PfWB Holz-, PfWB Huppser-, PfWB Kraut-, PfWB Rüben-, PfWB Sächsel-, PfWB Strohschneider. — RhWB Rhein. VII 1597 ff.; LothWB Lothr. 460, ElsWB Els. II 494 Schnider; Schwäb. V 1054 ff.; Hess.-Nass. III 352 ff; Kluge-Seebold22 647; DWB DWb. IX 1268 ff.; Frankf. V 2785/86.

 

   Stadt f.: 'größere Siedlung im Gegensatz zum Dorf', Stadt (dad) [allg., Karch Gimmdg/Muttstdt 132, 168 Karch Jockgr/Nd'horb 98, 170 Schnekkenburger 16, 45 Lambert Penns 141 Krämer Gal 205]; Pl. Städt (dęd) [verbr.]; Dim. Sg. Städtche (dędχə, dędə) [KB-Kerzh, mancherorts WPf nördl. VPf Henn Mda.-Int. 106 Lambert Penns 142], Städtel (dędəl) [LU-Friesh, mancherorts südl. VPf, Lambert Penns 142 Buffington Penns Var. 240, 259 PennsDeitschEck 22. 3. 1941], Städtelche [Lambert Penns 142 PennsDeitschEck 22. 3. 1941]; Dim. Pl. Städtcher (dędχər) [ KU-Brück, vereinzelt], Städtelcher (dędəlχər) [BZ-Dernb Penns-DeitschEck 15. 3. 1941], Städtle (dędlə) [ GH-Kand], Schdedtlin [PennsDeitschEck 22. 3. 1941]; Zs.: PfWB Alt-, PfWB Arbeiter-, PfWB Bauern-, PfWB Pfefferneujahrs-, PfWB Tripp-, PfWB Eller-, Fabrik-, PfWB Vor-, PfWB Groß-, PfWB Haupt-, PfWB Hoch-, PfWB Huren-, PfWB Kall-, PfWB Klein-, PfWB Land-, PfWB Lumpen-, PfWB Mutter-, PfWB Neu-, PfWB Ober-, PfWB Otter-, PfWB Ribbel-, PfWB Saal-, PfWB Schiffer-, PfWB Schlappen-, PfWB Unterstadt; e schee Städtche [ ZW-Battw]; sisch in die St. mache 'nach Pirmasens fahren' [PS-Rodalb (Bernhard 153)], in die St. gehn (gihn, fahre) [ZW-Hornb PS-Schmalbg IB-Ensh (Glass 95)]; un wammer in e gresseri St. kum sin ... [ KL-H'spey]. Mer sin in de St. gewest, sagt die bäuerliche Bevölkerung von Unterkandel, wenn man in Mittelkandel war [ GH-Kand]. Mer sin mit 'r Bahn in die St. g'fahr [ Don-Gert]. Ich bin noch em Städtel gange [PennsDeitschEck 15. 3. 1941]. Kerchem (Kirchhbol) es e klan Städtche [RO-Sippf]. Lautere es e St., Winnweiler es e Städtche [RO-Sippf]. Der war schon deck 'oft' in der St. [ ZW-Battw]. Er is aus de St. 'Er ist Städter' [ KU-Bedb]. Das will e St. sinn, is awwer doch norre e Flegge [ KL-Reichb]. Also, alles, was mer heut in de St. kaaft, hot mer halt frieher uf em Ostermark krigt zu kaafe [ LU-Muttstdt]. 's

[Bd. 6, Sp. 397]
G'sinn (Gesinde) ufm Land muß schwerer schaffe wie in der St. [ ZW-Battw]. Die Bauremäd solle sich so trahe wie's uf's Land paßt und nit wie fer die St. [ ZW-Battw]. Ich wuhn alleweil bei meim Onkel in der Schdadt [Buffington-Barba Penns 28]. Sis epper fremm im Städtel 'Ein Fremder ist in der Stadt' [Danner Penns 136]. Hoschde d'r schunn eene ausgesieh in de Stadt? [Müller Lottche 9]. RA.: 'n anner Städtche, 'n anner Mädche [Fogel Prov. Penns Nr. 1926]. VR.: Wann die Soldate dorch die St. marschiere, effnen die Mädcher Fenschder un aach Tiere (Türen) [ FR-Tiefth]. Einen weiteren VR. s. PfWB Beeden. Ortsneckerei für PS-Burgalb (ehedem bekannt durch Besenbinderei): Boralwe is e schääni St., wo mer sich kann ernähre. Do werd vun dere War gemacht, wo mer mit kann kehre [Umg. von PS-Burgalb]. Berufsneckereien: Was hemmer dann fer'n Metzger / in unsre alde St. / de Metzger esch 'n Galchestrick / an jeder Worscht do fehlt e Stick [ LA-Hainf]; weitere Neckereien: s. PfWB davor 1, PfWB Kanzel 1, PfWB Lehrer, PfWB Näherin, PfWB Schneider 1, PfWB Schuster 1, PfWB Wagner. a. 1306: die sie von alter in vnser stat zu Lutern hant gehabet [OttbgUrkb. 270 (Kaislt)]. a. 1307: Sie sollent auch gen an alle die stat, do des probistes vnd des conuentes von Lutern swin hiene gent vffe den walde [HStArch. I Rheinpfalz-Urkunde 1407 (Kaislt)]. — Mhd. stat 'Ort, Stelle; Ortschaft, Stadt' ( Lexer Lexer II 1144). — RhWB Rhein. VIII 492 ff.; LothWB Lothr. 491.