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 PfWB Ring-bein (Bd. 5, Sp. 545)   DWB reif (Bd. 14, Sp. 619) 
  -bein n.: 'ringförmige Anschwellung an der Krone des Pferdehufs' ( DWB DWb. VIII 994), -bon [Lambert Penns 125]. Volksmed.: Fer Ringboon binnt mer'n lewendichi Krott druf, bis sie dot is [Fogel Beliefs Penns Nr. 737].

 

 reif, reifen, m. circulus.
I. formales. das wort ist gemeingermanisch: goth. raips in skaudaraips, altn. reip, ags. râp, altfries. râp in silrâp, ahd. reif, mhd. reif, mnd. reip, rêp, rêpe, nl. repe, engl. rope, dän. reb, schwed. rep, finnisch raippa Thomsen 164. Fick2 839 vergleicht nach J. Grimm die glosse reipus der lex salica, vgl. kl. schr. 2, 197. Kern die glossen der lex. sal. 115, und in der ausgabe von Hessels § 221. dem goth. raips entspricht griech. ῥαιβός gekrümmt. ahd. und mhd. flektiert das wort durchaus stark. im nhd. haben sich neben den starken flexionsformen schwache entwickelt, welche ihrerseits wieder ein nom. der reifen mit dem genitiv des reifens hervorgetrieben haben; indessen sind diese bildungen verhältnismäszig jung. im älteren nhd. finden sich selten schwache formen:

ein hund ler ich durch reifen springen.
Murner narrenbeschw. 176 Gödeke;

die starken sind reichlich bezeugt: alle seulen umb den hof her, sollen silbern reiffe und silbern kneuffe und eherne füsse haben. 2 Mos. 27, 17; und macht an jglichem knauff zwo riegen granatepffel umbher, an einem reiffe, da mit der knauff bedeckt ward. 1 kön. 7, 18; das new fasz .., welchs hielte der fuder zwentzig siben, welche im recht die reyff antriben. Fischart Garg. 57b; ein gut würthshausz bedarff keines reiffs. Phil. v. Sitt. 1, 45. in der neueren sprache hat sich der gebrauch im allgemeinen entschieden, die schwach flectierten singularformen für faszreifen und ähnliches zu nehmen, mit dem stark flectierten reif dagegen den ring, das diadem zu bezeichnen; indessen ist bisweilen das verhältnis gerade umgekehrt: es war ein knall, als ob dem himmelsfasz ein raif gesprungen wäre. Schiller räuber 2, 3;

der reifen, der den finger sanft umschlieszet,
wenn auch von gold, ist sinnbild einer kette.
W. v. Humboldt ges. werke 6, 607;

der starke plur. die reife klingt uns weniger vertraut: so viel ich beurtheilen kann, sind auch die reife von einerlei weite, grösze und gehalt. Thümmel reise 3, 356, und wird daher gern durch den schwachen ersetzt:

noch einmal sei der goldenen reifen bestimmung.
Göthe 40, 334 (gegen den goldenen reif vorher).


II. bedeutung.
1) die älteste bedeutung ist funis, strick, tau, welche im nd., nord. und engl. die einzige blieb, ahd. reifa funes Graff 2, 426; das nach schifferart ringförmig zusammengelegte tau:

[Bd. 14, Sp. 620]

wen, dô er traf den stadin
und man ûzgewarf den reif.
Jeroschin 19269;

reif funis in einem glossar von 1482 bei Lexer mhd. wb. 2, 387. nach Jacobsson 3, 387a ein bestimmtes tau, durch welches das segel gehisst wird. vgl. auch DWB reifschläger.
2) die meszleine, ein altes längenmasz, in Niederdeutschland etwa zehn ellen, besonders zum messen der leinwand und des tuches: welk unser ghildebrodere hedde unrechte mate edder un echten reep hefft .. de schall et boten. stat. d. kaufm. gilde in Goslar bei Schiller-Lübben 3, 463b. Jacobsson 3, 387a. auch oberdeutsch war der reif als längenmasz von zehn ellen im gebrauch; vgl. Tobler appenz. sprachsch. 358a. Schmeller 2, 65. Lexer mhd. wb. 2, 387. da man das brennholz in der weise zu messen pflegte, dasz man es mit einem strick oder einer kette von bestimmter länge umspannte, finden wir reif und rep auch als holzmasz. Schmeller a. a. o. Schiller - Lübben a. a. o., dann auch in der bedeutung bündel überhaupt, z. b. ein reif froschschenkel. Schmeller a. a. o. ebenfalls in dem sinne von meszleine erscheint reif in der verbindung einen reif legen, d. h. das land in bestimmtem umkreis zum eingraben eines schachtes oder stollens abgrenzen. weisth. 4, 795. 2, 797.
3) ein kreisförmiges band, das um etwas gelegt wird.
a) die hölzernen oder eisernen bänder um tonnen:

die reife brestent harte schier
von starkem wîne. wälscher gast 897;

dô truoc er sîne reife
und sînen tribelslagen.
G. v. Neifen 44, 30;

den liebsten bulen den ich han
der ist mit reifen bunden.
Uhland volksl. 584;

er wird so lange an den reiffen klopffen, das eins mals dem fasz der boden ausspringen möcht. Luther 6, 7a; sonst wird die müncherey, beide spund und boden, mit dauben und reiffen verlieren. 26b; laszt uns nun eben auffsehen, das wir nit die reiff für den wein rümen und annemen. Franck weltb. 124a;

mag dan auch ein weinfasz halten, welches keine reiffe hat?
J. Grob versuchg. (1678) 26;

die reifen antreiben, s. 1, 505; ebenso die reifen klopfen:

do fieng er an zu klopfen
die reif, die er do trib.
Böhme altd. lb. 594;

und schlug lustig mit dem schlägel auf die reifen eines fasses. Freytag soll u. haben 93; sprichwörtlich sagen die böttcher: der reif bestellt das feld nicht, wenn derselbe nicht dicht an den nächsten herangetrieben ist; der reif schreit, wenn er knackt. Jacobsson 7, 54b. sonstige ringförmige, zusammenhaltende bänder, z. b. um kanonenrohre; die radschiene: der eiserne reif wird auf den boden gelegt. Göthe 28, 42; reifen um guszformen: die formen werden gemacht von gutem laimen, mit haar und scheerwollen wol geschlagen, mit eysern raiffen und banden wol versehen. Böckler kriegsschule 155;

solt ich iemer mit raifen gân beslagen. kaiserchron. 390, 12;

einen reif von rostgem eisen
trägt er um den leib geschirrt.
Uhland ged. 288;

übertragen:

(got) umb alle wîte ein ganzer reif. MSH. 2, 359a;

ach, die eisernen reifen, mit denen mein herz eingefaszt ist, treiben sich täglich fester an. Göthe an frau v. Stein 1, 169;

so übt natur die mutterpflicht,
und sorgt, dasz nie die kette bricht,
und dasz der reif nie springet.
Schiller 11, 67;

sie redeten von den zersprengten kreisen,
die all er wie ein mächt'ger reif geeint.
A. v. Droste-Hülshoff 114.

reif aus fischbein oder rohr in reifröcken:

kein neidischer reif,
kein schleppender schweif
versteckt dein .. füszchen.
Weisze kom. opern 3, 223.

bei Maaler ein ringförmiges band zum formen des käses. ein blecherner rand zum einfassen von mehlspeisen und ähnliches Amaranthes frauenzimmerlex. 2831.
b) reif zum spielen: den reifen fangen, treiben, schlagen, werfen, durch reifen springen u. a.; mit reifen tanzen. Schmeller 2, 64;

und vom stabe geschnellt fing sich am stabe der reif.
Geibel ges. werke 5, 101.


c) faszreifen, als markt- oder wirthshauszeichen ausgehängt: der taverner stôʒet ûʒ einen reif zuo einem zeichen, wenne er wîn verkoufen wil. myst. 2, 451, 23; einen reiff aufstoszen bei Schmeller 2, 64 aus einer quelle von 1400; den reif ausstecken:

[Bd. 14, Sp. 621]
er steckt den reifen aus, weil kein bier mehr im keller ist. Simrock spr. 453;

der steckt den reiff vergebens ausz,
der keyn wein hat in seinem hausz.
Murner schelmenz. 38a;

wie daselbs gemeynlich ein reyff, oder ein grüner krantz, oder ein kan aushengt. Fischart bienenk. 83a; sy steckend einen reiff und meyen usz als habind sy wyn im keller. S. Franck 2, 103b; sprichwort: ein gutes wirtshaus bedarf keines reifes.
d) eine art von sturmkränzen, aus tannenreifen bestehend, die mit brennendem werg umgeben und mit explosionskörpern versehen sind. Adelung. vgl. Eggers kriegs-lex. 1, 1057 unter sturmreifen.
e) um zu verhindern, dasz der fusz in den schnee einsinke, befestigt man in gebirgsgegenden reifen unter den füszen. Schmeller 2, 563: und so sie (die murmelthiere) denn schlaaffen, gehen die weydleut auff reiffen uber den schnee hinzu. Stumpf (1606) 610a. Stalder 2, 268.
f) der stirnreif, das diadem, das zeichen fürstlicher macht: dieser goldne reif spricht dich um das vorrecht, schwach zu seyn. Klinger 2, 18;

soll vielleicht im schimmer goldner raifen,
götter, euch die kühne hymne greifen.
Schiller 1, 341;

zwar hat der ahnen würdiges verdienst
die goldnen reife längst geflochten.
Göthe 13, 314;

was ist dies,
das gleich dem spröszling eines königs aufsteigt,
und auf dem kindeshaupt den reif, das zeichen
der herrschaft trägt? Shakesp. Macb. 4, 1;

drauf irr' ich, wie ohn' stab und reif,
ein könig, welchen man vertrieben.
Freiligrath 1, 21;

den geschlossenen reif eines titularfürstenthums. Freytag soll u. haben 23.
g) der fingerring, in gehobener sprache: auf einmal sprang der goldne reif mit gewalt vom finger. Göthe 23, 103;

doch auch die hoheit darf das schöne schmücken,
der goldne reif erhebt den edelstein.
Schiller braut von Messina v. 631;

ein rosenrother stein im goldnen reif.
Uhland ged. 172;

die lieb ergreift die goldnen reifen,
sie, die das höchste darf ergreifen.
Rückert 225.


4) eine ringförmig um einen gegenstand sich herumziehende erhöhung.
a) zur zierde an säulen, an den alten geschützen (Frisch 2, 104b), an geräthen, gläsern: zwenzig seulen auf zwenzig eheren füszen, und ehrne kneuffe mit iren reiffen von silber. 2 Mos. 27, 11; und es waren an iglichem knauff oben auff der seulen sieben geflochten reiffe, wie keten. 1 kön. 7, 17. die reifen an einem paszglase, vgl. 7, 1496; reifglas, ein groszes glas mit erhobenen reifen. Voss 6, 371.
b) eine ringförmige anschwellung an der krone des pferdehufs, vgl. DWB ringbein.
c) vom haarkranz des geschorenen mönchshauptes: (der meermönch) hât ainen swarzen reif umb daz haupt ob den ôrn, reht als der reif ist von dem hâr, den die rehten münch habent. Megenberg 239, 7.
5) in übertragenem sinne überhaupt etwas kreisförmig gestaltetes oder gedachtes:

so um den teich der weihe gleitet,
so wölfe um der hürde reif.
A. v. Droste-Hülshoff 400;

von der bahn der himmelskörper:

der sunnen langen ummesweif.
des mânen zirkel unde reif. Elisab. 209;

sliezen in der arme reif. Willeh. von Östr. 57b bei
Lexer mhd. wb. 2, 387a;

item darnach freitag nach pfingsten zu mittag da war ein groszer raif umb die sunnen. d. städtechron. 11, 587, 20; das ist der welt lauff in irem reiff und kreis. Luther 3, 235b;

(der tiger) schlägt mit dem schweif
einen furchtbaren reif.
Schiller 11, 228;

er steht bewegungslos,
geklemmt von ihres leibes reifen. 6, 359;

nun wiederum in weiten reifen
sie (die töne) spürend durch die gegend schweifen.
A. v. Droste-Hülshoff 313.


6) als technische bezeichnung: bergmännisch die bügel, mit welchen die wände eines schachtes ausgekleidet werden, s. reifschacht. die kürschner nennen reifen die seiten am fuchsbalg. Jacobsson 7, 54b. in der schlosserei heiszt reif der erhobene rand des schlüssels, so wie das runde eisen am eingerichte eines schlosses, um welches der reif des schlüssels sich dreht. a. a. o.

[Bd. 14, Sp. 622]
3, 387a; ferner ein ungewisser gang, welcher beim drehen des schlüssels durch den einschnitt des schlüsselbartes hindurchgeht. a. a. o. 7, 54b. weidmännisch ist reif der erhobene ring, welcher die fährte eines hirsches umgibt, wenn derselbe mit der hinteren schaale genau in die vordere tritt.
7) bisweilen tritt reif in die bedeutung von riefe ein (s. d.) und wird im sinne einer gerade gezogenen furche oder rille gebraucht, z. b. von den kanneluren der säulen: an den säulen selbst fing man an mit stäben in den reifen bis an das drittheil derselben. Winckelmann 1, 408; und endlich drehete man die reifen spiralmäszig. 409.