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| PfWB Ring-bein (Bd. 5, Sp. 545) | DWB reif (Bd. 14, Sp. 619) | |||||||||||
| I. formales. das wort ist gemeingermanisch: goth. raips in skaudaraips, altn. reip, ags. râp, altfries. râp in silrâp, ahd. reif, mhd. reif, mnd. reip, rêp, rêpe, nl. repe, engl. rope, dän. reb, schwed. rep, finnisch raippa 164. Fick2 839 vergleicht nach J. Grimm die glosse reipus der lex salica, vgl. kl. schr. 2, 197. die glossen der lex. sal. 115, und in der ausgabe von Hessels § 221. dem goth. raips entspricht griech. ῥαιβός gekrümmt. ahd. und mhd. flektiert das wort durchaus stark. im nhd. haben sich neben den starken flexionsformen schwache entwickelt, welche ihrerseits wieder ein nom. der reifen mit dem genitiv des reifens hervorgetrieben haben; indessen sind diese bildungen verhältnismäszig jung. im älteren nhd. finden sich selten schwache formen: ein hund ler ich durch reifen springen. der reifen, der den finger sanft umschlieszet, noch einmal sei der goldenen reifen bestimmung. II. bedeutung. 1) die älteste bedeutung ist funis, strick, tau, welche im nd., nord. und engl. die einzige blieb, ahd. reifa funes 2, 426; das nach schifferart ringförmig zusammengelegte tau: [Bd. 14, Sp. 620] wen, dô er traf den stadin 2) die meszleine, ein altes längenmasz, in Niederdeutschland etwa zehn ellen, besonders zum messen der leinwand und des tuches: welk unser ghildebrodere hedde unrechte mate edder un echten reep hefft .. de schall et boten. stat. d. kaufm. gilde in Goslar bei 3, 463b. 3, 387a. auch oberdeutsch war der reif als längenmasz von zehn ellen im gebrauch; vgl. appenz. sprachsch. 358a. 2, 65. mhd. wb. 2, 387. da man das brennholz in der weise zu messen pflegte, dasz man es mit einem strick oder einer kette von bestimmter länge umspannte, finden wir reif und rep auch als holzmasz. a. a. o. a. a. o., dann auch in der bedeutung bündel überhaupt, z. b. ein reif froschschenkel. a. a. o. ebenfalls in dem sinne von meszleine erscheint reif in der verbindung einen reif legen, d. h. das land in bestimmtem umkreis zum eingraben eines schachtes oder stollens abgrenzen. weisth. 4, 795. 2, 797. 3) ein kreisförmiges band, das um etwas gelegt wird. a) die hölzernen oder eisernen bänder um tonnen: die reife brestent harte schier dô truoc er sîne reife den liebsten bulen den ich han mag dan auch ein weinfasz halten, welches keine reiffe hat? do fieng er an zu klopfen solt ich iemer mit raifen gân beslagen. kaiserchron. 390, 12; einen reif von rostgem eisen (got) umb alle wîte ein ganzer reif. MSH. 2, 359a; ach, die eisernen reifen, mit denen mein herz eingefaszt ist, treiben sich täglich fester an. an frau v. Stein 1, 169; so übt natur die mutterpflicht, sie redeten von den zersprengten kreisen, kein neidischer reif, b) reif zum spielen: den reifen fangen, treiben, schlagen, werfen, durch reifen springen u. a.; mit reifen tanzen. 2, 64; und vom stabe geschnellt fing sich am stabe der reif. c) faszreifen, als markt- oder wirthshauszeichen ausgehängt: der taverner stôʒet ûʒ einen reif zuo einem zeichen, wenne er wîn verkoufen wil. myst. 2, 451, 23; einen reiff aufstoszen bei 2, 64 aus einer quelle von 1400; den reif ausstecken: [Bd. 14, Sp. 621] er steckt den reifen aus, weil kein bier mehr im keller ist. spr. 453; der steckt den reiff vergebens ausz, d) eine art von sturmkränzen, aus tannenreifen bestehend, die mit brennendem werg umgeben und mit explosionskörpern versehen sind. Adelung. vgl. kriegs-lex. 1, 1057 unter sturmreifen. e) um zu verhindern, dasz der fusz in den schnee einsinke, befestigt man in gebirgsgegenden reifen unter den füszen. 2, 563: und so sie (die murmelthiere) denn schlaaffen, gehen die weydleut auff reiffen uber den schnee hinzu. (1606) 610a. 2, 268. f) der stirnreif, das diadem, das zeichen fürstlicher macht: dieser goldne reif spricht dich um das vorrecht, schwach zu seyn. 2, 18; soll vielleicht im schimmer goldner raifen, zwar hat der ahnen würdiges verdienst was ist dies, drauf irr' ich, wie ohn' stab und reif, g) der fingerring, in gehobener sprache: auf einmal sprang der goldne reif mit gewalt vom finger. 23, 103; doch auch die hoheit darf das schöne schmücken, ein rosenrother stein im goldnen reif. die lieb ergreift die goldnen reifen, 4) eine ringförmig um einen gegenstand sich herumziehende erhöhung. a) zur zierde an säulen, an den alten geschützen ( 2, 104b), an geräthen, gläsern: zwenzig seulen auf zwenzig eheren füszen, und ehrne kneuffe mit iren reiffen von silber. 2 Mos. 27, 11; und es waren an iglichem knauff oben auff der seulen sieben geflochten reiffe, wie keten. 1 kön. 7, 17. die reifen an einem paszglase, vgl. 7, 1496; reifglas, ein groszes glas mit erhobenen reifen. 6, 371. b) eine ringförmige anschwellung an der krone des pferdehufs, vgl. DWB ringbein. c) vom haarkranz des geschorenen mönchshauptes: (der meermönch) hât ainen swarzen reif umb daz haupt ob den ôrn, reht als der reif ist von dem hâr, den die rehten münch habent. 239, 7. 5) in übertragenem sinne überhaupt etwas kreisförmig gestaltetes oder gedachtes: so um den teich der weihe gleitet, der sunnen langen ummesweif. sliezen in der arme reif. Willeh. von Östr. 57b bei (der tiger) schlägt mit dem schweif er steht bewegungslos, nun wiederum in weiten reifen 6) als technische bezeichnung: bergmännisch die bügel, mit welchen die wände eines schachtes ausgekleidet werden, s. reifschacht. die kürschner nennen reifen die seiten am fuchsbalg. 7, 54b. in der schlosserei heiszt reif der erhobene rand des schlüssels, so wie das runde eisen am eingerichte eines schlosses, um welches der reif des schlüssels sich dreht. a. a. o. [Bd. 14, Sp. 622] 3, 387a; ferner ein ungewisser gang, welcher beim drehen des schlüssels durch den einschnitt des schlüsselbartes hindurchgeht. a. a. o. 7, 54b. weidmännisch ist reif der erhobene ring, welcher die fährte eines hirsches umgibt, wenn derselbe mit der hinteren schaale genau in die vordere tritt. 7) bisweilen tritt reif in die bedeutung von riefe ein (s. d.) und wird im sinne einer gerade gezogenen furche oder rille gebraucht, z. b. von den kanneluren der säulen: an den säulen selbst fing man an mit stäben in den reifen bis an das drittheil derselben. 1, 408; und endlich drehete man die reifen spiralmäszig. 409.
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