Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB ribbeln (Bd. 5, Sp. 521)   RhWB schibbeln (Bd. 7, Sp. 1080) 
   ribbeln, riebeln, rippelnschw.:
1. 'reiben, bes. (mit den Händen oder Fingern) zu Krümeln zerreiben', riwwele, daneben selten: ribbele [verbr. WPf NPf mancherorts VPf O-PS, Journ. 1787 215 Christmann Kaulb 13, 16 Mang 121, 149 Müller Dietschw 57 Bertram § 96 Schandein Ged. 246 Kühn Hamet 130 Thielen 92 Krämer Gal 175, verbr. Don Buch], riwwle, seltener ribble [verbr. VPf O-PS], rebble [ Don-St. Andreas]; vgl. PfWB rappeln3 1 a. riffeln; Zs.: PfWB ab-, PfWB aus-,

[Bd. 5, Sp. 522]
PfWB durch-, PfWB ein- 1, PfWB ver- 1, PfWB nach- 1, PfWB zusammenribbeln; riwwele un rawwele 'unaufhörlich r.', von der Wäsche [ KU-Schmittw/O]; Brot (Dääg) r. [verbr.]; Mehl in die Supp r. [ KL-Hirschhn]; Babier r. 'Papier zu Kügelchen formen' [ PS-Geisbg]; sich die Hänn r. (vor Kälte, Freude, Schadenfreude) [KL-Siegb, verbr., Müller Luscht un Lewe 55]; sich die Aage r. [SOPf (Heeger Nachl.)]; sich de Schlof aus de Aue r. [ KU-Kaulb]. Eine RA. s. PfWB morgens; ein Rätsel s. PfWB reibeln. a. 1688: nimm die brosam von weizensemel, riebel die klein [Tabernaemontanus, Kräuterbuch 605]. —
2. 'verhauen'; Zs.: PfWB verribbeln 2; een riwwele [ IB-Ensh], eem e paar r. [ ZW-Battw]. Ich riwwel der die Ohre, daß se rot werren wie Blut [ LU-Alsh]. —
3.
a. 'vorhalten, vorwerfen, (etwas Unangenehmes) in Erinnerung bringen', ribble [verbr. VPf O-PS, Don-Werb], ribbele [mancherorts WPf NPf, PfId. 116 Journ. 215 Krämer Gal 176], riwwele, riwwle [mancherorts VPf O-PS verbr. WPf NPf, vorn. in der von Bed. 1 abzuleitenden RA. unner die Nas r. (s. unten)]; Zs.: PfWB auf-, be-, PfWB ein- 2, PfWB vor-, PfWB hinan-, PfWB hinribbeln; -rippeln, PfWB nachribbeln 2; Syn.: PfWB aufkrutteln 2, -ribbeln, -rippeln, -rudeln 3, -rühren 3, -rupfen 3, -wärmen 3, PfWB berippeln, PfWB bohren 2 b, PfWB daraufstoßen, PfWB vorhalten 2, -ribbeln, -rupfen, -rüppeln, -rütteln 2, -schmeißen, -werfen 2, hinandrücken, -ribbeln, PfWB hindrehen 2, -drücken, -reiben, -ribbeln, PfWB knärbeln1 3 c, PfWB nachribbeln 2, PfWB rappeln3 2, PfWB rudeln 5, PfWB rütteln, PfWB stecken, PfWB sticheln, PfWB stümpeln; ääm eppes r. [LA-Ilbh, verbr. VPf O-PS mancherorts NPf]; ääm eppes unner die Nas r. [KL-Matzb, verbr. WPf NPf mancherorts VPf, Gal-Josbg]; ääm de Kimmel (Kümmel) r. [ KL-Drehthhf]. Er hot fein geribbelt [ KB-Kriegsf]. Was brauchscht mer des heit noch ze ribble? [ GH-Schwegh]. —
b. 'erwähnen, vorbringen, erinnern', riwwele [ NW-Haßl], ribble [ Gal-Hartfeld Don-Tscherwk], ribbele [KU-Schmittw/O Schandein Sprachsch. 48]; allegebott (deck) ribbele [ KU-Schmittw/O]. Er hot en geriwwelt [ BZ-Dörrb]. Hot er nix vun der Sach geriwwelt? [ RO-Lettw]. —
4. 'sich rühren, bewegen', ribbele [ KU-Schmittw/O IB-Ommh RO-Messbhf], rebbele [ KU-Kaulb]. Do lejt se im Sarsch un rippelt sich nimmeh [Kraus Unser Babbe 13]. — Iterativbildung zu PfWB reiben; die Formen mit intervokalischem -w(w)- (überwiegend zu Bed. 1 u. 2) setzen eine langvokalige, die Formen mit intervokalischem -b(b)- (überwiegend Bed. 3) setzen eine kurzvokalige Vorform voraus. Analoge Bildungen: scheibeln, schiebeln, schibbeln; zu scheiben, schieben (vgl. DWB DWb. VIII 2390, DWB 2666, DUDEN WB 5 2253). — Südhess. IV 1388/89; RhWB Rhein. VII 382/83; ElsWB Els. II 219.

 

  PfWB  ElsWB  LothWB schibbeln das Wort, ein Iterativum zu schīben (s. Scheibe), ist zunächst Rhfrk bezeugt als -iw- an der oNahe u. in Saarbr [-ib- Wend-Merzw], dann Mosfrk als -iw- in Saarl-Berus, Merz, dann als -ib- in Koch [-iw- Stdt], Kobl u. anschliessend nach Süd. in Goar-Hungenr Weiler, ferner als -īw- in May-Stdt, -ib- in Daun-Tettschd; sonst heisst es im Rhfrk u. im lrhn. Mosfrk scheiweln; Westerw, Siegld, das Rip, Berg, Ruhr, Eup haben geschlossen -ib- [-iv- Sieg-Hangelar; -iw- u. -ib- Elbf; -yb- Eup-Raeren; Aach-Stdt (u. -ib-) Eschw u. Geilk-Nirm -īb-]; im SNfrk, wo in der Selfk, in Kemp, Kref-Ld, MGladb-Korschenbr īvələ (< schîbeln, s. scheibeln) herrscht, ist dies ī in -īb- in Grevenbr, Neuss, Kemp-Süchteln, -īf- MGladb (u. -iv-), Kemp-SPeter eingedrungen; Kref-Stdt, Mörs-Neuk Hombg haben, an die Ruhr-Ma. angelehnt, -ib-; die NGrenze des Wortes geht also wenn wir -īv- hinzurechnen, bis einschl. Heinsb, Kemp, Kref, Mörs, Ruhr (n. davon herrscht, reulen) schw.: 1. trans. a. etwas (einen) sch., runde Gegenstände von geringem Gewicht langsam vor sich her rollen lassen, z. B. eine Kegelkugel, einen Klicker, ein Fass, ein Rad, einen runden Stein, Holz; scheif net streng, schibbel nemmen (nur) Daun-Tettschd; en Fass de Berg eronger(heraf)sch., — en de Keller (herus-, heren-,) herömsch.; e Klötzche durch de Stuff sch.; enen üvver der Boddem sch. Rip, Allg.; beim Kegeln: he schibbelt op de Kegele; lot us enen sch.! kegeln, klickern

[Bd. 7, Sp. 1081]
(scherzh.) Rip, Allg.; bes. mit dem dicksten Klicker Nachwerfen spielen Rip; Kreis sch. Klicker, in einem Kr. eingesetzt, vom Malstrich aus hinausschnellen Ahrw, MGladb-Odenk; Külchen sch. jeder Spieler schibbelt seinen Klicker in die Nähe der Kaule; wessen Kl. schon hineinrollt, hat diesen verloren u. scheidet aus; danach sucht der erste Spieler alle Kl. an der K. in diese zu sch., indem er sie mit dem Knöchel des Zeigefingers voranschnellt, so lange, bis ihm der Stoss eines Kl. misslingt; dann versucht der nächste dies so lange, bis einer auch den letzten Klicker hineinstösst, so dass nun alle Kl. in der K. sind; wer den letzten Kl. hineinschibbelt, gewinnt alle in der K. befindlichen Kl. Gummb, Wermelsk, MGladb-Geistenbeck Odenk (Küllkes sch. u. Peckskes sch.); sch. = stucken (s. d.) beim Klickersp. Düss, Ruhr, Mörs; Schibbelches einfaches Klickersp. Neuw, Altk. — Bangk (Band) sch. Reifen spielen Schleid-Hellenth. — Eier sch. Spiel mit den gefärbten Ostereiern, sie einen Abhang hinunterrollen lassen Goar-Hungenr, Neuw-Rodenb, Gummb-Homburg., Waldbr. — Absol. einen flachen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen; wej gonnt no de Rhin sch. Mörs, Ruhr, Kref-Hüls, Mü-Eif, Malm-Meyerode, May-Stdt. — RA.: Alles, wat rongk (rund) ös, moss mer sch. Geld muss ausgegeben werden Eusk. Du kanns mich ens e Ferke no de Bahn sch.! abschl. Antw. Aach, MGladb, — en Rifkoken Barm, — en Wagong Erzen (Erbsen) Wippf-Hardt, — e Vierl Eier MGladb. Der es su deck, dat mer en sch. kann Rip, Allg., — mer kann en sch. wie e Fäss-chen Allg., — en Erz (Erbse) Neuss-Zons. — b. refl. sich sch., sich wälzen; de Kengder sch. sech üvver de Erd; he schibbelt sech em Bett eröm; sech us dem Kruffes (enges Loch) herussch. Rip, Allg. RA.: Ech hauen dech, datste dech schibbels! Rip, Allg. Sech sch. vür Lache (va Lach Aach); dat wor ene Spass, für sech ze sch. Rip, Allg.; heə schibbelet sich ewändig va L. Aach. — 2. intrans. rollend laufen; die Kugel schibbelt (üvver de Boddem) Rip, Allg.; de Äppel sch. vom Bam (heronner, heraf) Kobl, Allg.; erongeschibbelt kun langsam kommen Daun-Tettschd; dat es zom Sch. (on zom Wälzen) (für ze sch.) vor Lachen Kobl, Allg. Holz schniə (schneiden) alle die Wiə (Weiden), Klompe make, dat se krake, schifel met Lake (Leintuch)! MGladb-Giesenk. — Abl.: die Schibbel(er)ei, dat Geschibbel(s).