Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Reiber (Bd. 5, Sp. 467)   PfWB Schneller (Bd. 5, Sp. 1321)   PfWB schnappen (Bd. 5, Sp. 1233) 
   Reiber m.:
1.
a. = PfWB Reibeisen 1, Reiwer [ NW-Frankeck]. —
b. 'Holzscheibe zum Verstreichen des Mörtels', Maurerspr. [ KB-Biedh]; vgl. PfWB Reibbrett. —
2.
a. 'Drehriegel am Fenster' [verbr., Klein Prov. 84 Krämer Gal 173]; Zs.: PfWB Fensterreiber. —
b. 'Türriegel' [ LU-Böhl NW-Geinsh LA-Gommh]; 'hölzerner Türriegel' [ BZ-Dierb], Dim. Raiwerle [ GH-Schwegh]; 'Nachtrie-

[Bd. 5, Sp. 468]
gel an der Tür', Reiwer [ FR-Albsh]. —
c. 'Faßhahn', Reiwer [vereinzelt VPf], Dim. Reiwerche [NW-Bobh Kallstdt Leistdt Ungst Weish/S Journ. 4/1787 215 Klein Prov. 84], Dim. Reiwerle [verbr. mittl. u. südl. VPf, Schmitt Billh. 183], 'kleiner Holzhahn am Faß zum Abfüllen des Weins in Gläser' [ NW-Deidh LA-Kl'fischl]; Zs.: PfWB Faßreiberchen. RA.: An der kann mer e Reiwerle anbringe, von einer besonders dicken Weinbeere [ LA-Edk]. a. 1766: Hat es sich Zu getragen Mit denen Wein und Brot Träger, dass sie dass reiwerle in das fessel Haben gemacht eh der Meter Von der wiss ist komen [Mähderbuch von NW-Mußb (in: MHVPf. IV 1870 25)]. —
3.
a. = PfWB Bader; vgl. DWB DWb. VIII 571. a. 1425: einem ryber 1 hlr item von einem aderlaß im bad 1 hlr [LeinArch. (Löhne)]. —
b. s. die Zs. PfWB Gelbrübenreiber. — Südhess. IV 1327; RhWB Rhein. VII 271/72; ElsWB Els. II 219.

 

   Schneller m.:
1.
a. 'einfache Armbrust aus einem Weidenbogen und einer Schnur als Spielzeug', zum Abschießen von Holzpfeilen, Schneller (nęlər) [LU-Neuhf SP-Dudhf Hanhf Heiligst Schiffstdt LA-Gommh Mörzh Nd'hochstdt Siebdg BZ-Kapswey O'ottb Schweig GH-Hagb Kand Max'au Schwegh Weingt Wörth, Schmitt Billh. 122]; Pl. wie Sg.; Zs.: PfWB Backen-, PfWB Bordschneller; Syn. s. PfWB Armbrust und K. 15; en Sch. mit em Bauche (Bogen) [ GH-O'lustdt]. —
b. 'Schleuder zum Wegschnellen von Steinen usw.', die Schneller f. [ KU-A'glan]; vgl. PfWB Schleuder 1 a. —
c. 'Falle zum Vogelfang aus Weidenrute, die beim Auslösen ein Netz zusammenzieht' [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Schnelzer 1 b; mehr als sechs Schneller gestellt un doch nix g'fange [ BZ-Dernb]. — x
d. 'Auslöser, Abzug' (technisch) [Lambert Penns 137]. —
2.
a. 'einfacher Verschlußriegel aus Holz oder Metall an Fenster, Laden, Tür', zum Schließen quergestellt [KU-Adb A'glan Bedb Brück Hundh Kaulb Kollw O'alb WD-Niedkch HB-Kirrbg RO-Obd KL-Reichb PS-Geisbg Schmalbg KB-Kriegsf Kirchhbol, Thielen 101]; vgl. PfWB Fensterreiber, PfWB Reiber 2, PfWB Riegel 1, PfWB Schnapper 1a, PfWB Schnäpper 1a. Es gab einfache und doppelte Schneller [ KU-Kaulb]. —
b. 'Verschluß an einer Kaffeeflasche' [ KL-Stelzbg]. —
3.
a. 'zeigerförmiger Holzriegel eines Kinderspielzeugs oder das ganze Spielzeug selbst'. Ein einfaches Roulette: Auf einem runden Holzbrettchen mit Zahlen wie auf einem Ziffernblatt ist mit einem Nagel und einer halben Nußschale als Abstandhalter ein frei drehbarer Zeiger befestigt. Das erste Kind stößt den Zeiger an und läßt ihn kreisen. Auf die Zahl, bei der der Zeiger stehen bleibt, setzt das Kind eine Nuß als Spieleinsatz. Kommt das nächste Kind auf dieselbe Zahl, darf es die Nuß nehmen. Kommt es aber auf eine noch freie Zahl, muß es selbst eine Nuß setzen [ KU-Schmittw/O, KU-A'glan RO-Obd]; vgl. PfWB Nuß 1 a, PfWB schnellern 1 b. Spielvar.: Das Kind gewinnt oder verliert so viele Nüsse, wie die erspielte Zahl zeigt [ KU-Hundh]. Weitere Var.: In die Bahn des Zeigers wurde eine Nuß gesetzt und dann der Schneller mit einem festen Hieb in Schwung gesetzt. Im Kreis saßen die Spieler. Wem die Nuß nun - aus der Bahn ausweichend - entgegenflog, der durfte sie behalten [Feierowend 51/1953]. Das Spiel war bes. bleibt in der Weihnachtszeit, wenn es reichlich Nüsse gab [ KU-Hundh Kaulb HB-Beed]. Dieses Spielzeug wurde von den Kindern selbst angefertigt [ KU-Hundh]. —
b. 'Spielkreisel der Kinder' [ LU-Opp];

[Bd. 5, Sp. 1322]
Syn. s. PfWB Driller 1a und K. 99. —
4. 'Spielklicker, Murmel' [LA-Edk (PfId. 127), Lambert Penns 137]; Syn. s. PfWB Schießklicker. —
5.
a. 'Brustbeinknochen der Gans' [Pirmas]. —
b. 'Spielschleuder aus dem Brustbeinknochen der Gans' [Pirmas]; vgl. PfWB aufschnappen 2a, PfWB Schnäpper 3b, PfWB Springer 5; Beschreibung s. PfWB Gänseschneller. —
6. 'eine Wippe mit großem Korb auf einer Seite als Schandinstrument', diente dem Eintauchen des Delinquenten ins Wasser, historisch [ LA-Göckling]; vgl. PfWB Schnäppe1 2, PfWB schnappen 4, PfWB Schnappgalgen, -korb; vgl. Frankf. V 2789 Schnelle. —
7. 'schnelle, ruckartige Bewegung'.
a. 'Luftsprung, Drehung in der Luft', Schneller [PS-Erfw, Lambert Penns 137], Schniller (nilər) [ PS-Hintwdth]; Dim. Pl. Schnellercher [Schandein 102]; vgl. PfWB Schnalzer 2, PfWB Schnelzer 2; en Sch. schlan (schlahe, schlage) 'sich überschlagen, stürzen' [KU-Bedb O'alb LU-Böhl, Schandein Sprachsch. 63]; Sch. schlahe, von einem Fisch, der auf dem Trockenen liegt und sich in die Luft schnellt [ KU-O'alb]. Geb acht, der Fusch macht en Sch.! [ BZ-Dernb]. Der Fisch hot e Sch. gemacht (gedau) [ RO-Dielkch LA-Nd'hochstdt]. Der schlägt awer Schneller!, von einem Fisch, der lebhaft im Wasser schwimmt [ LU-Böhl]. Er (Der Ochs) hot'n Sch. gemacht [ KB-Kerzh BZ-Dernb]. Er hot en Sch. geschlache 'Er hat sich bei einem Sturz in der Luft überschlagen' [ LA-Gommh]. Will singe, will springe, will Schnellercher schlah' [Schandein Ged. 102]. RA.: Der schlacht Sch. 'Der betreibt unnötigen Aufwand' [ LA-Nd'hochstdt]. —
b. 'schnipsende Bewegung mit einem oder zwei Fingern, Schnalzer, Stüber' [PS-Burgalb, Lambert Penns 137]; e Schneller an de Stern (Stirn) [ PS-Burgalb]. RA.: Er hot mit de Hand en Sch. gemacht 'Es ist nichts zu machen, es ist nicht der Mühe wert' [ BZ-Dernb]. —
8. 'abgeteilter Strang Wolle' [ BZ-Ingh GH-Kuhdt Leimh Neubg Scheibhdt Steinw]; Syn. s. PfWB Lot 2 b. —
9. 'kleineres, meist hohes und schmales Nebengebäude als Wohnhaus für Tagelöhnerfamilien oder als Altenteil' [ LA-Göckling Mörzh]. —
10. 'Scherz, Spaß, Ulk'. Das war en Sch. [ BZ-Dernb]. —
11. s. PfWB Pfingstschnellerchen, PfWB Maulwurfsschneller. — RhWB Rhein. VII 1612; LothWB Lothr. 459; ElsWB Els. II 500; Hess.-Nass. III 358; DWB DWb. IX 1302.

 

   schnappen schw.:
1. allg. 'eine rasche, ruckartige Bewegung machen', schnappe (nabə) [allg., Castleman Zwbr. 31 Höh 46, Lambert Penns 137 Krämer Gal 189], schnoppe [Beam Penns 95]; Part. Perf. g(e)schnappt (gənabt, gnabt) [allg., Lambert Penns 137 Krämer Gal 189]; Zs.: PfWB abschnappen, -schnäppen, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB daraufschnappen, PfWB dornschnäppen, PfWB ein-, PfWB er-, PfWB ver-, PfWB vorbei-, PfWB hinein-, PfWB hinüber-, PfWB über-, PfWB weg-, PfWB zusammen-, PfWB zuschnappen. Die Deer schnappt (ins Schloß) [ NW-Geinsh]. —
2.
a. 'den Kopf auf- und abbewegen, nicken, einen stummen Gruß zuwerfen' [ KU-Bedb KB-Kriegsf, vereinzelt]; vgl. PfWB nicken 1. Er hot mer geschnappt 'Er hat mir mit dem Kopf zugenickt' [ KU-Schmittw/O]. —
b. '(durch Kopfnicken) zustimmen, bejahen, Einverständnis bekunden durch Gestik' [verbr. WPf, FR-A'lein Bissh NW-Kallstdt BZ-Albw Birkhdt Land PfId. 126 Bernhard 164 Christmann Kaulb 4 Glass 105 D. Kühn in: PfRh. 1957 210 Kühn Hamet 134 Mang 79 Juner 89 Müller Dietschw 66 Thielen 101 Wilms Alph. 49 Albrecht 111, Don-Schowe Torscha]; memm Kopp schnappe [IB-Ensh (Glass 105)]. Er schnappt 'Er stimmt durch Kopfnicken zu' [ RO-Messbhf]. Er hot (hat) geschnappt 'Er hat zugestimmt' [KU-Bedb PS-Rodalb (Bernhard 164)]. Ich han geschnabbt [Kraus Putscheblum 5]. Die Gemeinderät schnappe 'Sie sind einverstanden' [ PS-Hintwdth]. Er schnappt zu allem 'Er nickt zu allem, er ist mit allem einverstanden' [ KU-Schmittw/O]. »Abgemach,« brummt de Fritz, un die annere, de Sepp un de Heiner, schnappe a mit de Köpp [Kraus Herzdrickerte 17]. Die annre zwei dun schnabbe. / Do kriehn se äns spendeert [Kraus Pat 45]. Wer immer schnappt, hat nie e falsches Wort gesaht [Kraus Allseiläbdah 9]. RA.: Der Lämmerschwanz schnappt zu allem 'Der einfältige Mensch ist mit allem einverstanden' [ KU-Schmittw/O]. —
3.
a. 'hinken, ein Bein nachziehen, krumm oder lahm gehen, beim Gehen kein Gleichgewicht halten (können)', von Menschen und Tieren, oft als Folge einer einseitigen Beinverkürzung oder Verletzung [mancherorts ges. Pf, Bernhard 164 Bertram § 286 PfId. 126 Christmann Kaulb 4 Kleeberger 127 Klein Prov. 132 Müller Dietschw 66 Otterstetter 210 D. Kühn in: PfRh. 1957 210 Kühn Hamet 134 Mang 79]; vgl. PfWB gnappen, PfWB hickeln 1, PfWB humpeln, PfWB hupfen, PfWB hüpfen 2, PfWB hüppseln 2, PfWB huppsen 3, PfWB knacken 1bα, PfWB knacksen 1aγ, PfWB lahmen 1, PfWB lähmen 2, PfWB schnärren.

[Bd. 5, Sp. 1234]
Du schnappscht jo wie e alder Gaul! [ KU-Adb]. Er hädd schdark geschnabbd [E. Weber in: PfRSch. 22. 7. 1926]. Das Mädel schnappt 'schwankt beim Wechseln vom längeren auf das kürzere Bein' [ BZ-Dernb]. Der Mann (er) schnappt [KU-Diedk RO-Sippf KL-Weilb PS-Erfw Rodalb (Bernhard 164) FR-Bockh Tiefth LU-Opp NW-Freinsh Bergz (Kamm 58)]. Er schnappt am linken Fuß [Klein Prov. 132]. Der Gaul schnappt [ Gal-Obl]. Wer was am Fuß hat, schnappt [ KU-Herschw/Petth]. Der schnappt met dem rechde Fuß [ KL-Reichb]. —
b. 'nicht im Gleichgewicht sein, wackeln'. Der Stuhl schnappt 'Der Stuhl wackelt' [ BZ-Dernb]. —
4. 'durch eine rasche, schnellende Bewegung (um)kippen, fallen (lassen)' [ZW-L'wied, vereinzelt, Karch Gimmdg/ Muttstdt 82 Müller Dietschw 66]; vgl. PfWB abschnappen, -schnäppen; ein Kind schnappen lassen 'Ein Kind fallen lassen' [Klein Prov. 132]; uf e Haufe sch. 'mit Schwung auf einen Haufen entleeren' [ KU-Schmittw/O]. Tu mer schnappe! 'Hilf mir, den Sack auf die Schultern zu heben' [ PS-Erfw]. Er hot e Kaschte voll Kohle vor's Kellerloch geschnappt [ KU-Schmittw/O]. Geb acht, du schnappscht um! 'Paß auf, du fällst (mit dem Stuhl) um!' [ BZ-Dernb]. Volksmed.: »Nach der falschen Ansicht des Volkes sollen rhachitische Kinder immer dadurch ihren Buckel, Cyphosis, erlitten haben, daß man sie habe schnappen lassen, worunter man versteht, daß man sie habe entweder ganz fallen lassen, oder daß man während des Fallens auf ungeschickte Weise sie wieder aufgefangen hatte« [Pauli Heilm. 79]. a. 1570: Sie wurden in den Schnappkorb verurteilt, um von der Scherbrück ins Wasser geschnappt zu werden [Küchler 42]; vgl. PfWB Schnäppe1 2. —
5.
a. 'wiegen, in ein Gleichgewicht bringen'; die Kersche sch. 'die Kirschenkörbe auf das vorgeschriebene Gewicht auswiegen' [ BZ-Dernb]. 's steht am Schnappe 'Es nähert sich dem Gleichgewicht' [ LA-Nd'hochstdt]. —
b. übertr.: 's steht am Schnappe 'Eine Angelegenheit nähert sich der Entscheidung' [ LA-Nd'hochstdt]. 's hot geschnappt 'Jetzt stimmt die Sache, jetzt haben wir es erreicht' [Rockhs]. —
6.
a. 'mit den Händen nehmen, hastig nach etwas greifen, etwas erwischen' [verbr. ges. Pf, Wilms Alph. 49 Klein Prov. 132]. Schnapp die Gittar un hol die Gej! [Kraus Sellemols 58]. Der Fisch is geschnappt [ GH-Kand]. —
b. 'jemanden einfangen, festnehmen'; jemand sch. [ KL-Weilb]. Er is geschnappt wor 'Er ist eingefangen worden, festgenommen worden' [ PS-Schmalbg]. Die Schandarme han ne geschnappt [ FR-Albsh]. E Schdeckbrief sucht de Schinnerhannes uff de Flucht, mer will ne endlich schnappe [Burgey Keschte 56]. Den hänn se geschnappt [ LU-Altr]. —
c. 'etwas wegnehmen, stehlen, entwenden'; ebbes geschnappt [ HB-Lu'thal]; vgl. PfWB abschnappen,

[Bd. 5, Sp. 1235]
-schnäppen; Syn. s. PfWB stehlen. —
7.
a. 'den Mund, das Maul, den Schnabel schnell und ruckartig öffnen, um etwas zu erhaschen, um etwas (Nahrung, Luft) aufzunehmen' [Pirmas, verbr. ges. Pf]. Guck emol, wie des Kinnel schnappt! 'Sieh nur, wie das kleine Kind seinen Mund beim Füttern aufsperrt!' [ GH-Nd'lustdt Westh]. De Hund schnappt no Micke 'Stubenfliegen' [ KL-Gimsb], no de Worscht [ PS-Schmalbg]. De Hund hot nooch meiner Nas g'schnappt [ BZ-Dernb]. Roschtworschtsticker (Rostwurststücke) in de Rinn, schnappt se gierisch, macht sich dinn (nämlich der streunende Kater) [Kraus Arwed 58]. De Fisch schnappt 'Der Fisch beißt an, schnappt nach Angelködern, Insekten, hingeworfenen Brosamen, springt beim Schnappen nach Futter über die Wasseroberfläche' [ WD-Niedkch LA-Gommh]. Die Fisch schnappe, dass. [ KU-Bedb RO-Dielkch KB-Kriegsf LU-Altr Friesh Limbghf Oggh Opp NW-Frankeck Kallstdt Wachh LA-Mörzh BZ-Dierb]. De Fisch hot das Bräckel (Bröcklein) (die Angel) g'schnappt [ BZ-Dernb]. Luft schnappe 'nach einer Anstrengung lebhaft atmen' [ KU-Schmittw/O IB-Rohrb LU-Altr NW-Kallstdt Wachh BZ-Albw]; no (nooch) Luft sch. [Kus WD-Niedkch, Lambert Penns 137 Gal-Dornf]. Ich muß emol Luft sch. 'Ich bin außer Atem' [ PS-Erfw]. Der schnappt awer no Luft! [ KB-Kriegsf Mauchh NW-Freinsh]. Er hat noh Luft geschnabbt 'Er hat nach Luft gerungen' [PS-Rodalb (Bernhard 164)]. Sie gingen auf die Straße Luft schnappen (die Spinnerinnen in der 'langen Nacht' am 21. Dezember) [Grünenwald 26]. Auch im weiteren Sinne: Luft schnappe gehe 'für kurze Zeit ins Freie gehen' [ KU-Diedk], 'spazieren gehen' [ ZW-Bechhf], 'nach anstrengender Arbeit eine Pause machen' [ KL-Mackb]. Sie will noch e bissel Luft sch. [ BZ-Dernb]. Ich muß emol frisch Luft schnappe!, dass. [ KU-Bedb]. Er schtellt sich uf die hinnre Bee / Un hot fer Ochtem (Atem) g'schnappt [Birmelin Penns Gezw. 80]. —
b. 'zubeißen, abbeißen' [Thielen 101]. Kinder- und Gesellschaftsspiel: Worscht schnappe, mit dem Mund ohne Hilfe der Hände möglichst große Stücke von einer Wurst abbeißen, die an einer Schnur in der Luft hängt und in die Höhe gezogen wird [KU-Bedb Schmittw/O FR-Albsh NW-Frankeck, Wilms Alph. 49]. —
8.
a. 'aus Müdigkeit den Mund aufmachen, gähnen'. Sie schnappt [ BZ-Dernb]. Ich muß de ganze Owend sch., ich häb Schlof [ BZ-Dernb]. RA.: Sie schnappt nooch em (Deck)bettzippel 'Sie gähnt' [ BZ-Dernb, LU-Opp SP-Harths LA-Venn GH-Westh]. —
b. 'für kurze Zeit auf einem Stuhl oder an einem Tisch einschlafen, ein kleines Schläfchen machen' [KU-Schmittw/O IB-Blieskst (PfId. 126) ZW-Mittb RO-Feilbg]; vgl. PfWB einschnappen 2; Syn. s. PfWB schlafen 1 a; e bißsche sch. [ KU-Bedb]. Mei Frääche dut schnabbe [Kraus Päd-

[Bd. 5, Sp. 1236]
cher 56]. — Mhd. snappen 'schnappen, wanken' ( Lexer Lexer II 1024). — RhWB Rhein. VII 1542 ff.; LothWB Lothr. 457; ElsWB Els. II 501; Hess.-Nass. III 320/21; Kluge-Seebold22 645; DWB DWb. IX 1170 ff.; Frankf. V 2771/72.