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 PfWB Ratten-schwanz (Bd. 5, Sp. 396)   PfWB Zopf (Bd. 6, Sp. 1638)   PfWB Zwiebel (Bd. 6, Sp. 1744) 
  -schwanz m.:
1. 'Schwanz der Ratte', Raddeschwanz [verbr.]; blott wie e R. [ LA-Mörzh], so lang wie e R. [ KU-Schmittw/O]. Einen KR. s. PfWB Bube 1. —
2.
a. 'Pferdeschwanz mit wenig Haaren' [ ZW-Battw]. —
b. 'kurzer und dünner Zopf eines kleinen Mädchens', -schwanz, Dim. -schwänzche, -schwänzel [verbr.]. —
c. 'kurzes Haar einer Frau' [ KU-W'mohr]. —
3. 'dünne, runde Feile' [ KU-Bedb]. —
4.
a. eine Birnensorte, Pl. -schwänz [ NW-Duttw LA-Böbing]. —
b. 'Fuchsschwanz (Alopecurus agrestis u. pratensis)', -schwanz [FR-Roxh (Wilde 74)]. —
c. = PfWB Blutweiderich [LU-Opp (Wilde Notizen)]; vgl. PfWB Rotschwanz. —
5. 'unendliche Folge, unentwirrbare Verquickung von Dingen, Sachverhalten' [NPf (Thielen 89)]; vgl. PfWB Rattenkönig 2. — Südhess. IV 1253; RhWB Rhein. VII 142/43; LothWB Lothr. 404. —

 

   Zopf m.:
1.
a. 'geflochtener Haarstrang', Zopp (dsob, dsǫb) [verbr., Müller Dietschw 73 Schnekkenburger 40 Krämer Gal 248], Zopf (dsobf) [GH-Kand, Südostecke], Pl.: Zepp [verbr., Mang 107], Zepf [Südostecke]; Dim. Sg. Zeppche [WPf], Zeppel [VPf], Pl. Zeppcher [WPf], Zeppelcher [mancherorts VPf MPf], Zepplich [mancherorts SOPf], Zepple [östl. VPf Südrand]; Zs.: PfWB Haar-, PfWB Hollen-, PfWB Ringel-, PfWB Weichselzopf; e falscher Z., zusätzlich eingeflochtene Haare zum Auffüllen der Haarpracht [ KU-Bedb]; 'n blooe Schlupp im klääne Z. [Sommer Hausapothek 41]. Die Zepp hänge iwwer die Schuldere erunner [ LU-Opp]. Mutter, mach mer Zepp! [ PS-Erfw]. RA.: e alder Z. 'etwas Veraltetes, Überholtes' [ LU-Alsh, mancherorts]. De Z. is ab 'Die Geduld ist zu Ende, die Angelegenheit ist abgeschlossen, das ist vorbei' [ LU-Alsh]. Kumm, grein net, ich binn der aach e Schlopp in de Z., tröstende RA. [ Gal-Dornf]. De Z. peift, sagt man zu kleinen Mädchen, wenn die ersten Zöpfe geflochten werden können [ GH-Schwegh]. Doin Schatz denkt an dich, sagt man, wenn einem Mädchen der Zopf aufgeht [ LU-Opp]. SprW.: 's Mädel derf heirate, wann's de Z. dreimol um die Nos wickle kann [ Don-Gottlob]. Vk.: Zöpfe in der Haartracht (um 1930): beidseitig hinten herabhängend als Frisur der Mädchen (bis zur Schulentlassung), vgl. PfWB Flechte 1 a, PfWB Gaulsschwanz 2, PfWB Haarschwanz, PfWB Rattenschwanz 2, PfWB Schnatze 3 a, PfWB Schwanz 3 a; um den Kopf gelegt oder als Knoten geschlungen als Frauenfrisur, vgl. PfWB Paratzel, PfWB Driller 1 f α, PfWB Trudel2 1 a, PfWB Trudelnest, PfWB Tute1 2 a δ, PfWB Tuttel, PfWB Dutzel 2, PfWB Haarkranz, PfWB Haarnest, PfWB Knopf 1 f, PfWB Knorzen 5, PfWB Knoten 1 b, PfWB Kopfenkranz, PfWB Kranz 2 a, PfWB Krone 2 c, PfWB Nest 2 b α, PfWB Nudel 2 b, PfWB Rosenkranz 3, PfWB Schinjon, PfWB Spatzennest 2, PfWB Unschuldskränzel, PfWB Zwiebel 3 b; gelegentlich auch spiralig über den Ohren aufgesteckt, vgl. PfWB Brezel 2 a, PfWB Haarschnecke, PfWB Ohrenklappe 2, -schnecken, PfWB Schnecke 2 a, PfWB Schneckennudel 2. —
b. 'Stirnhaar des Pferdes', Zopp [ KL-H'spey Matzb FR-Beindh LU-Friesh]. —
2. Zopfartiges, Zusammengeflochtenes.
a. 'Gebäck aus geflochtenem Teig, Zopfkuchen' Zopp [ZW-Bechhf LA-Impfl BZ-Dernb, Glass II 79 Hussong Kirkel 181 Stoll 45], Zepfle, eine Wecksorte [ GH-Neubg]; Zs.: PfWB Haarzopf 2 b. Brauchtum: »Aus den letzten Resten (des Fastnachtskuchenteiges) stellte die Mutter für die Mädchen zwei Zöpfe, für die Knaben zwei aneinanderhängende Schneckenhäuser her« [PfMus. 1889 91]. —
b. 'Bündel'. a. 1521: 1 g. 9 alb. vor 35 zep bantwidenn kaufft in moschelnn vnd des kellers frawe einen zop vor 1 alb. [LandsbgKellR]. a. 1612: 10 Zöpf Bantweiden wenig in Rest verbliben [DisibSchR 259]. —
3. Hervorstehendes, spitz Herabhängendes.
a. 'Baumwipfel', Forstausdr., Zopp

[Bd. 6, Sp. 1639]
[ BZ-V'weidth]; Zs.: PfWB Kienzopf. —
b. 'in spitzer Ecke auslaufende Waldgrundstücke', nur Pl. Zepp [ RO-Dielkch], auch FlN. —
c. vgl. PfWB Immen-, PfWB Haarzopf 2 a, PfWB Katzenzöpfe.
4. 'Alkoholrausch', Zopp [GH-Schwegh, Rohr 96]; Zs.: PfWB Haar- 2 c, PfWB Kanonenzopf. Der hot awwer en geheerige Z. [ GH-Schwegh]. — RhWB Rhein. IX 826/27; LothWB Lothr. 560; ElsWB Els. II 912.

 

   Zwiebel f.:
1.
a. 'die Lauchpflanze Allium cepa', Zwiwwel (dswiwəl) [verbr. ges. Pf außer NWPf u. SOPf, Altenhofer 13 Castleman Zwbr. 33 Glass 136 Höh 84 Hussong Kirkel 180 Juner 108 Karch Gimmdg/Muttstdt 59 Schneckenburger 23, 42 Wilde 279 Wilms Alph. 57 Lambert Penns 187 Krämer Gal 250], Zwewwel (dswewəl) [verbr. NWPf SOPf, Bertram § 75 Christmann Kaulb 14, 66 Heeger Südostpf. 9 Mang 99, 150 Müller Dietschw 74 Runck Hand 30], Zwiewel (dswīwəl) [mancherorts SWPf nördl. VPf PfId. 157], Ziwwel (dsiwəl) [ WD-Niedkch IB-Gersh Herbh Reinh PS-Schönau LU-Maud BZ-Schweig Schweighf Steinf GH-Scheibhdt], Zewwel [WD-Niedkch

[Bd. 6, Sp. 1745]

Lu'haf], Ziewel (dsīwəl) [ IB-Heckdh], Siewel [Wilde 280]; s. K. 419; Pl. Zwiwwele [verbr. wie Sg., Walle 41 Wilde 280], Zwiwwle [Beam Penns 114], Zi(e)bele [BZ-Steinf Bergz GH-Zeisk PfId. 156 Wilde 280], Zwewwele [verbr. wie Sg.], Zwöwele [RO-Feilbg (PfId. 157)], Zwewwle [vereinzelt südl. VPf Wilde 279], Zwewla [Wilde 279]; Dim. Pl. Zwiwwelcher [WPf, mancherorts VPf], Zweblich (dswebliχ) [ LA-Böbing Gommh GH-Nd'lustdt]; Zs.: PfWB Perl-, PfWB Puckert-, PfWB Dotzen-, Einmach-, PfWB Eß-, PfWB Gesellschafts-, PfWB Glucken-, PfWB Lauch-, PfWB Luft-, PfWB Ober-, PfWB Russen-, PfWB Samen-, PfWB Sam-, PfWB Sä-, PfWB Schalotten-, Sebastians-, PfWB Setz-, PfWB Steckzwiebel; Zwillich un Knowlich 'Zwiebeln und Knoblauch' [ KU-Schmittw/O]. Die Z. beißt in de

[Bd. 6, Sp. 1746]
Aage [ LU-Alsh]. Nor Schnittlaach dran un recht viel Zwiwwele / e bissel Salz for dran ze riwwele [Krieger 47]. Mit Kimmel, Zwiwele un Salz, / es bescht Gemies en unsre Palz [Burgey Keschte 45]. Die Z. in de Pälzer Kich / is aach gesund, des sin kee Sprich [Wilms Land und Lewe 79]. T is far Z., en Appel im Grund; Der Geruch macht em ummechtig, der Gschmack macht em gsund [PennsDeitschEck 14. 9. 1935]. RA.: dick (rund) wie e Z. 'korpulent' [ LU-Opp]. Der kann in Zäskämm Zwewwele trere (Das Grüne der Zwiebeln wird umgetreten, damit die eigentlichen Zwiebeln ausreifen) [Hebel 20]. Die Eh' iss e Z., sie schmackt bitter un die Aage gehn em iwwer [Kühn Kumödi 10]. Ruf der Zeiskamer Händler: Zwäwle, Knowlich un Maraun / Soll ich's

[Bd. 6, Sp. 1747]
mol es raus daun? [Wilde 281]. BR.: Im Zeichen des Steinbocks gesteckte Zwiebeln werden »lauter Narren«: sie schießen ins Kraut anstatt in die Zwiebel [Carl Pfalz im Jahr 284]. Willscht Gerscht, Erbs un Zwiwwele dick, / dann sää se an Sankt Benedik (21. März) [Krieger 42]. Benedik macht die Zwiwwele dick [SP-Mechth »Neustadter Ggd.« (Wilde 281)]. Peter un Paul (29. Juni) macht die Zwiwwele faul [ LU-Alsh]. Volksgl.: En Weibsmensch därf zu Zeite 'während der Menstruation' ken Rettich oder Zwible esse, es macht sie krank [Fogel Beliefs Penns Nr. 1865]. Wammer vier Zwible namt (benamt) un legt sie oweds unners Bett oder unnich der Ofe, selli, wu mergets (morgens) ausgewachse is, hot der Name vum Mann as mer krigt [Fogel Beliefs Penns Nr. 184]. In der heiligen Nacht werden 12 Getreidekörner (= 12 Monate) in eine Z. gesteckt. Die Länge der ausschlagenden Keime deutet auf die Fruchtbarkeit des betreffenden Monates hin [ GH-Hatzbühl]; vgl. Sebastianszwiebel. Ein Mann will mit Hilfe von durchgeschnittenen Zwiebeln, die er in der Neujahrsnacht an das Fenster legt, die nassen und trokkenen Monate des kommenden Jahres voraussagen [ GH-Mindlach]; vgl. PfWB Zwiebelschale 2. E Deel, die traage juscht en Z., / Un sell is aa gewiss net iwwel (gegen Pocken) [PennsDeitschEck 13. 8. 1938, Fogel Beliefs Penns Nr. 1402]. Volksmed.: Gegen Augenleiden: e Z. drufgeleet, beißt's eweg [ ZW-Bechhf]. Gegen Insektenstiche: mit Z. einreiben, mit Essig abreiben [ NW-Wachh]. Gegen Warzen: Zwiwwele bähen und auflegen [RO-Sippf NW-Frankeck]. Mer schneidt en Z. in zwee, reibt die Warz mit de Sticker vun der Z., steckt sie noo widder zamme un vergrabt sie unner der Dachtraaft [Fogel Beliefs Penns Nr. 1675]. Gegen schlecht heilende Wunden: Man geht zu einer bestimmten Frau. Diese nimmt eine Z., fährt damit über die Wunde. Dann legt sie die Z. unner de Dach. Wenn die Z. verfault ist, ist auch die Wunde geheilt [ KU-Lohnw, KL-Fischb]. En weißi Z., des iss g'sund, / Die ziegt der's Gift aus jedrer Wund [Birmelin Penns Gezw. 67]. Gegen Würmer: a. 1577: Die alten Weiber schneiden die rohen Zwibeln inn frisch brunnen wasser, lassens vber nacht stehen, den andern tag geben sie gemelt wasser den Kindern z trincken, das tödet vnd treibet gewaltig die Splwürm [Bock Kreutterbuch 263v]. »Zwiebel, roh und nüchtern gegessen, bilden ein Mittel gegen Würmer« [KL-Ottbg (Wilde 282)]. Gegen Zahnschmerz: e Zwiwwelche in de hohle Zahn stecke [ KB-Zell]. Spottvers auf Juden (um 1930): Wärener g'bliwwe in Ächibde (Ägypten), häddener g'habt Zwiwwlich (Dim. Pl.) un Knowwlich die Masse [ LU-Opp]. Rätsel von der Z.: Schulze Mahd vun Bacharach / hot e Ding mit neun Gefach; / m'r kann e Pund Salz nein reiwe / un kann ehr 's Beiße net vertreiwe [Hebel 121]. Es wachst im Garde, / hott viele Häute, / beißt alle Leute [Hebel 120]. Kinderpredigt: Hier steh ich uf de Kanzel / un prellich wie e Amschel / aus de dicke Bibel / vun

[Bd. 6, Sp. 1748]
Maria Z. [ KU-Bedb]. a. 1444: Item 4 frauwen uß dem dal hant zwiebeln helfen geden (jäten) [KellR Lichtenberg bei Kus]. a. 1521: 2 mltr. zwebbeln [LandsbgKellR]. a. 1521: zwobeln zu graben zu jeden vnd in zu ziehen [GgHospR]. a. 1577: Die besten Zwibelen inn vnserem Land seind rund, vnnd von farben rot [Bock Kreutterbuch 262v]. —
b. Z. als Anlaß für Neckname u. Neckverse für die Bewohner von GH-Zeisk: Zeiskämer Zwiwwel [ GH-Zeisk Germh], von KB-Einsth [ KB-Weihf]. »Bekannt ist ja das fruchtbare Kraut- und Gartenland von Lustadt und Zeiskam, in dem neben Knowloch un Maraun auch die Zwewle üppig gedeihen. Die neidischen Nachbarn heißen die Bewohner dieser Gauorte deshalb Zwewwelhengscht und den Zeiskamern zum Spott singen sie die bekannte Parodie: O Zeskem, o Zeskem, / du ligscht so noh am Wald, / die Zwewwle sin verfrore, / fer de Knowlich esch's zu kalt« [F. Heeger in: Feierowend 1954 Nr. 17 S. 1, KU-Diedk GH-Nd'lustdt Hebel 94 PfL (Landauer Anzeiger) 14. 10. 1933 Wilde 281]. Var.: O Zeskam, o Zeskam, / Du wunnerschener Ort, / Darinne gibts viel Zwiwwle, / De Knowloch stinkt aach dort [PS-Rodalb (Wilde 281)]. Zeeskäm phlanzed in de Gärde / Zwiwle, Gnowloch, Gälerübe [Vogel 148/ 49]. —
2. in weiteren Pflanzennamen.
a. 'Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)', Gifdichi Zwiwwel [GH-Neubg Wilde 103]; Zs.: PfWB Toten-, PfWB Juchten-, PfWB Oktoberzwiebel; Syn. s. PfWB Nackarsch 3 a. —
b. Weitere Zs.: PfWB Dullen-, PfWB Gladiolen-, PfWB Meer-, PfWB Sauzwiebel. —
3. übertr. nach der Zwiebelform.
a. 'dicke, breite Nase' [mancherorts ges. Pf Kühn Kumödi 2 Wilde 281]; Syn. s. PfWB Nase I 1. Aa mancher Name steht ihr gut: Gurk, Gummer, Zinke, Giwwel, / ... / Rieb, Knolle, Grumbeer, Z. [Wüst 79]. —
b. 'ein nestartiger Haarknoten aus einem gedrehten und aufgesteckten Haarstrang' [verbr., Kamm 71 Wilde 281]; vgl. PfWB Zopf 1 a; Zs.: PfWB Haarzwiebel. Die hot e dick Z. uffem Kopp [ KU-Schmittw/O]. De Deiwel krallt sich in ihr Zepp / Un in ihr Zwiwwle uf de Kepp [Münch Werke I 90]. —
c. 'kugelförmiger Teil des (barocken) Kirchturmes' [ KL-Fischb]. —
d. 'besonders dicker Klicker' [ LA-Mörzh]; Syn. s. PfWB Schießklicker. —
4. 'Taschenuhr', bes. wenn sie falsch oder nicht geht [verbr., Hussong Kirkel 180 PfId. 157 Thielen 126 Wilde 281 Wilms Alph. 57]; vgl. PfWB Sackuhr, PfWB Uhr 1 a. Die alt Z. geht nimmi! [ LU-Assh]. Wiffel (Wieviel) Uhr hoschde uf deiner Z.? [KU-Schmittw/O, Bernhard 195]. Guck emol uff dei Z. [Krieger 47]. RA.: Die Z. is von Dumbach (Tombak, Dummbach) [Krieger 47]. Die Z. geht nom Mond [Thielen So rerre mer 129]. —
5.
a. 'eine alte Frau' [ NW-Geinsh]. —
b. 'rothaariger Mensch', rori Z. [ NW-Lambr Neidfs]. — RhWB Rhein. IX 902 ff. u. K. IX 8; LothWB Lothr. 559 Ziwel; ElsWB Els. II 890 Zibel(e); FrkSA K. 5.