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| PfWB Rad (Bd. 5, Sp. 342) | PfWB ver-rücken (Bd. 2, Sp. 1247) | PfWB hirn-verrückt (Bd. 3, Sp. 1084) | |||||||||||||||||||||||||
1. a. 'das R. am Wagen und an sonstigen Fortbewegungsmitteln', Sg. Rad (rād, rd) [verbr., außer mittl. u. südl. VPf, Christmann Kaulb 6, 90 Mang 82, 144 Schneckenburger 48, 51 Otterstetter 41], Pl. Rad [NPf (Klein Wag. 109) Kus PS-H'einöd], Räder (der Stammvokal variiert allg. zwischen e u. ę) [ LU-Alsh Muttstdt Neuhf], Rädder [KU-Hefw HB-Breitft KB-Bubh FR-Albsh NW-Frankeck Geinsh Kallstdt LA-Maik GH-Berg Schwegh, Klein Wag. 109], Rärrer [verbr. WPf NPf mancherorts nördl. VPf, Christmann Kaulb 9, 82 Mang 88, 151 Müller Dietschw 55 Höh 47, 85 Klein Wag. 109], Pl. Rärer [RO-Feilbg KL-Schrollb PS-Gersb KL-Frankst LU-Böhl], Pl. Räller [ IB-Ensh], Pl. Räler [ LU-Altr], Sg. Radd (rad), Pl. Rädder [verbr. mittl. u. südl. VPf, Bertram § 32, 231 Heeger Südostpf. 15], Sg. Radd, Pl. Rärrer [ ZW-Battw LA-Bornh Essing BZ-Nd'horb GH-Zeisk]; Dim.: Sg. Rädche, Pl. Rädcher [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Sg. Rärel, Pl. Rärrelcher [ LU-Alsh], Sg. Räddel, Pl. Rädle [ LA-Gommh], Sg. Rädel [ SP-Mechth BZ-Dernb], Pl. Rädelcher [Land], Pl. Rällich [ BZ-Dierb]; Zs.: PfWB Pflug(s)-, PfWB Drei-, PfWB Vorder-, PfWB Hinter-, PfWB Karch-, Nach-, PfWB Schubkarch-, PfWB Schwung-, PfWB Stelz-, PfWB Wagenrad; 's R. (die Rärrer) am Waa (Wache, Karch, Schubkarre, Vodderpluck); die vorrere (die hinnere) Rärrer [verbr.]. RA.: Der es 's finneft R. am Waa 'ist überflüssig' [RO-Als, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]. Er kummt unner die Rädder 'gerät auf Abwege' [NW-Hardbg, verbr.], is bäis unner die Rärrer kumme 'ist ruiniert' [ BZ-Dernb]. SprW.: Ledder un Rädder muß mer deck schmeere [ BZ-Dierb]. Eine Winzerregel s. PfWB Schmied. Volksgl.: Wammer die Räder zurickzus dreht iwwerm Waggeschmiere, wern die Gail falsch [Fogel Beliefs Penns Nr. 1965]. Einen VR. s. PfWB Georg 1 a. — b. das R. für die Kraftübertragung in Getrieben und Maschinen; Zs.: PfWB Brunnen-, PfWB Dreh-, PfWB Treib-, PfWB Kamm-, PfWB Mühl- 1, Ratter-, PfWB Schäl-, PfWB Schwung-, PfWB Uhren-, PfWB Wasser-, PfWB Wind-, PfWB Zahnrad; 's R. (die Rärrer, Rädcher) in de Uhr, in de Mihl, Windmihl, Riewemihl [verbr.]. Dem sein Mäd danze wie die Rädcher [ RO-Rehborn]. RA.: Bei dem geht 's Rädche verkehrt erum 'Er ist betrunken' [ KL-Reuschb], links erum 'Er redet Unsinn' [ HB-Lu'thal]. RA. für 'Er ist verrückt': Der hot e Rädche (Räddel) [ KU-Hüffl, mancherorts], e Rädche im Härn [ FR-Hettldh], e Räddel im Kopp [ LA-Gr'fischl], e R. se viel [ ZW-Lambsbn]. Bei dem is e R. (Rädche) los [ LU-Opp, KL-Ottbg], geht e Räd- [Bd. 5, Sp. 343] del rum [ PS-H'mühlb], e Räddel im Kopp rum [ FR-Flomh], im Hirnkäschdel rum [ BZ-Schweig], geht 's Rädche links erum [ KU-Etschbg], verkehrt rum [KL-Landstl], letz rum [ LA-Edk], se schnell [ LU-Alsh], laaft 's Rädche vekehrt [ PS-H'einöd]. Es fehlt em e Rädche [ KL-H'spey]. Er hat de Kaddel ehr Räddel gelehnt [ NW-Iggb]. Der hot 's greeschde R. zu drehe 'Er hat die meiste Arbeit zu verrichten' [ KU-A'glan, Bedb]. Einen VR. s. PfWB Mühlbursche. a. 1573: dann alsbaldt das wasser übers rädle ob es gleich in seinen alten gang oder runßen nieder fallen tut [Lgb. LA-Kirrw]. — c. Kurzform für PfWB Fahr-, PfWB Dampf-, PfWB Motorrad [verbr.]. 's R. geht (laaft, fahrt) [KU-O'alb, verbr.]; uf em R. fahre [ NW-Frankeck]. RA.: 's R. steht vor em Haus 'im Haus ist der Gerichtsvollzieher' (der als einer der wenigen um 1930 ein Dienstrad benutzte) [ KU-Eßw]. SprW.: E Rad un e Fraa soll mer net herlehne [ NW-Hardbg]. — d. 'durchlöcherte Scheibe am Stößer des Butterfasses', Rädche [ KU-Schmittw]; Zs.: PfWB Butterrad. — e. vgl. PfWB Spinn-, PfWB Spul-, Scheibel-, PfWB Windrad. — f. ' Teil des Dreschflegels' [ KU-Obw/T]. — g. α. "Räder schieben", eine Art Notfeuer. Mit einem Rad und einem Eichenbalken wurde Feuer entfacht, durch dieses Feuer wurde die Viehherde getrieben. Eine ausführliche Beschreibung des Brauches s. Becker Vk. 326. — β. im Lautertal wurde früher auf Invocavit (Alte Fastnacht) »ein mit Stroh umwickeltes Wagenrad brennend bergab« gerollt [Becker Vk. 303]; vgl. Feuer-, PfWB Wagenrad. a. 1566: Alle heydnische abergläubische Gebräuche, Fastennacht-Spiele, Verkleidungen, Staubauß, Praten-heischen, Drey-Königs-Spiele und Umgänge, Johannes-Feuer machen und darüber springen, Rath scheiben und Lencher ausrufen und dergleichn Dinge noch mehr, so nach Aberglauben schmecken, werden hiemit gäntzlich verbotten bey 1 Thl. Straff [Kirchenordnung für die Leininger Lande (nach: A. Becker Pfälzer Frühlingsfeiern 6)]. — h. ein Folter- oder Hinrichtungswerkzeug ( DWB DWb. VIII 40 Lexer Lexer II 346). a. 1314: Kumet er aber da nach wider in die stat, men sol in setzzen uf ein rat als vor [SpeyUrk. 220]. a. 1535: gestuel sambt dem galgen und rad [ABlieskst 101]. 16. Jh.: zu richten mit dem strang, radt vnd schwehrt [PfWeist. 658 (LA-Gleisw)]. — 2. a. α. De Pohahn schlacht e R. 'Der Pfau entfaltet seine Federpracht' [ BZ-Albw, mancherorts]. — β. eine turnerische Übung, Rädche [ KB-Kerzh LU-Limbghf Oggh], Rädel [ LU-Friesh]; Zs.: PfWB Knierädchen; R. schla'e [Pirmas (Kieffer 61)], e R. schlage [ BZ-Dernb]. Drohung: Ich gebb der ää (e Ohrfei), daß de (e) R. schlascht [ ZW-Bechhf, FR-Bockh]. Ich schlan der an de Gäwel, daß de siewemol R. schlascht [ HB-Mimb]. Dem schlan ich an de Backe, daß er R. schleet [ KL-Wörsb]. — b. 'weiter, ärmelloser [Bd. 5, Sp. 344] Umhang von radförmigem Schnitt', bei Männern als Regenschutz, bei Frauen (um 1930 teils veraltet) verziert als Schmuckkleidungsstück, Rad [KU-Kaulb, verbr.], Rädche [ RO-Dielkch KB-Kriegsf Mauchh NW-Neidfs LA-Gommh]; vgl. PfWB Radmantel. — c. 'Leinkraut' in der Zs.: PfWB Mühlrad 2. — 3. FlN, Am Rad [ PS-Lembg]. — Südhess. IV 1177/78; RhWB Rhein. VII 17 ff.; LothWB Lothr. 399; ElsWB Els. II 231.
| 1. 'etwas von seiner Stelle rücken', vericke [allg.]; vgl. PfWB verrutschen 1, PfWB verschieben 1 a. a. 1512: wilcher gewalt drybt und gemarcken verruckt 'Grenzsteine versetzt' [PfWeist. I 468 (KU-Eßw)]. — 2. adj. Part. Perf. a. 'geistig irre, nicht recht bei Verstand', verickt [fast allg.], vrickt [ KU-Bechb ZW-Wiesb PS-H'einöd], vereckt [ WD-Niedkch IB-Rohrb Ingb LA-Gommh], veruckt [ KU-Konk Don-Lovrin Kathreinf Rußl-Spey]; subst. Verickder, Verickdi [allg.]. Er is v. im Hern (im Hernkaschde, im owwre Stibbche) [LU-Alsh, verbr.]; vgl. PfWB hirnverrückt. Er is rein v. 'ganz v.' [KU-Diedk, verbr.], halwer v. [BZ-Eußth, verbr.]. Mer maant, du wärscht v. [RO-Sippf]. Deckmols denkt mer, die Welt isch v. [ ZW-Battw]. SprW.: Wann ener v. werd, fangt er im Kopp an [ ZW-L'wied, KU-Albb]. Alter Gassenhauer: Du bischt v., mein Kind, s. PfWB Berlin (I 710/11). Syn.: PfWB anderthalbtappig, PfWB beohmt, PfWB pervers, PfWB beschoßt, PfWB beschusselt, PfWB bestußt 1, PfWB plem-plem, PfWB daneben 2 b, PfWB tappig 2 a ε, PfWB darüber 1, PfWB darüberdraußen, PfWB desperat, PfWB toll I 1 a, PfWB tollhirnig 3, PfWB töricht 1, PfWB dösig 3, PfWB durcheinander 3, PfWB duselig 1 b, PfWB einfältig 2, PfWB verschroben, PfWB geck, geckerig, PfWB geckig, PfWB geistesabwesend, -gestört, -krank, PfWB hirngepickt, -krank, -los, -stößig, -toll, -verbrannt, -wütig, PfWB hüpfig, PfWB idiotisch, irre, PfWB irrsinnig, PfWB kindisch, PfWB letz, PfWB letzohrig, PfWB meschugge, närrisch, nebendran, -drauß, PfWB rabiat, PfWB rammdösig, PfWB rappelig, PfWB rappelkappig, -köpfig, PfWB rappig, PfWB scheckig, schockerzig, schockig, PfWB schotig, PfWB schusselig, PfWB unzurechnungsfähig, PfWB wahnsinnig; Adj. und Adv. mit vorangestelltem nicht (ganz) s. daheim, PfWB dicht, PfWB gescheit, PfWB hell, PfWB just, PfWB klar, PfWB koscher, PfWB normal, PfWB recht, PfWB richtig, PfWB sauber, PfWB zapfenduster; die Part. Perf. zu PfWB beißen, PfWB picken, PfWB verdrehen, verna- [Bd. 2, Sp. 1248] geln 2 b, PfWB verwirren 2, PfWB schucken, PfWB stechen, PfWB überschnappen, PfWB -spannen; die Subst. Bajaß 2, PfWB Bläß 5 c, PfWB Tappes 1 b δ, PfWB Tippel 2, PfWB Dollbohrer 2 a, PfWB Tolo 2, PfWB Tolpatsch 2, Turnel 2 f, PfWB Eulenspiegel 2 b, PfWB Halbnarr, -schäse, -schoten, -stiefel, PfWB Hanswurst, PfWB Haspel, PfWB Hospes, PfWB Irrwisch, PfWB Jochnagel, PfWB Kalfakter, Kasper, PfWB Mackes, PfWB Narr, PfWB Narrenbeutel, -bläß, -kopf, -vieh, PfWB Schalbes, PfWB Schampel, Schaus, PfWB Schockes, Schocko, PfWB Schossert, PfWB Schoten, PfWB Schotenbläß, -sabbel, PfWB Schussel, PfWB Simpel, PfWB Sparrenfantel, -gockel, PfWB Spinner, PfWB Spurkel, PfWB Stoffel, PfWB Strohbock, PfWB Zwickel; Wend. wie 'Er hat einen Käfer im Kopf' s. PfWB Boben 1 a, PfWB Drehwurm, PfWB Driller 2 b α, PfWB Drilles 3 b, PfWB Tupfen 4, PfWB Fieber 1 a, PfWB Fimmel 1, PfWB Fips 1 a, PfWB Flemme 3 d, PfWB Vogel 2 d ε, PfWB Furz, PfWB Hitze, PfWB Hormel, PfWB Käfer, PfWB Kaffeemühle, PfWB Klaps, PfWB Kopfweh, PfWB Krampf, PfWB Leibschaden, Narrengetüpfel, PfWB Rappel, PfWB Ratte, PfWB Schagrillen, PfWB Schlag, PfWB Spange, PfWB Spatz, PfWB Spinnenfieber, PfWB Spleen, PfWB Splitter, PfWB Sprosse, PfWB Stich, PfWB Stieben, PfWB Stroh, PfWB Stuß, PfWB Wurm, PfWB Zwirbel; Wend. wie 'Er spinnt' oder 'Es rappelt bei ihm' s. PfWB plaudern, PfWB brummen, PfWB träumen, PfWB drillern, PfWB fehlen, PfWB funken, PfWB krabbeln, PfWB rappeln, schnarren, PfWB simulieren, PfWB spinnen, PfWB spuken; weitere Wend. s. PfWB Pfingsten (I 836, Z. 14/15), Dach 2 a, PfWB Takt 1 c, PfWB Trost 1, PfWB Erbse 2 c, PfWB Fährte 1 b, Gefährt, PfWB Gehirn, PfWB Geiß, PfWB Geld, PfWB Geschichte, PfWB Gleis, PfWB Groschen, PfWB Gummizelle, PfWB Haus, PfWB Hirn, PfWB Hollen, PfWB Kappe, PfWB Klingenmünster, PfWB Linse, PfWB Mücke, PfWB Narrenhaus, PfWB Nerv, PfWB Oberspeicher, -stube, PfWB Rad, PfWB Schraube, PfWB Sinn, PfWB Sparren, PfWB Sprit, PfWB Stock, PfWB Stube, PfWB Wagen, PfWB Wasser, PfWB Zicken, PfWB Ziegel. — b. übertr. 'im Verhalten vom Normalen stark abweichend'. α. Ausdruck des Tadels: Des is emol 'n verickder Kerl (Mensch) [KB-Harxh, verbr.]. Du verickdes Huhn! [NW-Kallstdt, verbr.], verickder Hund! [ KL-Hütschhs GH-Max'au]. — β. 'sehr aufgeregt'. Er rennt (laaft, fahrt) wie v. [LA-Maik, verbr.]. — γ. 'versessen auf etwas', vgl. PfWB verpichen 2. Er is ganz v. uf's Lese [ KU-Schmittw/O]. Du schaffscht jo wie v. [KL-Stelzbg, verbr.]. — δ. 'heftig verliebt'. Sie esch v. of ehn (in ehn) [GH-O'lustdt, verbr.]. Die zwää sin v. ufnanner (inanner) [Frankth, ZW-L'wied SP-Schiffstdt]. Zs. mannsleutverrückt. — Südhess. II 593/94; RhWB Rhein. VII 560/61; ElsWB Els. II 249; Bad. II 97.
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