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 PfWB Rad (Bd. 5, Sp. 342)   Lexer rat -des (Bd. 2, Sp. 346) 
   Rad n.:
1.
a. 'das R. am Wagen und an sonstigen Fortbewegungsmitteln', Sg. Rad (rād, rd) [verbr., außer mittl. u. südl. VPf, Christmann Kaulb 6, 90 Mang 82, 144 Schneckenburger 48, 51 Otterstetter 41], Pl. Rad [NPf (Klein Wag. 109) Kus PS-H'einöd], Räder (der Stammvokal variiert allg. zwischen e u. ę) [ LU-Alsh Muttstdt Neuhf], Rädder [KU-Hefw HB-Breitft KB-Bubh FR-Albsh NW-Frankeck Geinsh Kallstdt LA-Maik GH-Berg Schwegh, Klein Wag. 109], Rärrer [verbr. WPf NPf mancherorts nördl. VPf, Christmann Kaulb 9, 82 Mang 88, 151 Müller Dietschw 55 Höh 47, 85 Klein Wag. 109], Pl. Rärer [RO-Feilbg KL-Schrollb PS-Gersb KL-Frankst LU-Böhl], Pl. Räller [ IB-Ensh], Pl. Räler [ LU-Altr], Sg. Radd (rad), Pl. Rädder [verbr. mittl. u. südl. VPf, Bertram § 32, 231 Heeger Südostpf. 15], Sg. Radd, Pl. Rärrer [ ZW-Battw LA-Bornh Essing BZ-Nd'horb GH-Zeisk]; Dim.: Sg. Rädche, Pl. Rädcher [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Sg. Rärel, Pl. Rärrelcher [ LU-Alsh], Sg. Räddel, Pl. Rädle [ LA-Gommh], Sg. Rädel [ SP-Mechth BZ-Dernb], Pl. Rädelcher [Land], Pl. Rällich [ BZ-Dierb]; Zs.: PfWB Pflug(s)-, PfWB Drei-, PfWB Vorder-, PfWB Hinter-, PfWB Karch-, Nach-, PfWB Schubkarch-, PfWB Schwung-, PfWB Stelz-, PfWB Wagenrad; 's R. (die Rärrer) am Waa (Wache, Karch, Schubkarre, Vodderpluck); die vorrere (die hinnere) Rärrer [verbr.]. RA.: Der es 's finneft R. am Waa 'ist überflüssig' [RO-Als, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]. Er kummt unner die Rädder 'gerät auf Abwege' [NW-Hardbg, verbr.], is bäis unner die Rärrer kumme 'ist ruiniert' [ BZ-Dernb]. SprW.: Ledder un Rädder muß mer deck schmeere [ BZ-Dierb]. Eine Winzerregel s. PfWB Schmied. Volksgl.: Wammer die Räder zurickzus dreht iwwerm Waggeschmiere, wern die Gail falsch [Fogel Beliefs Penns Nr. 1965]. Einen VR. s. PfWB Georg 1 a. —
b. das R. für die Kraftübertragung in Getrieben und Maschinen; Zs.: PfWB Brunnen-, PfWB Dreh-, PfWB Treib-, PfWB Kamm-, PfWB Mühl- 1, Ratter-, PfWB Schäl-, PfWB Schwung-, PfWB Uhren-, PfWB Wasser-, PfWB Wind-, PfWB Zahnrad; 's R. (die Rärrer, Rädcher) in de Uhr, in de Mihl, Windmihl, Riewemihl [verbr.]. Dem sein Mäd danze wie die Rädcher [ RO-Rehborn]. RA.: Bei dem geht 's Rädche verkehrt erum 'Er ist betrunken' [ KL-Reuschb], links erum 'Er redet Unsinn' [ HB-Lu'thal]. RA. für 'Er ist verrückt': Der hot e Rädche (Räddel) [ KU-Hüffl, mancherorts], e Rädche im Härn [ FR-Hettldh], e Räddel im Kopp [ LA-Gr'fischl], e R. se viel [ ZW-Lambsbn]. Bei dem is e R. (Rädche) los [ LU-Opp, KL-Ottbg], geht e Räd-

[Bd. 5, Sp. 343]
del rum [ PS-H'mühlb], e Räddel im Kopp rum [ FR-Flomh], im Hirnkäschdel rum [ BZ-Schweig], geht 's Rädche links erum [ KU-Etschbg], verkehrt rum [KL-Landstl], letz rum [ LA-Edk], se schnell [ LU-Alsh], laaft 's Rädche vekehrt [ PS-H'einöd]. Es fehlt em e Rädche [ KL-H'spey]. Er hat de Kaddel ehr Räddel gelehnt [ NW-Iggb]. Der hot 's greeschde R. zu drehe 'Er hat die meiste Arbeit zu verrichten' [ KU-A'glan, Bedb]. Einen VR. s. PfWB Mühlbursche. a. 1573: dann alsbaldt das wasser übers rädle ob es gleich in seinen alten gang oder runßen nieder fallen tut [Lgb. LA-Kirrw]. —
c. Kurzform für PfWB Fahr-, PfWB Dampf-, PfWB Motorrad [verbr.]. 's R. geht (laaft, fahrt) [KU-O'alb, verbr.]; uf em R. fahre [ NW-Frankeck]. RA.: 's R. steht vor em Haus 'im Haus ist der Gerichtsvollzieher' (der als einer der wenigen um 1930 ein Dienstrad benutzte) [ KU-Eßw]. SprW.: E Rad un e Fraa soll mer net herlehne [ NW-Hardbg]. —
d. 'durchlöcherte Scheibe am Stößer des Butterfasses', Rädche [ KU-Schmittw]; Zs.: PfWB Butterrad. —
e. vgl. PfWB Spinn-, PfWB Spul-, Scheibel-, PfWB Windrad. —
f. ' Teil des Dreschflegels' [ KU-Obw/T]. —
g.
α. "Räder schieben", eine Art Notfeuer. Mit einem Rad und einem Eichenbalken wurde Feuer entfacht, durch dieses Feuer wurde die Viehherde getrieben. Eine ausführliche Beschreibung des Brauches s. Becker Vk. 326. —
β. im Lautertal wurde früher auf Invocavit (Alte Fastnacht) »ein mit Stroh umwickeltes Wagenrad brennend bergab« gerollt [Becker Vk. 303]; vgl. Feuer-, PfWB Wagenrad. a. 1566: Alle heydnische abergläubische Gebräuche, Fastennacht-Spiele, Verkleidungen, Staubauß, Praten-heischen, Drey-Königs-Spiele und Umgänge, Johannes-Feuer machen und darüber springen, Rath scheiben und Lencher ausrufen und dergleichn Dinge noch mehr, so nach Aberglauben schmecken, werden hiemit gäntzlich verbotten bey 1 Thl. Straff [Kirchenordnung für die Leininger Lande (nach: A. Becker Pfälzer Frühlingsfeiern 6)]. —
h. ein Folter- oder Hinrichtungswerkzeug ( DWB DWb. VIII 40 Lexer Lexer II 346). a. 1314: Kumet er aber da nach wider in die stat, men sol in setzzen uf ein rat als vor [SpeyUrk. 220]. a. 1535: gestuel sambt dem galgen und rad [ABlieskst 101]. 16. Jh.: zu richten mit dem strang, radt vnd schwehrt [PfWeist. 658 (LA-Gleisw)]. —
2.
a. α. De Pohahn schlacht e R. 'Der Pfau entfaltet seine Federpracht' [ BZ-Albw, mancherorts]. —
β. eine turnerische Übung, Rädche [ KB-Kerzh LU-Limbghf Oggh], Rädel [ LU-Friesh]; Zs.: PfWB Knierädchen; R. schla'e [Pirmas (Kieffer 61)], e R. schlage [ BZ-Dernb]. Drohung: Ich gebb der ää (e Ohrfei), daß de (e) R. schlascht [ ZW-Bechhf, FR-Bockh]. Ich schlan der an de Gäwel, daß de siewemol R. schlascht [ HB-Mimb]. Dem schlan ich an de Backe, daß er R. schleet [ KL-Wörsb]. —
b. 'weiter, ärmelloser

[Bd. 5, Sp. 344]
Umhang von radförmigem Schnitt', bei Männern als Regenschutz, bei Frauen (um 1930 teils veraltet) verziert als Schmuckkleidungsstück, Rad [KU-Kaulb, verbr.], Rädche [ RO-Dielkch KB-Kriegsf Mauchh NW-Neidfs LA-Gommh]; vgl. PfWB Radmantel. —
c. 'Leinkraut' in der Zs.: PfWB Mühlrad 2. —
3. FlN, Am Rad [ PS-Lembg]. — Südhess. IV 1177/78; RhWB Rhein. VII 17 ff.; LothWB Lothr. 399; ElsWB Els. II 231.

 

 FindeB rat flex.-desstn. (BMZ II. 559a) pl. rat u. reder: rad, rota (rat, rad, rade) Dfg. 500 c . wagenrad Exod. Freid. Pass. vier radere L.Alex. 6109, reder Msh. 3,348 a , redrer Chr. 4, 90 anm. 2 ( vgl. Weinh. al. gr. § 198 ). die hôhen redere der karratsch j.Tit. 3383. tôren herzen und aller narren ist als ein rat an eime karren Renn. 17717. der valke gie mit im (vogel) als ein rat ze tal Loh. 3417. er sluoc in, daʒ er als ein rat umbe gie Bit. 10901. nu vert enwec ir habedanc, reht als ein rat daʒ umbe gât Lieht. 424,26 ; rat am schiebkarren s. radeber, am pfluge s. pfluocrat, am brunnen s. ratbrunne, -einber, spinnrad s. ratwolle; ein rat von rôtem golde war Wigalois helm- u. schildzeichen ( Wig. 51, 5. 144,15. 27 ), daher er der rîter mit dem rade (162,15) und das gedicht über ihn daʒ rat ( Leseb. 604,3 ) genannt wurde; mülrad Walth. , vgl. mül-, waʒʒerrat; das sich wälzende rad des glückes ( s. oben 1,829 u. dazu noch Kchr. W. 16742. 17084. Apoll. 2020. Karl 957. Albr. 36,5. Chr. 8. 351,23. 328, 25 ); rat als hinrichtungswerkzeug Kchr. Walth. Mai , Teichn. Livl. Pass. sæhe si mich ûf dem rade, sî gespræche nimmer ach Neidh. 99,21. ûf dem rade sitzen umbe die missetât Ulr. Wh. 206 d . einem daʒ rat erteilen Eilh. 3354, vgl. Karlm. 257,24. ûf ein rat setzen Chr. 8. 66,3. 100,5. 818,16. S.Gall. stb. 4,259. einen mit dem rade rihten ib. den (marterære) man durch die reder bant Üw. H. 184. zu skr. ratha, lat. rota Fick 2 164. 388. 841. Curt. 3 320.