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| PfWB nehmen (Bd. 5, Sp. 101) | PfWB ab-nehmen (Bd. 1, Sp. 59) | LothWB Ab-nëmen (Bd. 1, Sp. 2a) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
1. a. 'packen, fassen, ergreifen und festhalten', nemme (nęmə, nęnmə) seltener (nemə) [fast allg., auch Auslandspfälzer, PfId. 100 Christmann Kaulb 13, 49, 93, 151 Mang 94 Müller Dietschw 52 Schneckenburger 22, 43, 59 Höh 52, 88, 107 Bertram § 70 Heeger SOPf 8 Lambert Penns 111 Krämer Gal 155], namme [ RO-Rehborn PS-Bruchw Bundth], numme [RO-Bing Don-Torscha Krämer Gal 155]; Part. Perf. genumme (gəˈnumə, gəˈnunmə) [VPf O-PS], genumm (gəˈnum, gəˈnunm) [WPf, Christmann Kaulb 19 Mang 105], genomm [NWPf], (gə'nunm u. gə'nǫnmə) [Pirmas (Otterstetter 59)]; vgl. die K. 299 u. 300; Konjug. s. F.; de Hammer (die Lein, 's Buch) n., in die Hand n. [verbr.]. Nemm (nimm) emol! [verbr.]. Zuruf an den Hund: Nemm en! 'Faß ihn!' [ZW-Marthh, verbr.]; Nemm se! (die Gänse) [ebd.]. RA.: (enner, enni; sich) um de Arem n. 'umarmen, liebkosen' [ SP-Mechth, mancherorts], in de Arem n., dass. [ KU-A'glan]; um de Hals n., dass. [KU-Kaulb, verbr.]; en Arem voll Bruschttee n. 'eine vollbusige Frau umarmen', scherzh. [ LU-Friesh]. Er nemmt en am Kra'e (um ihn zur Rechenschaft zu ziehen) [ KL-Weilb], beim Krage [ LU-Opp], am Krawutschel [Krieger 36], am Wisch [ KL-Katzw], an de Hoor [ LU-Alsh], an de Ohre [ FR-Bockh], an de Leffel [Frankth LA-Frankw]. Wann der e Sach in die Hand nimmt, dann werd's eppes [ZW-Stamb, verbr.]. Wert, ka doppelt Kreid nemme! 'nicht mehr aufschreiben als getrunken wurde!', vgl. PfWB Kreide 1 [NPfGV 8. 8. 34]. Ich nemm dich beim Wort! [KL-Hirschhn, verbr.]. Er nimmt sein Klääder in Acht 'schont seine Kleidung' [ BZ-Stein]. Mich nemmt nur Wunner, daß du iwwerhaupt noch kumm bischt [ ZW-Battw]. SprW.: En Mann nemmt mer beim Wort, e Ochs bei de Herner [Penns]. Einen VR. s. PfWB Bach 1. — b. '(etwas oder jemanden) packen und an eine [Bd. 5, Sp. 102] andere Stelle bringen, verwahren'. Ich nemm 's Kind e bissel (nemm's uf de Arem, uf de Gehre 'Schoß') [LU-Böhl, verbr.]. Die Gluck nimmt die Junge unner die Flichel [NW-Deidh, verbr.]. Zu einem Jungen, der gern rauchen möchte: Nemm de Katz ehrn Schwanz ins Maul! [ BZ-Albw, mancherorts]. Scherzh.-spöttisch nach mißglückter Freierei: Nemm die Katz unner de Arem! [ KL-Weilb]. RA.: de Weg unner die Fieß n. 'sich auf den Weg machen', scherzh. [verbr.]; die Bään unner de Arm n. 'schnell laufen, sich beeilen' [ LA-Nußd]; die Fieß uf de Buckel n., dass. [verbr. Don Gal Buch Rußl]; de Schwanz zwische die Bään n., dass. [ ZW-Bottb]; einen zum beschde (uf de Ar(e)m, uf die Schipp) n. 'necken, foppen' [KU-Bedb, verbr.]. Er hot de Maache zwische die Zähn genumme 'hat sich erbrochen' [ PS-Erfw]. Er nemmt en ins Gebet 'redet ihm ins Gewissen' [ KU-Kaulb Kreimb LU-Böhl Friesh GH-Kand], in die Kur, dass. [ LU-Opp]. Denne nemm ich net ins Maul 'Er bedeutet mir nichts', verächtlich [RO-Obd, verbr.]. Der nimmt kän Blatt vor's Maul 'sagt offen die Meinung' [NW-Haardt, verbr.]. Des derf mer net uf d'leicht Achsel (Schulder, Schiller) n. 'Das darf einem nicht gleichgültig sein' [LA-Gommh, verbr., Don-Schowe]. Des kann ich uf die Gawwel nemme 'Das kann ich beschwören' (vgl. PfWB Gabel II3) [Krieger 18, NSZ Südpfalz 4. 7. 1939]. Sie hot sich's (den Tod ihres Mannes) arg zu Herze g'numme [ LU-Opp]. — c. 'auswählen'. a. 1507: den schultheißen sollen sie nemmen auß den schefen [PfWeist. 24 (RO-Alsbr)]. — 2. a. 'hinnehmen, akzeptieren, kaufen'. Das Flääsch is mer se flechsig, des nemm ich net [ LU-Opp]. Der Viehmakler sagt zum Verkäufer: Gebb's! und zum Käufer: Nemm's! [ KU-Schmittw/O]. SprW.: Mer muß alles n. wie's kummt [Krieger 40]. Wammer die Gääß genumme hot, muß mer se a hiede [ BZ-Schweig BZ-Wind]. Wer net kummt zu rechder Zeit, der muß n., was iwwerich bleibt [KU-Schmittw/O, verbr.]. — b. 'einen Gegenwert fordern, einnehmen'. Höfliche Ablehung des Dankes: Ich nemm nix defor! [ GH-Kand, NW-Bobh]; Ich hätt doch nix (defor) genumm [KL-Hütschhs, verbr.]. a. 1498: ob bueßen vnd frewell in der mühlen zu Escheringen fielen, wer die zu heben vnd zu nehmen hab [PfWeist. 455 (IB-Eschring)]. — c. 'in Anspruch nehmen'; Platz n.; Stunne (Unterrichtsstunden) n.; e Bad (Bäder) n.; sich Zeit n. [verbr.]. SprW.: Mer muß sich zum Sterwe Zeit n. [LU-Limbghf, verbr.]. — 3. a. 'wegnehmen, entziehen'. RA.: einem die Hoffnung n. [verbr.]; sich 's Lewe n. 'Selbstmord begehen' [verbr.]; sich (vun seiner Fraa) die Hosse n. losse 'unter den Pantoffel geraten' [ KU-Adb]; Haut un Hoor 'den ganzen Besitz' n. [LA-Impfl]. Was er mit der Rechde gibt, dät er mit der Linke widder n., von einem Geizigen [ GH-Schwegh]. Er is vum Stamm [Bd. 5, Sp. 103] ![]() [Bd. 5, Sp. 104] ... vor das alles angryffen vnd das von in nemmen [PfWeist. 326 (LA-Edk)]. — b. verhüllend für 'stehlen', nemme [verbr.], häämlich n. [ LU-Opp], n., uhne se froge [ebd.], nit genau n. [ NW-Weish/S]. Der nimmt, was er kri'e un verwische kann [KL-Queidb, verbr.]. RA.: gefunne, genumme, von einem Langfinger [ LU-Rh'gönh]. VR. s. PfWB Heidelbeere 1, Schäferbübchen. — c. 'eine Richtung einschlagen, ein Hindernis überwinden'; e Anrand(er) n., s. PfWB Anrand [verbr.]; die Kurv n. [verbr.]; Reißaus n. 'durchgehen', von Pferden [ PS-Burgalb]; die Kehr n. 'wenden' [ KB-Bubh]. — 4. a. 'essen'; vun 're Speis n. [ NW-Elmst]; e Maulvoll 'einen Bissen' n. [verbr.]. Höfliche Aufforderung zu essen: Nemm der! (Nemmen eich!); [Bd. 5, Sp. 105] ![]() b. 'trinken'; enner n. [BZ-Schweig, verbr.]; Syn. s. PfWB trinken 1a. Der nemmt klenne Schluckelcher [ RO-Obd], e Schluck wie e Kuh [ KB-Kerzh]. Der nimmt Mailer voll, dass. [ LA-Gommh]. Er hat sich enne genamm 'ist betrunken' [ KU-Erdb]. — c. einnehmen'; Pille (Koppwehbulver, Huschdebonbon) n. [verbr.]; Gift n. 'sich vergiften' [ KL-Stelzbg]. — 5. a. 'zum Dienst verpflichten'; en Schäfer n. [ LA-Nd'hochstdt]; en Aanwalt n. [Kaislt]. Er is [Bd. 5, Sp. 106] genumm worr 'ist tauglich für den Militärdienst' [ KB-Kriegsf, mancherorts]. — b. 'heiraten'. Er nemmt se (zur Frau) [LA-Herxh, verbr.]. Scherzh. Wend.: Er hot sich e Hauskreiz genumm [ KB-Kerzh]. — Syn. für n. in der WPf: holen 3a, vgl. K. 299 u. 300; Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB auseinander-, PfWB aus-, PfWB be-, PfWB daran-, PfWB dazwischen-, PfWB teil-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB ver-, PfWB fest-, PfWB voll-, PfWB vorlieb-, PfWB vor-, PfWB heraus-, PfWB herein-, PfWB her-, PfWB herüber-, PfWB hinauf-, PfWB hinhinter-, PfWB hin-, PfWB hoch-, PfWB krumm-, PfWB mal-, PfWB mit-, PfWB übel-, PfWB überhand-, PfWB über-, PfWB unter-, PfWB weg-, PfWB zu-, PfWB zusammennehmen. — F.: Konjug.: Ind. Präs. Sg. 1. Pers.: nemm (nęm, nem) [verbr. (außer westl. WPf NWPf)], nemme [westl. WPf NWPf], [Bd. 5, Sp. 107] nimm [ KU-Krottb GH-Neubg], namm [ PS-Bruchw Bundth], namme [ RO-Rehborn], numme [ RO-Feilbg]; vgl. K. 299; 2. Pers.: nemmsch(t), -i-, -a-, -u-; [verbr. wie 3. Pers.]; 3. Pers.: nemmt [verbr. WPf südl. VPf vereinzelt übrige Pf], nimmt [verbr. NPf mittl. u. südl. VPf vereinzelt WPf], nammt [ PS-Bruchw Bundth], nummt [ RO-Bing]; vgl. K. 300; Pl. 1.-3. Pers.: nemme(n), -a-, -u- [Stammvokal wie Inf., s. 1 a; zur Verbr. der Endung s. DSA K. 7a]; 2. Pers. alte Konj. wie 1.-3. Pers., neuere F.: nemmt, -a-, -u-. Die Karten 299 u. 300 zeigen außerdem die Verbr. der Stammvokal- und der Suffixvarianten der 1. bzw. 3. Pers. Sg. des Wortes hol(l)e als Syn. zu nemme in der SWPf u. NWPf. Für die 1. Pers. wurde (1928) das Kompositum 'mitnehmen', für die 3. Pers. wurde 'wegnehmen' abgefragt, wobei der Anteil an mithol(l)e gegenüber mitnemme wesentlich geringer war als weghol(l)e gegenüber wegnemme. — Südhess. IV 951 ff.; RhWB Rhein. VI 130 ff.; LothWB Lothr. 381; ElsWB Els. I 770, ALA I 160.
| I. trans. 1. etwas a. 'herunternehmen, wegnehmen'. a. die Kapp abnemme 'die Mütze vom Kopfe nehmen' [verbr.]; vgl. PfWB abtun 1. a. 1354: so mag der kaufer ... sein gut (das für ihn gepfändete Gut) abnemen und mit thun als mit seinem eignen gut [Grimm Weist. V 689 (ZW-Hornb)]. — b. die Frucht a. 'die beigemähte Halmfrucht hinter dem Mäher wegnehmen und in Glecken auf den Stoppeln ausbreiten' [verbr. WPf PS-Erfw LU-Limbghf Böhl], seit dem Vordringen der Mähmaschine u. des Mähdreschers immer seltener werdend; vgl. PfWB abglecken. — c. Haai a. 'beim Heuabladen das Heu von der Gabel nehmen' [verbr.]. — d. Masche a. 'die Zahl der Maschen durch Zusammenfassung zweier oder mehrerer Maschen vermindern' [allg.]. Wann du am Stricke bisch, do siehsche un heersch nimmi, nix als wie zähle, abnemme [Kaislt]. — e. im Abnehmen (Fingerspiel) eine bestimmte Figur a. 'von den Händen des Mitspielenden auf die eigenen Hände nehmen'. Kumm, nemm 's ab (auch: Nemm mer ab) [ Gal-Baginsbg Buch Illisch Terebl]; vgl. PfWB abheben I 2 h. — 2. einen a. 'photographieren' [allg., ältere Gener.]; vgl. gleichbedeutendes schd. aufnehmen. Syn. s. PfWB fotografieren. — 3. [Bd. 1, Sp. 60] einem etwas a. a. 'von einer Last befreien'. Nemm mer de Sack ab! [allg.]. Die (Schläge) nimmt (nemmt) der kään Dokder ab [verbr.]. — b. 'abverlangen'. De Dokder hot mer finf Mark abgenumm(e) [allg.]; vgl. PfWB abfordern. a. 1567: .. vnd die (neun pfund heller) mögen sie den abnemmen [PfWeist. I 319 (RO-Ebbg)]. — c. 'abkaufen'. Nemmen mer die Grumbeere ab! [allg.]; vgl. PfWB Abnehmer 1. — d. 'wegnehmen'; 'm Kind 's Feierzeich a. [allg.]. — RA.: Er macht e Gesicht, wie wann 'm die Gäns (die Hinkel) 's Brot abgenumm hänn [verbr. Gal]. Auch im Sinne von 'widerrechtlich wegnehmen, rauben'. Die Bandite hänn 'm 's Geld abgenumm(e) [verbr.]. — e. 'amputieren'; de Aarm abnemme [allg.]; vgl. PfWB abmachen I 1 b β. — 4. reflex. sich etwas a. 'folgern, schließen', eigentl. 'entnehmen'. Das kannschde der an deine Beere (Birnen, hier im Sinne von Erfahrung) abnemme [verbr. WPf]; vgl. PfWB ablesen 6. — II. intrans. 1. vom Körper des Menschen. a. 'an Gewicht abnehmen'. Er hot(hat) arich abgenumm(e) [allg.]; vgl. PfWB abmagern. — b. 'nachlassen, geringer werden'. De Huschde nemmt ab [verbr.]. Brauchformeln aus älterer Zeit: Was ich seh, soll abnemme, was ich streich soll zunemme [ LU-Friesh, 1930]. Man streut in der Hl. Nacht auf dem Friedhof Sand auf die Warzen, indem man spricht: Warz nemm ab wie de Dod im Grab, Gott Vadder, Gott Sohn, Gott Hl. Geist (dreimal) [ GH-Hatzbühl, 1930]. — 2. vom Mond, wie schd. De Mond (Mund) nemmt ab [allg.]. Für 'abnehmender Mond' sagt man auch abnehmend Licht [ NW-Wachh GH-Leimh], abnehmender Schein [ SP-Harths LA-Roschb]. Volksgl.: En Baam im Abnemmede geblanzt, gebt ken Obscht [Fogel Beliefs Penns Nr. 1254]. Im abnehmenden Mond soll man Mädchen die Haare stutzen [ NW-Frankeck]. Im abnehmenden Schein soll man keine Reben und Weiden schneiden [ SP-Harths]. Sou geht's ähm hald, wammer im abnemmende Schei(n) uff d' Welt kummt un Bech hott [Kunnrädel 106]. Dagegen gilt es als günstig, im »abnehmenden Lichte« Holz zu fällen, zu mähen und zu ernten [Schandein Bav. IV, 2 S. 402]. — 3. von der Zeit, wie schd. Die Daa(che) nemme(n) ab 'werden kürzer' [allg.]. — RhWB Rhein. VI 133; Saarbr. 147; LothWB Lothr. 2; ElsWB Els. I 770; Bad. I 13; Nass. 35.
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