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 PfWB Narr (Bd. 5, Sp. 67)   RhWB Vogelnarr (Bd. 9, Sp. 139)   ElsWB Narr (Bd. 1, Sp. 778a) 
   Narr m.:
1.
a. 'verrückter, törichter, einfältiger Mensch', Narr (nar, nḁr) [verbr., auch Don Gal Buch, Christmann Kaulb 5/6 91 Mang 80 Müller Dietschw 52 Otterstetter 41], rr [»Donnersberg« (PfId. 99) LA-Mart BZ-Dernb Höh 47], Norr [ KU-Schmittw/O], Sg. Narre [ KL-Reichb, vereinzelt], Pl. Narre [verbr.]; Akk. u. Dat. bes. in RA. u. SprW.: Narre [verbr.]; Zs.: PfWB Aprilen-, PfWB Halb-, PfWB Monats-, PfWB Mond-, PfWB Ober-, PfWB Schafs-, PfWB Spaniols-, PfWB Stieben-, Stiebernarr; e alder (eigebildeder, iwwerspannder) N. [verbr.]; verstärkt: e gepoßder N., vgl. PfWB possen1 2 [ KU-Kaulb, mancherorts], e närrschder N., [ NW-Weish/S], scherzh.: e gescheider N. [ KB-Kerzh]; e gepeckder N., von einer Putzsüchtigen [ KB-Kriegsf]; de N. mache 'Unsinn machen' [KL-Reichb, verbr.]. Er esch en N. worre 'ist geisteskrank' [ BZ-Dernb]. RA.: eem de N. mache 'sich von jemandem ausnützen lassen' [ RO-Als, mancherorts]; eene zum Narr(e) halle 'jemanden veralbern, täuschen, betrügen' [KU-Bedb, verbr.], fer N. (for de N.) halde, dass. [GH-Kand, verbr.]. Er war schun e N., wie er noch gescheit war [ KL-Neukch]. Na, die es gemuschdert (gebutzt) wie em N. sein Gaaß 'auffallend gekleidet' [ FR-Bockh, mancherorts], wie em N. sei Gretche [ KU-Kaulb]. Der laaft (fohrt) wie e N. 'läuft (fährt) sehr schnell' [KB-Bennhs, mancherorts NPf], rennt um wie e N. 'ist kopflos' [ PS-Lautschw], kreischt wie e N. 'schreit sehr laut' [ Buch-Illisch], hot Hunger wie e N. 'großen Hunger' [ IB-Bliesmg/Bolch KB-Dreis], speelt de N. 'stellt sich verrückt' [ KU-Schmittw/O]. Der es e N. in sei Sack, von einem Einfältigen, der sich jedoch nicht übervorteilen läßt [KB-Mauchh, mancherorts (mit Var.), Hebel 21]. Er hot net Hund un net N. gesaat 'Er ist nicht mit der Sprache herausgerückt, hat sich ausgeschwiegen'

[Bd. 5, Sp. 68]
[KU-Kaulb, mancherorts, auch Don Gal Rußl, Kühn Palz 135]. Saa doch wennischdens Hund odder N.! 'Sag doch wenigstens ein Wort und sei es auch ein böses!' [Krämer Gal 155]. SprW.: Am erschde April schickt mer de N., wuhin mer will (Forts. s. PfWB erst I1) [verbr., auch Gal Rußl]. Wann eener e N. werd, fängt er im Kopp an [ NW-Elmst]; Var.: Die Narre fange im Härn an [ PS-Burgalb]. Wann unser Herrgott e N. mache will, loßt er 'me Mann sei Fraa sterwe [PS-Th'eischw, verbr., auch Don Gal]. Ee N. macht zehne [KU-Trahw, verbr., auch Penns Don Gal Buch]. Se gut es Nochbers (anner Leits) N. 'Gutmütige werden ausgenützt' [Kaislt, verbr., auch Don Gal]. Mer isch grad em Geld sein N. [Spey, mancherorts]. 's Geld gebt sich aus, de N. bleibt im Haus [ KU-Trahw, auch Don Gal]. 's gibt veel Norre, awwer kään, die nix fresse [ KU-Schmittw/O]. Kinner un Narre sagen die Wohret [Frankth, verbr., auch Penns Don Gal Buch], hun 's meischde Glick [ Gal-Josbg]. Hoffe un harre macht mancher zum Narre [ KU-Schmittw/O]. Om Lache kennt mer die Norre [ebd.]. Jedem Narr(e) gefallt sei Kapp [KU-Hundh, verbr., auch Don Gal Buch]; mit dem Zusatz: un meer die mein [ KU-Kollw], un meer mein Hut [ BZ-Dernb Dierb]. Var.: Jeder N. lobt sei Kapp [Bergz (Kamm 90)]; mit dem Zusatz: awwer ich mei Hut [ Don-Gottlob]. En N. kann meener froge wie zeh g'scheide Leit antworte kenne [Penns (Miller)]. Mit Narre kammer net zackere [ KB-Bischh, mancherorts, auch Don]. Mer soll e N. net iwwer Aajer setze [Hebel 48]. Narre muß mer mit Kolwe lause [BZ-Dierb Schandein Sprachsch. 27]. De Name vumme Narre findscht an alle Sparre [ BZ-Dierb]. Die Erfahrung is en harte Schul, awwer die Narre lerne in ken annerer [Penns (Miller)]. —
b. 'aufbrausender, jähzorniger, grober Mensch' [KU-Adb, verbr.]; Zs.: PfWB Hitznarr; e hitzicher N. [ KB-Kriegsf]; de N. loslosse 'wie wild umherlaufen' [ RO-Würzw]. Die hot die Hell uf der Erd bei dem N. [ LU-Opp]. Dem is de N. gebohrt worre 'Man hat ihn beruhigt' [ LA-Ranschb]. —
c.
α. 'wer sich an Fastnacht verkleidet; Spaßmacher, Possenreißer' [ FR-Roxh, mancherorts]; vgl. K. 121; Zs.: Fastnacht(s)narr. —
β. 'auffallend gekleideter Mensch'; Zs.: PfWB Putz- 1, PfWB Hochmuts-, PfWB Kleidernarr. —
d. 'wer auf jemanden oder auf etwas versessen ist, etwas in übertriebener Weise gerne mag; Liebhaber' [verbr.]; Zs.: PfWB Bien(en)-, PfWB Blumen-, PfWB Brillen-, PfWB Buben-, PfWB Bursch-, PfWB Putz- 2, PfWB Tauben-, PfWB Tier-, PfWB Fisch-, PfWB Vogel(s)-, PfWB Fotzen-, PfWB Gauls-, PfWB Geißen-, PfWB Geld-, PfWB Halb-, PfWB Hasen-, PfWB Hosen-, PfWB Hunds-, PfWB Hünkels-, PfWB Immen-, PfWB Katzen-, PfWB Kinder-, PfWB Kleider-, PfWB Lese-, PfWB Mädchen(s)-, PfWB Mode-, PfWB Mannsleut(s)-, PfWB Regen-, PfWB Rock-, PfWB Schaff-, PfWB Staatsnarr. Der hot an dem Mädche (an de Gail, am Audo,

[Bd. 5, Sp. 69]
am Fußball) de Narr(e) g(e)freß [verbr.]. Die han enanner de Narre g(e)freß 'sind verliebt' [mancherorts]. —
e. Neckname der Bewohner von IB-Bliesmg/Bolch ZW-Marthh RO-Bayf Imsw Kalkof PS-Herschbg LU-Böhl NW-Forst Gönnh Haardt Niedkch Weish/S LA-Edh Flemling Rhodt BZ-Klingmst Rambg, Pl. Narre [umliegende Orte]; Zs.: Herzogs-, PfWB Straußnarren. —
2. übertr.
a. von Tieren; 'scheuendes, nervöses Tier, bes. Pferd' [mancherorts]; vgl. Bed. 1b; Zs.: PfWB Mücken-, PfWB Schnakennarr. Gebb Obacht, der Gaul esch en N.! [ BZ-Dernb]. —
b. von Pflanzen. α. 'durch den Schlauchpilz Taphrina pruni hervorgerufene Verbildungen an Zwetschen', Pl. Narre [mancherorts ges. Pf]; vgl. PfWB Geißenbart 2aβ, PfWB Narbe 2, PfWB Narrenquetsche, PfWB Quetschennarren. 's hot viel Quetsche, awwer fascht lauder Narre [ BZ-Dernb]. —
β. 'verdickte, eßbare Zwetschen ohne Steine' [NPf (Wilde 276)]; Zs.: PfWB Quetschennarren. —
γ. 'unausgebildete Früchte der Kastanie' [Wilde 120]. —
δ. 'kleine Kartoffeln' [Wilde 116]. —
ε. 'Steckzwiebeln, die keine neuen Zwiebeln bilden, nur Blätter treiben' [verbr. (Wilde 280)]. —
c. 'Vogelscheuche'; Zs.: PfWB Spatzennarr. — Südhess. IV 916 ff.; RhWB Rhein. VI 81 ff.; LothWB Lothr. 378; ElsWB Els. I 778; Röhrich 671 ff.

 

  PfWB  LothWB Vogel-narr (s. S.) Rhfrk, Mosfrk m.: -liebhaber.

 

  PfWB  LothWB  RhWB Narr [Nâr S., sonst Nàr allg.; Pl. Nàrə; Demin. Narlə O., Narl U., Nærl Str. W.] m. 1. Narr, verrückter Mensch, auch übtr. Eiⁿ N. macht hundert Liebsd. Su. Nünenünzig Schuelmeister un e Apatʰeker sin hundert Narreⁿ Ruf. D Narreⁿ sin aüʰ Lüt, awer nit wie anderi Bf. Spw. [Wæn sər Hèrkot ə Nàr wel h, næmt ər æmə àltə Màn ti Froi] M. JB. II 168; Dehli. XI 43. ‘der Unkel isch jo grad e Narr, so duet er mit sinnere Köche’ Horsch JB. X 166. Der het grod gemocht wü e N. er hat sich gebärdet wie ein Narr Ingenh. Dunzenh. Do müesst iʰ e N. sin, wënn iʰ dis hëre tʰät schënkeⁿ Z. Einⁿ für e N. haⁿ Liebsd., für dr Narreⁿ halteⁿ Ingersh., für e Narreⁿ halteⁿ Dü. Scherw. Bf., f. e Narreⁿ heweⁿ K. Z. ‘är vïl, dr eeland tropf, uns noch fïr naarä haa’ Landsman Lied. 88. Am ersten April schickt mr deⁿ Narreⁿ onneⁿ wü mr will ebd. ‘Am ersten tag des Appril schickt man die Narren wohin man will’ Str. 1625 JB. VII 111. ‘ässen die narren kein brod, so wär das korn wolfeil’ Geiler, s. Als. 1862/67, 152. Dr N. us eim macheⁿ oder mit eim macheⁿ zum besten halten Liebsd. Ruf. Dü., deⁿ Narreⁿ mit eim macheⁿ U. Deⁿ Narreⁿ macheⁿ scherzen K. Z.: Jo, Dummer, ich ho nummeⁿ deⁿ Narreⁿ gemocht Dunzenh. Ingenh. Der kann gut deⁿ Narreⁿ macheⁿ Spass machen Rauw. ‘Narr im Gätter lustiger

[Bd. 1, Sp. 778b]
Possenreisser’ Ulrich. Rda. Im Narreⁿ üwer s Säckl geroteⁿ sich wie toll gebärden Str. Auf das Schimpfwort: du N.! erfolgt oft die Antw.: Ës muess oʰ Narreⁿ gëⁿ, ass si könneⁿ iⁿ deⁿ Gscheiteⁿ uf d Nas sch. Su. Spw. E jedreⁿ N. gfallt sini Kapp Su.; im e jedeⁿ Narreⁿ gfällt sin Kapp K. Z. Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 20, oft Zusatz: Jo, in zëˡˡm het emol e grüeni gfalleⁿ Dunzenh. ‘Syn Kapp lobt jeder Narr’ Pfm. III 4. ‘Ein narr achtet sein kolben grösser dann der kunig sein zepter’ Geiler, s. Als. 18626/7, 152. Sagt jem. Ich mein oder ich hab gemeint, so erwidert bisweilen ein anderer: D Narreⁿ meineⁿ, d gscheideⁿ Lüt dënkeⁿ Str. Spw. D Narreⁿ un d Ching sageⁿ alle Ding Liebsd. Hi. Kinder un d Narreⁿ sageⁿ d Woʰret Su. Spw. ‘Ein specht verräth seine jungen mit singen, ein narr mit schwetzen’ Geiler, s. Als. 1862/67, 152. Rda. Dr Buch kaⁿⁿ nix dªrfür, wëⁿⁿ dr Kopf e N. is der Magen verlangt Nahrung, wenn sich der Kopf auch dagegen auflehnt Bf. Ër schafft sich zuem e N. von einem, der mit grosser Anstrengung arbeitet Ruf. Er wurd noch e N. mit sineⁿ Künjeler Dü. Rda. Mr sell im e N. keⁱn ungeböujeⁿ Hus zeijeⁿ man soll niemand etwas zeigen, erzählen u. s. w., wovon er nichts versteht Hf. Du bis keⁱⁿ N.: ich soll s Krut ësseⁿ, un du wiˡˡˢt s Fleisch! Dü. Der het ghoricht wi e N. sehr verwundert und betroffen bei einer unerwarteten Nachricht allg. Kommt jem. bei einer Arbeit nur mühsam und langsam vorwärts, so sagt er wohl gelegentlich im Ärger: Ich wur schier e N. Dü. U. E N. in sineⁿ Sack ein Narr sein, der aber seinen Vorteil nicht vergisst Bf. Str. U. Rathgeber 48. Rda. Dr N. aⁿ eppes frësseⁿ an etwas grossen Wohlgefallen finden O.; deⁿ Narreⁿ an eim frësseⁿ verliebt sein in jem. U. Er hat dran deⁿ Narreⁿ gfress Rauw. Ein Stück ‘das ich vom rohen narren frasz’ Murner Mühle 537. Oft dient N. dazu, die Aussage eines anderen zu berichtigen: Worum geʰn dini Kinder nit in d Schuel? Eh, du N., s is jo Verkanz! Dü. Jo, du N., loss ⁱʰne geʰn; was bruchs du dich do wüest ze macheⁿ! Ingenh. Von einem Grobian, der im Vorbeigehen andere nicht begrüsst, sagt man: Der geʰt an deⁿ Lütteⁿ verbi un seit nit Hund un

[Bd. 1, Sp. 779a]
nit N. Ingenh. ‘Dü färvoogänär naar’ Landsman Lied. 47. Demin. als Kosewort: A, de bis e Närrle! Katzent. Dⁱeˢ ⁱs [tè] e weritawl Närrle junges Mädchen, das stolz ist und närrisch thut Obhergh. 2. Narrheit, Verrücktheit, verrückte Laune: Wart, ich will dⁱr deⁿ Narreⁿ schon vertriweⁿ! Hf. Er is im Narreⁿ in guter Laune, zu Scherzen aufgelegt Z. Wenn ⁱʰne dr N. aⁿkummt, geʰt r doʰ noch furt Su. 3. missratenes Steinobst infolge einer Krankheit, die während des Entwickelungsstadiums durch den Pilz Exoascus pruni hervorgerufen wird: die Zwetschen, Pflaumen werden aufgedunsen, hohl, nehmen gelbe Färbung an und fallen ab allg. [Òn tæm Pôm sen jo mê Nàrə às Kwètə; té tsænə ys tæm Lǽp ərys! Wh.] Syn. Narreⁿquëtscheⁿ Betschd. 4. Wenn sich bei der Zwiebel, die auf dem Schaft sitzende kapseltragende Dolde stark entwickelt, so bleibt die eigentliche im Boden steckende Zwiebel unentwickelt; solche Zwiebeln nennt man Narreⁿ Hf. Iⁿ wellem Land pflanzt meⁿ d Narreⁿ? Im Ziwwlland! Bf. 5. Kohlpflanzen, die sich nicht zu Köpfen zusammenschliessen, heissen auch Narreⁿ Geberschw. 6. hölzerne Zange an einer Küferbank M. Schweiz. 4, 776. Schwäb. 401. Bayer. 1, 1752. Hess. 280.