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 PfWB Morgen (Bd. 4, Sp. 1422)   RhWB Morgen (Bd. 5, Sp. 1293) 
   Morgen m.:
1.
a. 'Tageszeit nach der Nacht, früher Vormittag', Morje, Moa(r)je (mǫrjə, mǫÄrjə, mǫjə, mǫÄjə) [verbr. WPf NOPf mancherorts mittl. VPf, Henn Mda.-Int. 50 Krell 37 Schneckenburger 25], Morche (mǫrχə) [verbr. SOPf O-PS mancherorts mittl. VPf, Bertram § 179, 205], Morge (mǫrgə, mǫröə) [vereinzelt nördl. u. mittl. VPf], Marje (marjə, mḁrjə) [mancherorts westl. WPf, Christmann Kaulb 18, 91 Lambert Penns 102 Don-Schowe Torscha Rußl-Worms], Marche (marχə) [ NW-Lach/Speyd Lambr BZ-Hofstätt Völkw], Morsche (mǫrə) [Frankth LU-Friesh Spey BZ-Queichhmb], Morriche (mǫriχə) [ LU-Altr BZ-Gleisz/Gleishb], Morjent (mǫrjənd) [ PS-Münchw], Morchent (mǫrχənd) [Frankth], Morjet [verbr. Gal], rje (męrjə) [ KL-Fischb]; Pl. wie Sg.; Zs.: PfWB Montag-, PfWB Neujahrs-, PfWB Oster-, PfWB Sonntagmorgen; am friehe M. [KL-Gimsb, verbr.]; geche M. 'gegen Morgen' [ BZ-Dernb]; gischter se M. 'gestern am Morgen' [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)]; se M. esse 'frühstücken'

[Bd. 4, Sp. 1423]
[verbr. VPf mancherorts NPf nördl. WPf, Beam Penns 68]; vgl. PfWB Morgenessen. 's geht ge'e M. 'Es wird Tag' [ KU-Schmittw/O]. De M. kummt bei, dass. [Birmelin Penns Poems 22]. Er dut jede M. gorjele [ LU-Opp]. Un do hot er alle M. mit mer g'scholde [ LA-Gommh]. Begrüßung am M.: Gude (Gure) M.! [mancherorts], Gut M.! [mancherorts], Gu'n M.! [mancherorts], häufiger jedoch zusammengezogen: Gu'morje, Ku'morje, Ge'morje, G'morje, -morche oder nur M.! [mancherorts (die einzelnen Grade der Abschwächung lassen keine geographische Gliederung erkennen, sie sind situationsabhängig)]. Gu' M., schun munter (schun fleißich)? [ ZW-Hornb]. Gu' M., Bas (Madamm), Gruß der Dienstboten an die Herrin, Bäuerin [ PS-Geisbg, mancherorts]. Neujahrsgruß: Gu' (Ge') M. im neie (naue) Johr! [ KU-Bedb Konk Langb WD-Niedkch], mit Zusatz: ich winsch eich meh Glick wie vorjes Johr! [ KU-Erdb Liebsth]. SprW.: Liewer am Owet ke Brot als am M. Schulde [vereinzelt Don]. Spinne am M. - Kummer un Sorje [Land, mancherorts]; Erweiterungen s. PfWB Kummer, PfWB laben, PfWB Spinne, PfWB spinnen. WR.: Die Sunn, die am M. lacht, dut am Owed weine [ NW-Haßl]. 's war heit am M. so rot, 's gebt Rää [ RO-Steinb]. Wann die Schnoke dowe (toben) am M., gibt's e Gewidder [ RO-Obd]. VR.: Gu M. im naue Johr! / Ich winsch eich e vierekkiger Tisch, / an jedem Eck e gebrotener Fisch, / in de Mitt e Kann voll Wein / un dann will ich auer Gefangener sein [KU-Krottb (Vogelsgesang 5)]. —
b. 'Osten', vun Marje 'von Osten' [Beam Penns 68]. —
2. Flächenmaß [verbr. (außer MPf westl. WPf, wo Tagewerk vorherrscht und äußerster SWPf, in der das dem M. entsprechende Flächenmaß Acker, das im Artikel Acker nicht berücksichtigt ist, gebraucht wird)]. Trotz der offiziell eingeführten metrischen Maße Hektar und Ar, ist M. neben PfWB Tagewerk und den kleineren Maßen Rute, Dezimale, Viertel 2 c um 1930 die gängige Maßeinheit für Äcker, Wiesen, Weinberge. Angaben zur Maßrelation: 1 M. = 100 Ruten = 75 (seltener 60, 68, 70, 72, 78, 80) Dezimale = ¾ Tagewerk (1 Tagewerk = 1⅓ oder 1¼ M.) = ¼ ha. Davon deutlich abweichend (1 M. = 1 Tagewerk): 1 M. = 96 [ RO-Duchr], 100 [KU-Reichsth Rutsw/G Schmittw ZW-Knopp/Lab RO-Feilbg Finkb Gehrw Hallgt Höring Imsw Lohnsf Münstapp Nd'mosch Ruppeck Schweisw Sitt Wartbg Winnw KL-Enkb Erfb Fischb Mehling Olsbr Ottb Samb Stockbn Weilb Wörsb PS-Bruchw Schmalbg KB-Mörsf SP-W'see GH-Hay Kuhdt Leimh N'potz Max'au Rh'zab Scheibhdt], 112 [ KU-Brück Neunkch] Dezimale. In KL-Bruchmühlb LA-Birkw BZ-Albw unterscheidet man den große M. = 25 Ar und den klääne M. = 18 Ar, in KU-Haschb RO-Teschmosch KL-Reichb

[Bd. 4, Sp. 1424]
KB-Kriegsf hat der große M. 100 bzw. 112, der kleine M. 80 bzw. 75 Dezimale; vereinzelt gelten bei Feld und Weinberg unterschiedliche Größen für den M.: 1 M. Feld = 24 Ar, 1 M. Weinberg = 20 Ar (18 Ar) [LA-Gleisw Nußd Land Siebdg BZ-Ingh Klingmst]; Zs.: PfWB Halb-, Viertelmorgen; Der Acker hat annerthalb Morje [ NW-Haßl]. Geb mer hunnert Mark un e M. Acker! [ GH-Vollmw]. Den hun die veele Morje verfiehrt, von einem Mann, der ein Mädchen nur wegen ihres Grundbesitzes geheiratet hat [ KU-Schmittw/O]. Du fahrscht nunner in's Megemer Feld (FlN) un machscht mer den M. Korn unner [ NW-Gimmdg]. Wenn bei uns e Mann, wu zwanzich Morche Land baut, der hot veleicht drei Morche Weinberch debei [ BZ-Nd'horb]. Hott Äcker, e morgener zwanzig, / De Peter, der weer er (ihr) grad recht [Kunnrädel 73]. Sie bauen sou e Morgner Dreißig [ebd. 97]. RA.: von Besitzlosen: Er hat hunnert Morche Schadde hinnerm Haus [Bergz (Kamm 39)], siwwe Morje Himmelbloo [ HB-Kirrbg]. Wortspiel mit dem Gleichklang von M. und morgen: Wann's Morche rechent isch's Land nix mä wert [Bergz (Kamm 39)]; Var. s. PfWB Leder 1 a. um 1250: von vier morgen wingarten [Corpus I 24, Nr. 13 (Zweibr)]. a. 1297: athzic morgen acgers [ebd. IV 2, Nr. 2564 (NW-Lambr)]. a. 1312/13: I morg(en) da uff stet ein kruce stein [Lam 1 100r (LU-Schauh)]. a. 1390 - 1399: Item I morgen in dem obern gerten [Doll Seelb. NW-Lach 46]. a. 1532: von eynnem morgen acker einen heller gebenn minem hern dem aptt Martinsczinsse [PfWeist. 268 (KB-Dreis)]. a. 1552/57: 10 morgen In den 20 morgen gelegen stoßt an mulwege mit eim ende [LeinSb. 152]. a. 1563/64: Ein Morgen Breite helt Vier mesgerten [ZweibrKirkBeschr. 6]. a. 1600 (Abschrift 1730): 39 morgen wingart [Vellmann Wolfst. 229]. a. 1790: 1 Morgen = 4 Viertel = 160 Ruthen [Niedhammer 267 (NW-Wachh)]. —
3. FlN, amtl. Kurze Morgen [BZ-Ingh (Wasgau-Bote 10. 2. 1934)]. a. 1736: In den Grummen Morgen ... Krummen Morgen [SSp Nassau-Weilburg 200 (KB-Dreis)]; vgl. PfWB Vier-, PfWB Vierzehn-, PfWB Neunmorgen. — Südhess. IV 766/67; RhWB Rhein. V 1293 ff.; LothWB Lothr. 370; ElsWB Els. I 707/08.

 

  NRhWB Morgen Rhfrk uNahe mǫăjə; w. davon mōăjə, –ă-, –ə-, –orj-; n. Soonw -rj-; Saargeb., Saarl -ǫrj- [Birkf, Saarbr-Völkl auch -jənt; Ottw mǫri; innerh. Saarl-Diefflen Bilsd Piesb (nicht Körperich) u. Kerprich-Hemmersd u. GrHemmersd mørjən]; n. Merz-Becking Haustdt Düppenw in Merz, Saarbg -o- (doch w. einschl. Merz-Büding, Saarbg-Nohn Orscholz Taben Perdenb Cahren Manneb Hamm u. in Tetting Wochern -ę·r.j-; Perl Nennig aber -o-; Wellen -a-]; Trier -o- [Trier-Ld (Mos) -ō-; Schleidw -u-]; WEif -ǫrj-, –ǫăj- [WBitb -ūaj-, –ōă-]; sonst Mosfrk -o-, –u- [Altk-Bachenbg Sörth -a-]; Siegld -o-, –oə-; Rip, Berg, SNfrk -ǫrj- [w. einschl. Heinsb-Süsterseel Hastenr Breberen Saeffelen Bocket --; MGladb-Schelsen -o-; Eup mrə; Heinsb-Karken -ā-]; n. Geld-Kevelaer, Mörs-Kaldenhsn (östl.) mrγə(n); n. Ruhr ö. einschl. Meiderich Dinsl-Oberhsn Byfang Marxloh Holt Königshart u. ö. einschl. Rees-Schermbeck Dämmerwald u. ö. einschl. Rees-Elsholt Loikum -ǫrγ-; innerh. einschl. Dinsl-Laar Hamborn Fahrn Schmachtend Walsumermark OLohbg Hiesf Oberbr Stapp u. Vörde Stockum Holthsn u.

[Bd. 5, Sp. 1294]
zwischen einschl. Rees-Drevenack Wackenbr Heiderott Mühlenrott Kesselsdorferrott Hamminkeln u. nö. einschl. Rees-Wertherbr Helden Wehling -arγ-; innerh. einschl. Dinsl-Möllen Löhnen Görsicker Mehrum -āăγ-; innerh. einschl. Dinsl-Hünxerwald Bruckhsn Welmen Buchold Hünxe -ăγ- (mit überweitem ); innerh. einschl. Dinsl-Eppinghv Stdt u. Rees-Ork Meer Fürstenbg Wesel -ęrγ-; n. einschl. Rees-Fluiren Dinsforrt Bislicherwald Mehrhog Wittenhorst Helden -ăγ- [Elten -ęrγ-]; Pl. wie Sg., doch SNfrk, Klevld -jəs, -γəs m.: 1.a. die Frühzeit des Tages von Sonnenaufgang bis 11 Uhr, wo der Mittag beginnt [das Wort Vormittag fehlt, dafür stets M.]; dat es höck (heute) ene schüne M.; de (dise) M.; höck M. heute M. [dafür im van Dag ‘heute’-Geb. van M.]; jede M.; alle M. u. Morge(n)s jeden M.; op ene fröhe M.; fröh (spät) am M.; he schlöf bes (en) de helle M. Rip, Allg.; moə(r)n ze M. am morgigen Tage früh Verbr. s. morne; ze M. essen (um 7—8) Saarbr, Ottw, Saarl, WBitb (sonst Kaffe drenken); Sonnig de (te) M. Sonntagmorgen Kemp; et Sonndes te Möres Eup. RA.: Et lüt (läutet) hällig M. Angelus am M. Klev, Mörs, Emmerich. Et es mar (nur) Oəvend en M., sät de Frau, du wor et öm sint Jann en de Suəmer Geld-Wachtendonk. En donkele (driwe) M. get (brängt) en hellen Dag, en h. M. en d. (dr.) D. Trier bis Kobl; kronke (kranke) Morges geəve gesong (-sunde) D. Kemp; düstere Märges g. de kloərste D. Geld. Alle Märges neu die Blume tradescantia virginiana Mörs-Asbg. Gangk ens kicken, of du de M. fends! scherzh. geh schlafen Prüm-Ormont; mer gehn de M. suchen Bernk-Heinzerath. Ber (wer) sei Bett am M. mecht, brauch de ganze Dag net defir ze sorge May-Trimbs. Spenn am M. brengt Kummer un Sorge Simm, Allg. — M. oder Gode M. (zesammen) (statt jō:də auch jodə, jødə, jə M.; setze statt der o-Laute die Entsprechungen -ū-, –ū:-, –u-, –y- ein, s. gut; statt mōrjə beim Gruss auch -o-, -ǫ- u. im Geb. der Schärfung -ǫ·r.j-)! Morgengruss; e schener M.! Saarbr; dieser Gruss gilt von der Frühe bis zum Mittagessen. RA.: G.ə M.; wer freih (früh) ofsteht, hot fr. Sorge; wer lang leit (liegt), wird sei Sach ach gəweit (quitt) Bernk-Bruchw, Birkf. A.: G. M.! B.: Kuhschwanz as ken Urgel (Orgel), sos tent (tönte) en jiden M.! Trier-Schleidw. G. M., Ohm Görge, heut M. hät et hatter (harter) Häfəge (Haufen) Knörrege (Knorren) gefrorege (gefroren) bi gester M. Altk-Willr. Wann du mengen Häre sihs, da söste (sagst du) hem en g. M.; wann anner Löck (Leute) ze Mettag essen, dann e. mir ze M. usf. aus einem Kinderld. Schleid-Berk. Spetze Gödde M. scherzh. für jmd. mit spitzem Gesicht Erk-Körrenz. — M., Ühm (Oheim)! Rip; (jo), M., Mötsch (Mötz)! abschl. Antw. Rip, Nfrk; M., Mötsch, sät de Plümm (Quaste)! Geilk; M., Mötz, wie steht dir de Kapp? Sieg-Ägid.

[Bd. 5, Sp. 1295]
b. am M. in der M.dämmerung Allg. — c. der Osten; der Regenbogen steht op M. zo; de Vugel kommt ut dem M. Berg. — d. die Morgens Schulkinder im zweiten Schuljahre, die früher nur Vormittags Unterricht hatten; Bezeichnung noch heute erhalten Neuw-Rheinbrohl. — 2.a. altes Landmass; noch heute rechnet der Bauer lieber mit M. u. Rute, Fuss als mit Hektar u. Ar; der alde M. = 160 Ruten = 30 Ar; der neue oder preussische M. = 140 R. = 25 Ar, 53 qm [en pr. M. = 2 Vierdel = 180 R. May-Hatzenport; en alde M. = 4 Vierdel; 2 V. = 180 R.; 7 R. = 1 Ar Ess; 1 ale M. = 8 Vierdel, 1 neue M. = 6¾ V. Waldbr-Bladersb; 1 (alter) M. = 5 Sesterstäə (-stätte) = ca. 3102 qm; de neue (prüssische) M. = 4 S. = 2500 qm; noch früher 1 Magdeburger M. = 6 S. = 150 Quadratruten = 3750 Ar Erk-Elmpt; der grusse (alte), der klene (neue) M. Köln-Poulh; dazu noch Rip ene kölsche oder grusse (alter) M. = 32 Ar; spanischer M. = 36 Ar Bergh; russischer M. Sieg-Bergh; hollandse (Gegens. deutse) M. = 600 Ruten Klevld; in noch älterer Zeit 1 M. = 4 Vierdel à 4 Pinten à 9 Ruten 6 Fuss à 16 Fuss à 12 Zoll Rip; 1 M. = 160 Quadratruten à 100 Quadratfuss Kobl]; ene halve, ene Vierdel, ene halfvierdel, ene Drettelsm.; der hät vill M. Land er ist reich, — en Herd M., — nur en paar (ene Goss) M., — e enzig Mörgelche Allg. RA.: Ech on minne M., wer drage gout, sät der Mann Kref-Osterath. Den hot e Gesit (Gesicht) (en Hand, en Fuss) wie e M. Land, — en halve M. so breit Prüm, Allg. He hät nur siwwen Hor op elf M. spärlichen Bartwuchs Altk-NFischb. Den geht bald no de sewen M. zum Friedhof Kref, Mörs, MGladb, Sol-Höhschd; enen no de s. M. brenge Neuss. — In FlN op de zwei M. Dür-Frauw; en de drei M. Saarbr-Sulzb; de sibbe M. Düss-Benr. — b. ene lange M. lang gestrecktes Feldstück Bergh-Elsd, Dür-Winden, Geilk-Frelenbg. — c. übertr. verächtl. breiter Mund Schleid-Marmag.