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 PfWB Magd (Bd. 4, Sp. 1104)   PfWB lecken (Bd. 4, Sp. 859) 
   Magd f.:
1.
a. 'ländliche Dienstmagd', Mad (mād, --) [verbr. WPf NPf nördl. VPf, Christmann Kaulb 6, 79 Müller Dietschw 49 Mang 82, 131 Schneckenburger 17, 35 Höh 93 Bertram 89, Lambert Penns 101 Beam Penns 69, verbr. Don Gal Buch Rußl], Mäd (md, -ǟ-) [mittl. u. südl. VPf O-PS, Bertram 89]; Pl. (zu Sg. Mad) Made [Beam Penns 69], Mäd [ KU-Schmittw/O]; Zs.: PfWB Bauern-, PfWB Burg-, PfWB Dienst-, PfWB Vieh-, PfWB Gras-, PfWB Haus-, PfWB Kehr-, Keller-, PfWB Kind(s)-, Koch-, PfWB Kuh-, PfWB Kuhstall(s)-, PfWB Melk-, PfWB Melker-, Milch-, PfWB Speck-, PfWB Stallmagd; die erscht M., die zwätt M. (Rangordung im Dienstverhältnis) [ KB-Kriegsf LU-Opp], die groß M., die kleen M., dass. [ KU-Bedb]. Er geht no'ere M. 'Er sucht eine M., um sie zu dingen' [ KU-Hundh]. Die M. hat sich vedingt [Krieger

[Bd. 4, Sp. 1105]
14]; vgl. PfWB verdingen 2 b. Das is e dichdich M. [ KL-Reichb]. Die M. schafft die Dreckärwet [ NW-Freinsh]. 's is do im Haus als Mad gehall [Schandein Ged. 216]. Bei dem bleiwe Knecht un Mad net lang, von einem unbeliebten Dienstherrn [ KU-Schmittw/O]. Unser M. isch hääm 'hat den Dienst quittiert' [BZ-Annw, verbr.]. Friher hot mer eher noch Knecht un M. kriecht als wie jetzet [ ZW-Battw]. RA.: Die geht wie e M. in de Dinscht 'Sie hat sich gut verheiratet', d. h., im Hause des Ehemannes ist alles Nötige vorhanden [ KU-Schmittw/O]. Des macht de M. kaan Kind 'Das hat keine schlimmen Folgen' [ KU-Kaulb], mit dem Zusatz: wann se noch keens im Panz hot [ Don-Schowe]. Eine weitere RA. s. PfWB Gang 4 b. Der Wohlstand einer Familie wird an der Zahl der Bediensteten gemessen. Nach der Hausbesichtigung vor der Verlobung heißt es: Die hän bloß e M.!, oder aber: Die hän Knecht un M.! [ LU-Böhl]. SprW.: For Knecht un M. is niemand zu schad [Rußl-Rastadt, verbr. Don Gal Buch]. Wann die Wittfraa net will, dann nemmt m'r die M. [Reichard Penns 242]. Wie die Fraa, so die M. aa [ Gal-Obersdorf]. Im Winder hat e jedi fauli M. frisches Wasser [ Don-Gottlob]. Volksgl.: Wann die Mad die Treppe nuffallt, so viel Treppe, as noch ver're (vor ihr) sin, so viel Johr muß sie warde, bis sie en Mann kriggt [Fogel Beliefs Penns Nr. 188, Var. ebd. 186, 187]. Rätsel: Unser M. vun Unkebach / Hat e Ding met nein Gefach. / Kammer e Meeßche Salz met reiwe, / Kammer'er 's Beiße net vetreiwe (die Zwiebel) [ KU-Bedb]; Var. s. PfWB Gefach. VR. (Kinderpredigt): Hier steh ich uf de Kanzel / Un prerich wie e Amsel. / Do kummt die Machd un lacht mich aus, / Do esch die ganz Prerigt aus [ LA-Wollmh]; Var. s. PfWB Amsel, PfWB Bibel, PfWB Fledermaus, PfWB Kanzel, PfWB Kuh 1 a. 's Parrers M. un 's Millers M., die gehn minanner dresche. Die stei'n minanner uf's Owergebalk un weisen enanner die Däsche (zu PfWB Tasche 2 b ε) [ NW-Weish/S]; Var. s. PfWB Pfarrer 1. Zum Sellerie-, zum Sellerie-, zum Selleriesalat - un wann ich net die Dochder krieg, do heirat ich d' M. [GH-Westh (PfL 17. 3. 1934), Krieger 23]. Weitere VR. s. PfWB Bett 1 a, PfWB Brunnen 2, PfWB Gras 1 a, PfWB jagen 2 a, PfWB Knecht 1 a, PfWB lecken 1 a, PfWB Salat. Spiel der Mädchen: Die lausig M. Eine M. soll eingestellt werden. Die erste kratzt sich dauernd (weil sie Läuse hat) und wird fortgeschickt. Die zweite wird behalten. Weil sie die Schuhe nicht abputzt, die Kinder nicht ordentlich versorgt usw., wird sie bestraft. Schließlich läßt sie die Kinder in Himmelbettchen schlafen und wird belohnt [Pirmas]. a. 1425: einer güten magt [LeinArch. (Löhne)]. a. 1480: Item der schultheis hait recht eycheln zu lesen yme stickswerde mit sinem gesine, mit dem knecht den er zu wynachten dingt vnd mayde die er zu der

[Bd. 4, Sp. 1106]
eren dinget [HagbWeist.]. a. 1490: hant die mede netz gesponnen [KellR v. Lichtenberg (Kus)]. a. 1531: knecht meygden vnnd dem dienst Volk zu Winckauff geben [GgHospR]. —
b. s. die Zs.: PfWB Braut-, PfWB Tanz-, PfWB Lade-, PfWB Nebenmagd. —
2.
a. Kosewort, kosende Anrede.
α. der Mutter zum Töchterchen; vgl. PfWB Knecht 1 b β; Zs.: PfWB Schaffmagd; mei M.! [verbr., auch Don Gal Buch, PfId. 90], auch Dim.: Madche [mancherorts Don Gal Buch]. Worte des Lobes oder des Trostes: Du bischt (aach) mei Madche! [ Don-Alexhs, Gal-Dornf], mei goldichi M.! [ Gal-Sap]. Komm her, mei M.! [KL-Gimsb u. Umg.]. Kumm her, bravi M.! [LA-Impfl]. Schlof, mei Mad, un' morje ball / Breche-mer die Blimcher all' [Schandein Ged. 7]. —
β. der Älteren, bes. der älteren Männer zu Mädchen, zu jüngeren Frauen; mei M. [verbr., Schandein Ged. 242]. —
γ. des Mannes zur Ehefrau, Mad, Madche [ WD-Niedkch, mancherorts]. Du waarscht allää(n) dra(n) schuld, mei Mad [Siebenlist 20]. —
δ. in der wohlgemeinten Warnung oder leichten Drohung; mei liewi M. [Bergz (Kamm 43) Schandein Sprachsch. 40]. Min lieb M., paß uf! [IB-Ensh (Glass 61)]. —
b. Schmeichelwort für die Katze, für die Kuh (in Anlehnung an 2 a), Mad, Madche [ KL-Stelzbg]. Lockruf für die Kuh: Komm her, mei M.! [ BZ-Albw]. —
3.
a. 'Jungfrau'. a. 1501: Worms uf Dorstag der eilf Dusent Meit Tag [NUrkKG Nr. 287]. —
b. in der Wend. en alt Mäd 'eine alte Jungfrau' [Lambert Penns 101]. — Mhd. maget, magt; mit g-Schwund: meit, mait, mât ( Lexer Lexer I 2007/08); s. auch PfWB Mädchen. — Südhess. IV 479 ff.; RhWB Rhein. V 721 ff.; LothWB Lothr. 349; ElsWB Els. I 658.

 

   lecken schw.:
1.
a. 'mit der Zunge Nahrung aufnehmen', lecke (lęgə) [verbr., auch Penns Don Gal Buch], (lägə) [ RO-Rehborn]; vgl. PfWB schlecken; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf- 1, PfWB herunterlecken; Honich, (Salz) l. [verbr.]. Die klääne Kinn därfe helfe de Kessel l., wann die Latwerich gekocht is [ KU-Schmittw/O]. Unwillige Antwort der Mutter, wenn ihr Kind unablässig vor Hunger schreit: Leck Salz, dann werscht därschderich! [ Gal-Sap]. RA.: Wer sich net satt ißt, leckt sich aa net satt [KB-Kriegsf, Hebel 28]. Wer starken Durst hat, hot am Sälzer geleckt [ RO-Messbhf]. Drohung: Ich verschlaa dich, daß die Hunn 's Blut lecke [KU-Diedk Don (Steinmetz)]. VR.: Mein Mutter kocht Schnitz. / Derf ich dran legge? / Kummt se mit 'm Stegge. / Spring ich zu de Magd, / Do wer ich ausgelacht. / Spring ich zum Knecht, / Das war recht [GH-Weingt (Wilde 10)]. Winzerregel: Gibt's viel Schnecke, därf mer noor dran l. (am Wein, weil es dann nur wenig gibt) [ FR-Albsh]. —
b. 'mit der Zunge entfernen, reinigen'; vgl. PfWB auflecken 2. Das Kalb wird nach der Geburt von der Motter geleckt [ WD-Niedkch]. RA.: Wem es schmeckt, der leckt 's Maul, wie e Kuh noo're Erdbeer [ HB-O'bexb PS-W'fischb]. Von peinlicher Sauberkeit und Ordnung: ...der Fußboden war wie geleckt un geschleckt [JKurpf. 1934 75]. Ist die

[Bd. 4, Sp. 860]
Frau ordentlich und fleißig, so is alles wie geleckt im Haus [PfMus. 1925, Heft 7/8]. Der is wie geleckt im Gesicht, 'hat ein glattes Gesicht' [ NW-Elmst]. Ein gut gekleideter, gepflegter Mensch esch wie geleckt [ LA-Nd'hochstdt, KU-Erdb RO-Obd], kummt (immer) doher wie geleckt [ KU-Kaulb Schmittw/O], sieht aus wie geleckt [ KL-Fischb]. An de Kerb sin die Borsch wie geleckt [ FR-Carlsbg]. Derbe Abweisung: (Kumm), leck mich am (im, em) Aarsch! 'Laß mich in Ruhe!, Ich brauch dich nicht!' [verbr.], am Berzel [ RO-Odh], am Ärmel [ RO-Duchr PS-H'eischw Pirmas], am Abend [Krieger 16]. Leck die Katz am Aarsch (Ärmel)! [ ZW-Marthh Bergz Gal-Dornf]. Leck die Krott em Aarsch, noo brauchscht ke Schwanz ufhewe! [ Don-Schowe]. Bergauf: Helf mer doch, mer packen's nit! Bergab: Leck mich am Aarsch, ich brauch dich nit!, von der fauchenden Lokomotive [ BZ-Dierb]. Einem gute Worte geben: Denne muß mer fufzehnmol am Aarsch lecke [ LA-Siebdg]. Weitere RA. s. PfWB Kalb 1 a, PfWB lang I 1 b; SprW. s. PfWB hüten 2, PfWB Nachmittag; VR. s. PfWB Bohnenstecken 1, PfWB Fleck1 1 a, PfWB geradeaus, PfWB Schloß, PfWB Schnur, PfWB Seele, PfWB Sorge. Volksgl.: Wann die Katz sich leckt, kriet mer Besuch [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. WR.: Wann sich die Katz leckt, gibt's Räne [ PS-Erfw]. —
2. mehr übertr.
a. die Finger noh eppes (denoh) lecke 'etwas begehren, nach etwas verlangen, Lust haben, sich auf etwas freuen' [KU-Körbn, verbr.], mit verstärkendem Zusatz: bis an die Elleboo [ KB-Bennhs Mauchh KL-Hütschhs]; Var.: 's Maul (Die Zung) noh eppes l. [RO-Alsbr, verbr.]. Was der Eine verschmäht, do dät 'n Annere die Finger denoh l., von einer gut dotierten Stelle, von einem Mädchen zum Heiraten, von einem guten Essen [GH-Schwegh, verbr.]. Noch der (diesem Mädchen) lecke sich viel die Finger [Krieger 26 Feierowend 5/1953 Nr. 24]. Nach einem Taugenichts leckt sich de Deiwel sei Finger [Krieger 21]. —
b. An einer drückenden Geldschuld hot mer (lang, e Weil, e Lewe) se l. 'zu tragen' [ KU-Reichsth, Kaulb Kaislt LU-Ruchh LA-Gleisw]. —
c. vgl. PfWB ablecken 2. — Südhess. IV 225 ff. lecken I; RhWB Rhein. V 270 ff.; LothWB Lothr. 331 lecken I; ElsWB Els. I 581.