Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Mädchen (Bd. 4, Sp. 1097)   PfWB Rübe (Bd. 5, Sp. 619)   PfWB Rüben-schnitze(l) (Bd. 5, Sp. 624) 
   Mädchen, Mädel, Mädenn.:
1.
a. 'ledige weibliche Person', Sg. Mädche (mdχə, mdə; -ǟ-), Pl. Mädcher [verbr. westl. Teil der nördl. VPf vereinzelt übrige VPf (in der NPf u. WPf als Dim. zu Mäde, Märe u. a., s. unten)], Pl. Mädercher [Schandein Ged. 242 Müller Luscht un Lewe]; Sg. Madche [ HB-Altstdt RO-Lettw]; Sg. Mädel (mdəl, mdl, -ǟ-), Pl. Mädle [verbr. VPf O-PS Bertram 135 Schandein Bav. IV,2 229], Pl. Mädlich [Umg. Land], Mädele [SP-Mechth Schandein Ged. 242], Dim. Mädelche, Pl. Mädelcher [NW-Lach/Speyd LA-Gommh Land]; Sg. Madel [ GH-Neubg Wind], Mädil [ GH-Westh], Märel (mrəl) [KL-Lind Rodb NW-Elmst Speybn LU-Muttstdt LA-Essing Mörzh BZ-O'ottb Rinnth Wilgws Bertram 135], Pl. rle [ NW-Neidfs]; Dim. Märelche, Dim. Pl. Märelcher [Schandein Ged. 242]; Sg. Marl [ PS-Bruchw], Mälel [südl. VPf (PfL 27. 1. 1923)]; Sg. Malel, Pl. Malele, Dim. Malelche [ LU-Altr], Mäl [PS-Hintwdth NW-Wachh LA-Burrw Frankw Göckling Hainf Roschb Venn BZ-Albw Dierb Eußth Hergw Ingh Stein Bertram 135], Pl. Mälich u. Dim. Pl. Mälcher [ BZ-Dernb]; Sg. Mäle [ LA-Rhodt]; Sg. Mäle, Pl. Mälich [ BZ-Steinf Nd'ottb]; Sg. Mäde, Pl. Mäd u. Mäde, Dim. Mädche [KU-Diedk Kus HB-Einöd Mimb Schwarzack Seyw IB-Habkch ZW-Hornb Ixh RO-Dörrmosch PS-Lu'wink Ruhbk Ruppw Pirmas BZ-Schwarzb Schandein Ged. 242 PfId. 90]; Sg. Mäde, Dim. Mädelche [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)]; Sg. Mäðe (alte Gener.) Märe (junge Gener.) [KU-Kaulb (Christmann Kaulb 48, 82)], Made [ PS-Schönau]; Märe (mrə, mǟrə), Pl. Mäd (md, -ǟ-), Dim. Mädche [verbr. WPf NPf FR-Heuchh Schneckenburger 21 Schandein Bav. IV,2 229]; Sg. Märe, Pl. Märe u. Mäd [ ZW-Battw]; Sg. Mere [ RO-Duchr/O'hs, vereinzelt], Mare [ KU-Herchw Körbn WD-Hoof Ostbr PS-Bundth]; Sg. Mäle, Pl. Mäd [ KU-Bedb Erdb Jul Patb IB-Ensh]; Sg. Mäire [ WD-Niedkch], Maire [ KU-Konk]; vgl. F.; Auslandspfälzer: Mädche, Mädsche, Pl. -er u. Mädel, Pl. Mäd [Lambert Penns 101]; Medel, Pl. Med [Beam Penns 69]; Medelche,

[Bd. 4, Sp. 1098]
Pl. -r [Birmelin Penns Poems 25]; Mädche, Medche, Pl. -er; Mädel [Krämer Gal 145]; Mädche [Don-Tscherwk Gert verbr. Buch], Mädel [verbr. Don, Rußl-Katht Land Spey Sulz Worms]; Mäde, Mede [Don-Schowe Torscha Bulkes Hatzf Liebling verbr. Gal (Krämer Gal 145) Buch-Illisch St. Onufry]; (mēðə) 'erwachsenes, geschlechtsreifes Mädchen', Pl. (mēd), Dim. (mēdχə) 'kleines Mädchen' [ Gal-Dornf Josbg]. Der hier bezeugte Bedeutungsunterschied ist in der Pf weitgehend verblaßt. Zs.: PfWB Blitz-, PfWB Braut-, PfWB Tanz-, PfWB Juden-, PfWB Kirbe-, PfWB Konfirmanden-, PfWB Lade-, PfWB Laus-, PfWB Lehr-, PfWB Nachbars-, PfWB Neben-, PfWB Schul-, Sonntags-, PfWB Staats-, PfWB Stadtmädchen, (-mädel, -mäden); e jung, e klaan (klään) e schään, e hibsch (bildhibsch), e sauwer M. [RO-Dielkch, verbr.]; e leddich, e ausgewachse M. [Beam Penns 69]; e wiischt M. [ IB-Wolfh]; e alert (e wild) 'temperamentvolles' M. [ LU-Opp]; e stolz M. [LU-Oggh, verbr.]; e beduucht 'reiches' M. [ RO-Lettw]; e scheen mocklich 'molliges' M. [Krieger 37]; e Bild vum'e M. [ KU-Schmittw/O]; e M. wie gemolt [ LU-Opp]; e schään M., ironisch von einer bösen Frau [ KB-Gauh]. Des M. hot Backe wie Äppelcher (auch: wie Milch un Blut) [ RO-Dielkch]. Was hot des M. rore Backe! [ KU-Krottb]. Des M. is schick angezooh [Krieger 16], is ganz bläächsichdich (bleich) [ KL-Reichb], is arich blutarm, dass. [ NW-Freinsh], bringt 's Maul nimmi zamme (vor Lachen) [ PS-Burgalb]. Ei, der is e M., der hot noch kä Hosse oon!, von einem kleinen Buben, der noch Röckchen trägt [ KU-Schmittw/O]. Das M. esch en nettes, butziges Ding [ BZ-Dernb]. Vorderpfälzisch: Dess isch (d'esch) d'r emol e bitterbeis Mädel, dess hot mich unn mei Peter was ar'ch gescholte! Westrich: Das is (ess) d'r mol e birrerbes Märe (Märelche), das hot mich (meich) un unser Perer ebbes arig verscholl! [Schandein Bav. IV,2 229]. 's is schrecklich, norre dran zu denke, / Wie do die Mädcher un Madame / Han brotzle misse in de Flamme [Münch Weltgesch. 104]. Lob an ein tüchtiges M.: So e M. kennde mer aa brauche! [NW-Wachh, verbr.]. Die Borsch fehre die Mäd zum Danz (fehre se hääm) [ KU-Schmittw/O]. Der Borsch geht bei die Mäd [ RO-Dielkch], met eme M. [ ZW-Bechhf], geht dem M. zu Gefalle [ KU-Diedk]. Er dut die Mädle dricke (knotsche, kisse, bussiere) [NW-Frankeck, verbr.], de Mäd de Kopp vedrehe [KU-W'mohr, verbr.]. Er hätt gere e M., wo dausend Woche alt is [ KU-Schmittw/O, PS-Erfw]. For des M. geb ich mein Middagesse oun e gut Nachtesse drum [ LA-Wollmh]. Er kommt nit vun dem M. (los) [ KU-Diedk]. Das M. will ne net (zum Mann) [ PS-Schmalbg]. Werbung: Guck, des wär so e M. for dich! [ NW-Freinsh]. Ich wißt e M. for dich; auch: Ich kinnt der e M. verrore (verraten) [ LA-Nd'hochstdt].

[Bd. 4, Sp. 1099]
RA.: Der ißt wie e M. (wenig) [ KL-Wörsb]. Er wääß nit, esch er e Bu oder e M. 'Er ist verwirrt, verlegen' [verbr.], auch von einem Betrunkenen [ NW-Haardt]. Das M. geht uf de Strich 'ist mannstoll' [ BZ-Dernb]. 's hot'n e M. gebesse (gekißt) 'Er hat aufgesprungene Lippen (Ausschlag an den Lippen)' [ GH-Zeisk]. Der had'n an dem raulich (schlechten) M. vebrennt 'Er ist geschlechtskrank' [ KL-Reichb]. Wenn man sich mit etwas weniger Zufriedenstellendem schließlich doch abfindet, sagt man: Als das!, saat das M., wie's mir'm (buckelige) Schneirer gedanzt hat (weil es keinen anderen Tänzer gefunden hat) [KU-Bechb, Hebel 50]. SprW.: Langes Fädche, faules M. [verbr., auch Don Gal Buch Rußl]. E Bub wie e Laus packt e M. wie e Haus [LU-Oggh, verbr., auch Don Gal Buch]. E M. wie e Maus packt e Bu wie e Haus mit'm Maul [ebd.]. E M. wie e Faust packt e Bu wie e Haus [ BZ-Dernb]. Eher halt mer e Hand voll Fleh als wie e M., wann's Flääsch un Hoor kriet (wann's siebzeh Johr alt is) [ LU-Limbghf]. Var.: Mer kann leichter e Sack (e Korb, e Stubb) voll Fleh hiete wie e veliebtes M. [Krieger 26, RO-Dielkch BZ-Dierb]. 's is schwerer e M. zu hiede wie e Sack voll Fleh [verbr. Don Gal Buch]. Mäd sin net for in de Glasschrank se stelle [ Gal-Dornf]. 'n anner Städtche, 'n anner Mädche [Horne Penns 103]. Geheirat is kä Perd vekauft, M., mach die Aue auf! [ KU-Rammb]. E Rieb noch de Weihnachde, e Appel noch de Ouschdere un e M. noch de Dreißich sin nimmi begehrt [ LA-Herxh]. Mädcher, wu peife un Hinkel, wu krähe, denne soll mer beizeide de Hals erumdrehe [verbr., auch Penns Don Gal Buch]; Var. s. PfWB Pfarrer 1, PfWB hinausjagen. Volksgl.: Wann en M. peift, muß sie schur (engl. sure 'sicher') en Hurekind ufziege [Fogel Beliefs Penns Nr. 321]. Die Med in're Familie kriege ken Menner, wammer Pohahnefedre ('Pfauenfedern') im Haus hot [ebd. Nr. 180]. Den Mädchen soll man bei abnehmendem Monde die Haare stutzen [ NW-Frankeck]. Brauchtum: E M. kann heirade, wann's Brot backe kann [verbr. Don Gal Buch], wann's Brot backe un e Mannshemd mache kann [ Gal-Slawitz], wann's Pannkuche rumschnicke kann [mancherorts Gal Buch Don-Alexhs], wann's de Zopp dreimol um die Nos wickle kann [ Don-Gottlob], wann's de Mamlicke 'Maisbrei' koche kann [ Buch-Illisch]. Am Sonntag vor der Kerwe werden im Wirtshaus die Märe verstäägt (versteigert) [ PS-Erfw]; s. Mädchenversteigerung. Die Mädchen treffen sich Sonntags abends mit ihren Burschen in der Gastwirtschaft, wo sie sich unterhalten und singen [ LU-Limbghf]. Scherzfrage: Was ist unnötige Arbeit? Scholle kloppe un de Mädcher die Ditz roppe [ NW-Kallstdt]; Var.: Scholle kloppe un Märe wecke is unneerig (denn die Schollen

[Bd. 4, Sp. 1100]
zerfallen, wenn es regnet und die Mädchen stehen auf, wenn sie ausgeschlafen haben) [ BZ-Dierb, Albw]. Ein Rätsel s. PfWB Krug 1. VR.: Rege, Rege, Troppe, / Die Buwe muß mer kloppe; / Die Mädcher muß mer traa, / Die Buwe muß mer schlaa [ Gal-Neudorf]; Var. s. PfWB Bube 1, PfWB Federbett, PfWB Kaffeebohne 1, PfWB Kopf I 1, PfWB Schloße, PfWB Weide. Was batt mich mein Grase, / Wenn d' Sichel net schneidt; / Was batt mich mein M., / Wenn's bei mir nit bleibt [ SP-Harths]. Danz, M., danz, / So lang die Schuh sin ganz; / Brauchscht dich net se reie, / De Schuster macht der neie [ Gal-Brunndorf]. Daß ich e luschtig Mädel bin, / Des sieht ma an unserm Haus, / Die vorderscht Wand, die wackelt schun, / Die hinnerscht fallt ball raus [BZ-Wernbg (Feierowend 2/1950 1)]. Un 's Märe werft un wippt die Be', / Sei' Röckelche dut bamble, / Dann freilich is die Ehr net kle', / Die erschte Drei ze strample! [Schandein Bav. IV,2 385]. M., dreh die Locke, sunscht bleibscht hocke! [Pirmas]. Var.: M., brenn der Locke, bleibschte aach net hocke! [Krieger 24]. M., wu bisch du geschder gewäßt? / Drauß im grüne Gärdel. / Sach mer, wer isch dann bei der gewäßt? / Der mit dem schwarze Bärdel [GH-Berg (Stehle 35)]. Wann die Mäd geheirat hun, geschieht e Wunner: / Vorne werr'n die Reck zu korz un hinne hängen se runner [ Gal-Brotschk]. Weitere VR. s. PfWB ätsch, PfWB Pelznickel 1, PfWB Pfarrer 1, PfWB Brunnen 2, PfWB Bube 1, PfWB pumpen 1 a, PfWB Butelle, PfWB Dotter 1, PfWB drüben, PfWB Grumbach, PfWB Hafersack 1 a, PfWB iks, PfWB Johann-Peter 1, PfWB kaputtärgern, PfWB Katzenschwanz 2 b, PfWB Laden 1 a, PfWB lieben, PfWB Nebelkappe, PfWB Rose, PfWB Saft, PfWB Schublade. Kinderspiel: Willst du wissen, wie's die kleinen Mädchen machen? Beschreibung s. PfWB wissen. a. 1751: Die Buben sollen auf den Esel und die Mägdger in die Trille (zur Strafe) [Zweibr. I 61 (HB-Altstdt)]. a. 1787: Wan einer den Andern Bey einem Mädgen sieht, so soll er seinen weg gehen und keinen Lermen machen [A. Becker Eine Pfälzer Burschenschaft, in: PfW 1906 129]. —
b. Im bes.
α. 'Tochter', meist in Verb. mit dem Possessivpronomen, familiär; mei(n) M., unser M. [verbr., vorn. WPf]; vgl. PfWB Tochter 1; Zs.: PfWB Brudersmädchen. Die hän e klää M. kriecht 'Ihnen ist eine Tochter geboren worden' [LA-Gommh, verbr.]. Die hot lauder Mäd [ RO-Dielkch]; auch: Do sin die Märe gerore (geraten), wenn es in einer Familie nur Töchter gibt [ PS-Erfw]. RA.: Gib dem Bub das M. un die alt Kescht! (Kleiderkiste, die zur Aussteuer gehörte) 'Gib die Zustimmung zur Verlobung!' [ IB-Bliesmg/Bolch]. Er zieht anner Leit ehr M. groß, scherzh. von einem jungen Ehemann [ FR-Grünstdt]. SprW.: Dem reiche Mann sei M. un dem arme Mann sei Korn werren iwwer Nacht zeidich [JKurpf. 1927 16]. Volksgl.: Wann in're

[Bd. 4, Sp. 1101]
Familie lauder Buwe sin un noch ken Med, dann heescht (s. PfWB heißen 1 b α) der letscht Bu Adam, noo gebt's Med [Fogel Beliefs Penns Nr. 2024]. a. 1358: der ehrbaren Frau Katherinen, herrn Cunrades mede [HornbReg. n. 270]. —
β. 'Freundin, Geliebte'; mein M. [Land, verbr., auch Don Gal Buch Beam Penns 69]; vgl. PfWB Mensch. Er geht zu seim M. [ LA-Gommh]. Du bisch mei M.! [Kaislt, mancherorts]. Neujahrswünsche: Ich winsch der e glicklich neies Johr un e M. mit roude Hoor [ GH-Schwegh]. Prost Neujohr! Ich winsch eich e Märe mit schwarze Hoor. Wann's rore hot, kann ich nix devor [KU-Krottb (Vogelsgesang 5)]. —
γ. 'Verlobte, Braut', 's M., mei M. [Ingb HB-Brenschb Walsh KL-Landstl FR-Bobh Schneckhs NW-Forst Gönnh Haardt LU-Altr]. —
δ. 'ältere unverheiratete Frau', e M. [ ZW-L'wied], e alt M. [KU-Bedb ZW-Battw RO-Dielkch KB-Kriegsf LU-Limbghf Oggh LA-Ilbh Gommh PfId. 90], e groß M. [ NW-Kallstdt]; vgl. PfWB Jungfer 1 b, PfWB Magd 3 b. Die Anna isch jetz ää schun e aldis M. [ PS-Erfw]. —
c. 'Dienstmagd', 's Mädel [ LU-Oggh, vereinzelt], dafür verbr. Magd 1 a; in berufsbezeichnenden Zs. häufiges Grundwort: Austrag-, Bedien-, Dienst-, Fabrik(s)-, Hacker-, Hanf-, Haus-, Kehr-, Keller-, Kellner-, Kinder-, Kinds-, Kultur-, Laden-, Lauf-, Lehr-, Milch-, Monats-, Näh-, Nähters-, Reitschul-, Schenk-, Servier-, Singer-, Wald-, Wirts-, Zeitungs-, Zimmermädchen, (-mädel, -mäden); Bauernmädchen 1. —
2. übertr.
a. 'Klitoris', Mädel [ BZ-Dernb]. —
b.
α. die Spielkarte Dame, Medche [Beam Penns 69]. —
β. die Spielkarten Kreuz- u. Schippendame im Kartenspiel Solo, die Märe [ ZW-Battw]. —
γ. das Kartenspiel Kreuzsolo; mit de Mäd [ KU-Diedk]. —
3. 'Wiesenschaumkraut (Cardamine prat.)' in der Zs.: PfWB Bauernmädchen 2. — F.: Die west- u. nordpfälzischen Mäde, Märe, Mäle setzen *meidin (ahd. magatīn) voraus (zur Lautentwicklung d > r, bzw. l s. PfWB Jüdin, K. 215), Mädche, Mädel sind Dim. zu PfWB Magd (Etym. s. d.). Die hist. bezeugte F. megdgen (mit vorhandenem -g-) ist kanzleispr. Der Diminutivgehalt des -l in Mädel, Märel ist verblaßt, weitere Diminuierung mit dem aus dem NW in den vorderpfälzischen Raum vordringenden -che in Mädelche, Märelche. Südhess. IV 474 ff.; RhWB Rhein. V 697 ff.; LothWB Lothr. 349; ElsWB Els. I 650/51, ALA I, K. 13; Eichhoff WA I, K. 2.

 

   Rübe f.:
1.
a. 'Futterrübe' (als Kurzform verschiedener Futterrübensorten in den nachstehenden Zs. bzw. Gattungsbez. neben and. F., s. K. 88), Rib (rīb), Pl. Riwe (rīwə) [verbr. VPf O-PS mancherorts WPf NPf, Mang 140, Lambert Penns 125 Krämer Gal 177, auch Don Buch Rußl], Riw, Pl. Riwe [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)], Ruwe [im Reim, s. SprW. u. VR.]; vgl. PfWB Rubel; Zs.: PfWB Bastard-, PfWB Bau-, PfWB Dick- 1, PfWB Franken-, PfWB Vieh-, PfWB Futter-, Futtergelb-, Hafer-, PfWB Kuh-, PfWB Rot- 2, PfWB Runkel-, PfWB Sauer-, PfWB Saurübe; Syn. s. PfWB Dickrübe 1, K. 88. Riwe setze (hacke, zesammeschmeiße) [ ZW-Battw, LU-Opp], Riwe abkrotze 'die Blätter entfernen' (vgl. PfWB abgrotzen 1, PfWB grutzen 2 a) [ LA-Nußd]; in die Riwe fahre [ LU-Opp]; Riwe un Ähne (s. PfWB Agen 1), ein Mischfutter für das Rind [ GH-Nd'lustdt]. Gruß beim Vorbeigehen auf dem Feld: Dun'er Riwe hacke? auch mehr scherzh.: Gun Dach, Kathel! Määnscht 's gitt Riwe? [ BZ-Dernb]. RA.: Do is e Dorchenanner wie Kraut un Riwe 'eine große Unordnung' [ RO-Dielkch, mancherorts]. Der macht Kraut un Riwe dorchenanner [ LA-Gommh]. 's is Kraut un Riwe, von einer gemischten Gesellschaft [Wilde 143]. Er esch hin wie e R. 'übermüdet' [LA-Mörzh, mancherorts, Hebel 17], auch von einem, der alle Klicker verloren hat [ KL-Mackb], 'Er ist tot' [Wilde 143], is ferdich wie e R. 'übermüdet' [LU-Dannstdt Otterstetter 244 Thielen So rerre mer 103], ab wie e R., dass. [Zweibr PS-Saalstdt], um wie e R. 'hat keinen Lebensmut' [ NW-Weish/S]. Er geht ein wie e R. 'stirbt, verendet' [ LA-Nd'hochstdt]. Er schält em die Riwe 'sagt ihm gehörig die Meinung' [ ZW-Krähbg, mancherorts], 'verhaut ihn' [ KL-Wörsb]. Die hot se wie e Kuh Riwe 'Sie hat viele Liebhaber' [Land]. Er hot em Herr Parre die Riwe gestohl 'hat Ausschlag an den Lippen' [Rockhs]; vgl. PfWB Griebe. Uf dem sei Fiß kennt mer Riwe säe (so schmutzig sind sie) [Krämer Gal 177]. Aufforderung an kleine Kinder, jemanden auszulachen: Schab e Ribche (Riwel)!, worauf das Kind mit den beiden Zeigefingern die schabende Bewegung nachahmt [ LU-Opp]. Spottvers, mit der gleichen Fingerbewegung als Ausdruck der Schadenfreude: Schawe, schawe Riwel, du bees Biwel! [LU-Friesh, in Var. verbr., Wilde 67]. Schawe, schawe, Riwel, äks, äks ausgelacht! [ BZ-Dernb]. Weitere Var. s. PfWB äks, PfWB ätsch, PfWB iks, PfWB schaben. SprW.: Wie de Vadder, so die Buwe, Wie de Acker so die Ruwe [Wilde 144]. Ein weiteres SprW. s. PfWB Mädchen 1 a. WR.: Wann de Hund an de Riwe nagt, gibt's Rege [ LU-Alsh/Gr]. BR.:

[Bd. 5, Sp. 620]
Margret (13. 7.), hosch Riwe g'seet? Hosch noch kää g'seet, dann esch's zu speet [Bergz (Kamm 123), BZ-Pleisw/O'hf]. Sin die Riwe so groß wie e Batze, kammer se schun kratze (hacken) [VPf (Wilde Notizen)]. Die Riwe werren erscht zeirig unner em Schnee [ BZ-Dernb]. Die R. isch e Dieb 'Rüben zehren den Boden aus' [ ZW-Battw]. E R. läßt nix im Bolem wie e Loch, dass. [ KU-Bedb]. Volksgl.: »Sterben muß eins aus der Freundschaft, wenn auf einem Acker eine Rübe mit weißen Blättern steht« [südl. VPf (Der Wasgau-Bote 3/1934), KB-Mauchh]. VR.: Die Riwe, die Riwe, die hawwen mich vertriewe. Hätt mein Mudder Flääsch gekocht, wär ich noch gebliewe [LA-Gommh, verbr. (mit Var.)]. 's is mer niemand liewer wie mein Franz, er freßt mer all die Riwe, die ich planz. Geplanzte Riwe freßt er gern, un sein Lenche kißt er gern. 's is mer niemand liewer wie mein Franz [Feierowend 8/ 1950 5]. Eins, zwei, drei, vier, finf, sechs, sieben, / meine Mutter kocht die Riben, / meine Mutter kocht die Weck, / eins, zwei, drei, / du mußt weg [Hombg]. Weitere VR. s. PfWB bleiben 1, PfWB Bube 2, PfWB Teufel 3, PfWB drüben, PfWB Hexe 2 a, PfWB jagen 1 a, PfWB Kellerloch 1, PfWB Rübendieb, -schnitze(l), Wilde 144 f. a. 1521: Item 11 β 11 Pf. vor rüben retich knobloch senff mell birn vnd morreln [GgHospR]. a. 1581: Item dieweill man ruben vnd kappes in dem Bruchfluher arbeitt, soll man darfor hütten, wie for ander frucht, ohnahngesehen, das man es nit erzeinen kahn (in Körbe füllen kann) [PfWeist. 45 (KU-A'glan)]. —
b.
α. 'Weißrübe', eine Gemüsepflanze, Pl. weiße Riwe, kurz: Rib, Riwe [ KU-Kaulb ZW-Battw]; Zs.: PfWB Butter-, PfWB Dohl-, PfWB Toll-, PfWB Gicht-, PfWB Stoppel-, PfWB Weiß-, PfWB Zaunrübe; Gerichte: Riwe un Grumbeere (vermischt und gekocht) [ KU-Bedb]; Schweineflääsch un Riwe [ BZ-Albw]; suure Riwe [IB-Ensh (Glass II 63)]; saure Riwe (wie Sauerkraut geschnitten und gekocht) mit Gequellde un Blutworscht [Rockhs]. Die weiße Riwe werren grin gekocht orrer wie Sauerkraut ingehowwelt [ ZW-Battw]. Die R. is belzich 'ungenießbar' [ KU-Schmittw/O]. Die R. isch e Dieb (s. Bed. 1a) gilt besonders für diese Sorte [ ZW-Battw]. BR.: Wann's Kreschkinnel werd gebore, hot die R. de G'schmack verlore [LA-Nd'hochstdt, Wilde 214 Var.: KU-Ulm]. —
β. 'rote Beete', Pl. rode Riwe [mancherorts, auch Auslandspfälzer]; Zs.: PfWB Rot- 1, PfWB Salatrübe; Voksmed.: Un hot mer mol zu wennich Blut, Fer sell sin rode Riewe gut [Birmelin Penns Gezw. 66]. —
γ. = PfWB Zuckerrübe; deklarierte Riwe [Wilde 217]. —
δ. 'Karotte', Pl. geele Riwe [Vogelsgesang 23], kurz: Rib, Riwe [ KU-Albb Dunzw RO-Potzb LA-Bornh]; Zs.: PfWB Pferds-, PfWB Gelb- 1 a, PfWB Mohrrübe.
ε. s. PfWB Gelbrübe 1b,c. —
2.
a. α. 'Schwanzbüschel der Kuh', Rib [ KU-Lohnw LA-Gleisw]; Zs.: PfWB Schwanzrübe. —
β. 'Geschlechts-

[Bd. 5, Sp. 621]
teil des Ochsen' [ FR-O'sülz LU-Ruchh NW-Wachh LA-Edk BZ-Hergw]. Vgl. PfWB Gelbrübe 2 b. —
b.
α. = PfWB Kopf I1, scherzh. [verbr., Otterstetter 234 Wüst 79 Thielen 91]; Zs.: PfWB Dickrübe 2. Ich hau der an dei R.! [Pirmas (Kieffer 62)]. RA.: die R. runnermache 'hinrichten' [verbr.]. —
β. = PfWB Nase I1, scherzh. [KU-Eisb IB-Ensh ZW-Stamb]; Zs.: PfWB Gelbrübe 2 a. Er greift sich an sei R. [Kraus Metzelsupp 36]. —
γ. Neckname der Bewohner von KB-Biedh, Pl. Riewe [ KB-Bubh Otth FR-Kindh Quirnh]; vgl. PfWB Gelbrübe 2 d. — Südhess. IV 1489 ff.; RhWB Rhein. VII 548 ff.; LothWB Lothr. 416; ElsWB Els. II 220/21.

 

  -schnitze(l) Pl.: 'zerkleinerte Rüben', -schnitzel [NW-Kallstdt, mancherorts VPf], -schnitz, s. VR. Mer fiddere em Vieh R. [ BZ-Dernb]. VR.: 's is mer kenner liewer / als wie mein liewer Fritz. / Er freßt mer all mein Riwe / un freßt mer all mein Schnitz. / Riweschnitz, die eßt er gere, / scheene Mädcher kißt er gere. / 's is mer kenner liewer / als wie mein liewer Fritz [ ZW-Gr'bundb]; Var. s. PfWB Rübe 1 a. Südhess. IV 1495; RhWB Rhein. VII 555. —